Hiroshima - Nagasaki - Tschernobyl - Worte allein reichen nicht
von Isolde Schönstein - Ein Aufruf für Friedensstiftende Maßnahmen zur FriedensprophylaxeWo liegen die Gefahren der kriegerischen Auseinandersetzung heute?
Schenkt man den Aussagen des World Watch Berichtes glauben, so müssen wir erkennen, daß die zu Ende gehenden Ressourcen, wie Wasser oder Energie einen noch nie dagewesenen Kampf um die Lebensgrundlagen auslösen werden. In einigen Regionen dieser Erde hat dieser Kampf bereits begonnen.
(In weiser Voraussicht um die Wasserknappkeit hat die Gemeinde Wien bereits Maßnahmen für die Brauchwassernutzung ergriffen).
Versicherungen - und diese haben immer die Nase weit vorne - ziehen sich aus der Sturmschadenversicherung zurück.Es vergeht kaum eine Woche, in der der Papst nicht zu Maßnahmen des Umweltschutzes, der Schöpfungsverantwortung aufruft - von "himmelschreienden Sünden" ist hier die Rede.
Sowohl die Erklärung der Welt- Umweltkonferenz von Rio 1992, mit ihren konkreten Auflagen für die Unterzeichnerstaaten, wie auch die Handlungsempfehlungen von der EÖV II in Graz, decken den notwendigen Aktionsrahmen ab.
Die Präambel der Rio-Erklärung, wie die des Konziliaren Prozesses bringen den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Frieden unter Bedachtnahme auf die notwendigen Umweltmaßnahmen nur zu deutlich zum Ausdruck.Von versäumten Gelegenheiten ist heute die Rede und ich möchte auf einige besonders hinweisen:
Werden in unseren Reihen Wasserschutz und Energieeinsparung wahrgenommen ?
Ist der Ethische Einkauf nach ökosozialen Kriterien wirklich ein Thema unseres "Haushaltes"?
Werden Aufrufe zur Unterstützung der Appelle bezüglich der Errichtung weiterer Atomkraftwerke aufgenommen und weitergeleitet?Anläßlich meines Aufenthaltes in Minsk (Weißrussland ist zu 20 % vom Reaktorunglück in Tschernobyl verstrahlt) wurde ich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, wir hätten nicht entsprechend reagiert. "Worte allein genügen nicht" - hier ist es notwendig gesellschaftspolitische Maßnahmen zu ergreifen, engagiert aufzutreten, eventuell eine Unterschrift unter einen Appell zu setzen, einen Ersatz zu schaffen, der die atomare Energiegewinnung unnötig macht.
In den Tagen meines Aufenthaltes hat eine Vorarlberger Inititativgruppe auf dem Sacharov- Institut in Minsk eine Photovoltaikanlage errichtet - ein Zeichen der Hoffnung für die Menschen von Belarus.Was gibt uns sonst noch Anlasszur Hoffnung ?
Umwelt, Friedens- und Menschenrechtsorganisationen, einzelne Engagierte aus Gesellschaft, Kirche und Politik, kirchliche Gruppierungen, die das Prinzip der Nachhaltigkeit verstanden und in ihr Leben integriert haben, wie die Bio- Bauern, die unter Entbehrungen oft einen Dienst an Volksgesundheit, Landschaft und Kultur leisten ...."Nachhaltigkeit" garantiert die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Generation, ohne die Chancen nachfolgender Generationen zu schmälern
(Brundtlandreport: WCED 1987)
Der gläubige Vollzug: "Ergreife das Leben".
Möge eine Synergie zwischen dieser Definition und dem Thema des heurigen Schöpfungstages geschaffen werden.Der heurige Schöpfungstag am 1. September steht unter diesem Motto: "Ergreife das Leben" und bezieht sich auf: "Leben und Tod lege ich dir vor; Segen und Fluch; Ergreife das Leben, damit du lebst - du und deine Nachkommen."
Das Symbol des "Senfkorns" soll auf die Wirkung des Kleinen als Basis für umfassende Änderungen und "nachhaltigen Wachstum" verweisen.
Der Schöpfungstag ist auch Friedenstag; er ist als "Aktionstag" zur Einübung in ein ökosoziales Verhalten im Alltag gedacht - ein Tag der Besinnung auf die Verantwortung Gott gegenüber, das anvertraute "Lehen" in seinem Sinne zu verwalten und zu betreuen, als Verantwortung gegenüber heute lebenden und künftigen Generationen.
Aufbrüche brauchen Pioniere und diese brauchen die Gemeinschaft mit anderen Engagierten.
Bestanden laut Wiener Umwelt- Beauftragten vor einigen Jahren noch "Berührungsängste" der Kirche zur Atomkraft, ist an den heurigen Erklärungen der Bischöfe eine Trendwende zu erkennen.Die US - amerikanischen Bischöfe haben in einer Erklärung zur atomaren Abschreckung dem Heiligen Stuhl zugestimmt, der sich wie folgt äußert:
"Wenn es möglich ist, biologische Waffen, chemische Waffen und jetzt auch Landminen abzuschaffen, so muß dies auch mit Kernwaffen möglich sein. Keine andere Waffe bedroht den Frieden, den wir für das 21. Jahrhundert herbeisehnen, so sehr wie die Kernwaffe. Wir sollten uns durch die Größe dieser Aufgabe nicht davon abhalten lassen, alle Anstrengungen zu unternehmen, die für die Befreiung der Menschheit von dieser Geißel erforderlich sind."
Die US - amerikanischen Bischöfe verweisen weiters auf die in der Abschreckungspolitik enthaltenen Absichten, falls diese nicht wirkt, auf Waffen zurückzugreifen.
Diese Gefahr kann real werden, sobald ein einziger sogenannter "Schurkenstaat" die Abschreckung als "Bluff" bezeichnet.
Der Vatikan ließ über den ständigen Vertreter des Papstes Johannes Paul II bei den Vereinten Nationen weiters verlauten:
"Dieser Ausschuß der Vereinten Nationen muß seine Bemühungen intensivieren, zu Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention aufzurufen.
Die Kernwaffenstaaten, die sich solchen Verhandlungen verweigern, müssen verurteilt werden, da sie mit ihrem Festhalten an überholten Argumenten für die nukleare Rüstung die leidenschaftlichen Anstrengungen der Menschheit, sowie die Meinung der höchsten juristischen Autorität in der Welt, ignorieren. Die Menschheit steht vor den schwerwiegendsten Konsequenzen, wenn die Welt von einem durch Kernwaffen repräsentierten Militarismus beherrscht wird, anstatt dem Völkerrecht Geltung zu verschaffen, für das der Internationale Gerichtshof einsteht. Kernwaffen passen nicht zu dem Frieden, den wir für das 21. Jahrhundert suchen. Es gibt keine Rechtfertigung für sie. Sie sind zu verdammen. Der Nichtverbreitungsvertrag ist nur zu retten, wenn sich alle Beteiligten einmütig zur vollständigen Abschaffung der Kernwaffen verpflichten."Ein deutliches Wort, ein Auftrag für uns alle !