Ausgangslage
Motivation
Als Christen...
Es gibt keine Ethik jenseits der Weltbilder
Die Stärke und Schwäche der Naturwissenschaften
Christlicher Standpunkt
Ethische Leitlinien
Prüfkriterien zur Gentechnik
Zusammenfassung:
Weder die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen, noch die Produktion von Nahrungsmitteln, noch die Patentierung von Lebewesen halten zum gegenwärtigen Zeitpunkt einer Überprüfung anhand dieser Kriterien stand. Solange sich daran nichts ändert und die Gentechnik weiterhin vorwiegend eine Resistenz- und Legitimationstechnologie bleibt, sehen wir im Gentechnikvolksbegehren ein Instrumentarium, das geeignet erscheint, zu einer fundierten Entscheidungsfindung beizutragen.
Erst eine breitere und tiefere Auseinandersetzung über Sinnhaftigkeit und Grenzen, über Notwendigkeit und Alternativen, über Risiken und Folgewirkungen der Gentechnik kann einer verantwortlichen und überhaupt verantwortbaren Anwendung Rechnung tragen.
Ausgangslage
In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten der Gentechnologie rasant weiterentwickelt. Die Öffentlichkeit ist hellhöriger und kritischer geworden. Was (zu) lange hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, tritt jetzt endlich ins öffentliche Bewußtsein.Was jeden betrifft, ist auch von jedem mitzuentscheiden.
Die ARGE Schöpfungsverantwortung sieht als Mitinitiator des Gentechnikvolksbegehrens darin einen Dienst in und an der Bevölkerung, die die Verantwortung hat, über derart weitreichende Maßnahmen zu entscheiden.
Als Christen sehen wir es als unsere Aufgabe, Wertmaßstäbe in Erinnerung zu rufen, ohne die ein verantwortlicher Umgang mit Mensch und Umwelt nicht möglich ist. Daß sich die Kirche als Gemeinschaft bei Diskussionen um Menschheitsfragen unserer Zeit, wo Weichenstellungen für die Zukunft getroffen werden, weitgehend abgemeldet hat, sehen wir als ernste Entwicklung und setzen dem ein kräftiges Zeichen des Engagements entgegen.
Wir tun es entsprechend unserem religiösen Auftrag und folgen dabei dem Aufruf, wie er immer wieder auch von den Kirchen an die Menschen heran getragen wurde. "Die Verantwortung für Schöpfung, Natur und Umwelt gehört zu den ganz persönlichen Pflichten des Einzelmenschen und seiner unmittelbaren Lebensgemeinschaft." (Österr. Sozialhirtenbrief 1990, Nr.53)Die gegenwärtige Debatte zeigt, daß die Entscheidung für oder gegen die Anwendung bestimmter gentechnologischer Methoden nicht von Biologen oder einzelnen Firmen allein getroffen werden kann.
Wofür alle bezahlen und was von allen zu verantworten ist, muß auch von allen verantwortlich mitentschieden werden. Wir wissen, daß sich "ohne eine breite Zustimmung von seiten der Bevölkerung die dringend erforderlichen Maßnahmen weder auf innerstaatlicher, noch auf weltweiter Ebenen durchführen lassen. Wir wollen mit aller Entschiedenheit an diesem Bewußtseinswandel mitarbeiten." (Ebd. Nr. 57)nach oben
Motivation
Als Christen folgen wir der Vorstellung der Bibel, daß dem Menschen von Gott her eine besondere Verantwortung übertragen ist. Im Gleichmaß von Bebauen und Behüten ist er aufgerufen, die Spannung zwischen Geschöpf- Sein einerseits und Herausgehoben- Sein inmitten der Schöpfung andererseits verantwortungsvoll zu leben. Jede einseitige Auflösung dieser Spannung (romantisches Aufgehen in der Schöpfung und damit Verweigerung der besonderen Verantwortung oder rücksichtsloses Ausbeuten, indem die Natur nur als Mittel und nie als Zweck an sich selbst gesehen wird) widerspricht dem Wesen des Menschen.
Wer am Sonntag bekennt, daß Gott der Schöpfer der Welt ist, kann unter der Woche nicht ein System tolerieren, das die Natur nur unter dem Aspekt des Nutzens sieht und ihre Ausbeutung vorantreibt. Die Welt als Wohnort für den Menschen ist als gesunde Welt das Grundkapital, das kein Land und keine Generation verwirtschaften darf. "Dem Herrn gehört die Erde und alles, was sie erfüllt" (Ps 24,1) ermahnt uns die je größere Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren.
Das Beispiel Jesu und vieler, die ihm gefolgt sind, verbietet es uns, einen künstlichen Gegensatz zwischen beruflicher und gesellschaftlicher Tätigkeit auf der einen Seite und dem religiösen Leben auf der anderen zu machen. "Ein Christ, der seine irdischen Pflichten vernachlässigt, versäumt damit seine Pflichten gegenüber dem Nächsten, ja gegen Gott selbst und bringt sein ewiges Heil in Gefahr." (Gaudium et spes 43)nach oben
Als Christen ...
Christen stehen rasch unter Ideologieverdacht. Es wird ihnen unterstellt, beeinflußt von Bibel und Kirche(n), die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften zu ignorieren und so einer sachgerechten Beurteilung nicht fähig zu sein. Dies zeugt allerdings von einem gründlichen Mißverständnis des christlichen Glaubens. Was gläubige Menschen von anderen unterscheidet, sind nicht die einzelwissenschaftlichen Ergebnisse, sondern der Umgang damit.
Christliche Ethik bedeutet nicht den Verzicht auf Argumente zugunsten kirchlicher Empfehlungen. Den Unterschied zu anderen Positionen sehen wir darin, daß wir unsere Grundüberzeugung offenlegen und bereit sind, darüber zu diskutieren. Wissen um die Sachlage, so wie Einsicht in die wesentliche Zusammenhänge menschlichen Lebens sind dafür ebenso Voraussetzung wie die Klarheit über die eigenen inneren Wertmaßstäbe.
In der Gentechnikdebatte herrscht immer noch die Meinung, man müsse zunächst wertfrei auf die Probleme zugehen. Eine vernünftige Lösung sei nur zu finden, wenn alle Beteiligten auf ihre Überzeugungen verzichten würden und so voraussetzungslos den Fakten in die Augen sehen.
Sehr rasch zeigt sich, daß es diese Voraussetzungslosigkeit nicht gibt, und jeder der Beteiligten seine Wertvorstellungen immer schon mit hinein trägt. So sollte es auch sein, denn die Thematik, die hier verhandelt wird, ist eine Auseinandersetzung über Wert- Setzungen. Immer dort, wo Neues eingesetzt wird, steckt ein Wert dahinter. Er ist das "Warum" etwas getan wird (Nahrung, Profit, Gesundheit, Prestige). Doch hinter so mancher Wertfreiheit steckt die Ungeklärtheit des eigenen Standpunktes.Es gibt keine Ethik jenseits der Weltbilder
Jeder Ethik liegt ein Entwurf des Wesens des Menschen und seiner ihm umgebenden Welt zugrunde. Wie es keine wertfreie Naturwissenschaft gibt und geben kann, so gibt es auch keine wertfreie Ethik. Die Aufgabe der Ethik besteht ja gerade darin, Wertsetzungen vorzunehmen und allgemein einsichtig zu machen. Jede Wertsetzung lebt aber von einem ihr zugrunde liegenden Welt- und Menschenbild. Dies bildet gewissermaßen die Quelle, den Fundus für ethische Normen.
Die Auseinandersetzungen rund um die neuen Gentechnologien zeigen, daß der Widerstreit der Meinungen ein Widerstreit der Weltbilder ist, auch wenn die Argumente auf fachlicher Ebene geführt werden. Es geht hier eben um die wichtigen und tiefen Fragen der Menschheit: Was ist Leben? Und wo führt es hin? Gibt es eine Entwicklung und wenn ja, was ist ihr Ziel? Wo endet meine Freiheit und beginnt die Freiheit des anderen?
Letztlich hängt die Beantwortung der Frage, ob Gentechnik und wenn, dann wie, von der Beantwortung der eben gestellten Fragen ab und jede Antwort läßt rückschließen auf die ihr zugrundeliegende Geisteshaltung.
Die Entscheidung eines Gentechnikers, Nutzvieh, welches aufgrund nicht artgerechter Tierhaltung (enger Raum, Beton) Grippe anfälliger ist, resistenter zu machen, ist eine solche Wertsetzung. Es ist der Versuch, das Leben von Tieren an nicht lebenswerte Umstände anzupassen. Von anderer Seite wird dies nicht für Wert befunden, weil man eine Lösung des Problems eher in der Bekämpfung der Ursachen sieht und nicht in der Bekämpfung der Wirkungen. Letztlich läßt sich ohne vorangegangenes Werturteil nicht begründen, warum sich ein Tier in einem Käfig trotz gesteigerter Resistenz wohler fühlen soll als in freier Haltung.
Wir fordern alle Beteiligten auf, in einen offenen Dialog über ihre Ziele, ihre Werte und ihre Weltanschauung einzutreten.nach oben
Die Stärke und Schwäche der Naturwissenschaften
Der Erfolg der Spezialwissenschaft liegt in der Reduktion. Ihr vorherrschendes Interesse liegt am technisch nutzbaren Verfügungswissen, nicht so sehr am Orientierungswissen. Natur wird auf das reduziert, was meß- und quantifizierbar ist. Andere, nicht interessante Aspekte werden ausgeblendet oder als unwesentlich vernachlässigt. Die durch die verengte Perspektive gewonnene Schärfe des Blicks führt zu beispiellosen Erfolgen, von denen wir viele gerne in Anspruch nehmen.
Die Schärfe des Blicks ist aber erkauft durch eine verhängnisvolle Einengung der Wahrnehmung. Darum sind die Erfolge auch nur partikulär und zunehmend prekär. Die Wegnahme eines Teiles führt zum Verlust des Ganzen. Was auf der einen Seite die Stärke begründet, verursacht auf der anderen Seite die Schwäche. Eine seriöse ethische Beurteilung muß aber vom Anspruch, das Ganze im Blick zu haben, ausgehen, um nicht im Ansatz bereits Einzelinteressen zum Opfer zu fallen.Wenn Naturwissenschaftler ethische Fragen diskutieren, tun (können) sie es nicht in ihrer Funktion als Naturwissenschaftler, sondern als Menschen der Gesellschaft, wie andere auch. Sie können es deshalb nicht, weil das, was Ethik meint, mit den Instrumentarien der Naturwissenschaft nicht zu erheben ist.
Die Erkenntnis, wie (Wissenschaft, Technik) etwas gemacht wird, entscheidet noch nicht darüber, ob (Ethik) es gemacht wird.
Aufgrund dieser mangelnden Unterscheidung erwarten sich weite Teile der Bevölkerung von Naturwissenschaftlern ein ethisches Kalkül, das diese als Vertreter ihrer Zunft gar nicht haben können und müssen. Es ist streng genommen nicht ihre Aufgabe. Viele falsche Erwartungen und Mißverständnisse in der Öffentlichkeit haben darin ihre Wurzel.
Damit ist nicht gesagt, daß Wissenschaftler keine Verantwortung haben, aber ihre Verantwortung läßt sich nicht allein aus ihrer Wissenschaft ableiten, sondern bedarf anderer Disziplinen.nach oben
Christlicher Standpunkt
Schöpfung sagt, daß die Welt, die Umwelt, nicht einfach Produkt des Zufalls ist, nicht eine geworfene, sondern einen gewollte und zwar von einer unendlichen Liebe und Vernunft gewollte Welt. Damit ist natürlich ein bestimmter Bezug zu dieser Welt und Umwelt ausgesagt. Ein Bezug der Gabe, daß sie uns gegeben ist, anvertraut ist von jemanden, der ihr Ursprung ist und ihr Erhalter ist und wir diesem Ursprung und Erhalter gegenüber eine Verantwortung haben.
Und ein zweites ist damit verbunden, daß die Schöpfung eine personale Qualität hat. Sie ist sozusagen ein Wort, das an uns adressiert ist, das an uns gerichtet ist. Und sie hat uns etwas zu sagen.
Wenn wir von Schöpfung sprechen, dann sprechen wir von einer Sprache, die uns anspricht und die zu hören wir lernen müssen, aber auch fähig sind. Es ist uralte Überzeugung der Christen, daß es zwei Bücher der Offenbarung gibt: das Buch der Schöpfung und das Buch der Bibel - beide sind Wort Gottes, beide sind adressiert und wollen verstanden und wollen beantwortet werden.
Wie gehe ich mit dieser Gabe um und wie antworte ich auf dieses Wort der Schöpfung? Damit ist schon gesagt, was Schöpfungsverantwortung meint. Die Rückantwort auf ein Wort, das mich angesprochen hat.Unser moderner Alltagsblick ist dahingehend geschult, als erstes den Nutzwert eines Dinges wahrzunehmen. Was sehen wir zuerst, wenn wir etwa einen Baum sehen?
Er spendet Schatten, bindet Staub und produziert Sauerstoff.
Selbst viele ökologisch denkende Menschen kommen über diese Sichtweise nicht hinaus. Und sie prägt unser Leben.
Doch jedes Geschöpf hat einen Wert an sich selbst und aus sich selbst, unabhängig, ob es irgend jemanden nützt oder ob wir den Nutzen wahrnehmen.Das dem Glauben eigene Sehen ist ein zurücknehmendes Sehen. Es will nicht Be-Greifen, sondern wahrnehmen. Der Versuch, die Wahrheit zu vernehmen, erschließt sich vermutlich nur dem meditativen Blick, indem der erste Schritt ein Schritt zurück ist, damit sich das Andere zeigen kann, wie es von sich selbst her ist.
Die Gefahr, die viele Menschen im Zusammenhang mit dem wachsenden Einsatz gentechnologischer Methoden intuitiv spüren, erwächst aus diesem vorherrschenden Zweckdenken.
Heute - und das ist der Beitrag, den das Christentum zur Schöpfungsverantwortung leisten kann - geht es darum, die tiefe Verwandtschaft aller Geschöpfe untereinander wahrzunehmen.
Wenn wir sagen Schöpfung, dann heißt das, daß wir alle untereinander eine innere Verwandtschaft haben, also auch eine Solidarität.
Gleichzeitig heißt das, daß der Mensch eine Sonderstellung darin hat, nicht daß er der Schöpfung als ein anderer gegenübersteht, sondern als einer, der in diese Schöpfung hineingestellt ist in Verantwortung. Der die Sprache der Schöpfung hören kann und jetzt mit dieser geschwisterlichen Schöpfung verantwortungsvoll umgeht.nach oben
Ethische Leitlinien
Aus dem oben Gesagten ergeben sich Leitlinien, die durch ihre Formulierung auch die Annahme dem Christentum nicht nahestehender Menschen ermöglichen sollen. Sie verstehen sich als eine Hilfe zur eigenen Entscheidungsfindung.
Es soll damit neben den sonst gebotenen fachwissenschaftlichen Überlegungen eine grundsätzliche ethische Auseinandersetzung ermöglicht und in Gang gesetzt werden, wie sie in unseren Augen für derart weitreichende Entscheidungen unumgänglich geworden ist.
Ethische Richtlinien sind nur so stark, wie die Akzeptanz, die sie erfahren. Diskussionen über Einzelentscheidungen sind erst dann sinnvoll, wenn ein Konsens über ihre Grundlagen herrscht.
Im Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen im Zusammenhang mit der Anwendung der Gentechnik gehen wir von folgenden Grundgegebenheiten aus:* Jedes Handeln ist immer soziales Handeln, indem es in seinen Wirkungen direkt oder indirekt Einfluß auf andere Personen nimmt. Jeder Eingriff in die Natur und in das Sozialgefüge des Menschen bedarf deshalb der ausdrücklichen Rechtfertigung gegenüber der Gesellschaft, in der dieser Eingriff vorgenommen werden soll. Die Ablehnung jedweder Verantwortung ist von daher gesehen sekundär und zu begründen.
* Der Mensch ist gehalten, die Eigenbedeutung und Ziele aller Geschöpfe zu berücksichtigen und entsprechend ihrer Verschiedenheit unterschiedlich zu würdigen und im Konfliktfall verantwortlich gegeneinander abzuwägen.
* Eine seriöse ethische Beurteilung muß vom Anspruch, das Ganze im Blick zu haben, ausgehen, um nicht im Ansatz bereits Einzelinteressen zum Opfer zu fallen.
* Die Erkenntnis wie etwas gemacht wird, entscheidet noch nicht darüber, ob es gemacht wird.
* In der gegenwärtig geführten Auseinandersetzung um die Anwendung der Gentechnik handelt es sich um einen Interessenkonflikt auf gesamt- gesellschaftlicher Ebene. Die Auswirkungen der Gentechnik betreffen die ganze Gesellschaft. Daher ist die Entscheidung über die Art ihres Einsatzes auch von ihr zu treffen.Diese Grundoptionen gilt es in einzelne Kriterien aufzuschlüsseln, sogenannten Vorzugsregeln. Sie sollen vernünftig und allgemein einsichtig sein.
1.) Schutz der Basis hat unter sonst gleichen Voraussetzungen Vorrang vor jenen Dingen, die erst darauf aufbauen.
2.) Die von menschlichen Interessen geschaffenen Gesetzmäßigkeiten in der Technik und Wirtschaft sind daher im Konfliktfall den Gesetzmäßigkeiten der Ökologie einzuordnen, denn der Mensch und alle noch so wichtigen sozialen Gebilde des Menschen haben nur Zukunft, wenn auch die außermenschliche Schöpfung Zukunft hat.
3.) Die Vorsorge zur Vermeidung von Schäden und Belastungen hat Vorrang vor der nachträglichen und aufwendigen, bisweilen nur sehr reduziert wirksamen Beseitigung von Schäden.
Zudem muß die Vergrößerung des Nutzens Hand in Hand gehen mit der Reduktion des Schadens. Dabei ist zu unterscheiden, zwischen denen, die Schäden bekämpfen und denen, die den Nutzen vergrößern und/um damit den Schaden legitimieren.
4.) Investitionen in die Entwicklung von Techniken haben den Investitionen in die Erforschung der Folgen dieser Technik zu entsprechen.
5.) Umkehrbare Maßnahmen haben Vorrang vor solchen, die unumkehrbar sind.Die angeführten Kriterien erheben keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. Im konkreten Fall werden meist mehrere Kriterien heranzuziehen sein.
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Prüfkriterien zur Gentechnik
Statement der ARGE Schöpfungsverantwortung aus einer PRESSEKONFERENZ zum GENTECHNIK- VOLKSBEGEHREN am 16.8.19961. Fundierungskriterium
Schutz der Basis hat Vorrang vor jenen Dingen, die erst darauf aufbauen - "primum vivere, deinde philosophari" - (Schutz des Genpools kommt vor seiner Erforschung, betrifft den Einsatz der Mittel).2. Vorsorgekriterium (Rio- Deklaration)
Befriedigung der Bedürfnisse, ohne dabei die Möglichkeit künftiger Generationen einzuschränken, dasselbe zu tun. (Der Vielfalt an Arten ist der Vorzug zu geben, vor Reduzierung auf einige wenige. Eine Monopolisierung von Getreidearten steht im Widerspruch zum Grundrecht auf freien Zugang zu genetischen Ressourcen.)3. Verursacherkriterium
Globales Handeln erfordert globale Verantwortungsträger. Wer und wo sind diese im Bereich der Gentechnik? Wer übernimmt die Verantwortung bei einem genetischen Super-GAU? (Solange diese Fragen ungelöst sind, ist im Zweifelsfall für den Schwächeren einzutreten.)4. Reversibilitätskriterium
Bei unvermeidbarer Inkaufnahme von Schäden haben reversible Maßnahmen Vorrang
vor solchen, die irreversible oder langdauernde Folgen bewirken. (Die Frage der Umkehrbarkeit gentechnisch veränderter Lebenskreisläufe ist unzureichend geklärt.)5. Regenerationskriterium
Regenerierbare (selbsterneuerbare) Techniken bzw. Arten haben unter sonst gleichen Voraussetzungen den Vorrang vor nicht erneuerbaren. (Vieles deutet daraufhin, daß durch biotechnologische Erfindungen wie in der Hybrid- Landwirtschaft die Abhängigkeit der Bauern weltweit noch zunehmen wird.)6. Verteilungskriterium
Unter der Voraussetzung begrenzt zur Verfügung stehender Mittel sind diese im Sinne des größtmöglichen Wohls für die größtmögliche Gruppe zu verteilen. (Bei begrenzten Kapitalressourcen sind Investitionen in die Forschung nur dann zu tätigen, wenn der jeweilige Bereich eine größtmögliche Akzeptanz einer größtmöglichen Gruppe besitzt. Im Bereich der Gentechnik ist dies nicht gegeben. Durch die Kommerzialisierung der Gentechnologie werden ärmere Länder sowohl aus der Forschung - der genetische Reichtum dieser Länder würde kompensationslos abgeschöpft werden - ausgeschlossen, wie in der Nutzung übergangen.)