2002 UNO-Jahr der Berge und Jahr des Öko-Tourismus

Die Reisterrassen der Ifugaos in den Philippinischen Kordillieren

Pater Georg Ziselsberger SVD, Professor für Christliche Ökologie

Zu dem einen Drittel Berggebiete der Erdoberfläche zählen auch die weltberühmten Reisterrassen im Norden der Philippinen. Vor mehr als tausend Jahren begannen die Ifugaos mit dieser enormen architektonischen Leistung, in der die menschliche Arbeit an der natürlichen Umwelt zu einer schönen und vielfältigen, zugleich aber auch sehr störanfälligen und zerbrechlichen Beziehung zwischen Mensch und Erde geführt hat.

Bekannt sind die Reisterrassen der Ifugaos als "Das Achte Weltwunder", oder auch als die "Treppen zum Himmel". Für die dort einheimische Bevölkerung führen diese Stiegen zu einem Pantheon von Göttern, die an Zahl nur vom hinduistischen Pantheon übertroffen wird. Mittels verschiedener Rituale und Feiern, vor allem im Zusammenhang mit dem Pflanzen und Ernten, versichern sich die Ifugaos immer wieder aufs Neue der Gunst des Himmels und fühlen sich hier auf Erden selber verpflichtet das sehr empfindliche Ökosystem der Berge vor Zerstörung zu bewahren. Bis vor einigen Jahrzehnten hat dieser heilige Bund zwischen "Himmel und Erde" sehr nachhaltig funktioniert. Das Bewußtsein, in einem heiligen Universum zu leben, motivierte diese alteingessessenen Bergvölker zu diesem Grossen Werk. Keine Sklavenarbeit wie bei den Weltwundern der Antike, sondern die Entscheidung als freies Volk umweltethisch zu leben und zu handeln und deshalb die Erde nachhaltig zu bebauen und zu bewahren.
(cf Gen 2,15)

Was der Autor des Psalm 104 über die Berge schreibt: "Er tränkt sie aus seinen Kammern" (104,13) spiegelt auch die Weisheit der Ifugaos in den Kordillieren im Norden der Insel Luzon in den Philippinen wider. Um den Segen des Wassers kontinuierlichen durch das ausgeklügelte Bewässerungssystem fließen zu lassen, wurde darauf geachtet, daß der Wald auf den Berggipfeln gut erhalten bleibt. Verschiedene Tabus bezüglich der Waldnutzung zeigen eine religiöse und ökologische Weisheit, die jener des Psalmes 95,4 entspricht: "die Gipfel der Berge sind in Seiner Hand".

Durch eine für Mensch und Erde gegenseitig förderliche und lebendige Beziehung trugen "die Berge Frieden für das Volk und die Höhen Gerechtigkeit" (72,3), der erst durch die sozio-ökonomischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte mit ihrem kommerzialisierten Massentourismus gestört wurde. Aber auch Abwanderung aus wirtschaftlicher Notwendigkeit hat immer stärker zur (Zer)Störung dieser empfindlichen Lebensräume geführt. Wenn die Reisterrassen nicht mehr bearbeitet werden, zerfallen sie und mit ihnen eine der größten landwirtschaftlichen Kulturleistungen der Menschheit.

Öko-Tourismus ist das Zauberwort, das mitbewirken soll, daß die Weisheit der Ifugaos bewahrt bleiben soll für diese und zukünftige Generationen. Doch rein technokratische Lösungen sind zu wenig!

Die Grundlage für eine nachhaltige Bewahrung des Weltwunders der Treppen zum Himmel ist eine neue Ehrfurcht, die die Welt als Sakrament und Schöpfung Gottes erkennt und liebt!

(Auszug aus dem Dossier 2002 der Coalition des ECEN / ARGE SVA)

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