Rollstuhltennis in Österreich
Rollstuhltennis International
Eqipment
Rollstuhltennis im Vergleich zum Fussgängertennis

Rollstuhltennis in Österreich
Dank vier internationaler Turniere (Preisgeld 2007 insgesamt: US$ 35.000,-), einigen TOP 100 Spielern, ausgezeichneten Plazierungen beim World Team Cup (vergleichbar dem Davis Cup bzw. Federation Cup im "Geher-Tennis") und kontinuierlicher Funktionärsarbeit genießt Rollstuhltennis Österreich auch international einen hervorragenden Ruf.

Rollstuhltennis Österreich ist durch die Referate im Österr. Tennisverband (ÖTV) und im österr. Behindertensportverband (ÖBSV) fixer Bestandteil der heimischen Tennisszene und zudem die populärste Behindertensportart.

Ermöglicht wurde diese Entwicklung aber nicht nur durch die Unterstützung der Verbände, Begeisterung der SpielerInnen und die Arbeit der Trainer und Funktionäre, sondern natürlich auch durch die vielen Sponsoren.

Rollstuhltennis International

Als 1976 in den USA erstmalig Sportler im Rollstuhl wagten, sich dem von Fußgängern so heißbegehrten und auch noch elitären "weißen Sport" zu widmen, stieß man lediglich vereinzelt auf positive und ermutigende Stimmen. Zwar gab es in Amerika weniger das Argument: "die machen ja unsere Plätze mit den Rollstühlen kaputt", da dort vorrangig auf Hartplätzen gespielt wurde. Aber, man brach halt in eine Domäne ein, die zuvor lediglich den Fußgängern vorbehalten war. Viele Skeptiker konnten es sich nicht so recht vorstellen, wie das nun funktionieren sollte, denn: der Rollstuhlfahrer musste sich ja auf dem Platz mit seinem Rollstuhl bewegen und dabei seinen Tennisschläger regieren, um spielen zu können. Und da viele Fußgänger an der Koordination von Laufen und Schlagen scheiterten, wieso sollte es denn im Rollstuhl klappen? Aber: die Vorreiter im Rollstuhltennis, die ersten Kämpfer, die nicht nur ihren Gegner besiegen mussten, sondern auch viele Vorurteile, haben bewiesen, dass die Individualsportart Tennis, Tennis ist und Tennis bleibt, ob man sie nun zu Fuß oder im Rollstuhl spielt!

Binnen 26 Jahren, im Zeitraffertempo also, hat sich Rollstuhltennis als anerkannte Sportart, sogar Hochleistungssportart, über den Globus verbreitet. Erinnert man sich daran, dass es bei den Fußgängern über 100 Jahre gedauert hat, Tennis als Olympische Sportart anzuerkennen, so schafften es die Rollis in gerade einmal 16 Jahren, Rollstuhltennis 1992 bei den Paralympics in Barcelona zu präsentieren.

Derzeit spielt man in über 70 Ländern Rollstuhltennis. Und auch die Professionalität rückt mehr und mehr in den Vordergrund: 1998 wurde Rollstuhltennis in die Organisationsstrukturen der International Tennis Federation (ITF/London) eingegliedert. Als erste Behindertensportart ist sie somit weltweit in eine Organisation des Nichtbehindertensports integriert und wird unter dem Dachverband der ITF durch die IWTA (International Wheelchair Tennis Association) organisiert und intensiv gefördert.

Es gibt eine eigene Weltrangliste, die dem strengen Reglement der ITF innerhalb eines "52-Week-Rollover-Systems" unterliegt und mehr als 110 Turniere weltweit haben die Qualifikation diese heißbegehrten Weltranglistenpunkte zu vergeben. Waren es anfangs noch Sachgeschenke, mit denen die Sieger der Turniere ausgezeichnet wurden, so wird heute längst der Lohn der Mühe in harten US-Dollars ausgezahlt: Preisgelder von bis zu US$ 50.000 pro Turnier werden ausgeschüttet. Im November eines jeden Jahres werden bei den "Masters" die Weltmeister gekürt. Dort kämpfen die acht weltbesten Damen und Herren um die heißbegehrten Titel. Die Mannschaftsweltmeisterschaft wird ebenfalls jährlich ausgetragen: Damen / Herren / Junioren und Quadspieler messen ihre Kräfte während der World Team Cup.

Das auch den "Fußgängern" eine Identifikation mit Rollstuhltennis nicht schwer fällt, liegt allein an der Tatsache, dass beide auf dem gleichen Regelement basieren. Es gibt lediglich eine einzige Ausnahme: "die Zwei-Aufsprung-Regel" der Rollstuhltennisspieler. Dies bedeutet, dass der erste Aufsprung des Balles im vorgeschriebenen Feld geschehen muss, der zweite darf auch außerhalb des Feldes erfolgen.

Eine Klassifizierung nach Behinderungsarten gibt es im Rollstuhltennissport mit Ausnahme der Quadklasse nicht. Hier können Spieler starten, die in mindestens drei Extremitäten Bewegungseinschränkungen haben. Betont sei hier ,dass es auch Spieler mit drei Bewegungseinschränkungen gibt, die zusätzlich oder nur in der Damen- oder Herrenklasse starten. Ansonsten gibt es eine Differenzierung lediglich in der Spielstärke.

Eqipment

Die Ausrüstung der Rollstuhltennisspieler richtet sich nach den individuellen Vorlieben des Sportlers.

Um jedoch das Greifen am Greifreifen des Rollstuhls zu erleichtern, sollte die Griffstärke des Schlägers bei Anfängern von geringem Umfang sein. Dies bedeutet für den Spieler eine technische Erleichterung bei der Koordination von Fahren und Schlagen: mit dem Schläger in der Hand zu fahren und einen ausgeglichenen Vorwärtsschub zu erreichen.

Ein Anfänger kann Rollstuhltennis mit jedem Rollstuhl spielen. Die Nutzung eines Tennisrollstuhles unterstützt natürlich die Beweglichkeit auf dem Platz erheblich und wird bei fortgeschrittenen Spielern zum leistungsfördernden Faktor.

Hauptanforderungen an einen Tennisrollstuhl sind seitliche Stabilität, Schnelligkeit und besonders die Wendigkeit des Rollstuhls. Das Regelwerk sieht den Rollstuhl als "Teil des Körpers" an.

Rollstuhltennis im Vergleich zum Fussgängertennis

Die Hauptaktionen bei den Schlägen im Rollstuhltennis sind identisch mit denen des Fußgängertennis. Ebenso sind die methodisch-didaktischen Grundsätze identisch. Es kann auf allen Platzbelägen gespielt werden. Dabei wird von den meisten Spielern der Hardcourt bevorzugt. Im vergangenen Jahr gab es sogar erstmalig einen Showkampf auf dem "heiligen Rasen" von Wimbledon.

Die Hauptunterschiede zwischen Rollstuhltennis und Fußgängertennis liegen zum einen in der Schlagvorbereitung und zum anderen in der veränderten Mobilität auf dem Platz, da der Rollstuhltennisspieler seine Arme auch zur Fortbewegung im Rollstuhl benötigt, der Fußgänger lediglich seine Beine.
Durch die Notwendigkeit, beide Arme bis kurz vor dem Schlagen zur Vorwärtsbewegung nutzen zu müssen, stellen die Annäherung zum Ball und die Ausholbewegung die gravierendsten technischen Unterschiede beim Schlagablauf dar.
Aufgrund der Sitzposition ist es Rollstuhlfahrern nicht möglich, die Beine einzusetzen und sie zur Schlagvorbereitung zu nutzen. Daraus resultieren in der Regel geringere Schlaggeschwindigkeiten als im Fußgängerbereich.
Die Bewegung des Rollstuhlfahrers auf dem Platz sollte durch eine kontinuierliche Bewegung gekennzeichnet sein. Durch diese Kontinuität kann der Spieler das Drehmoment nach einer Innen- oder Außendrehung für den Weg nach vorne oder zurück ausnutzen.
Ein Kennzeichen für die Spielstärke des Sportlers ist die Häufigkeit mit dem er den Ball nach dem ersten oder zweiten Aufsprung entgegennimmt. Je höher das spielerische Niveau und je ausgeprägter die Fähigkeit sich schnell auf dem Platz zu bewegen, desto häufiger wird der Ball nach dem ersten Aufsprung geschlagen. Im Leistungsbereich hat sich gezeigt, das 70% aller Grundschläge nach dem ersten Bodenkontakt geschlagen werden. Vor zehn Jahren waren es nur 30%. Dies zeigt, dass sich die Spielstruktur im Rollstuhltennis zunehmend der des Fußgängertennis annähert, wobei realistisch angemerkt werden muss, dass sich die Ähnlichkeiten auf "passives Aschetennis" beschränken.