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QFD- Quality Function Deployment- PHASE 1
House of Quality

Näheres zur QFD- Quality-Function-Deployment siehe hier.

Ziel u. Zweck: Kundenforderungen, Forderungen des Gesetzgebers und unternehmensinterne Forderungen sind in Technische Qualitätsmerkmale umzuwandeln  (Pflichtenheft). Hierzu sollen geeignete, systematisierte Verfahren wie z.B. das House of Quality anzuwenden (WITTIG [234] S.57).

Näheres zum HoQ- House of Quality finden Sie hier.

Zuständigkeiten: Insbesondere sind in dieser Phase alle Funktionseinheiten mit ausgeprägtem Kundenkontakt gefordert, das sind (MAURER [169] S. 19 ff.).

Funktionseinheiten mit
Kundenkontakt
:
- Marketing
- Vertrieb
- Kundendienst
- Qualitätswesen

Ableitung der (Technischen) Qualitätmerkmale

Das vorliegende Kapitel ist von zentraler Bedeutung für die Designphase. Wir Europäer glauben immer ganz genau zu wissen, was der Kunde vom Produkt erwartet, ohne daß wir unser "Wissen" näher überprüfen. Wir suchen nach der besten technischen Lösung und wollen den Kunden dafür begeistern, ohne genau zu wissen, was der Kunde wirklich will und braucht. Und das ist auf den heutigen Verdrängungsmärkten zu wenig, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Unsere Produkte sind zu häufig "technikergerecht", meist weniger kundengerecht und häufig noch weniger benützerfreundlich (DANZER [] S.74). Demgegenüber haben die Japaner eine sehr systematische Vorgangsweise entwickelt, die allerdings einen hohen Aufwand im Vorfeld einer Produktentwicklung erfordert, dann aber mit einer ungewöhnlich hohen Treffsicherheit den Serienstart belohnt. Diese Methode wird Methode des QFD- Quality Function Deployment genannt (DANZER [51] S.74 ff.) und (MAURER [168] S.68 ff.).

Näheres zur QFD- Quality-Function-Deployment siehe hier.

Bewusste Trennung von Kundenforderungen und Qualitätsmerkmalen

Kundenmerkmale:
Man bemüht sich in einem ersten Schritt die Kundenforderungen möglichst umfassend zu ermitteln, zu ergänzen und zu selektieren. In dieser Phase der kundennahe formulierten Merkmalsermittlung ist man ganz bewußt und ganz bewußt von den daraus abzuleitenden technischen, produktbezogenen Qualitätsmerkmalen getrennt gehalten.

Technische Qualitätsmerkmale:
Erst in einem nächsten Schritt versucht man die kundennahe formulierten Merkmale systematisch in geeignete technische Produktmerkmale überzulieten. Eine geeignete Unterstützung hierfür gibt das Verfahren QFD sowie HoQ. Eine Matrixdarstellung mittels geeigneter Tabellen wird dafür verwendet, um  systematisch von den gewichteten Kundenwünschen her die technischen Lösungskonzepte und Spezifikationen zu entwickeln. Unterschiedliche Lösungsvarianten lassen dabei den Grad der Erfüllung der Kundenwünsche erkennen.

Für dieses Auseinanderhalten von kundengerecht formulierten Wünschen und technikgerecht spezifizierten Produkteigenschaften hat es sich bewährt, die Kundenwünsche (Anforderungen, Erwartungen) möglichst nicht von Technikern sondern von technikfremden Mitarbeitern, eben z.B. Marketingleuten oder speziellen Insituten ermitteln zu lassen (DANZER [51] S.74). Die Zusammenstellung muß unbedingt in der Sprache des Kunden erfolgen. Die Kundenerwartungen sind in nicht technischen Kategorien verfaßt und somit technisch unpräzise formuliert.

Zwei Beispiele für kundennahe formulierte Kundenforderungen:

  • Beispiel  l:  PKW: Ein PKW-Türe soll mit einem satten Ton ins Schloß fallen und in allen Lagen absolut dicht sein (DANZER [51] S.75).

  • Beispiel  2: Rodel (Schlitten): Eine Rodel soll auch auf nicht präparierten Pisten fahrbar sein (Kufenbreite), lange formschön bleiben (Material), Sicherheitsbelange erfüllen (z.B. keine vorstehenden, kantigen Teile aufweisen), nicht allzu schwer sein (Gewicht, Material) und leicht lenkbar sein usw.

  • Beispiel 3: Geräuschpegel: "das Gerät soll leise sein"

    Nicht exakte, sehr vage formulierte Kundenanforderungen müssen in einem nächsten Schritt erst in geeignete Technische Anforderungen bzw. Merkmale übertragen werden. Für das dritte Beispiel könnte besipielsweise unter Einbeziehung der internen und externen Rahmenbedingungen (Vorschriften, Normen) die vage Kundenangabe ("das Gerät soll leise sein") in geeignete, technisch exakte Vorgaben übergeführt werden (z.B. "Schallpegel =< 40 dB"). Letztere sind spezifizierbar und bilden damit die Basis für die Designvorgaben, dessen Ergebnis das  Lasten/Pflichtenheft (Technische Spezifikation) darstellt.

    Hinweis: Eine systematische Überführung der Qualitätsforderungen in Qualitätsmerkmale erfolgt am besten mit Hilfe des House of Quality. Im "House of Quality" erfolgt, bildlich gesprochen, die Umsetzung der geordneten, strukturierten und auf das Wesentliche eingeschränkte und in der Sprache des Kunden formulierten Qualitätsforderuungen in technisch spezifizierbare Qualitätsmerkmale (Entwurfsmerkmale) mit festgelegten Ziel- bzw. Grenzwerten.

    MAURER beschreibt die Erstellung des Anforderungsprofiles der kundengerecht formulierten Qualitätsforderungen als Produktdefinitionsphase, welche mit der Erstellung des Lasten-/Pflichtenheftes endet. Konsequenterweise bezeichnet MAURER die "Beziehungsmatrix" im "House of Quality" auch als "Definitionsmatrix". Bei der Erstellung des Pflichtenheftes werden konkrete Zielvorgaben (Qualitätsmerkmalen) für das Produktdesign aus dem kundennahe formulierten Anforderungsprofil hergeleitet. Damit werden aus Qualitätsforderungen --> Qualitätsmerkmale hergeleitet.

    E) House of Quality

    Die kundennahe formulierten Qualitätsforderungen müsen noch entsprechend eingeschränkt werden, um in vernünftige technisch bzw. produktnahe formulierte Qualitätsmerkmale transferiert zu werden.

  • Einschränkung bedeutet hierbei die schon beschriebene Selektion bzw. Gewichtung der einzelnen Merkmale (nicht alle sind gleichermaßen wichtig), wobei
  • Schwerpunkte sind zu setzen
  • Konkurrenzprodukte werden zu diesem Zeitpunkt intensiv analysiert

    Eine sehr wirksame und sehr formale Methode zur Transformation der kundennahe formulierten Qualitätsforderungen in technisch formulierte Qualitätsmerkmale ist die QFD- Beziehungsmatrix aus dem House of Quality.

    kundennahe
    formulierte
    Qualitätsforderungen
    House of Quality
    QFD- Beziehungsmatrix
    produktnahe
    formulierte
    Qualitätsmerkmale

    Weitere Informatiobnen zur Methode QFD- Quality Function Deployment- House of Quality finden Sie hier.

    Das Ergebnis daraus nennt man Pflichtenheft.

    QFD- Beziehungsmatrix: MAURER ([168], S.? ) bezeichnet die Beziehungsmatrix auch als "Definitionsmatrix", da während dieser Phase die technischen Qualitätsmerkmale, Entwurfsmerkmale oder Lösungsvarianten definiert werden. Die jeweils für sich unabhängig erfolgten Bewertungen und Reihungen der einzelnen Qualitätsforderungen wie auch der Qualitätsmerkmale oder technischen Lösungen müssen nun noch miteinander in Beziehung gesetzt werden.  In der Beziehungsmatrix werden an den Schnittpunkten von Kundenforderungen und Entwurfsmerkmalen (Matrixfelder) die auftretenden Wechselwirkungen eingetragen. Die Einträge geben Aufschluß darüber, welche Kundenforderungen mit welchen Entwurfsmerkmalen im Zusammenhang stehen. deren waagrechter Grundraster (Zeilen) die Qualitätsforderungen, der senkrechte Grundraster (Spalten) die Qualitätsmerkmale oder technische Lösungen darstellen. Damit kann man übersichtlich erkennen, welche Forderungen mit welchen Merkmalen wie stark in Beziehung stehen. Die Intensität der gegenseitigen Einflußnahme der Kundenforderungen auf die Merkmale wird als "Beziehungsstärke" bezeichnet und in der Beziehungsmatrix mittels Symbolen oder Zahlen (für starke-, mittlere und schwache Beziehung) dargestellt. Im "House of Quality" kann über die Beziehungsmatrix direkt der Rückschluß auf die von einer Entscheidung betroffenen Kundenforderung nachvollzogen werden und damit ihre Auswirkung auf den Kunden klar sichtbar und somit einschätzbar gemacht werden ([168] S. 74 ff.).

    Korrelationsmatrix (Dach des "House of Quality")

    In der Korrelationsmatrix werden nur die Entwurfsmerkmale (oder die technischen Lösungsvarianten) miteinander verglichen und hinsichtlich ihrer gegenseitigen Beeinflussung in Beziehung gesetzt. Dabei erhält man Informationen über mögliche Zielkonflikte einzelner Merkmale oder technischer Lösungen.

    Berücksichtigung von Rahmenbedingungen: Die Berücksichtigung der externen und internen Rahmenbedingungen hat die Überprüfung der erarbeiteten Qualitätsmerkmale auf Widersprüchlichkeiten mit allgemeinen gültigen, externen Rahmenbedingungen zum Inhalt. Solche sind beispielsweise:

    - Möglichkeiten der eigenen Fertigung (max. Bauteilegewicht, Durchmesser, Bearbeitungsverfahren)
    - Normen, Stand der Technik, Produktspezifikationen
    - Gesetzliche Bestimmungen, Auflagen
    - Transportrahmenbedingungen (Abmessungen, Gewicht)

    Wechselwirkungen der Qualitätsmerkmale: In der Korrelationsmatrix werden die gegenseitigen Wechselwirkungen der Q-Merkmale untereinander untersucht. Ziel dieser Analyse ist es herauszufinden, welche Merkmale sich gegenseitig verstärken , vor allem aber, welche Kriterien sich in ihrer Zielerreichung gegenseitig behindern. Diesen Zielkonflikten kommt in der nächsten Phase, der Gestaltungsphase, besonders große Bedeutung zu, wo es dann darum geht, Lösungen für diese Zielkonflikte zu erarbeiten.

    Zum Klassifizieren und Gewichten:

    Diese Qualitätsmerkmale (Forderungen) müssen entsprechend ihrer Bedeutung für die Qualität des Produktes klassiert und gewichtet werden. Für die Merkmalsklassifizierung liegt bis heute noch keine allgemein anerkannte Normung oder genormte Festlegung vor. GEIGER ([51],S.94) schlägt deshalb eine zur international anerkannten Fehlerklassifizierung analoge Merkmalseinteilung in

    vor. Für jedes einzelne Qualitätsmerkmal sind

    vorzugeben.

    Das Verfahren, mit welchem sich eine umfassende Qualitätsplanung in systematischer Form äußerst wirkungsvoll gestalten läßt, ist die QFD (Quality Function Deployment). Besonders hervorzuheben ist darin das "House of Quality" oder "Qualitätsforderungshaus", welches ein Formblatt darstellt. Auf sehr übersichtliche und systematische Weise werden darin die vielen Einzelforderungen der Kunden gewichtet und unter Berücksichtigung vorgegebener Rahmenbedingungen (z.B. Normen oder Gesetze) und der bekannten Reklamationsfälle in eine Schar von (produktnahmen) Qualitätsmerkmalen übergeführt. Darüberhinaus werden auch noch die Wechselbeziehungen der Qualitätsmerkmale untersucht (viele Merkmale sind korreliert). Üblich ist eine Anzahl von 25-30 Qualitätsmerkmalen (MAURER [],[]). 

    Die Behandlung dieser Methode erfolgt in enger Anlehung an MAURER ([168] S.109 ff ). Während der Produktentwicklung ensteht die Entwurfsqualität des Produktes. Beide, Qualität und Produkt sind untrennbar miteinander verbunden. Um die Entwurfsqualität sicherzustellen, sind die Qualitätsprozesse zu organisieren, d.h. bei jedem einzelnen Fall ist (MASING [165] S.335).

    das angestrebte Qualitätsniveou festzulegen (Ziele) Konzeptphase
    das festgelegte Qualitätsniveou zu erreichen Gestaltungs- und Entwurfsphase
    das erreichte Qualitätsniveou zu überprüfen
    und mit den vorgegebenen Zielen zu vergleichen
    Soll-Ist-Vergeich (Review) 1) 
    Designreview
    Qualifikation
    1) hinsichtlich der Erfüllung der Kundenforderungen, Einhaltung von Vorschriften bezgl. Sicherheit und Umweltschutz,  u.a.m.

    Die Vielzahl und Verschiedenartigkeit dieser Faktoren macht meistens die Mitwirkung mehrere Funktionsbereiche erforderlich, z.B.

    Beurteilung der Erfüllung der Kundenbedürftnisse und Wettbewerbsfähigkeit Marketing/Verkauf
    Beschaffenheit und Qualitätsmanagement zugekaufter Materialien und Teile Einkauf/Qualitätswesen
    Beurteilung der Herstellbarkeit Arbeitsvorbereitung, Produktion

    Qualitätsmerkmale, Entwurfsmerkmale, Technische Lösungsvaraianten: In den Spalten werden alle in Frage kommenden Qualitätsmerkmale, Entwurfsmerkmale oder Lösungsvarianten eingetragen. Auch diese werden systematisch gegliedert sowie je nach Schwierigkeitsgrad (in der Realisierung, Herstellung usw.) bewertet. Ein besonders wichtiger Schritt ist sodann das Festlegen von Zielwerten oder Grenzwerten für jedes einzelne Qualitätsmerkmal! Abschließend werden noch die einzelnen technischen Lösungen mit Konkurrenzprodukten verglichen und bewertet sowie die (internen und externen) Rahmenbedingungen berücksichtigt (Fertigungseinschränkungen, Normen, Umweltauflagen, Behördenauflagen usw.). Aus allen diesen Bewertungen ergibt sich wiederum eine vorläufige Reihung.

    Technische Produktvorgaben, welche aus den Kundenvorgaben abgeleitet werden. Prudukt‑ und servicebezogene Kundenforderungen sind in meß‑ oder beurteilbare Qualitätsmerkmale mit entsprechenden Toleranzen umzusetzen und die Arbeitsprozesse entsprechend zu planen. Es hat eine laufende Auseinandersetzung mit den Problemen, Wünschen und Bedürftnissen der externen und internen Kunden stattzufinden. Im QM-Handbuch bzw. auch in der Qualitätspolitik und den Qualitätszielen stehen vordergründig gesamtunternehmerische Ziele. Der zentrale Arbeitsschritt in der vorliegenden Produktdefinitionsphase hat die Überleitung der Qualitätsforderungen in konkrete, technisch spezifizierbare Qualitätsmerkmale zum Inhalt. In mehreren Schritten werden die Qualitätsmerkmale aus den Qualitätsf-orderungen sukzessive entwickelt und immer detaillierter ausgearbeitet und konkretisiert (MAURER [168]S. 205).

    Im Mittelpunkt der Bearbeitung steht die Frage, durch welche produktnahe formulierten Qualitätsmerkmale können die kundennahe formulierten Qualitätsforderungen am besten erfüllt werden, d.h. "was" wollen wir "wie" erreichen. Als Beispiele für Qualitätsmerkmale soll gelten:

    Qualitätsmerkmale am Beispiel eines "Griffels"
    Qualitätsforderung Qualitätsmerkmal
    "Feiner, sauberer Strich" - Durchmesser der Schreibspitze
    - Viskosität des Schreibmediums
    - Trockenzeit
    - Zufuhr des Schreibmediums
    - Auftragsmenge

    nach (MAURER [168] S.207)

    Wie sind nun Qualitätsmerkmale definiert?

    Definitionen: (Qualitäts) Merkmale und Merkmalswerte:

  • "Ein Merkmal ist definiert als die Eigenschaft zum Erkennen oder zum Unterscheiden von Einheiten

  • Zum Merkmal gehört der Merkmalswert als ein der Erscheinungsform des Merkmals zugeordneter Wert"

    Hinweis: Unter Qualitätsmerkmale  werden nicht die umgangssprachlich "besonderen, qualitativen Merkmale" verstanden sondern es werden darunter sämtliche Merkmale verstanden. 

    Nach DIN 53 804 Teil 1-4 unterscheidet man vier Merkmalsarten:

    vier Merkmalsarten
    Quantitatives Merkmal Kontinuierliches Merkmal
    Diskretes Merkmal
    Qualitatives Merkmal Ordinalmerkmal
    Nominalmerkmal

    Man unterscheidet vier Merkmalsarten [DIN 53 804 Teil 1-4], und zwar quantitative Merkmale

    (kontinuierliche Merkmale und diskrete Merkmale) und qualitative Merkmale

    (Ordinalmerkmale und Nominalmerkmale), wobei aber nach Möglichkeit quantitativen Merkmalen der Vorzug zu geben ist (d.h. beispielsweise statt "giftig" die Angabe einer toxischen Konzentration). 

    Wichtige - manchmal die wichtigsten- Qualitätsmerkmale
    Einsatz- und Umweltbedingungen Vergl. ISO 9001:1994 Kap. 4.4.4 Einsatz- und Umweltbedingungen"
    Zuverlässigkeit Vergl. ISO 9001:1994 Kap. 4.4.4 "Qualitätsmerkmal Zuverlässigkeit" und 4.4.5 "Zuverlässigkeitsplanung"
    Gesundheits- und sicherheitsrelevante Q-MerkmaleVergl. ISO 9001:1994 Kap. 4.22 "Produktsicherheit"

    WITTIG [234] nennt die kundenkritischen Merkmale auch die Schlüsselelemente der Qualität. Diese sind alle Produkt- und Dienstleistungsmerkmale, welche für die Kaufentscheidung eines Kunden wichtig sind. Die kundenkritischen Qualitätsmerkmale sind zu kennzeichnen und durch Festlegen von Sollwerten, Toleranzen und Meßbedingungen meßbar zu machen und durch beherrschte und qualitätsfähige Prozesse zu sichern. WITTIG unterscheidet bei den kundenkritischen Merkmalen weiters zwischen produktbezogenen Merkmalen (Image, Sortiment, Abmessungsvielfalt, Mengenflexibilität, Zuverlässigkeit, Produktentwicklung) und dienstleistungsbezogenen Merkmalen (administrative Abwicklung, Kundenberatung, Lieferzeit, Termineinhaltung, Gewährleistungen, Finanzierung), wobei die einzelnen Merkmale aus Kundensicht gewichtet werden (WITTIG [234] S.10).

    SCHMELZER nennt beispielhaft folgende Produktmerkmale [201]:

    Produktmerkmale nach SCHMELZER
    Gebrauchsnutzen (Funktionen, Nutzleistungen, Bedienung)
    Ausstattung (Gesamtheit aller Ausstattungsmerkmale)
    Zuverlässigkeit (Schadensanfälligkeit, Ausfallhäufigkeit, Ausfallszeiten und Wartungszeiten)
    Normgerechtheit (Übereinstimmung mit den einschlägigen Normen)
    Haltbarkeit (Lebensdauer, Reparaturkosten) <
    Umweltfreundlichkeit
    Kundendienst (Pünktlichkeit, Schnelligkeit, Kosten, Professionalität usw.)
    Ästhetik (Design im engeren Sinne)
    Image (Ruf)

    SCHMELZER weist darauf hin, daß bei einer Umfrage unter Entwicklern deutscher Unternehmen folgende Produktmerkmale am häufigsten genannt wurden:

    Am häufigsten von deutschen Entwicklern genannte Produktmerkmale nach SCHMELZER
    Herstellbarkeit
    Zuverlässigkeit
    Erfüllung der Kundenanforderungen
    Erfüllung der vorgegebenen Spezifikationen
    Fehlerfreiheit
    Termineinhaltung
    vollständige Dokumentation

    Daneben gibt es noch Prozeßmerkmale, welche die Prozeßqualität mit den Attributen "definiert, qualifiziert, fähig, robust, sicher, beherrscht" beschreiben (SCHMELZER [201]).

    wichtigsten Gruppen von Qualitätsmerkmalen/ Qualitätsforderungen nach DANZER
    Gesetzliche Bestimmungen
    Verwendung, Einsatzbedingungen
    Anmutung
    Produktkonformität
    Herstellbarkeit
    Robustheit
    Zuverlässigkeit, Wartbarkeit und Lebensdauer
    Service
    Wiederverkaufswert, Restwert, Entsorgbarkeit
    Auftragsabwicklung
    Das Qualitätsziel "Zeitfaktor/Termin"
    nach DANZER ([51] S.5 u.6

    Eine beispielhafte Aufzählung von Qualitätsmerkmalen ist bei CICHOWSKY ([44] S.38 ff.) nachzulesen. Qualitätsmerkmale sind naturgemäß produktabhängig, hängen teilweise untereinander eng zusammen, teilweise widersprechen sie sich. Häufig wird deshalb ein produktspezifischer, ausgewogener Merkmals-Mix erstellt.

    Qualitätsmerkmalsmix nach CICHOWSKY
    Gebrauchstauglichkeit
    Funktionstüchtigkeit
    Zuverlässigkeit
    Aussttattung
    Technische Anforderungen
    Haltbarkeit
    Servicefreundlichkeit
    Umweltfreundlichkeit
    Sicherheit
    Güte
    Anmut
    Bedienungskomfort
    Individualität
    Moderne Technologie
    Preis-Leistungsverhältnis
    nach CICHOWSKY ([44] S.38 ff.

    Die Festlegung der wesentlichen technischen Funktionsmerkmale führt zu folgender Einteilung:

    Funktionsmerkmale
    Sensorische Merkmale Bei Produkten sind auch Farbe, Aussehen, Abmessungen, Gewicht usw. von entscheidender Bedeutung. Diese Kundenwünsche richtig zu erfassen ist Aufgabe der Marketingabteilung

    Die Größe (Abmessungen) des Produktes ist heute mehr denn je ein entscheidenderVerkaufsfaktor.(Die Fa. Sony definierte einige neue Produkte über die Forderung, eine zuvor nicht dagewesene Kompaktheit zu besitzen). Schlagwort "Miniaturisierung": Produkte müssen häufig mit exakt vorgegebenen Außenmaßen entwickelt  werden. Beispielsweise gibt es vorgegebene, genormte Formate bei den elektronischen Leiterplatten‑Einschüben. Für alle diese Abmessungen gilt aber auch, daß die einzuhaltenden Toleranzen angegeben werden.

    Das Produktgehäuse oder die Produktverpackung: Form und Haltbarkeit des zu verwendenden Materials müssen festgelegt werden. Sensorische Merkmale (Stil, Farbe, Geruch..) des Produktes sowie das Aussehen der Verpackung tragen maßgeblich zur "Corporate Identity" bei. Ebenso bei den sensorischen Merkmalen ist eine möglichst exakte Fehlerdefinition festzuschreiben (Möglichst durch Beispiele in Fehler-sammlungen zu belegen).

    Qualitätsmerkmal Zuverlässigkeit Ein wichtiges Qualitätsmerkmal - bei manchen Produkten das wichtigste Qualitätsmerkmal nach der reinen Funktionstauglichkeit- stellt die Zuverlässigkeit eines Produktes dar.
    Qualitätsmerkmal Auslieferqualität Jahrelang wurde jene Qualitätslage, welche der Kunde geliefert erhält, durch Stichproben "gemessen". Lose wurden jedoch erst ab einer gewissen Überschreitung der zulässigen Fehlerzahl zückgewiesen, d.h. man akzeptierte einfach ein sog. annehmbares Fehlerlevel. Der aus den Stichproben-Ergebnissen eines ganzen Jahres ermittelte Fehler-"Prozentsatz" (später dann Fehler-"Promillsatz" oder dpm="defects per million") wurde aufgezeichnet und mit den von der Geschäftsleitung vorgegebenen Jahreszielwerten verglichen. Diese Zielwerte wurden gemeinsam von Marketing und Q-Wesen aus Marktuntersuchungen, Kundenvorgaben oder durch Vergleich mit dem Marktleader ermittelt. Ehrgeizige Zielvorgaben gingen beispielsweise von einer jährlichen Halbierung  des zulässigen Fehlerniveous aus. Mit dem Erreichen eines bestimmten niedrigen Fehlerwertes von einigen zig dpm und mit dem Aufkommen des allgemeinen Fehlerzieles " Null Fehler" (= 0 dpm) sind heute solche Zielwerte nicht mehr sonderlich hilfreich. Stattdessen werden Zielvorgaben für Produktaudits oder für die einzelnen Prozesse (alle Prozesse, nicht nur Fertigungsprozesse) gemacht. 

    Qualitätsmerkmal Produktabmessungen Als ein weiteres Beispiel für eine besondere Zielvorgabe eines Qualitätsmerkmals soll an die Fa. Sony erinnert werden, welche mit dem Merkmal "Minimale Produktabmessungen" großen Erfolg hatte und  bedeutende Marktanteile erobern konnte. Beispiel dafür sind das erste Transistorradion, Camcorder ([172] S.).

    Qualitätsmerkmal Sicherheit Sicherheitsforderungen sind Bestandteil der Qualitätsforderung. In allen Fällen, wo die Anwendung und/oder die Kunden hohe Sicherheitsforderungen stellen, ist auch der Qualitätsanspruch (??) ein besonders hoher ([51] S.4)  WITTIG ([234], S.96-101) schätzt diesen Aspekt so wichtig, daß er sogar ein eigenes QM-Element  "Produktsicherheit und Produkthaftung" in einem erweiterten ISO Modell vorsieht. Durch das inzwischen in Kraft getretene Produkthaftungsgesetz ist die Anwendbarkeit in jedem Unternehmen zu überprüfen. Dabei werden Maßnahmen festgelegt, die geeignet sind, die Wahrscheinlichkeit von Produktfehlern, die zu Personen- oder Sachschäden führen, zu minimieren und die Folgen einzuschränken. Weiters muß der Nachweis erbracht werden , daß nur fehlerfreie Produkte in den Verkehr gebracht werden. Produkte müssen hinsichtlich Sicherheitserwartungen dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Die Produkte sind von der Entwicklung auf die Erfüllung der Sicherheitserwartungen hin zu entwickeln und zu überprüfen. In diesem Zusammenhang sind Konformitätserklärung und Konformitätszeichen (CE- Zeichen) für Unternehmen und deren Produkte von Bedeutung .

    Die unterschiedlichen Qualitätsmerkmale kann man in Gruppen zum Begriff "Beschaffenheit" zusammenfassen, der wie folgt definiert ist:

    Definition: Beschaffenheit:
    "Gesamtheit der Merkmale und Merkmalsarten einer Einheit" ([102], S.38).

    Die Beschaffenheit besteht aus mehreren Merkmalsgruppen. Die Qualitätsmerkmale in diesen Merkmalsgruppen werden nach GEIGER unter Verwendung von Bestimmungswörtern bezeichnet und überlappen sich mehr oder weniger: Man spricht von Funktionsmerkmalen, Zuverlässigkeitsmerkmalen, Gestaltmerkmalen, Sicherheitsmerkmalen, Umweltschutzmerkmalen, Arbeitsschutzmerkmalen, Gesundheitsschutzmerkmalen, usw. Zu jeder Gruppe solcher Qualitätsmerkmale gehören Gruppen von Einzelforderungen. Auch diese werden unter Verwendung des gleichen Bestimmungswortes zusammengefaßt, und man spricht dann von Funktionsforderung, Zuverlässigkeitsforderung, Gestaltforderung, Sicherheitsforderung, Umweltschutzforderunn, Arbeitsschutzforderung, Gesundheitsschutzforderung usw. [103].

    Bezüglich einer ausgewählten Merkmalsgruppe bezieht sich Qualität auf den betreffenden, ausgewählten Forderungsteil. Qualität läßt sich also erzielen durch Planung der Einzelforderungen an die betrachtete Gruppe von Qualitätsmerkmalen in ihrer Gesamtheit.

    Nach GEIGER [103] kann man Teile der Qualität in Bezug auf solche Gruppen von Qualitätsmerkmalen beispielsweise wie folgt zusammenfassen:

    Gruppen von Qualitätsmerkmalen nach GEIGER
    Verfügbarkeit                                  Qualität im Hinblick auf die Verfügbarkeitsforderung

    Funktionsfähigkeit Qualität im Hinblick auf die Funktionsforderung

    Sicherheit Qualität im Hinblich auf die Sicherheitsforderung

    Umweltschutz Qualität im Hinblick auf die Umweltschutzforderung

    Vorstehend sind also unterschiedliche Teile der Gesamtqualität beschrieben. Verfügbarkeit beispielsweise ist ein Teil der Zuverlässigkeit und mit dieser ein Teil der Gesamtqualität.

    Anwendungsfälle, für welche (kundennahe formulierte) Kundenforderungen ausreichend sind:
    Die systematische Ableitung der Q-Merkmale aus den Qualitätsforderungen mittels QFD (im "House of Quality") ist besonders typisch für die Automobilbranche. Dies gilt jedoch nicht für alle Branchen gleichermaßen. Für viele Bereiche sind die Kundenforderungen für sich alleine ausreichend, ohne daß die Herleitung spezieller technischer Qualitätsmermale erforderlich wäre. Ein solches Beispiel stellt das Handwerk dar.

    Anwendungsfälle, welche spezifizierbare Qualitätsmermale unbedingt erfordern: Nach Meinung des Verfassers sind industrielle Serienfertigung (im Unterschied zu Einzel-Auftragsfertigungen) und vertragliche Situationen (welche Spezifikationen erforderlich machen) wichtige Einflußgröße, welche das Erfordernis nach Ableitung quantifizierbarer Qualitätsmerkmale wesentlich bestimmen. Als ein Beispiel für vertragliche Situationen können Zulieferbetriebe gelten. Hier stehen im allgemeinen die unmittelbaren Kundenforderungen (weil vom Systemhersteller ermittelt) überhaupt nicht im Vordergrund, sondern nur die technisch spezifizierbaren Qualitätsmerkmale bzw. das Pflichtenheft. Diese Situation ist insbesondere auch typisch für  Bereiche der Halbleiterbranche (insbesondere die Herstellung von Standardprodukten wie dynamische Speicher), welche in Datenblättern oder von den Systemherstellern ausreichend spezifiziert sind. Solche produkte stellen nur Zulieferbauteile für Systemhersteller (Computerindustrie) dar und für deren Entwicklung sind keine weiteren Forderungen der Letztverbraucherkunden zu berücksichtigen.

    Beispielsammlung für die Wahl geeigneter Qualitätsmerkmale:
    Da die abgeleiteten Qualitätsmerkmale selbstverständlich spezifiziert werden müssen und hierzu geeignete Ziel- bzw. Grenzwerte zu definieren sind, ist die tabellarische Beispielsammlung der Qualitätsmerkmale erst im nächsten Abschnitt gemeinsam mit den Zielwerten angeführt.

    Qualitätsforderung(en) "requirement for quality" (GEIGER [102] S.)

    Gesamtheit der betrachteten Einzelforderungen an die Beschaffenheit einer Einheit in der betrachteten Konkretisierungsstufe von Einzelforderungen

    Anmerkung 1: Dieser Begriff hat nicht mit der umgangssprachlich "geforderten Qualität"zu tun.

    Anmerkung 2: Die im Englischen häufig auch verwendete Formulierung "stated and implied needs" gilt als überholt (GEIGER [102] S. ).

    Anmerkung 3: Unter Qualitätsforderungen versteht man die kundennahe formulierten Anforderungen (auch unausgesprochene), Wünsche, Erwartungen der Kunden. Daraus abgeleitet und davon zu unterscheiden sind  die produktnahe formulierten Qualitätsmerkmale. Für diese ist es auch sinnvoll und notwendig, Zielwerte (Maximal-, Minimal-, Mittel- oder Zielwert, attributiv z.B. giftig/ungiftig) zu definieren ("Ziele der Qualitätsmerkmale"). 

    Anspruchsklasse (GEIGER [102] S.40):

    Rangindikator für unterschiedliche Qualitätsforderungen an Einheiten, die dem gleichen Zwecke dienen

    Innerhalb der Beziehungsmatrix erfolgt eine Bewertung, welche Q-Forderungen durch welche Q-merkmale und in welchem Ausmaß erfüllt werden.

    Im Zuge des technischen Konkurrenzvergleiches wird überprüft, ob und in welchem Ausmaß die Q-merkmale von den Produkten der stärkstem Wettbewerber erfüllt werden. Die Darstellunf erfolgt wieder mit Hilfe des Starken-Schwächenprofiles.


    Literaturhinweise

    1. [44]Cichowsky,R.: "Anwendungsorientierte Qualitätssicherung", VDE-Verlag 1992
    2. 51Danzer, H.H.: "Qualitätsmanagement im Verdrängungswettbewerb" TAW-Verlag Wuppertal ISBN 3-930526-01-8 und Verlag Industrielle Organisation Zürich 1995 ISBN 3-85743-979-3
    3. Danzer, H.H.: "Qualitätsmanagement im Verdrängungswettbewerb" TAW-Verlag Wuppertal ISBN 3-930526-01-8 und Verlag Industrielle Organisation Zürich 1995 ISBN 3-85743-979-3
    4. [102] Geiger, W.:"Qualitätslehre, Einführung, Systematik, Terminologie", 2.Auflage, Vieweg Verlag, 1994
    5. [103] Geiger,W.: "Qualität und Management-das Ganze und die Teile", QZ, 40, 1995, H. 8, S. 928-934
    6. [165]Masing, W.:"Handbuch der Qualitätssicherung", Herausgeber Prof. Masing, 2.Auflage, Carl Hanser Verlag München Wien, 1988
    7. 168 Maurer, K.: "PRA-Produkt Risiko Analyse", Dissertation an der TU Graz 1994, Fak.f.Maschinenbau, Inst.Fertigungstechnik
    8. 169 Maurer, K.: "PRA-Produkt Risiko Analyse- Qualität im Produkt-Design", Kurzform der Dissertation, Inst.Fertigungstechnik der TU Graz 1994
    9. [172]Morita, A.:"Made in Japan; The genius behind Sony-Eine Weltkarriere", Hestia Verlag, 2.Auflage, 1986
    10. 201]Schmelzer, H.J.: "Qualitätscontrolling in der Produktplanung und Produktentwicklung" QZ 39, 1994, Heft 2, S.117 bis 125 und Heft 3, S.260 bis S.267
    11. [234]Wittig, K.J.:"Qualitätsmanagement in der Praxis; DIN-ISO 9000, Lean Production, Total Quality Management, Einführung eines QM-Systems im Unternehmen", B.G.Teubner Verlag Stuttgart