www.caq4-qualitätsmanagement.com Hier gehts zu caq4- Produkt-, Prozess-, Qualitätsmanagement, Phasenmodell der Produktentstehung, Qualitycheck, Risikomanagement        www.qualitätsmanagement-suchen.com
    ® Copyright 2010        War diese Website für Sie hilfreich?     Kontakt:   info.caq4@utanet.at


WARENEINGANGSPRÜFUNG

Ziel: Es muss sichergestellt sein, dass zugelieferte Produkte nicht verarbeitet werden, solange nicht in angemessener Weise die Erfüllung mit den festgelegten Qualitätsforderungen geprüft wurde. Dies geschieht häufig mit einer Waren-Eingangsüberprüfung.

Querverweis: In modernen Kunden/ Lieferantenbeziehungen wird aus Kostengründen häufig auf Wareneingangsprüfungen verzichtet.

Die ISO 9001:1994 unterscheidet die folgenden beiden Möglichkeiten:

Prüfung durch den Lieferanten beim Unterauftragnehmer
Prüfung des Produktes des Unterauftragnehmers durch den Kunden

Prüfung durch den Lieferanten beim Unterauftragnehmer

Die (100%- und/oder Stichproben-) Prüfung durch den Lieferanten beim Unterauftragnehmer (Lieferanten) entspricht der ganz normalen Ausgangsprüfung oder Konformitätsprüfung des Lieferanten vor Auslieferung der Ware.

Näheres zur Warenausgangsprüfung oder Konformitätsprüfung des Lieferanten vor Auslieferung der Ware siehe hier.

Prüfung des Produktes des Unterauftragnehmers durch den Kunden

Die Durchführung einer Wareneingangskontrolle beim Kunden entbindet den Zulieferanten in keiner Weise von seiner Verantwortung zur Lieferung von Produkten einwandfreier Qualität [ISO 9001 Pkt. 4.6.4 und ISO 9004:1994 Punkt 9.1].

Der Abnehmer muss sich bei der Wareneingangsprüfung oder beim Lieferanten über die Einhaltung der festgelegten Forderungen überzeugen. Trotz dieser Überprüfung hat der Lieferant seine Produkte gemäß den Vereinbarungen zu liefern und seine Fertigung entsprechend zu steuern (WITTIG [1] S.65) und wird durch diese Überprüfung von seiner Verantwortung nicht enthoben.

Abläufe und Zuständigkeiten sind so zu regeln, dass Produkte und Dienstleistungen nur dann weiterverarbeitet werden, wenn sie den Anforderungen entsprechen. Dabei sind die Maßnahmen der Qualitätssicherung beim Zulieferanten zu berücksichtigen. Freigaben ohne Wareneingangsprüfung bedürfen einer besonderen Regelung bezüglich Kennzeichnung und Dokumentation (WITTIG [1] S.73).

Allgemeines:

In der Vergangenheit aber auch z.Teil noch in der Gegenwart war/ist es gängige Praxis, mittels Stichprobenprüfungen in Abhängigkeit vom Stichprobenergebnis über Annahme oder Rückweisung einer Lieferung zu entscheiden. (DANZER [2] S.66) weist nachdrücklich daruf hin, dass die Wareneingangsprüfung in mancherlei Hinsicht problematisch ist. Der Hauptkritikpunkt hat mathematisch/statistische Gründe. Bei der heute üblichen Qualitätslage mit fehlerhaften Einheiten im ppm -Bereich sind Stichproben einfach nicht mehr geeignet, Lose mit fehlerhaften Teilen zu selektieren. Hier würde nur eine 100 % Kontrolle hilfreich sein, die in der Regel beim Lieferanten aber schon erfolgt ist. Eine Wiederholung dieser 100% Prüfung beim Kunden im Zuge der Eingangskontrolle ist wirtschaftlich nicht vertretbar bzw. auch nicht sinnvoll und wird nur in Ausnahmefällen angewendet, beispielsweise nach einem Qualitätseinbruch oder nach Problemen in der eigenen Fertigung mit den angelieferten Produkten. Eben diese Kostengründe haben ja zu Stichprobenprüfungen geführt, deren Sinnhaftigkeit - siehe oben- heute zweifelhaft ist. Nach wie vor sinnvoll sind jedoch Konformitätskontrollen, wo geprüft wird, ob die angelieferte Ware auch tatsächlich der bestellten Ware entspricht, ob Prüfzertifikate (des Lieferanten) beigelegt sind bzw./oder entsprechende Prüfungen durchgeführt worden sind und mit welchem Ergebnis. So banal diese Forderungen auch klingen, sind Verwechslungen in der Praxis doch sehr häufig. Durch Konformitätsprüfungen können diese jedoch erkannt werden. Weitere Kritikpunkte einer Wareneingangskontrolle sind, dass aus wirtschaftlichen Gründen keine Prüfung von 100% aller Q-Merkmale möglich ist und somit bei einer Wareneingangsprüfung meist nur nach bekannten, bereits aufgetretenen Fehlern speziell gesucht werden kann, wofür dann auch Gut/ Schlecht-Muster bereitstehen. Neue, zuvor noch niemals aufgetretene Fehler können damit nicht erkannt werden, insbesonders dann, wenn das Prüfpersonal selbst nicht aus Fachpersonal sondern aus Anlernkräften besteht.

Moderne Logistiksysteme mit minimalen Pufferbeständen und zeitgenauer Anlieferung (Just in time) können sich jedoch alleinig auf die Prüfentscheidung nicht verlassen, da das Risiko einer Nichtverfügbarkeit bereits disponierter Ware einfach zu groß wäre. Modernes Qualitätsmanagement bei Zulieferungen muss also viel früher ansetzen, d.h. bereits beim Lieferanten.

Nach Kenntnis des Verfassers führen kleine Firmen bei der Verwendung von zugekauften elektronischen Bauteilen allein schon aus Gründen fehlender, weil teurer Prüfmöglichkeiten entweder selbst keine elektrischen Eingangsprüfung durch (wohl aber Identitätskontrollen) oder aber lassen diese bei externen Prüf- oder Testlabors durchführen. Große Systemhersteller (z.B. von PC's) haben jedoch selbst die nötigen Testmöglichkeiten und führen somit elektrische Eingangsprüfungen von elektronischen Zukaufteilen meist auch im eigenen Hause durch, falls sie nicht aus Kostengründen im Rahmen von "Ship to stock"-Programmen darauf verzichten.

Ship-to-Stok-Verträge:

Begleitend setzen diese jedoch eine begleitende Überprüfung des Lieferanten QM-Systemen voraus (Lieferanten Audit). Zusammengefasst wird diese moderne Vorgehensweise vom Stichwort "Ship to stock" (STS) und entsprechenden STS Verträgen. Aufgrund des nicht unbeachtlichen Aufwandes solcher spezieller Lieferantenüberprüfungen werden diese nur bei größeren Firmen in Frage kommen. Eine preiswerte Alternative für Klein und Mittelbetriebe könnte jedoch die Zertifizierung von Zulieferbetrieben nach ISO 9000 durch staatlich autorisierte Prüfstellen darstellen. Zusammengefaßt wird diese moderne Vorgehensweise vom Stichwort "Ship to stock" (STS) und entsprechenden STS Verträgen. Aufgrund des nicht unbeachtlichen Aufwandes solcher spezieller Lieferantenüberprüfungen werden diese nur bei größeren Firmen in Frage kommen. Eine preiswerte Alternative für Klein und Mittelbetriebe könnte jedoch die Zertifizierung von Zulieferbetrieben nach ISO 9000 durch staatlich autorisierte Prüfstellen darstellen. Umfangreiche Eingangskontrollen unter Verwendung aller einschlägigen Verfahren Normmaterialien, Teile usw. (N) sind in Datenblättern, Prospekten, Normen usw. ausreichend spezifiziert. Einschränkung: Es ist zu prüfen, welche Normen zugrundeliegen, insbesondere bei ausländischen Anbietern! Hier besteht auch ein Zusammenhang mit dem ISO 9004 Punkt 7.1c "Vertragsprüfung" der Marketingabteilung.

Näheres zur Ship to stock- Verträgen siehe hier.

Näheres zur JIT- Just in time- Lieferungen siehe hier.

Durchführung der Wareneingangsprüfung:

Näheres zur Durchführung der Wareneingangsprüfung siehe hier.

Einrichtung von Sperrlagern:

Insbesondere bei größeren Unternehmen sind eigene Sperrlager oder versperrbare Bereiche im Eingangslager üblich, zu welchen nur die Organisationseinheit Qualitätswesen Zugang bzw. das Verfügungsrecht hat. Sinn solcher Sperrbereiche ist es, für die Verarbeitung gesperrte Ware solange zweifelsfrei zu verwahren, bis über deren Rückweisung, Weiterverwendung im Rahmen einer Sonderfreigabe oder sonstiges entschieden ist. Es gibt auch die Möglichkeit, solche Waren auch nur EDV-mäßig im Produktionsleitsystem für die weitere Verarbeitung zu sperren.

Näheres zur Errichtung von Sperrlagern siehe hier.

Führen von Aufzeichnungen über die Qualität der Zulieferungen

Nachdem jedoch keine prinzipiellen Unterschiede zwischen den Aufzeichnungen aus der Eingangsprüfung, aus den Zwischenprüfungen und der Ausgangsprüfung bestehen, werden diese gemeinsam mit ISO 9001-Kapitel 4.10.5 "Prüfaufzeichnungen" behandelt.

Querverweis: Die Aufzeichnungen durchgeführter Prüfungen sind eindeutig der geprüften Ware zuzuordnen (vergleiche "Identifikation und Rückverfolgbarkeit" ).

nach oben


Literaturhinweise

    Wittig, K.J.:"Qualitätsmanagement in der Praxis; DIN-ISO 9000, Lean Production, Total Quality Management, Einführung eines QM-Systems im Unternehmen", B.G.Teubner Verlag Stuttgart 1994
  1. Danzer, H.H.: "Qualitätsmanagement im Verdrängungswettbewerb- Der Schlüssel zum Überleben im Käufermarkt" TAW-Verlag Wuppertal ISBN 3-930526-01-8 und Verlag Industrielle Organisation Zürich 1995 ISBN 3-85743-979-3