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Wareneingangsprüfung
Unterscheidung nach ISO 9001:1994 Punkt 4.6.4.1 und 2

Systemnormen zur Wareneingangsprüfung hier.

QM-Darlegung bei Lieferanten
Beschaffung
Lieferantenbeurteilung und -freigabe
Beschaffungsverfahren
Beschaffungsangaben
Wareneingangsprüfung

Prüfung durch den Lieferanten beim Unterauftragnehmer
Warenausgangsprüfung beim Lieferanten

Schlägt der Lieferant vor, zugekaufte Produkte auf dem Gelände des Unterauftragnehmers zu prüfen, muss der Lieferant Prüfvereinbarungen und die Methode der Produktfreigabe in den Beschaffungsdokumenten festlegen [ISO 9001:1994 4.6.4.1].

Bemerkung: Gegenüber der Ausgabe der ISO-Norm vom Mai 1990 ist in der Ausgabe von 1994 neu hinzugekommen, dass in den Bestellungen Prüfvereinbarungen und die Freigabemethoden (Beschreibung der Prüfung, Prüfequipment, anzuwendende Vorschriften und Prüfverfahren, Belege, wer prüft usw.) bezüglich der zu bestellenden Produkte festzuschreiben ist (Prüfpläne).

  • Prüfung des Produktes des Unterauftragnehmers durch den Kunden
    Wareneingangsprüfung durch den Kunden

    Wo es im Vertrag festgelegt ist, muss dem Kunden des Lieferanten oder seinem Beauftragten das Recht eingeräumt werden, beim Unterauftragnehmer und beim Lieferanten zu prüfen, dass ein Unterauftragsprodukt die festgelegte Qualitätsforderung erfüllt. ....[ISO 9001:1994 4.6.4.2].

    Planung und Überwachungen der Eingangsprüfung

    Der Abnehmer muss sich bei der Wareneingangsprüfung oder beim Lieferanten über die Einhaltung der festgelegten Forderungen überzeugen. Trotz dieser Überprüfung hat der Lieferant seine Produkte gemäß den Vereinbarungen zu liefern und seine Fertigung entsprechend zu steuern (WITTIG [2] S.65) und wird durch diese Überprüfung von seiner Verantwortung nicht enthoben.

    Abläufe und Zuständigkeiten sind so zu regeln, dass Produkte und Dienstleistungen nur dann weiterverarbeitet werden, wenn sie den Anforderungen entsprechen. Dabei sind die Maßnahmen der Qualitätssicherung beim Zulieferanten zu berücksichtigen. Freigaben ohne Wareneingangsprüfung bedürfen einer besonderen Regelung bezüglich Kennzeichnung und Dokumentation (WITTIG [2] S.73).

    Allgemeines:

    In der Vergangenheit aber auch z.Teil noch in der Gegenwart war/ist es gängige Praxis, mittels Stichprobenprüfungen in Abhängigkeit vom Stichprobenergebnis über Annahme oder Rückweisung einer Lieferung zu entscheiden. (DANZER ([1] S.66) weist nachdrücklich daruf hin, dass die Wareneingangsprüfung in mancherlei Hinsicht problematisch ist. Der Hauptkritikpunkt hat mathematisch/statistische Gründe. Bei der heute üblichen Qualitätslage mit fehlerhaften Einheiten im ppm -Bereich sind Stichproben einfach nicht mehr geeignet, Lose mit fehlerhaften Teilen zu selektieren. Hier würde nur eine 100 % Kontrolle hilfreich sein, die in der Regel beim Lieferanten aber schon erfolgt ist. Eine Wiederholung dieser 100% Prüfung beim Kunden im Zuge der Eingangskontrolle ist wirtschaftlich nicht vertretbar bzw. auch nicht sinnvoll und wird nur in Ausnahmefällen angewendet, beispielsweise nach einem Qualitätseinbruch oder nach Problemen in der eigenen Fertigung mit den angelieferten Produkten. Eben diese Kostengründe haben ja zu Stichprobenprüfungen geführt, deren Sinnhaftigkeit - siehe oben- heute zweifelhaft ist. Nach wie vor sinnvoll sind jedoch Konformitätskontrollen, wo geprüft wird, ob die angelieferte Ware auch tatsächlich der bestellten Ware entspricht, ob Prüfzertifikate (des Lieferanten) beigelegt sind bzw./oder entsprechende Prüfungen durchgeführt worden sind und mit welchem Ergebnis. So banal diese Forderungen auch klingen, sind Verwechslungen in der Praxis doch sehr häufig. Durch Konformitätsprüfungen können diese jedoch erkannt werden. Weitere Kritikpunkte einer Wareneingangskontrolle sind, dass aus wirtschaftlichen Gründen keine Prüfung von 100% aller Q-Merkmale möglich ist und somit bei einer Wareneingangsprüfung meist nur nach bekannten, bereits aufgetretenen Fehlern speziell gesucht werden kann, wofür dann auch Gut/ Schlecht-Muster bereitstehen. Neue, zuvor noch niemals aufgetretene Fehler können damit nicht erkannt werden, insbesonders dann, wenn das Prüfpersonal selbst nicht aus Fachpersonal sondern aus Anlernkräften besteht.

    Moderne Logistiksysteme mit minimalen Pufferbeständen und zeitgenauer Anlieferung (Just in time) können sich jedoch alleinig auf die Prüfentscheidung nicht verlassen, da das Risiko einer Nichtverfügbarkeit bereits disponierter Ware einfach zu groß wäre. Modernes Qualitätsmanagement bei Zulieferungen muss also viel früher ansetzen, d.h. bereits beim Lieferanten. Dieser Gesichtspunkte wurde in Kap. 4.6.2 ausführlich behandelt.

    Nach Kenntnis des Verfassers führen kleine Firmen bei der Verwendung von zugekauften elektronischen Bauteilen allein schon aus Gründen fehlender, weil teurer Prüfmöglichkeiten entweder selbst keine elektrischen Eingangsprüfung durch (wohl aber Identitätskontrollen) oder aber lassen diese bei externen Prüf- oder Testlabors durchführen. Große Systemhersteller (z.B. von PC's) haben jedoch selbst die nötigen Testmöglichkeiten und führen somit elektrische Eingangsprüfungen von elektronischen Zukaufteilen meist auch im eigenen Hause durch, falls sie nicht aus Kostengründen im Rahmen von "Ship to stock"-Programmen darauf verzichten.

    Ship-to-Stok-Verträge

    Begleitend setzen diese jedoch eine begleitende Überprüfung des Lieferanten QM-Systemen voraus (Lieferanten Audit). Zusammengefaßt wird diese moderne Vorgehensweise vom Stichwort "Ship to stock" (STS) und entsprechenden STS Verträgen. Aufgrund des nicht unbeachtlichen Aufwandes solcher spezieller Lieferantenüberprüfungen werden diese nur bei größeren Firmen in Frage kommen. Eine preiswerte Alternative für Klein und Mittelbetriebe könnte jedoch die Zertifizierung von Zulieferbetrieben nach ISO 9000 durch staatlich autorisierte Prüfstellen darstellen. Zusammengefaßt wird diese moderne Vorgehensweise vom Stichwort "Ship to stock" (STS) und entsprechenden STS Verträgen. Aufgrund des nicht unbeachtlichen Aufwandes solcher spezieller Lieferantenüberprüfungen werden diese nur bei größeren Firmen in Frage kommen. Eine preiswerte Alternative für Klein und Mittelbetriebe könnte jedoch die Zertifizierung von Zulieferbetrieben nach ISO 9000 durch staatlich autorisierte Prüfstellen darstellen. Umfangreiche Eingangskontrollen unter Verwendung aller einschlägigen Verfahren Normmaterialien, Teile usw. (N) sind in Datenblättern, Prospekten, Normen usw. ausreichend spezifiziert. Einschränkung: Es ist zu prüfen, welche Normen zugrundeliegen, insbesondere bei ausländischen Anbietern! Hier besteht auch ein Zusammenhang mit dem ISO 9004 Punkt 7.1c "Vertragsprüfung" der Marketingabteilung.

    Durchführung der Wareneingangsprüfung

    Normen

    Querverweis: Die ISO 9001 behandelt die Wareneingangsprüfung im Kapitel 4.10.2 "Eingangsprüfung". Aus Gründen der Zugehörigkeit zum Punkt 4.6 "Beschaffung" wird die Wareneingangsprüfung hier behandelt. Die entsprechenden Normstellen aus dem Kap. 4.10.2 werden anschließend zitiert.

    Einrichtung von Sperrlagern

    Insbesondere bei größeren Unternehmen sind eigene Sperrlager oder versperrbare Bereiche im Eingangslager üblich, zu welchen nur die Organisationseinheit Qualitätswesen Zugang bzw. das Verfügungsrecht hat. Sinn solcher Sperrbereiche ist es, für die Verarbeitung gesperrte Ware solange zweifelsfrei zu verwahren, bis über deren Rückweisung, Weiterverwendung im Rahmen einer Sonderfreigabe oder sonstiges entschieden ist. Es gibt auch die Möglichkeit, solche Waren auch nur EDV-mäßig im Produktionsleitsystem für die weitere Verarbeitung zu sperren.

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    Literaturhinweise

    1. Danzer, H.H.: "Qualitätsmanagement im Verdrängungswettbewerb" TAW-Verlag Wuppertal ISBN 3-930526-01-8 und Verlag Industrielle Organisation Zürich 1995 ISBN 3-85743-979-3
    2. Wittig, K.J.:"Qualitätsmanagement in der Praxis; DIN-ISO 9000, Lean Production, Total Quality Management, Einführung eines QM-Systems im Unternehmen", B.G.Teubner Verlag Stuttgart