PBO Europa Sinfonie

Fertigstellung der sechsteiligen CD-Serie des Pannonischen Blasorchesters (PBO)

von Bernhard Habla

Mit Aufnahme der Sinfonie De la guerre et de la paix von Georgy Salnikov im November 2011 konnte die sechsteilige CD-Serie des Pannonischen Blasorchesters abgeschlossen werden. Damit spielte das PBO seit seiner Gründung im Jahr 1990 insgesamt 15 CDs ein. Nummer 10 bis 15 davon sind die sechs CDs der Reihe „Europa Sinfonie“, die anhand ausgewählter Werke die Gattung „Sinfonie“ für Blasorchester, wie sie von europäischen Komponisten von der Französischen Revolution bis in das 21. Jahrhundert komponiert worden ist, vorstellt.

Das Projekt „Europa Sinfonie“

In Zusammenarbeit mit der Pannonischen Forschungsstelle (PFS) des Instituts Oberschützen (Institut 12) der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz wurde das Symphonic Project des PBO zur Europa Sinfonie weiter entwickelt. Nach umfangreichen Vorarbeiten konnte aus den bekannten einschlägigen Kompositionen eine repräsentative Auswahl getroffen werden, die von Werken für die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Französischen Revolution bis zu groß angelegten Kompositionen der Gegenwart reichen. Die vollständige Serie von sechs CDs ist darüber hinaus in interpretatorischer Sicht interessant, da sich Dirigent und MusikerInnen eines Orchesters mit Werken europäischer Komponisten in einem über zweihundertjährigen Schaffenszeitraum auseinandersetzen - quasi einen Sinfonie-Zyklus in einem (pannonischen) Atem spielen.

PBO und Sinfonie

Seit 1995, als erstmals die Sinfonie The Lord of the Rings von Johan de Meij in mehreren Konzerten sowie die 1. Sinfonie von Gustav Mahler in der Bearbeitung von Désiré Dondeyne beim Gustav Mahler-Fest in Dobbiaccho / Toblach aufgeführt werden konnten, stehen beim PBO regelmäßig Sinfonien auf den Programmen, die zum Teil über zehn Mal aufgeführt werden konnten. Dies führte 2003 mit der Aufführung von James Barnes Third Symphony und Antonín Dvořáks 9. Sinfonie Aus der Neuen Welt (arr. Albert Meijns) zum „Symphonic Project. Neue Klangsichten in bekannte Werke“ und 2007 zum „Symphonic Project“, bei dem die Aufnahme der sechsteiligen CD-Serie im Mittelpunkt stand.

Aufgeführte Sinfonien (neben den Sinfonien der CD-Reihe):

Gustav Mahler, 1. Sinfonie, arr. Désiré Dondeyne
Antonín Dvořák 9. Sinfonie. Aus der Neuen Welt, arr. Albert Meijns

James Barnes - Third Symphony
Johan de Meij - Lord of the Rings (1. Sinfonie)
Alfred Reed Third Symphony
Alfred Reed Fourth Symphony
Franz Reinl (Heldische) Sinfonie
Eduard Ploner Sinfonie in Es (instr. Sepp Tanzer)

Die Aufnahme der CD-Serie „Europa Sinfonie“

Aufnahmetermine in Eisenstadt (Komponisten )[Aufnahmeleitung]:

2007 Sa 28. und So 29. April (Roost, Gordon) [Alois Loidl]
2008 Sa 5. und So 6. April (Gossec, Küffner, Berlioz) ) [Alois Loidl]
2008 Sa 22. und So 23. November (Meij, Lancen) ) [Alois Loidl]
2009 Sa 25. April (Ferran) [Alois Loidl]
2010 Sa 17. und  So. 18. April (Brüggemann, Hidas) [Gerald Oswald]
2011 Sa 7. und So 8. Mai (Fauchet, Gotkovsky) [Manfred Skale]
2011 Sa 5. November (Salnikov) [Gerald Oswald]

Die tontechnische Betreuung lag in den bewährten Händen von Karl Idl vom ORF Landesstudio Burgenland in Eisenstadt, der sowohl alle Aufnahmen als auch den Schnitt und die Abmischung der sechs CDs durchführte und den Klang des PBO in bester Qualität zur Geltung brachte. Dank gilt dem ORF Landesstudio Burgenland für die Durchführung dieser aufwendigen Produktion bis zur Master-CD. Tontechniker Johann Steinecker betreute die Choraufnahme für die sechste CD (Sinfonie von Salnikov) im November 2011 in Graz.

Dank gilt den Aufnahmeleitern Alois Loidl, Gerald Oswald und Manfred Skale, die sich für die Betreuung der Aufnahmen bereit erklärten und bereits vor Ort die qualitätvolle Aufnahmen überwachten. Johannes Steinwender leitete die Aufnahme des Chores für die sechste CD (Sinfonie von Salnikov).

Endfertigung und Produktion

Die Endfertigung (Druck des Booklets und der Drucksorten für die CD-Hülle, CD-Brennen, Verpackung etc.) wurde in freundschaftlichem Kontakt mit Andreas (Andy) Wild bei der Firma Tyrolis in Zirl bei Innsbruck betreut und ausgeführt. Tyrolis übernahm neben der Herstellung auch den Vertrieb der CDs.

Das Cover

Für die Serie schuf der burgenländische Künstler Alexander Fülöp sechs Motive aus dem Burgenland (kolorierte Zeichnungen), die von Klaus Kappel und Reinhard Stangl zur Gestaltung der CD-Cover herangezogen wurden:

Alexander Fülöp Sechs Motive aus dem Burgenland (2007)

die sechs Motive haben die Titel:

I. Taubenkogel (braun)
II. Ziehbrunnen (orange)
III. Leiterwagen (blau)
IV. Telegraphenmast (grün)
V. Weinkeller (rot)
VI. Tschardake (hellbraun)

Das Pannonische Blasorchester (PBO)

Das PBO wurde 1990 von Bernhard Habla (Organisation) und Peter Forcher (Dirigent) gegründet und kann in den letzten beiden Jahrzehnten auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Der Name des Orchesters bezieht sich auf die alte römische Provinz Pannonien, deren westlicher Teil heute das Burgenland bildet, wo das Orchester in Oberschützen seinen Standort hat. Die Musiker und Musikerinnen sind allesamt AbsolventInnen und StudentInnen des Instituts Oberschützen der Kunstuniversität [vormals Musikhochschule] Graz sowie weiterer österreichischer Kunstuniversitäten und Konservatorien.

Seit seiner Gründung widmet sich das PBO konzertanter Musik, und zwar sowohl originalen Kompositionen als auch Bearbeitungen für Blasorchester und Wind Ensemble und wirkte und wirkt maßgeblich bei der Durchführung avantgardistischer Musikprojekte mit Blas- und Schlaginstrumenten mit, wobei die Uraufführung von Fifty Eight des amerikanischen Komponisten John Cage (1912-1992) ein herausragendes Ereignis darstellte.

Neben der Aufnahme von eigenen CDs und zahlreichen weiteren Aufnahmen sowie Konzerten im In- und Ausland mit konzertantem Repertoire, widmet sich das PBO seit 2003 unter dem Arbeitstitel „Symphonic Project“ vornehmlich der Aufführung von Sinfonien und sinfonischen Werken und zwar sowohl in Bearbeitungen als auch originalen Kompositionen für Blasorchester. Neben „Symphonic Project“ und „Europa Sinfonie“ für große Besetzungen werden seit 2011 unter der Bezeichnung „PBO Janitscharenmusik“ Werke für Blasmusikbesetzungen der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts aufgeführt. Dabei wird eine den historischen Instrumenten angemessene Besetzung mit modernem Instrumentarium angestrebt.

Peter Forcher

Studium in Innsbruck und Oberschützen. 1987 Künstlerische Diplomprüfung mit Auszeichnung. Lehrbeauftragter an der Kunstuniversität Graz (KUG) von 1989 bis 2007 am Institut Oberschützen, seit 2008 für Kammermusik. Künstlerische Tätigkeit beim Gustav Mahler Jugendorchester (GMJO), Klangforum Wien, Ensemble des 20. Jahrhunderts, Trio Clarin und vienna clarinet connection. Mitwirkung bei Festivals wie u.a. „Mozartwoche Salzburg“, „Carinthischer Sommer“, „Salzburger Festspiele“, „Mondsee-Tage“. Seit 2006 Kapellmeister der Elin Stadtkapelle Weiz. Seit 1990 Chefdirigent des Pannonischen Blasorchesters.

Scholae Musici Cantores

Die Scholae Musici Cantores ist ein junger Chor, der sich großteils aus Studierenden des Lehramtsstudiums Musikerziehung der Kunstuniversität Graz (KUG) zusammensetzt und 2005 von Johannes Steinwender gegründet wurde. Der Chor präsentierte sich bisher sowohl als eigenständiger Klangkörper als auch in Zusammenarbeit mit dem Chor des KMV Hartberg (Kirchenmusikverein Hartberg) (z.B.: Mozart: „Requiem“ und J. Haydn „Theresienmesse“ mit dem „Wiener Concert-Verein“ und  A. Bruckner: „Messe in E-moll“, J.S. Bach „Motetten“ u.a.). Der Chor wird von Johannes Steinwender geleitet.

Chorleiter Johannes Steinwender

Johannes Steinwenderwurde in Hartberg geboren, beendete seine Studien an der Kunstuniversität Graz  als Mag.art. sowie als Dr.phil. und lehrt als Assistenzprofessor für Musiktheorie an dieser. Neben der musikpädagogischen (Kontrapunkt, Harmonielehre, u.a.) und musikwissenschaftlichen Arbeit (Herausgeber, Werkeinführungen, etc.) ist er im künstlerischen Bereich als Dirigent, Chorleiter und als Komponist tätig. In den beiden ersten künstlerischen Eigenschaften war er u.a. auch bei wichtigen Festivals („Styriarte“, „steirischer Herbst“) mit Uraufführungen zu Gast.

Zu den Werken der Serie

Die Auswahl der Sinfonien für diese CD wurde auf Basis der Vorarbeiten des Autors getroffen, der sich seit 2006 mit der Sinfonie für Blasorchester beschäftigt und mehrere Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht hat (siehe unten). Dabei fand sowohl die zeitliche Abfolge aus auch die geografische Zuordenbarkeit der Komponisten Beachtung, wobei sich eine Lücke n in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht schließen ließ. Demgegenüber fiel die Auswahl der Werke in den letzten Jahrzehnten des 20. und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts aufgrund des relativ umfangreichen Angebotes schwer. Weiters sollte die lange Tradition an einschlägigen französischen Werken gezeigt werden, die bei den Feierlichkeiten an Jahrestagen der Französischen Revolution ihren Beginn hat und zunächst bis Berlioz reicht. Das Werk von Fauchet in den 1920er Jahren gibt der Forschung noch einige Rätsel in Bezug auf Anlass der Komposition, Uraufführung etc. auf, Serge Lancen und die Komponisten Ida Gotkovsky lassen die Klang- und Stil-Vielfalt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spüren. Anzumerken ist, dass ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Sinfonien Namen mit Programmen tragen, denen verschiedenste Themen zu Grunde liegen.

1793 Frankreich: François Joseph Gossec Simphonie militaire [CD I]

vor 1825 Deutschland: Joseph Küffner Musique militaire ou Sinfonie, op.163[CD I]
1840 Frankreich: Hector Berlioz (1803-1869) Grande Symphonie Funèbre et Triomphale[CD I]

1926 Frankreich: Paul Fauchet Symphonie pour Musique d’Harmonie [CD II]

1962 Frankreich: Serge Lancen Manhattan Symphony [CD V]
1978 England: Gordon Jacob Symphonie AD 78 [CD IV]
1986 Russland: Georgy Salnikov De la guerre et de la paix (Symphonie op.39) [VI]
1988 Frankreich: Ida Gotkovsky Symphonie de printemps. Les Saisons - pour orchestre d’harmonie [CD II]
1988 Niederlande: Johan de Meij Symphony No.1 “The Lord of the Rings” [V]
1996 Österreich: Werner Brüggemann Sinfonia Carinthia [CD III]
1997 Ungarn: Frigyes Hidas Save the Sea. A Symphony for Symphonic Band [CD VI]

2000 / 2001 Belgien: Jan Van der Roost Sinfonia Hungarica [CD IV]
2002 Spanien: Ferrer Ferran La Passió de Crist (Sinfonia no.2) [CD III]

Literatur:

Bernhard Habla, Europa-Sinfonie. Sinfonische Blasmusik aus zwei Jahrhunderten Neues Grossprojekt des PBO ab 2007, in: www.pbo.at (16. Nov 2011)

Bernhard Habla, SYMPHONIC PROJECT, in: www.pbo.at (16. Nov 2011)

Bernhard  Habla, Sinfonien europäischer Komponisten für Blasorchester und Wind Ensemble - regionale Vergangenheit, globale Zukunft, in: Bernhard  Habla und Damien Sagrillo(Hg), Kongressbericht Echternach, Luxemburg 2008, (= Alta Musica Band 28), Tutzing 2010, S.127-150.

Zur Besetzung der Werke bei den vorliegenden Aufnahmen / Notenmaterial

Bei den Aufnahmen der Sinfonien wurden die in der Partitur verlangten Instrumente nach den gegenwärtig üblichen Stimmbesetzungen besetzt. Bei den Werken von

Gossec und Küffner wurde behutsam versucht mit dem heute verfügbaren Instrumentarium die Besetzungen des frühen 19. Jahrhunderts nachzuempfinden. So wurde für die damals übliche Vielfalt an Bassinstrumenten, zu denen Serpent, Basshorn, Ophiclëide, Posaune, Fagott, Kontrafagott etc. zählten und die eine klanglich schlankere Ausführung der Bassstimme zur Folge hatten, eine Besetzung von Fagott, Kontrafagott und Bassposaune gewählt.

Die Werke von Gossec und Berlioz sind vor dem Hintergrund großer Freiluftveranstaltungen zu sehen, die mit dementsprechend umfangreichen Besetzungen ausgeführt wurden. Diese wurden auf Studiogröße reduziert, indem auf die vier- und fünffache Besetzung der Stimmen verzichtet wurde. Dadurch entstand ein durchsichtigeres Klangbild, bei dem der ursprünglich angestrebte voluminöse Klang für Freiluftaufführungen jedoch nicht an Wirkung verlor.
Ebenso wurden die für die Sinfonie von Fauchet wichtigen weitmensurierten Blechblasinstrumente mit den in Österreich, dem Standort des PBO, üblichen Flügelhörnern und Bassflügelhörnern (Tenorhorn) / Euphonium besetzt. Für alle Aufnahmen wurde originales Notenmaterial der Zeit oder Erstdrucke herangezogen.

Die Werke der CDs (Text nach den Booklets)

CD I

François Joseph Gossec Simphonie militaire

François Joseph Gossec (1734-1829) schuf seine Simphonie 1793 für die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Französischen Revolution. Weitere, mit Sinfonie bezeichnete, einsätzige Werke schufen in diesen Jahren Louis Emmanuel Jadin (1768-1853) und Charles Simon Catel (1773-1830). Im Unterschied zu den beiden letztgenannten besteht allerdings das Werk von Gossec aus drei Sätzen. Diese Tatsache, sowie die Tonartenfolge der drei Sätze in F, F und C-Dur, einem Schlusssatz also in der Dominanttonart, veranlassten David Swanzy zu Überlegungen nach einem abschließenden vierten Satz, der aufgrund der Zeitknappheit für die Entstehung des Werkes unter Umständen nicht rechtzeitig fertig gestellt hätte werden können. Jedoch veranlasste die Position der Sinfonie im vorgesehenen Aufführungszyklus David Swanzy zur Überlegung, dass es sich ja doch um ein viersätziges Werk handeln könnte, da ein Chor mit Bläsern in F folgt, der zumindest den Eindruck eines abschließenden vierten Satzes mit einem Chor entstehen ließ. Als Begründung führt Swanzy an, dass bei keiner Revolutions-Feierlichkeit dieser Jahre zwei Werke eines Komponisten hintereinander auf dem Programm standen, was hier der Fall ist, weiters würde die Folge der vier Sätze nun wieder mit der Tonika abgeschlossen. Eine endgültige Klärung ist derzeit leider nicht möglich, was bei der vorliegenden CD zur Aufnahme des dreisätzigen Werkes führte. (Siehe auch: David Swanzy, Gossec’s Symphonie Militaire (1793-94). A Choral Wind Symphony?, in: Journal of Band Research VI / 1 (Fall 1969), S.5-10).

Joseph Küffner Musique militaire ou Sinfonie, op.163

Die Sinfonie von Joseph Küffner (1776-1856), die als Stimmenmaterial (ohne gedruckte Partitur) bei B. Schotts Fils (Söhne) erschienen ist und die 1825 im Nachtragsband zu C.F. Whistling's Handbuch der musikalischen Litteratur ... nachgewiesen und datiert wird, zählt zu den wenig bekannten Sinfonien für Blas-Militärmusik der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Als Komponisten weiterer Sinfonien wären etwa zu nennen Amand Vanderhagen (1753-1822), Christian Frederick Barth (1787-1861), Antonin Reicha (1770- 1836) etc. Diese Unbekanntheit ist schwer zu verstehen, da das Musikantische der Themen und die technische Virtuosität der Stimmen die Musiker und Musikerinnen des PBO bei den Proben und bei der Aufnahme begeisterten.

Küffner stammte aus Würzburg, wo er auch wirkte und verstarb. Neben seiner Tätigkeit als Violinist im Hoforchester übernahm er vorübergehend die Musikmeisterstellung in einem bayerischen Regiment und schuf Werke für diese Besetzungen. Sein vielfältiges kompositorisches Schaffen umfasst auch Musik für Gitarre, die heute noch vielfach bekannt ist und gespielt wird.

Hector Berlioz (1803-1869) Grande Symphonie Funèbre et Triomphale

Die Grande Symphonie Funèbre et Triomphale stellt das bekannteste Werk dieser CD dar. Sie entstand als Auftragswerk für die Einweihung der Bastille-Säule, die am 28. Juli 1840 - anlässlich des Zehnjahrestages der Juli-Revolution im Jahre 1830 - errichtet wurde. Die vorliegende CD gibt die ursprüngliche Fassung für Blasinstrumente wieder. In dieser Fassung wurde das Werk mit annähernd 450 Musikern aufgeführt. 1842 fügte Berlioz im dritten Satz (Apotheose) noch Streicherstimmen und den Chor, auf einen Text von Antony Deschamps, hinzu.
Die Partitur des Erstdruckes verlangt 111 Bläser (darunter 33 Klarinetten und 14 Schlagzeuger), sowie ad libitum 25 Celli und Bässe, im dritten Satz (Apotheose) kommen noch 200 Sänger und 55 Violinen und Bratschen hinzu. Die große Zahl ergibt sich aus der bis zu 14-fachen Besetzung einzelner Stimmen. Für die vorliegende Aufnahme wurden die in der Partitur genannten Instrumente im Verhältnis von zirka 5 zu 1 reduziert.

CD II

Paul Fauchet Symphonie pour Musique d’Harmonie

Der Franzose Paul Fauchet (1881-1937) komponierte diese viersätzige Symphonie pour Musique d’Harmonie [Symphonie für Harmoniemusikorchester (Blasorchester)] in spätromantischer Klangsprache. Die Uraufführung erfolgte 1926 durch das Blasorchester der Garde Républicaine, Paris. Diese Symphonie zählt zu den sehr bekannten originalen Werken für Blasorchester in Frankreich, dennoch ist sie im deutschsprachigen Raum selten zu hören.

Bei einem Konzert der Carleton College Band aus Northfield, Minnesota unter Leitung von James R. Gillette (1886-1963) im Jahr 1933 erfolgte die erste Aufführung in den Vereinigten Staaten von Amerika, wofür Änderungen in der Notation der Bassinstrumente erforderlich waren. In der Folge kam es zu einer speziell für Amerika zugeschnittenen Druckausgabe, die neben den erwähnten Notationen auch die Einteilung von Stimmen (z.B. andere Klarinettenstimmeinteilung), Anpassung an die amerikanische Blasorchesterbesetzung (z.B. keine Althörner, Flügelhörner) sowie die Übertragung der Klarinetten-Soloeinleitung des zweiten Satzes, Nocturno, zu einem Hornsolo (= Gilette-Fassung) umfasst. Das PBO verwendete für die vorliegende Aufnahme die erste Notenausgabe von Evette & Schaeffer (Editions Musicales Buffet-Crampon & Cie. Edrs, 1926) Paris.

Ida Gotkovsky Symphonie de printemps. Les Saisons - pour orchestre d’harmonie

Ida Gotkovsky (geb. 1933), Frankreich, studierte u.a. bei Olivier Messiaen und Nadia Boulanger am Conservatoire in Paris. Sie wirkte als Pianistin und Kompositionslehrerin. Von ihr stammen Werke für zahlreiche große und kleinere Besetzungen. Viele ihrer Werke für Saxophon zählen zum Standardrepertoire für dieses Instrument. Darüber hinaus entstanden auch mehrere große Kompositionen für Blasorchester.

In der Symphonie de printemps beschreibt die Komponistin in starken Klangfarben des Blasorchesters die Eigenschaften der vier Jahreszeiten: Printemps – Incantatoire [Frühjahr - Beschwörung], Automne – Poétique [Herbst - Poesie], Hiver – Irréel [Winter - Das Unwirkliche] und Final - Eté [Finale - Sommer]. Bemerkenswert ist, dass der „Sommer“ ungewohnt an das Ende der viersätzigen Folge gestellt wurde. Dadurch erreicht die Komponistin ein aufstrebendes, in die Zukunft blickendes Ende des Werkes.

Die Symphonie wurde 1988 vollendet, wobei der erste Satz, Printemps, bereits 1986 fertig gestellt war und im selben Jahr beim Verlag Molenaar in Wormerveer / Niederlande erschienen ist, die weiteren drei Sätze erschienen 1989 bei Molenaar.

CD III

Ferrer Ferran La Passió de Crist (Sinfonia no.2)

Der Spanier Ferrer Ferran (geb. 1966) komponierte seine zweite Sinfonie La Passió de Crist im Jahr 2002. Das Werk weist im Titel auf den letzten und schwersten Lebensabschnitts von Christus, nämlich dessen Leidensweg, hin. Während dem dritten Satz (Arrival at the Temple, The Last Supper, Arrest, Sentence, Crucifixion, Hope) das zentrale Thema der Passion Christi von der Ankunft beim Tempel, dem Letzten Abendmahl, der Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung sowie Hoffnung - ein aufstrahlendes Happy End -, zu Grunde liegt, widmet der Komponist, über das Thema der biblischen Passionsgeschichte hinausreichend auch dem frühesten Leben von Christus, von der Geburt, der Ermordung der unschuldigen Kinder, bis zur Taufe den ersten Satz (Birth, Massacre of The Innocents, The Baptism) und nutzt das thematische Spannungsverhältnis der Versuchungen Christi in der Wüste durch den Teufel für einen spannungsreichen zweiten Satz.

Diese Komposition ist der Gruppe der Sinfonien für Blasorchester mit einer historischen Themenvorlage zuzuordnen. Musikalisch nutzt Ferrer Ferran die klangliche Vielfalt des großen Blasorchesters sowie Stilelemente unterschiedlicher Epochen und Elemente und Effekte der neuen Musik und Filmmusik.

Werner Brüggemann Sinfonia Carinthia, in drei Sätzen für großes Blasorchester

Werner Brüggemann (1936-1997) - geboren in Deutschland, wirkte hauptsächlich in Österreich - komponierte diese dreisätzige Sinfonie im Auftrag der Stadt Feldkirchen in Kärnten anlässlich des 3. Österreichischen Blasmusikwettbewerbs 1996.
Gemäß dem gesamten Schaffen des Komponisten ist auch dieses Werk keinem einheitlichen Stil zuzuordnen sondern spiegelt eine Stilvielfalt wieder, wie sie für Werner Brüggemann so charakteristisch ist.
Diese dreisätzige Sinfonie folgt ebenfalls einem thematischen Faden, für den das beliebte österreichische Urlaubs-Bundesland Kärnten den Leitfaden bildet. Die südliche Lage des Bundeslandes innerhalb der Republik Österreich wird mit teils romantischen aber auch erhabenen Klangfarben als Tor zu südlichen Nachbarländern dargestellt, (Das Tor zum Süden). Der zweite Satz widmet sich mit zahlreichen Stilzitaten aus Unterhaltungs- und Volksmusik und typischen österreichischen Blasmusikklängen dem Urlaubsland Kärnten mit seinem quirligen und zerstreuten Urlaubstreiben (Saison am Wörthersee). Mit kontrastreichen, teilweise abrupten Klangfarbwechseln von melodiösen und majestätischen Klängen, volksliedartigen Melodien, filmmusikalischen Klangbögen und rhythmischen Passagen malt Brüggemann im dritten Satz das kulturelle Nebeneinander von Tradition und moderner Gegenwart in Kärnten (Tradition und Gegenwart einer Region).

CD IV

Jan Van der Roost Sinfonia Hungarica

Der Belgier Jan Van der Roost (geb. 1956) studierte am Lemmens-Institut in Leuven, wo er auch heute als Lehrer tätig ist. Weiters wirkt er in Japan am Shobi Institute of Music in Tokio sowie an der University of Arts in Nagoya. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Werke der unterschiedlichsten Gattungen und Besetzungen. Im Besonderen ist er mit seinen zahlreichen Werken für sinfonisches Blasorchester international bekannt.

Die Sinfonia Hungarica wurde vom Blasorchester Kiskunfélegyháza (süd-östlich von Budapest) in Auftrag gegeben und unter der Leitung des Komponisten am 31. März 2001 uraufgeführt. Den drei Sätzen liegen historisch herausragende Personen Ungarns zu Grunde.

Attila (gest). 453), der Hunnenkönig, steht im Mittelpunkt des ersten Satzes. Aufgrund seiner kriegerischen Übergriffe, die ihn bis in das Gebiet des heutigen Italiens führten, und der Brutalität seiner Kriegszüge erhielt er auch den Beinamen „Geisel Gottes“.

Àrpád (um 845 - um 907), der Großfürst der vereinigten Magyarenstämme und führende Person der ungarischen Landnahme, wird als Begründer Ungarns angesehen. Die Musik von Jan Van der Roost beschreibt den Traum von Àrpáds Großmutter Emese, die dessen Lebensbestimmung vorhersagt. Die Nachfahren von Àrpád, die sogenannten Àrpáden, herrschen in Ungarn bis 1301.

St. István (969-1038), seit 997 Herrscher, wurde 1001 von Papst Sylvester zum ersten ungarischen König gekrönt und führte in Ungarn das Christentum ein. 1083 erfolgte seine Heiligsprechung durch Papst Gregor VII. Musikalisch dargestelltes Kriegsgetümmel beschreibt das Ende des Heidentums mit dem Heiden Koppány, der gevierteilt wurde und als abschreckendes Beispiel an vier Burgen im Land geschickt wurde. Nach einem ruhigen Zwischenspiel erklingt die heutige Nationalhymne Ungarns von Ferenc Erkel (1810-1893), die motivartig auch schon früher in der Sinfonie aufscheint. Das Erklingen der Hymne soll symbolisch darauf hinweisen, dass Ungarn nach zehn Jahrhunderten zuversichtlich in die Zukunft sehen kann.

Gordon Jacob Symphonie AD 78

Der Engländer Gordon [Percifal Septimus] Jacob (1895-1984) wirkte als Komponist, Arrangeur, Dirigent und Musiklehrer. Er zählt zu den populärsten und vielseitigsten britischen Komponisten. Bekannt ist er vor allem wegen seiner meisterhaften Instrumentierung. Am Royal College of Music, London, wo er von 1924 bis 1966 unterrichtete, zählten u.a. Malcolm Arnold und Imogen Holst zu seinen Schülern. Sein umfangreiches Schaffen umfasst neben zirka 700 Kompositionen, darunter viele Konzerte für seltene Instrumente, Werke für Blasorchester und Brass Band, sowie Schriften über das Komponieren, Orchestrieren, Partiturlesen etc.

Die Symphony AD 78 entstand im Auftrag der „AD Concert Band“, die 1975 vom angesehenen Tubisten des Birmingham Symphony Orchestras, Arthur Doyle (1910-1991), als Jugendkapelle gegründet wurde. Auf Wunsch des Blasorchesters schrieb Gordon Jacob diese Sinfonie und benannte sie mit den Initialen „AD“ des Gründers. Die Uraufführung im Dezember 1978 erfolgte unter der Leitung von Arthur Doyle. Das Werk schlummerte fast unbeachtet im Nachlass von Gordon Jacob dahin, bis es auf Betreiben von Troy Peterson, Geoffrey Brand und der College Band Directors National Association (CBDNA), USA, 1994
aufgenommen wurde und im Druck erschien.

CD V

Johan de Meij Symphony No.1 “The Lord of the Rings”

Die fünfsätzige Sinfonie The Lord of the Rings oder in deutscher Sprache Der Herr der Ringe vom niederländischen Komponisten Johan de Meij (geb. 1953) ist als Klassiker der Gegenwart zu bezeichnen. 20 Jahre nach der Uraufführung am 15. März 1988 durch das belgischen Harmonie-Blasorchester „De Gidsen“ unter der Leitung von Norbert Nozy, nach Auszeichnung mit dem Sudler-Kompositions-Preis 1989 und dem Dutch Composer Fund 1990 und einer viel gespielten Orchesterfassung durch den Komponisten im Jahre 2001 findet dieses jährlich weltweit und vielfach aufgeführte Werk Eingang in die CD-Serie „PBO Europa Sinfonie“.

Als Basis für die Sinfonie The Lord of the Rings verwendete de Meij den Roman des britischen Schriftstellers John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien (1892-1973), der 1954 / 1955 vollendet wurde und 1969 / 1970 auch in deutscher Übersetzung erschien. Die Erzählung zählt zu den Kultbüchern der Studenten dieser Zeit. Im Unterschied zur späteren Musik der Filmtrilogie “The Lord of the Rings” (2000-2004) von Howard Shore zeichnet Johan de Meij nicht die Handlung nach, die im sagenumwobenen Land Mittelerde spielt. Vielmehr widmet er die fünf Sätze jeweils herausragenden Personen und zentralen Schauplätzen der Erzählung. Die fünf Sätze beschreiben wichtige Orte wie das Waldgebiet Lothlórien (= blühender Traumgarten), das schwer umkämpft wurde, oder die während der Wanderung in der Dunkelheit durchquerten Mines of Moria, ein großer unterirdischer Komplex im Mittelerde, sowie die unterirdische Stadt Khazad Dûm. An Personen hebt der Komponist in einzelnen Sätzen den mächtigen Zauberer Gandalf, die schleimige Figur Gollum und die lustigen Hobbits hervor.

Er nutzt dabei die klanglichen Möglichkeiten des großen Blasorchesters und verwendet vielfältige kompositorische und stilistische Mittel um ein beeindruckendes Werk zu schaffen, das den Intentionen eines Fantasy-Buches durchaus gerecht wird.

Serge Lancen Manhattan Symphony

Der Franzose Serge Lancen (1922-2005) schuf diese ebenfalls in fünf Sätze gegliederte Sinfonie, wobei der fünfte Satz «attaca» auf den vierten folgt, im Jahr 1962.

Die Sinfonie, die nach einem Aufenthalt des Komponisten 1961 in den Vereinigten Staaten entstanden ist, zählt wohl zu den klanglich »amerikanischsten» Werken von Lancen. Nach feierlicher, majestätischer Ankunft in Manhatten widmet Lancen die weiteren Sätze einem gemütlich geschlenderten Spaziergang durch den Central Park, hört in Harlem jazzige Klänge, spürt das hektische Treiben des Broadway und steht endlich vor einem der größten Gebäude der Welt, dem Rockefeller Building, was ohne Zweifel nicht nur in den 1960er Jahren ein beeindruckendes Erlebnis war und heute noch ist.

Obwohl das Werk zunächst für Orchester gedacht war, bestimmte es Lancen noch vor der Uraufführung für Blasorchester und Désiré Dondeyne (geb. 1921) führte die Instrumentation aus. Dondenye dirigierte auch die Uraufführung des Werkes mit dem Blasorchester La Musique des Gardiens de la Paix in Paris 1962.

CD VI

Frigyes Hidas Save the Sea. A Symphony for Symphonic Band

Der ungarische Komponist Frigyes Hidas (1928-2007) erhielt seine Ausbildung an der Musikakademie Budapest und wirkte als musikalischer Direktor des Nemzeti színház (Nationaltheater) und anschließend am Operettszínház (Operettentheater) in Budapest. Er schuf Opern, Ballette, Konzerte, Orchester-, Kammer- und Chormusik. Von ihm stammen mehrere bedeutende Werke für Blasorchester, u.a. die bekannte und viel gespielte Rhapsody für Bass-Posaune und Blasorchester von 1982.

Die fünfsätzige Sinfonie Save the Sea (Rettet das Meer) entstand 1997 für die 1998 stattfindende "International Conference for Saving the Seas of the World" (Internationalen Konferenz zur Rettung der Weltmeere) in Portugal und erschien 2000 als gedruckte Ausgabe. Frigyes Hidas, der sich selbst als „letzten Romantiker“ sieht, schuf Programmmusik, die sich mit dem Meer beschäftigt.
Die fünf Sätze spiegeln Bilder des Meeres wieder, die mit den musikalischen Mitteln des großen Blasorchesters und dessen Farbenreichtum dargestellt werden. Im ersten Satz, Waves of the Sea (Meereswogen), meint man die Wellen hören zu können, mit dem zweiten Satz Song of the Sea (Lied des Meeres) hören wir einen weit ausholenden romantischen Weitblick über das Meer, das aufgewühlte Meer wird im dritten Satz Threatening Sea (Bedrohliches Meer) dargestellt, es folgt das perlende Glitzern der Korallen in Game of the Corals (Spiel der Korallen) und der fünfte und letzte Satz schließlich ist eine Hymne an das Meer, Hymne of the Sea, und der Bedeutung des Wassers für das Leben auf der Erde.

Georgy Salnikov De la guerre et de la paix (Symphonie op.39)

Der russische Komponist Georgy Salnikov (geb. 1923) erhielt seine Klavierausbildung am Konservatorium Moskau (u.a. bei Wladimir Sofronziki). Er studierte Komposition an der Musikhochschule Leningrad und bei Juri Kotschurow und Oles Tschischko am St. Petersburger Konservatorium. In seinem Schaffen finden sich viele Werke für Bläser und Blasorchester, bereits sein op. 1, ein Nocturne für Solohorn und Blasorchester von 1947 zählt zu dieser Gruppe. Weiters verfasste er eine Instrumentationslehre in zwei Teilen für Blasorchester, die 1978 / 1984 in Moskau veröffentlicht worden ist. Er wirkte als Professor für Instrumentation am Konservatorium Moskau.

De la guerre et de la paix. Symphonie op.39 (Über Krieg und Frieden), eine Sinfonie in zwei Sätzen entstand 1986 für Blasorchester. Dabei handelt es sich um ein monumental gedachtes Werk über das immer aktuelle Thema Krieg und Frieden. Der erste Satz handelt von der Dramatik des Krieges. Der Krieg wird als Symbol des Bösen und der Grausamkeit, des Todes und der Zerstörung dargestellt. Am Ende des Satzes erklingt ein trauriger Choral (Vokalstimmen) als Erinnerung an Gefangene im Krieg. Im zweiten Satz kommt der Frieden mit dem Wiedererwachen des Lebens zum Ausdruck. Eine lyrische Sopranstimme dient als Symbol für das Heimatland. Die Symphonie endet als Lob des Lebens (Aus einer Beschreibung des Komponisten).

 

 

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