Postmoderner Roman

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Version vom 12:19, 21. Dez 2004;

Der Postmoderne Roman ist eine Romanstilrichtung, die nach dem modernen Stil folgen und einen neuen Literaturbegriff umschreiben soll. Der Begriff postmodern stammt ursprünglich aus der Architektur und beschreibt eine Stilrichtung, die den strengen Funktionalismus aufgibt und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

Definition

Die Postmoderne bzw den Postmodernen Roman zu definieren ist eine umstrittene Angelegenheit.

Vorläufer

Es gibt viele Vorläufer des Postmodernen Romans wie Lawrence Sterne, Mallarmé, James Joyce oder auch Arno Schmidt. Dies sind Autoren, die der "Moderne" verpflichtet sind, ja diese geradezu einläuteten. Die Postmoderne ist ein Paradigmenwechsel, der sich ab den 50er Jahren des 20.Jh. andeutet, zuerst in der Architektur ( von Jencks bis Coop Himmelblau), danach kommt es zum sogenannten "linguistic turn" in den Kulturwissenschaften und den Künsten.

Kennzeichen

In der Literatur ist eines der Kennzeichen ein extremer Stilpluralismus und die Verwerfung der Errungenschaften der Moderne z. B. durch Negierung der linearen Erzählformen. Man verhält sich antinarrativ und bestreitet die Möglichkeit der "Grande Histoire". (Fluxus, Beatnik, experimentelle Literatur, fiction collective, Aktionismus u.a.) Begriffe aus der "Psychoanalyse" wandern in die Diskurse ein. Schlagwörter und Begriffe wie "polymorph" (Freud, Klein, Lacan), "rhizomatisch" (Deleuze), "Unbestimmtheit" (Heisenberg) und "Spur", "Differänz" und "Dekonstruktion" (Derrida) bestimmen zunehmend, zuerst in den USA und dann auch in Europa das geistige Klima. Festhalten läßt sich mit Sicherheit der Einzug der Selbstreflexion in das gesellschaftliche und literarische Geschehen (vgl. z.B. Helmut Heissenbüttel) und die Integration des psychoanalytischen Denkens (vgl. Feminismus, soziale Experimente wie Kommunen, Bsp. Mühlkommune, sowie Autoren wie Alfred Andersch, Arno Schmidt, Jacques Derrida, Hans Wollschläger) u.a.

Zusammenhang mit der Gesellschaft

Jede "Modernisierung" ist ein wirtschaftlicher, technischer, sozialer und politischer Prozeß, der stets auch das kulturelle Selbstverständnis der Kollektivitäten und die subjektive Identität in Frage stellt.

Bereiche

Man beschreibt solche gesellschaftlichen Zeitphasen mit dem Begriff "Krise". Eine sogenannte "Modernität" erscheint solchermaßen als das kritische Bewußtsein der von der Modernisierung verursachten Krisen. Die "Postmoderne" seit etwa den 60er Jahren des 20. Jh. stellt eine radikale Neuformulierung der Moderne dar. Man spricht von den sogenannten "postindustriellen Gesellschaften" (Alain Touraine, Daniel Bell). Ablesbar ist dieser Prozess an wirtschaftlichen, soziologischen, politischen und kulturalen Aspekten. Diese werden mit den angeführten Schlagwörtern angedeutet (vgl. oben und unten). Die kulturelle und vor allem ästhetische Auffassung der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure reagiert darauf und entwirft so das "Konzept" der "Postmoderne" (vgl. etwa Lyotard mit "Das postmoderne Wissen" französisch :"La condition postmoderne"). Diese postmoderne Ästhetik reagiert mit der Infragestellung der zu Konformismen gewordenen Avantgarden, etwa die Abstraktion in der Malerei, der Serialismus in der Musik, das "vernünftige" Subjekt und sein Logozentrismus in Literatur und Philosophie, der Funktionalismus in der Architektur. Daraus ergeben sich wieder viele neue Ausprägungen wie etwa der international auftretende "postmoderne Roman", der "Dekonstruktionsroman" (vgl. Raymond Federman oder Oswald Wiener oder Gerhard Anna Concic-Kaucic oder etwa die "dekonstruktive Architektur" (vgl. etwa Rem Koolhaas oder Coop Himmelb(l)au) oder die "postmoderne minimalistische Komposition" in der Musik (vgl. John Cage oder Philip Glass).

Zeitliche Eingrenzung

Der Begriff "Postmoderner Roman" oder "Postmoderne" umschreibt viele Facetten dieses Phänomens, das viele KommentatorInnen mit der Zeit der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts beginnen lassen. Schlagwörter wie Popkultur, 68er, Ökologiebewegung, Dritte Welt, Kalter Krieg, Neue Französische Philosophie mit Namen wie Lyotard, Foucault, Lacan, Jacques Derrida und viele mehr finden Eingang in die Diskussion der Epoche Postmoderne.

Auswirkungen

Der postmoderne Roman arbeitet mit all diesen Themen, verflicht sie miteinander, reflektiert diese und sieht sich gezwungen, das lineare Narrativ zu verlassen. Diese Textform "Roman" bleibt von den Ereignissen seiner eigenen Epoche Postmoderne nicht unbehelligt und splittet sich auf, disseminiert in tausende Erzählpartikel ohne Anfang und Ende.

Die Epoche "Postmoderne" wirkt(e) auf die Formation "Roman" und die Kunstgattung "Roman" ihrerseits wieder auf die Diskurse zur Epochenformation "Postmoderne". In der "Neuen Französischen Philosophie" nennt man dieses kulturelle Phänomen "mise en abyme", was zu übersetzen wäre mit "Spiegelung" der Spiegelung der Spiegelung.

Vertreter des Postmodernen Romans

Wichtige Vertreter des "postmodernen Roman" sind:

 

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Diskussion:Postmoderner Roman

Überarbeiten

In seiner jetzigen Form ist der Artikel nicht akzeptabel. Es fehlt eine Definition des Begriffs zu Beginn des Artikels. Die Verlinkung ist teilweise unlogisch ("verlässt das lineare Narrativ"). Dazwischen finden sich zahlreiche Belege, die eher in einem feuilletonistischen Essay angebracht wären als in einem (möglichst) objektiven Enzyklopädieartikel (z.B. "Phänomen Internet"). --Zinnmann d 17:54, 1. Dez 2004 (CET)

Ich kann mich Zinnmann nur anschließen. Nach einem Satz, wie:

Schlagwörter und Begriffe wie "polymorph" (Freud, Klein, Lacan), "rhizomatisch" (Deleuze), "Unbestimmtheit" (Heisenberg) und "Spur", "Differänz", "Dekonstruktion" (Derrida) bestimmen zunehmend das geistige Klima

und dann einen Ansatz später noch einmal:

Schlagwörter wie Popkultur, 68er, Ökobewegung, Dritte Welt, Kalter Krieg, Neue Französische Philosophie mit Namen wie Lyotard, Foucault, Lacan, Jacques Derrida und viele mehr finden Eingang in die Diskussion der Epoche Postmoderne.

muss dringend eine Ausführung folgen, auf welche Weise hier jeweils welche Beziehung besteht, um es nicht bei einer nichtssagenden Liste von Schlagwörtern zu belassen. Dies ausgeführt und in einem weniger essayistischen Stil zu sehen würde mich (ehrlich gemeint!) freuen :-) ... Grüße, yorg 10:17, 2. Dez 2004 (CET)

Ich kann deiner Kritik nicht folgen.

Domenica Sontag (literary scholar, London, Wien), Do., 3. Dez.'04 22:38 Uhr

Der Text

Finde ihn ok, wer wissen will, was ein p. Roman ist, muss sich schon auch auf so einen Text einlassen können, sachlich richtig ist er. Evtl. noch in einem Satz am Anfang leicht(er) verständlich zusammenfassen. Ich verstehe manche zB mathematischen Artikel auch nicht, und finde trotzdem, sie sollen bleiben...

lediglich leicht überarbeiten

Ich denke auch, dass der Artikel prinzipiell stehen bleiben kann. Dennoch bedarf es wohl gewisser Veränderungen. Selbstberständlich kann man den "postmodernen Roman" definieren. Es stimmt zwar, dass es keine eindeutige Definition gibt, aber ich denke, dass dies vor allem in der Kunst bzw. bei literarischen Gattungen absolut nicht notwendig ist. Sonst wären Geisteswissenschaften auch keine Geisteswissenschaften. Umberto Eco kann beispielweise und ohne Zweifel als Autor von "postmodernen Romanen" bezeichnet werden, dennoch würde er selbst nie, ohne gewisse Einwände bzw. ohne auf gewisse Unterschiede hingewiesen zu haben, eingestehen, dass seine Werke zu dieser Gattung gehören. Wer mehr wissen möchte sollte "Das offene Kunswerk" von Umberto Eco als Anleitung nehmen und dann (wenn genug Zeit vorhanden ist) seinen weiteren Überlegungen zu Kunst und Literatur, seine Aufmerksamkeit schenken.

Verabschiedung

Grund: Verstümmelung meiner Beiträge

Domenica Sontag - 03. Jänner 2005, 10:59

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