Enzyklamoese
 
Enzyklamoese
 
Grammato t e c h n e
als
G r a m m a t o logie
der "Herzgewächse"
oder
von der Inkommunikabilität
 
Salzburg 1986.
( Deutsche Fassung, 344 Seiten)
 
Grammatology and Incommunicability.
(gekürzte engl. Fassung, 150 Seiten)
Kairo 1987.
Zu Programm und Befindlichkeit von Literatur und Gesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen

Wir halten es prinzipiell für unmöglich, durch "Interpretation" oder "Kommentar" das Signifikat vom Signifikanten zu trennen und so die "Schrift" durch die Schrift, die auch noch Lektüre ist, zu zerstören; nichtsdestoweniger glauben wir, daß diese Unmöglichkeit sich historisch artikuliert.

Unserer Ansicht nach gibt es demnach zwei Interpretationen der Interpretation, der Struktur, des Z e i c h e n s und des Spiels der SCHRIFT. Die eine träumt davon, eine Wahrheit und einen Ursprung zu entziffern, die dem Spiel und der Ordnung des Zeichens entzogen sind und erlebt die Notwendigkeit der Interpretation gleich einem Exil (wie etwa Napoleon auf dem Feldherrnhügel die Schlacht oder der TV-Konsument auf der Couch das Programm).
Die andere, die dem Denken des "Ursprungs" (den es als Einheit nicht geben kann) nicht länger zugewandt bleibt, bejaht das Spiel und will über den Menschen und den Humanismus hinausgelangen, weil Mensch der Name des Wesens ist, das die Geschichte der Metaphysik und der Onto-theologie hindurch, d.h. im Ganzen seiner Geschichte, die volle Präsenz, den versichernden Grund, den Ursprung und das Ende des Spiels geträumt hat.

Der "Text" hat aufgehört, ein Gegenstand an sich zu sein. Die permanent abwesend anwesende Präsenz von
I n t e r t e x t u a l i t ä t (diese gilt für jeden Text, und seit alters), in der jedem Zeichen einer Schrift seit je die Kraft des Bruchs mit seinen Kontexten als einer Summe von nie ganz präsenten Präsenzen struktural immanent ist, bestimmt seit je her die Schrift,- die Schrift ohne Ursprung und Ziel (arche, telos).

Unsere Aufgabe ist es nun, sämtliche Diskurse der Macht, der Herrschaft, der Autorität - und jeder Diskurs zielt darauf ab - zu durchkreuzen, ihr Spiel zu entführen, logothetisch (im Sinn der Schaffung einer neuen Sprache) zu disseminieren, zu zerstreuen, indem wir deren Intertextualitäten, die Kreuzungspunkte vieler anderer Texte in einem jeden Text in viele heterogene Teile auseinander treiben. Der Intertextualität zugrunde liegt die Multiplizität der Codes, die grundsätzlich unbeschränkt ist.

Texte dieser "Art" sind polyphone, polyseme, polygrapheme Texte, deren Konnotationstextur von keinem Kontext einschließbar, determinierbar ist.

Texte dieser Art sind Ausgangs-"Punkt" skripturaler Lektüren oder Parkurse.