
Würde Ihnen in einem Gewinnspiel jemand eine Gewinnchance von 1:16 einräumen,
so würden Sie sich sicher berechtigte Hoffnungen auf den Hauptgewinn
machen. Das Lebenszeitrisiko an Darmkrebs zu erkranken beträgt 6% und
entspricht somit dieser "Gewinnchance". Bei der Häufigkeit
der Darmkrebserkrankten liegt Österreich derzeit in Europa im Spitzenfeld,
Tendenz steigend. Bei nur 5% der Erkrankten ist ein Erbfaktor die Ursache,95%
der Tumore treten sporadisch auf. Als Ursache wird ein zu häufiger Verzehr
tierischer Fette, Alkohol, faserarme Ernährung und Bewegungsmangel angeschuldigt,
ohne dass der Nachweis gesichert ist. Bei Frauen ist Darmkrebs mit 16,7% nach
dem Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung und liegt bei Männern
mit 16% nach Prostata und Lungenkrebs an 3.Stelle. Umgerechnet auf Lavanttaler
Verhältnisse würden auf 25 000 EW 11 Männer und 7 Frauen an
Darmkrebs erkranken. Die Überlebensrate der Patienten korreliert streng
mit dem Tumorstadium, das heißt, je früher die Diagnose gestellt
werden kann, desto besser sind die Überlebenschancen für den Betroffenen.
Wissenschftlich erwiesen ist, dass sich 90% der Karzinome aus Darmpolypen
entwickeln. Man spricht von Adenom-Karzinom Sequenz, wenn sich aus einem Darmpolypen
im Laufe der Zeit über sogenannte Dysplastische Polypen schließlich
Karzinome entwickeln. Diese Entwicklung vollzieht sich für den Patienten
völlig ohne Symptome. Treten Symptome wie Blut am Stuhl, Änderung
der Stuhlgewohnheiten oder Bauchschmerzen auf, liegt meist schon ein fortgeschrittenes
Tumorstadium mit schlechter Prognose vor. Die bis Dato zur Vorsorge eingesetzte
Stuhluntersuchung auf Blut(Hämofec) erfaßt naturgemäß
erst blutende, also schon größere Veränderungen im Darm.Ungünstig
zu bewerten auch der Anteil an falsch negativen Befunden, die den Patienten
in falscher Sicherheit wiegen. Gelingt es jedoch die Vorstadien von Darmkrebs,
die Darmpolypen, rechtzeitig zu erkennen und zu entfernen, kann sich daraus
auch kein Karzinom mehr entwickeln. Die Darmkrebshäufigkeit ist altersabhängig
und beginnt ab dem 40. - 50. Lebensjahr anzusteigen (siehe Tabelle). Aus diesem
Grund hat sich der Bundesausschuss Ärzte/Krankenkassen in Deutschland
entschlossen, die Darmspiegelung (Coloskopie) trotz weitreichender Sparmaßnahmen
im Gesundheitssystem als Vorsorgeuntersuchung ab dem 55 Lj zu bezahlen (in
Österreich erst in Diskussion). Man hat erkannt, dass man gesundheitsökonomisch
durch diese Früherkennung hohe Folgekosten (Operation, Chemotherapie)
einsparen kann. Die Daten der National Polyp Study zeigen, dass durch gezielte
Polypabtragung im Rahmen der Darmspiegelung ein Rückgang der Darmkrebshäufigkeit
um 76 - 90% erreicht werden kann. Derzeit werden durch zu späte Untersuchung
nur 34% der Tumore in einem Stadium diagnostiziert, das eine Heilung durch
Operation ermöglicht. Als Schlussfolgerung kann gezogen werden, dass
der Einsatz der Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung großzügig
erfolgen sollte und sowohl Ärzte als auch Patienten dahingehend motiviert
werden müssen.