1. Preis
ORF-Austria: "Assam - Im Land der Bienenbäume" ist die bisher erfolgreichste Universum Produktion seit es diese Sendereihe gibt. Sie wurde weltweit verkauft: USA, BRD, U.K., Frankreich.
Den Weltvertrieb dat: Doc Star übernommen.
http://www.mountainfilm.com/Masken/Preisträger_1999.htm Bergfilmfestival GRAZ-Austria, den Kommentar halte ich für überzogen und sensationslüstern - eigentlich blödsinnig.
http://www.orf.at/orfon/goa/980812-41/2875story_txt.html - ORF Austria
http://www.orf.at/orfon/goa/highlights/2103story_txt.html - ORF Austria
http://www.orf.at/orfon/goa/981005-208/214story_txt.html - ORF Austria
Der indische Bundesstaat Assam ist der Lebensraum der Riesenhonigbiene, die gewaltige Nester auf Bäume baut. In Zusammenarbeit mit einer indischen Universität betreiben österreichische Wissenschafter ein großes Forschungsprojekt, um diese Insekten näher zu studieren. Für "Universum" begleitete Paul Reddish die Riesenhonigbienen auf ihrer jährlichen Wanderung von den Hängen des Himalaja in die Ebenen von Assam und beobachtet mit Hilfe von extremen Aufnahmetechniken einen dieser Bienenbäume, auf dem mehr als 100 Bienennester hängen. "Assam - Im Land der Bienenbäume" ist eine epo-fil-Produktion für ORF- "Universum" in Zusammenarbeit mit Docstar, National Geographic Television und ZDF. (ORF) |
Bei den Dreharbeiten zur Universum-Produktion über die
Riesenhonigbienen hat es das Team nicht nur mit Insekten zu tun, die sich nicht in die
Waben schauen lassen wollen. Politische Unruhen und Schutzgelderpressungen sorgen für
zusätzliche Schwierigkeiten. Doch die Crew läßt sich nicht abschrecken. Im Juli sollen
im Nordosten Indiens die letzten Szenen gedreht werden.
Fünf Wochen lang durchstreiften im Jannuar und Februar zwei österreichisch-britische Filmteams die Wälder und Nationalparks des indischen Bundesstaats Assam zwischen den Gebirgszügen des Himalaya und Megalaya. Fünf Wochen lang galt ihre ganze Aufmerksamkeit vor allem einer Biene der Riesenhonigbiene, von Fachleuten lateinisch Apis dorsata bezeichnet. Zweimal noch werden dieses Jahr die Teams mit Regisseur Paul Reddish, Produktionsleiter Woilfgang Knöpfler und dem wissenschaftlichen Berater Professor Gerald Kastberger der Universität Graz die Wälder von Assam aufsuchen, um der Biene, ihren Gewohnheiten und Wanderungen nachzuspüren. Das ist der vorläufige Höhepunkt von drei Jahren intensiver Vorarbeiten des Bienbenforschers. Bereits die erste Ausbeute bietet Anlaß zur Freude. So spricht Produzent Dieter Pochlatko von der epo-Film von geradezu sensationellen Bildmaterial, undneben dem ORF und dem ZDF steigt nun auch der TV-Ableger der amerikanischen National Geographik Society als Koproduzent in das Projekt "Riesenhonigbiene" ein.
Die Ursprünge liegen in der wissenschaftlichen
Arbeit Kastbergers, der 1990 bei einem Kongreß in Indien zum ersten Mal auf die
südostasiatische Biene stieß. Seither steht sie im Zentrum seines Interesses, 1995
schließlich nahm das Projekt einer Filmdokumentation über die Riesenhonigbiene Gestalt
an. "Der Name ist etwas irreführend", stellte er richtig: "Mit ihrer
Körpergröße von rund 35 Millimeter unterscheidet sie sich kaum von unsere heimischen
Biene." Die Bezeichnung bezieht sich vielmehr auf ihre Nester, die bis zu zwei Meter
breit und drei Meter hoch werden und von den Bienen im Freien sowohl auf Bäumen wie auch
im hohen Elefantengras, auf Felsen und Gebäuden angelegt werden. Dabei beherbergt ein
Nest zwischen 80.000 und 100.000 Bienen.
Das ist allerdings nicht die einzige
Besonderheit. Sind Bienen an sich schon soziale Insekten, so kommt es bei dieser Art, die
im gesamten südostasiatischenRaum von Pakistan bis Vietnam verbreitet ist, während der
trockenzeit zu regelrechten Kolonieaggregationen. Das heißt. Daß mehrere Kolonien ihre
Wabennester auf engem Raum bauen. Zudem weisen die Riesenhonigbienen ein
Wanderungsverhalten auf, das bis jetzt noch nicht gekjlärt wurde, dem der Grazer aber
noch auf der Spur ist. "Das Ziel der Dokumentation ist es, die Bienen im Verlauf
eines Jahres zu begleiten. Von ihren Nestern über das Ausschwärmen zum Ende des Winters
hin, wenn der Monsun beginnt und die Nahrungsressourcen knapp werden, über ihren - von
der Wissenschaft vermuteten - Rückzug in die dichten Wälder bis hin zu ihrem
Wiederauftauchen an jenen Plätzen, wo bereits in den Jahren und Jahrzehnten zuvor ihre
Nester waren."
Dabei wird nicht nur eine Reise in das Reich
der Bienen unternommen, sondern eben auch in die kleine Provinz Assam, an die Ufer des
Brahmaputra, in die Reservate der Panzernashörner und Elefanten, in Dörfer, wo die mit
Nestern behängten Bäume stehen. "Magic Trees" werden sie von den Einwohnern
genannt, und sie stellen für die "Honeyhunters" eine wichtige Einnahmequelle
dar. Diese Sammler kümmern sich um die Bäume, klettern zu den Waben, vertreiben die
Bienen mit Rauch und schneiden bis zu 60 Kilogramm Honig aus den Nestern. Rund 50 Prozent
des in Indien erhältlichen Honigs werden auf diese Art und Weise geerntet. Im Dorf Moswar
("Mo" steht für Biene, es ist also das "Dorf der Biene") genießen
die Bäume und mit ihnen die Waben gar den Status eines Heiligtums, und die Hindus im Ort
feiern ein eigenes Bienenfest.
Kastberger und die
beiden Teams unter Paul Reddish (jenes mit Kameramann Wolfgang Thaler konzentrierte sich
nur auf die Bienen, das andere, unter der Leitung des britischen Kameramanns Martin
Saunders und beraten von Kastbergers Frau Ilse Kranner, mit der weiteren Tierwelt) wurden
nicht nur von den Bienen, abgelegenen Drehorten und bisweilen miserablen Straßen
erwartet; sie kamen gerade rechtzeitig, um den indischen Wahlkampf auf seinem Höhepunkt
zu erleben - und die damit einhergehenden Spannungen.
"Da gibt es mafiöse Banden, die unter dem Deckmantel der politischen Autonomie Schutzgelder erpressen wollen", erzählt Kastberger. Es gibt Dörfer, in die sich kein Polizist traut, es gibt Gegenden, die schlichtweg als unsicher gelten. Die Crew um Saunders und Kranner mußte etwa den Kaziranga-Nationalpark, eine Hochburg der Autonomiebewegung, meiden und auf andere Reservate ausweichen. Doch, betont Kastberger nicht ohne Stolz: "Wir haben kein einziges Mal Bakschisch gezahlt." Es sind nicht zuletzt seine langjährigen Verbindungen nach Indien, die es ermöglichen, die Filmteams mitsamt 900 Kilogramm an Gepäck und Kamera-Equipment ebenso unbeschadet wie weitgehend unbelästigt an die Drehorte zu bringen und wieder zurück nach Österreich.
Durch vertrauenswürdige Verbindungsleute
sowie eine gehörige Portion psychologischen Geschicks öffneten sich den Teams bei der
Bevölkerung Tür und Tor. Lange Gespräche in jedem Dorf sind ein Muß. "Es
interessiert sie, was wir machen. Und wenn wir sie dann das Bildmaterial ansehen und die
aufgenommenen Geräusche anhören lassen oder Bilder von ihnen mit der Polaroid-Kamera
gemacht haben, dann ist das anfängliche Mißtrauen meist schnell überwunden",
schildert der Bienenprofessor die Herausforderungen des Drehalltags.
Das wichtigste sei gewesen, alle
Störungen von den Teams fernzuhalten, damit sie sich auf die Aufnahmearbeiten
konzentrieren konnten. Auf die Nester beispielsweise, die von bis zu sieben Schichten
lebender Bienen bedeckt sind und bei Angriffen erst konzentrische oder spiralförmige
Wellenbewegung vollführen - "wie eine Welle in einem Fußballstadion"
(Kastberger) - und damit ein größeres Tier imitieren, bevor sie zu einer konzentrierten
Gegenattacke übergehen. Der wissenschaftliche Berater gerät ins Schwärmen: "Wir
konnten auch beobachten, daß die Bienen anderer Kolonien bei der Verteidigung geholfen
haben." Schlägt man auf einen Ast, an dem ein Nest hängt, so ertönt aus dem
Inneren der Waben ein lauter Pfauchton, und gleichzeitig spreizt sich jede Biene, wodurch
das Nest für kurze Zeit riesenhaft erscheint. "Im Prinzip", so Kastberger,
"plustern sie sich so auf, wie wir das auch von den Vögeln her kennen."
Nutzt alles Drohen nichts, so formiert sich der Schwarm zum Angriff, schießt wie ein Strahl aus dem Nest hervor und geht auf alles los, was sich bewegt. Dabei wird mit jedem Stich einer Biene auch ein bestimmter Duftstoff freigesetzt, der den folgenden Bienen das Ziel definiert und sie zum Stechen animiert. Eine Situation, der sich die Gruppe um Kameramann Wolfgang Thaler beim Abbrennen von Elefantengras gegenübersah. Die Bienen zogen nicht wie erwartet davon, sondern attackierten das Team.
Im Zentrum der Untersuchungen des Grazer Professors steht das Migrationsverhalten der Bienen. Die Frage, die er und andere Forscher sich dabei stellen, lautet: "Wie schaffen es die Bienen, die im Schnitt gerade 40 bis 50 Tage lang leben, nach dem Ende der Regenzeit wieder jenen Baum zu finden, auf dem ihre Kolonie seit Jahrzehnten nistet?"
Und wie machen sie die Routen vom Nest in die Wälder ausfindig? Welche Distanzen kann ein Schwarm zurücklegen, welche natürlichen Grenzen, wie Flüsse und Gebirge, begrenzen das Wanderungsgebiet? Fragen, denen Paul Reddish und Gerald Kastberger während der nächsten beiden Drehtermine im Juli sowie im November nachgehen und die der Wissenschaftler im Film so gut wie möglich beantworten will.
Leichter tut er sich da mit der Interaktion zwischen den Bienen einerseits und der Tierwelt Assams andererseits. So errichten beispielsweise viele Geier ihre Horste auf den Bienenbäumen, weil sie dort besser geschützt sind. Die Drongos (eine subtropische Singvogelart) wiederum schätzen ebenso wie Spinnen die Bienen als Leckerbissen. Und sind die Kolonien erst einmal verlassen, dauert es nicht lange, bis Vögel und Eichhörnchen ebenso wie Languren (eine Affenart) auftauchen, um die Nester auf der Suche nach übriggebliebenem Honig und vergessenen Larven zu plündern. Szenen, die das Universum-Team festgehalten hat, mit denen die Stellung und Bedeutung der Riesenhonigbienen in der indischen Tierwelt nachgewiesen wird.
Ein weiterer Hauptdarsteller der
Dokumentation ist der Bombax-Baum, dessen rotblühende, zwei Handteller große Blüten
vielen Tieren als Nahrungsquelle dienen. Vögel und Flughunde delektieren sich an dem
Nektar, Languren verzehren die Blüten wie die Früchte. Die Elefanten wiederum schälen
die scharfe Bombax-Rinde vom Baum und laben sich daran vor allem wenn sie, so die
Einheimischen, Magenbeschwerden haben. Einzig die Bienen zeigen kaum Interesse an dieser
Nahrungsquelle. Doch es ist das Ende der Bombax-Blüte, die den beginnenden Monsun und
damit die Wanderung der Bienen in die Wälder ankündigt. Auch in diesem Fall hatten die
Filmteams Glück. Kastberger: "Im Norden erlebten wir noch die Blüte, im Süden
fanden wir schon die Früchte."
Wenn gegen Ende Oktober der Bombax wieder blüht, werden die UniversumTeams zum drittenmal in Assam sein, um die Rückkehr der Riesenhonigbienen zu ihren Bäumen zu dokumentieren.
16.06.00