"Assam - Im Land der Bienenbäume"

Nun sind schon einige Tage seit der Sendung in Österreich vergangen und die Reaktionen waren sehr positiv.   Inzwischen ist der Erfolg meßbar, denn die ersten Preise bei wichtigen Veranstaltungen sind bereits unter Dach und Fach.

1. Preis
beim Internationalen Bergfilmfestival in Graz
Kategorie: Umwelt und Natur

 

1. Preis
beim International Mountain Film Festival in Banff - Canada
Kategorie: Nature and Environment

ORF-Austria: "Assam - Im Land der Bienenbäume" ist die bisher erfolgreichste Universum Produktion seit es diese Sendereihe gibt. Sie wurde weltweit verkauft: USA, BRD, U.K., Frankreich.

Den Weltvertrieb dat: Doc Star übernommen.

http://www.mountainfilm.com/Masken/Preisträger_1999.htm   Bergfilmfestival GRAZ-Austria, den Kommentar halte ich für überzogen und sensationslüstern - eigentlich blödsinnig.

http://www.orf.at/orfon/goa/980812-41/2875story_txt.html - ORF Austria

http://www.orf.at/orfon/goa/highlights/2103story_txt.html   - ORF Austria

http://www.orf.at/orfon/goa/981005-208/214story_txt.html - ORF Austria


Der indische Bundesstaat Assam ist der Lebensraum der Riesenhonigbiene, die gewaltige Nester auf Bäume baut. In Zusammenarbeit mit einer indischen Universität betreiben österreichische Wissenschafter ein großes Forschungsprojekt, um diese Insekten näher zu studieren. Für "Universum" begleitete Paul Reddish die Riesenhonigbienen auf ihrer jährlichen Wanderung von den Hängen des Himalaja in die Ebenen von Assam und beobachtet mit Hilfe von extremen Aufnahmetechniken einen dieser Bienenbäume, auf dem mehr als 100 Bienennester hängen. "Assam - Im Land der Bienenbäume" ist eine epo-fil-Produktion für ORF- "Universum" in Zusammenarbeit mit Docstar, National Geographic Television und ZDF. (ORF)


Angriff der Riesenhonigbienen

 Aus UNIVERSUM 1/1998, pp 108-111;
von Franziskus Kerssenbrock
Sendetermin: 9.11.1999   20:15Uhr ORF2 - Universum
"Assam - Im Land der Bienenbäume"

Kameramann W.Thaler mit seinem ArbeitsgerätBei den Dreharbeiten zur Universum-Produktion über die Riesenhonigbienen hat es das Team nicht nur mit Insekten zu tun, die sich nicht in die Waben schauen lassen wollen. Politische Unruhen und Schutzgelderpressungen sorgen für zusätzliche Schwierigkeiten. Doch die Crew läßt sich nicht abschrecken. Im Juli sollen im Nordosten Indiens die letzten Szenen gedreht werden.

Fünf Wochen lang durchstreiften im Jannuar und Februar zwei österreichisch-britische Filmteams die Wälder und Nationalparks des indischen Bundesstaats Assam zwischen den Gebirgszügen des Himalaya und Megalaya. Fünf Wochen lang galt ihre ganze Aufmerksamkeit vor allem einer Biene – der Riesenhonigbiene, von Fachleuten lateinisch Apis dorsata bezeichnet. Zweimal noch werden dieses Jahr die Teams mit Regisseur Paul Reddish, Produktionsleiter Woilfgang Knöpfler und dem wissenschaftlichen Berater Professor Gerald Kastberger der Universität Graz die Wälder von Assam aufsuchen, um der Biene, ihren Gewohnheiten und Wanderungen nachzuspüren. Das ist der vorläufige Höhepunkt von drei Jahren intensiver Vorarbeiten des Bienbenforschers. Bereits die erste Ausbeute bietet Anlaß zur Freude. So spricht Produzent Dieter Pochlatko von der epo-Film von geradezu sensationellen Bildmaterial, undneben dem ORF und dem ZDF steigt nun auch der TV-Ableger der amerikanischen National Geographik Society als Koproduzent in das Projekt "Riesenhonigbiene" ein.

Riesenhonigbiene auf der WabeDie Ursprünge liegen in der wissenschaftlichen Arbeit Kastbergers, der 1990 bei einem Kongreß in Indien zum ersten Mal auf die südostasiatische Biene stieß. Seither steht sie im Zentrum seines Interesses, 1995 schließlich nahm das Projekt einer Filmdokumentation über die Riesenhonigbiene Gestalt an. "Der Name ist etwas irreführend", stellte er richtig: "Mit ihrer Körpergröße von rund 35 Millimeter unterscheidet sie sich kaum von unsere heimischen Biene." Die Bezeichnung bezieht sich vielmehr auf ihre Nester, die bis zu zwei Meter breit und drei Meter hoch werden und von den Bienen im Freien sowohl auf Bäumen wie auch im hohen Elefantengras, auf Felsen und Gebäuden angelegt werden. Dabei beherbergt ein Nest zwischen 80.000 und 100.000 Bienen.

Königin von Apis dorsataDas ist allerdings nicht die einzige Besonderheit. Sind Bienen an sich schon soziale Insekten, so kommt es bei dieser Art, die im gesamten südostasiatischenRaum von Pakistan bis Vietnam verbreitet ist, während der trockenzeit zu regelrechten Kolonieaggregationen. Das heißt. Daß mehrere Kolonien ihre Wabennester auf engem Raum bauen. Zudem weisen die Riesenhonigbienen ein Wanderungsverhalten auf, das bis jetzt noch nicht gekjlärt wurde, dem der Grazer aber noch auf der Spur ist. "Das Ziel der Dokumentation ist es, die Bienen im Verlauf eines Jahres zu begleiten. Von ihren Nestern über das Ausschwärmen zum Ende des Winters hin, wenn der Monsun beginnt und die Nahrungsressourcen knapp werden, über ihren - von der Wissenschaft vermuteten - Rückzug in die dichten Wälder bis hin zu ihrem Wiederauftauchen an jenen Plätzen, wo bereits in den Jahren und Jahrzehnten zuvor ihre Nester waren."

Der Honeyhunter bei seiner ArbeitDabei wird nicht nur eine Reise in das Reich der Bienen unternommen, sondern eben auch in die kleine Provinz Assam, an die Ufer des Brahmaputra, in die Reservate der Panzernashörner und Elefanten, in Dörfer, wo die mit Nestern behängten Bäume stehen. "Magic Trees" werden sie von den Einwohnern genannt, und sie stellen für die "Honeyhunters" eine wichtige Einnahmequelle dar. Diese Sammler kümmern sich um die Bäume, klettern zu den Waben, vertreiben die Bienen mit Rauch und schneiden bis zu 60 Kilogramm Honig aus den Nestern. Rund 50 Prozent des in Indien erhältlichen Honigs werden auf diese Art und Weise geerntet. Im Dorf Moswar ("Mo" steht für Biene, es ist also das "Dorf der Biene") genießen die Bäume und mit ihnen die Waben gar den Status eines Heiligtums, und die Hindus im Ort feiern ein eigenes Bienenfest.

 

Prof. Dr. Gerald Kastberger dokumentiert die ArbeitenKastberger und die beiden Teams unter Paul Reddish (jenes mit Kameramann Wolfgang Thaler konzentrierte sich nur auf die Bienen, das andere, unter der Leitung des britischen Kameramanns Martin Saunders und beraten von Kastbergers Frau Ilse Kranner, mit der weiteren Tierwelt) wurden nicht nur von den Bienen, abgelegenen Drehorten und bisweilen miserablen Straßen erwartet; sie kamen gerade rechtzeitig, um den indischen Wahlkampf auf seinem Höhepunkt zu erleben - und die damit einhergehenden Spannungen.

 "Da gibt es mafiöse Banden, die unter dem Deckmantel der politischen Autonomie Schutzgelder erpressen wollen", erzählt Kastberger. Es gibt Dörfer, in die sich kein Polizist traut, es gibt Gegenden, die schlichtweg als unsicher gelten. Die Crew um Saunders und Kranner mußte etwa den Kaziranga-Nationalpark, eine Hochburg der Autonomiebewegung, meiden und auf andere Reservate ausweichen. Doch, betont Kastberger nicht ohne Stolz: "Wir haben kein einziges Mal Bakschisch gezahlt." Es sind nicht zuletzt seine langjährigen Verbindungen nach Indien, die es ermöglichen, die Filmteams mitsamt 900 Kilogramm an Gepäck und Kamera-Equipment ebenso unbeschadet wie weitgehend unbelästigt an die Drehorte zu bringen und wieder zurück nach Österreich.

 Das Team: v.l.r. A.Boa, J.Paar u. W.Thaler  beim drehen der Makros in der BombaxblüteDurch vertrauenswürdige Verbindungsleute sowie eine gehörige Portion psychologischen Geschicks öffneten sich den Teams bei der Bevölkerung Tür und Tor. Lange Gespräche in jedem Dorf sind ein Muß. "Es interessiert sie, was wir machen. Und wenn wir sie dann das Bildmaterial ansehen und die aufgenommenen Geräusche anhören lassen oder Bilder von ihnen mit der Polaroid-Kamera gemacht haben, dann ist das anfängliche Mißtrauen meist schnell überwunden", schildert der Bienenprofessor die Herausforderungen des Drehalltags.

im Vordergrund: Kastberger, Hüttinger, Paar vor den Zuschauern im DorfDas wichtigste sei gewesen, alle Störungen von den Teams fernzuhalten, damit sie sich auf die Aufnahmearbeiten konzentrieren konnten. Auf die Nester beispielsweise, die von bis zu sieben Schichten lebender Bienen bedeckt sind und bei Angriffen erst konzentrische oder spiralförmige Wellenbewegung vollführen - "wie eine Welle in einem Fußballstadion" (Kastberger) - und damit ein größeres Tier imitieren, bevor sie zu einer konzentrierten Gegenattacke übergehen. Der wissenschaftliche Berater gerät ins Schwärmen: "Wir konnten auch beobachten, daß die Bienen anderer Kolonien bei der Verteidigung geholfen haben." Schlägt man auf einen Ast, an dem ein Nest hängt, so ertönt aus dem Inneren der Waben ein lauter Pfauchton, und gleichzeitig spreizt sich jede Biene, wodurch das Nest für kurze Zeit riesenhaft erscheint. "Im Prinzip", so Kastberger, "plustern sie sich so auf, wie wir das auch von den Vögeln her kennen."

Nutzt alles Drohen nichts, so formiert sich der Schwarm zum Angriff, schießt wie ein Strahl aus dem Nest hervor und geht auf alles los, was sich bewegt. Dabei wird mit jedem Stich einer Biene auch ein bestimmter Duftstoff freigesetzt, der den folgenden Bienen das Ziel definiert und sie zum Stechen animiert. Eine Situation, der sich die Gruppe um Kameramann Wolfgang Thaler beim Abbrennen von Elefantengras gegenübersah. Die Bienen zogen nicht wie erwartet davon, sondern attackierten das Team.

Im Zentrum der Untersuchungen des Grazer Professors steht das Migrationsverhalten der Bienen. Die Frage, die er und andere Forscher sich dabei stellen, lautet: "Wie schaffen es die Bienen, die im Schnitt gerade 40 bis 50 Tage lang leben, nach dem Ende der Regenzeit wieder jenen Baum zu finden, auf dem ihre Kolonie seit Jahrzehnten nistet?"

Und wie machen sie die Routen vom Nest in die Wälder ausfindig? Welche Distanzen kann ein Schwarm zurücklegen, welche natürlichen Grenzen, wie Flüsse und Gebirge, begrenzen das Wanderungsgebiet? Fragen, denen Paul Reddish und Gerald Kastberger während der nächsten beiden Drehtermine im Juli sowie im November nachgehen und die der Wissenschaftler im Film so gut wie möglich beantworten will.

Leichter tut er sich da mit der Interaktion zwischen den Bienen einerseits und der Tierwelt Assams andererseits. So errichten beispielsweise viele Geier ihre Horste auf den Bienenbäumen, weil sie dort besser geschützt sind. Die Drongos (eine subtropische Singvogelart) wiederum schätzen ebenso wie Spinnen die Bienen als Leckerbissen. Und sind die Kolonien erst einmal verlassen, dauert es nicht lange, bis Vögel und Eichhörnchen ebenso wie Languren (eine Affenart) auftauchen, um die Nester auf der Suche nach übriggebliebenem Honig und vergessenen Larven zu plündern. Szenen, die das Universum-Team festgehalten hat, mit denen die Stellung und Bedeutung der Riesenhonigbienen in der indischen Tierwelt nachgewiesen wird.

oftmals waren die Wege sehr mühsamEin weiterer Hauptdarsteller der Dokumentation ist der Bombax-Baum, dessen rotblühende, zwei Handteller große Blüten vielen Tieren als Nahrungsquelle dienen. Vögel und Flughunde delektieren sich an dem Nektar, Languren verzehren die Blüten wie die Früchte. Die Elefanten wiederum schälen die scharfe Bombax-Rinde vom Baum und laben sich daran vor allem wenn sie, so die Einheimischen, Magenbeschwerden haben. Einzig die Bienen zeigen kaum Interesse an dieser Nahrungsquelle. Doch es ist das Ende der Bombax-Blüte, die den beginnenden Monsun und damit die Wanderung der Bienen in die Wälder ankündigt. Auch in diesem Fall hatten die Filmteams Glück. Kastberger: "Im Norden erlebten wir noch die Blüte, im Süden fanden wir schon die Früchte."

Wenn gegen Ende Oktober der Bombax wieder blüht, werden die UniversumTeams zum drittenmal in Assam sein, um die Rückkehr der Riesenhonigbienen zu ihren Bäumen zu dokumentieren.


16.06.00