Botanik
Helianthus annuus, so nennt der Botaniker die einjährige
Sonnenblume, die jedoch auch zwei- und mehrjährige Artgenossen hat. Die
Sonnenblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Die Gattung Helianthus weist mit 49 Arten, die alle in Nordamerika beheimatet
sind, eine besonders große Formenvielfalt und Variabilität auf.
Der Gattungsname Helianthus leitet sich vom griechischen helios für
Sonne und anthos für Blume ab. Vielfältig- das ist wohl
das treffendste Adjektiv, um die Sonnenblume zu beschreiben. Dies gilt in
erster Linie für ihre Optik, tritt sie doch als Zwerg- oder Riesenpflanze,
eintriebig oder verzweigt, mit großen oder kleinen, gestreiften oder
einfärbigen Kernen und mit Blütenblättern in allen erdenklichen
Gelb-, Orange-, Rot- und sogar Brauntönen in Erscheinung.
Ähnlich
mannigfaltig ist ihre Nutzung, die auch ein probates Unterscheidungskriterium
darstellt und eine Gliederung in Garten-, Zier- und Schnittsonnenblumen
als erste Gruppe, in Ur-, Wild- und alte Landsorten als zweite
sowie in Öl- und Nutzsonnenblumen als dritte Gruppe
nahe legt. Dass der Botaniker noch weit mehr Unterscheidungsmerkmale zu nennen
weiß, liegt auf der Hand, doch uns sollte diese Gliederung fürs
Erste ausreichen.
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Geschichte
Die Geschichte der Sonnenblume reicht bis in Prähistorische Tage zurück,
wie archäologische Funde von Sonnenblumenkernen in Arizona und Neu-Mexiko
aus der Zeit um 3000 v. Chr. beweisen. Ihre Urheimat liegt damit in der nördlichen
Hälfte des amerikanischen Kontinents, genauer gesagt zwischen Nord-Mexiko
und Süd-Kanada, wo sie von der ackerbautreibenden indianischen Bevölkerung
bereits sehr früh zu Nahrungszwecken kultiviert wurde. Zum anfänglichen
direkten Genuss der Kerne gesellte sich bald die Gewinnung von Mehl zur Brot-
bzw. Fladenbereitung sowie auch von Sonnenblumenöl. Darüber hinaus
fanden die Sonnenblume und ihre Produkte auch in der Medizin, in der Kosmetik
und bei religiösen Zeremonien der Indianer Verwendung.
Dank der christlichen Seefahrt gelangte die „Sonnenkrone“, oft
auch als „Indianische Goldblume“ bezeichnet, am Beginn der Neuzeit
nach Europa und fand in einem botanischen Garten in Madrid ihren ersten „Wirkungsbereich“.
Ende des 16. Jahrhunderts schmückte sie bereits zahlreiche Gärten
auch in Frankreich, England, Belgien, der Schweiz, Deutschland und Italien.
Noch diente sie ausschließlich als Zierpflanze, was sich im Laufe der
Geschichte aber mit Nachdruck ändern sollte.
Anfang des 17. Jahrhunderts begannen innovative Bäcker und Konditoren,
die Kerne der Sonnenblume zur geschmacklichen Bereicherung ihrer Produkte
zu nutzen, da und dort diente sie sogar als Kaffee-Ersatz.
Obwohl ein Engländer namens Bunyan sich bereits 1716 seine Methode zur
Gewinnung von Öl aus Sonnenblumenkernen patentieren ließ, nahm
die kommerzielle Sonnenblumenölnutzung erst um 1830/1840 ihren Anfang.
Von diesem Zeitpunkt an kann von einem unaufhaltsamen Siegeszug der Sonnenblume,
insbesondere in China, den USA, in Argentinien und auch in einigen europäischen
Ländern gesprochen werden.
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1.
Die nützliche Sonnenblume
• Ölsonnenblumen
Die zweifellos dominierende Rolle innerhalb der Verwendungspalette der einjährigen
Sonnenblumen nimmt die Ölgewinnung ein, wenngleich die Geschichte der
Ölsonnenblumen, wie schon oben erwähnt, eine sehr junge ist.
• Nutzsonnenblumen
Mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein gewinnen Sonnenblumenerzeugnisse, die
direkt der menschlichen Ernährung zugeführt werden, zunehmend an
Bedeutung. Vor allem geschälte Kerne finden als „Knabbersonnenblumen“,
meist leicht gesalzen und geröstet, und als Zugabe in verschiedenen Brot-
und Gebäckssorten Verwendung. Die Kerne schmecken nicht nur ausgezeichnet,
sie erweisen sich auch als äußerst gesundheitsfördernd, enthalten
sie doch sehr viel Eiweiß mit einem hohen Anteil an essentiellen Aminosäuren.
Doch auch die Verwendung als Futtermittel in der Tierproduktion, Vogel- und
Kleintierfutter sowie die Nutzung eines jeden Sonnenblumenfeldes zur Honigproduktion
sollten unbedingt erwähnt werden.
• Schnittsonnenblumen
Die Beliebtheit der Sonnenblume als Schnittpflanze ist in den letzten Jahren
enorm gestiegen. Hauptverantwortlich dafür sind erfolgreiche Neuzüchtungen
(pollenstaubfrei), die sich besonders für den Schnitt eignen. Dekorativ
sind Sonnenblumen allemal. Ob in Tisch- oder Bodenvase, Gestecken oder Blumengebinden.
Kreativität und Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
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2. Die mystische Sonnenblume
Was der Sonnenblume einen Hauch von Mystik verleiht, ist das ihr eigene Phänomen
des Heliotropismus. Für wahr ein imposantes Schauspiel der Natur, wie
sich die Pflanzen vom frühen Jugendstadium an bis zum Erreichen der Hauptblüte
mit der Sonne drehen und ab diesen Zeitpunkt zu 99% nach Osten gerichtet bleiben.
Mitte des 17. Jahrhunderts entwarf der Wissenschaftler Kirch eine heliotrope
Sonnenblumenuhr. Er war überzeugt von einer magnetischen Beziehung zwischen
der Sonne und dem Pflanzenreich und als Beweis ließ er eine auf Kork
befestigte Sonnenblume in einem Wasserbecken schwimmen. Die Blüte der
Sonnenblume drehte sich nach dem Stand der Sonne, und ein durch ihre Mitte
gesteckter Zeiger deutete auf die Uhrzeit, die auf der Innenseite eines aufgehängten
Ringes abzulesen war.
Ein weiteres geheimnisvoll anmutendes Phänomen der Sonnenblume ist das
Muster ihrer Samenanordnung. Die Kerne sind spiralförmig angeordnet,
wobei sich zwei Gruppen von Spiralreihen bilden, rechtsdrehend und linksdrehend.
Gewöhnlich erkennt man eine der beiden Gruppen sofort, die andere erst
bei genauerer Betrachtung. Wenn man die Spiralen in jeder Gruppe zählt,
kommt man zu zwei besonderen Zahlen: beide gehören zur Fibonaccifolge,
benannt nach einem italienischen Mathematiker des 13. Jahrhunderts. Diese
Serie beginnt mit der Zahl 1; 1+1 gibt 2; 1+2 gibt 3, 2+3 gibt 5; 3+5 gibt
8 und so weiter.
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3. Die heilende Sonnenblume
• Sonnenblumenkerne
In der Volksmedizin sind Sonnenblumenkerne seit langem bekannt. Sie gelten
auch heute noch als besonders wohltätig bei der Vorbeugung und Behandlung
vieler Krankheiten. Wechselfieber und Schüttelfrost werden gelindert
durch einen Auszug der Sonnenblumenkerne in Wein, der wirksamer sein soll
als Chinin.
Gekocht und in Gin getränkt benutzte man sie gegen Keuchhusten. Ein Sirup
aus Sonnenblumenkernen, Honig, Zitronensaft und ein paar Tropfen Chloroform
(als Konservierungsmittel) war ein altes Hausmittel gegen Bronchialkartarrh.
Heute weiß man, dass sie noch mehr können. Multiple Sklerose-Kranken
kann teilweise mit Sonnenblumenkernen geholfen werden. Andere Nervenzustände
reagieren ebenfalls günstig auf das Vorhandensein der B-Vitamine und
das Magnesium. Die Linolsäure hält das Cholesterin flüssig
und verhindert so Angina, Thrombose und alle anderen Kreislauferkrankungen.
Ferner hat man festgestellt, dass die Sonnenblumenkerne der Blutarmut vorbeugen
und die Blutgefäße gesund erhalten, Zahnfleischbluten und Paradontose
verhindern. Sie helfen außerdem mit beim Aufbau starker Knochen und
Zähne.
• Sonnenblumenblüten
Der Sonnenblumen-Tee gegen einen sommerlichen grippalen Infekt, gegen Schnupfen
und Blasenerkrankungen: 1 gehäufter Esslöffel getrocknete Sonnenblumen-Blüten
mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten
ziehen lassen, durchseihen, sehr warm, aber nicht zu heiß in kleinen
Schlucken trinken. Man kann mit Honig oder Ahornsirup süßen. Man
trinkt bei einer Erkältung oder bei Blasenkatarrh zwei- bis dreimal täglich
eine Tasse.
Oder man wendet eine Sonnenblumen-Tinktur an: Man gibt einen Teil zerkleinerte,
getrocknete oder frische Sonnenblumen-Blütenblätter in eine Flasche
und gießt 10 Teile 35prozentigen Alkohol darüber. Das Ganze muss
nun 10 bis 20 Tage stehen. Dann durchseihen und in eine dunkle Flasche füllen.
Man nimmt die Tinktur teelöffelweise bei Sommererkältungen. Sie
wird aber auch in vielen Ländern von Ärzten Chinin-unterstützend
bei der Malaria-Behandlung ein-gesetzt. Die Tinktur wird in der Ukraine auch
bei Lungenentzündung zusätzlich verabreicht.
• Sonnenblumenöl:
Man kann schmerzende Gelenke mit Sonnenblumenöl einreiben. Die Wirkung
beruht auf dem hohen Gehalt an Vitamin E. Einreibungen helfen auch bei Muskelkater,
Nacken- und Nervenschmerzen, bei Prellungen und Hexenschuss.
Man reibt es auch bei Husten und Bronchitis auf Brust und Rücken. Es
wirkt harntreibend, aber auch sanft abführend, wenn man an Verstopfung
leidet (1 TL).
Kinder, die die zweiten Zähne kriegen, sollten Salate mit Sonnenblumenöl
vorgesetzt bekommen. Sonnenblumenöl unterstützt die Bildung von
starken und gesunden Zähnen.
Sonnenblumenöl stärkt auch unsere Körperzellen und hilft mit,
eine vorzeitige Arteriosklerose zu bremsen. Dadurch werden Herz und Kreislauf
gestärkt. Wer Sonnenblumenöl in der Küche für Salate verwendet,
der stärkt damit die Leber und aktiviert den Gallenfluss.
Ölzieh-Kur mit Sonnenblumenöl:
Die Ölzieh-Kur ist ein Rezept, das seit einigen Jahren von vielen Ärzten
auch bei uns weiterempfohlen wird. Man kann mit der Ölzieh-Kur den gesamten
Mund- und Rachenraum von Krankheitserregern befreien; die Immunkraft in den
Mundschleimhäuten verbessern; den Körper gegen Erkältungen,
Rheuma, Magen- und Darmprobleme, aber auch gegen Umweltbelastungen stärken;
Parodontose bekämpfen und insgesamt die natürlichen Abwehrkräfte
aufbauen, die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
Und so wird diese Ölzieh-Kur durchgeführt:
Morgens auf nüchternen Magen einen Esslöffel kaltgepresstes Sonnenblumenöl
in den Mund nehmen und es dort belassen. Das Öl kräftig hin und
her bewegen und zwischen den Zähnen durchziehen. Diese Maßnahme
repariert die Mundflora und entgiftet die Mundhöhle. Nach 10 bis 15 Minuten
das Öl ausspucken. Aus dem goldgelben Öl ist eine hässliche
weiße, mitunter etwas schäumende Brühe geworden, die viele
Ausscheidungsprodukte enthält. Man sollte daher das Waschbecken gut säubern
und den Mund gut ausspülen. Wenn man sich nicht gut fühlt, sollte
man dieses Rezept einige Wochen jeden Morgen anwenden. Es baut auf, macht
fit und senkt die Krankheitsanfälligkeit.
• Topinambur
In der Volksmedizin wird die Topinamburknolle als wirksames Therapeutikum
gegen eine ganze Reihe von Beschwerden (Leber, Galle, Magen usw.) gepriesen.
Insbesondere soll ihr eine appetithemmende Wirkung ohne Nebenwirkungen zukommen.
Die Inhaltsstoffe Cholin und Betain gelten als krebshemmend und stärken
die Abwehrkräfte.
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4. Die kunstvolle Sonnenblume
Kaum eine andere Blume wurde so oft gemalt wie die Sonnenblume. Große
Genies früher Tage wie Vincent van Gogh, Gustav Klimt und Egon Schiele
ließen sich von ihr inspirieren und schufen mit ihr als Motiv unvergängliche
Kunstwerke. Doch ihre Faszination ist ungebrochen, und für so manchen
Künstler und Hobbykünstler stellt sie auch heute die Blume schlechthin
zum Malen, Zeichnen oder Fotografieren dar.
Doch auch in der Architektur findet sich das Motiv der Sonnenblume an den
ungewöhnlichsten Orten. Ob an einer Fassade am Karlsplatz (Otto Wagner)
in Wien oder in der Westgruft unter der Stadtpfarrkirche von Steyr, in Form
eines Epitaphs.
In den letzten Jahren erlebte das Motiv der Sonnenblume einen regelrechten
Boom: kaum ein Gebrauchsgegenstand, ein Kleidungs- oder Möbelstück
das nicht schon mit ihr verziert worden ist. Neben Servietten, Taschen, Geschirr,
Kerzen, Geschenkpapier usw. ist die charakteristische Blüte auch immer
wieder in der Welt der Mode zu finden. Durch diese stetige Präsenz findet
die Sonnenblume auch in der kalten Jahreszeit, wenn sie in freier Natur gerade
nicht zu bewundern ist, immer ihre Bewunderer.
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5. Die schmackhafte Sonnenblume
Nicht nur schön anzusehen, sondern kaum aus der feinen Küche wegzudenken,
ist die Sonnenblume. Der einzigartige Geschmack und die Ausgewogenheit ihrer
Inhaltstoffe machen die Produkte der Sonnenblume zu festen Bestandteilen der
gesunden Ernährung.
• Sonnenblumenkerne
Der Sonnenblumensamen ist eine wahre Schatzkammer. Geschält enthält
der Kern 27 Prozent Eiweiß mit sämtlichen für den Menschen
lebensnotwendigen Aminosäuren, einschließlich Methionin, das sonst
nicht in Pflanzen vorkommt. 36 Prozent Fett sind vorhanden, mehr als 92 Prozent
davon ungesättigt (das sind die gesünderen). Der Kohlenhydratgehalt
variiert zwischen 12 und 23 Prozent.
Mineralstoffe sind reichlich vorhanden, so übertrifft der Sonnenblumenkern
fast alle anderen Pflanzen an Eisengehalt und enthält ferner jede Menge
Kupfer, welches für die Assimilation des Eisen notwendig ist. Sie sind
reich an Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium. Ferner vorhanden sind Kobalt,
Jod, Fluor, Mangan und Chlor.
Sie enthalten eine größere Menge der B-Vitamine (gut für die
Nerven und die Haut). Sogar Vitamin D, das in Pflanzen fast nie vorkommt,
ist vorhanden. Des weiteren natürlich Vitamin E und F, Karotin, Vitamin
A und Spuren von Vitamin K.
Der Brennwert ist geringer als der von Nüssen (sie haben also weniger
Kalorien), man kann sie also gut als Zwischenmahlzeit knabbern, ohne eine
Gewichtszunahmen allzu sehr befürchten zu müssen. Und tut sich dabei
sogar noch etwas Gutes.
• Sonnenblumenöl
Meist als Salat- oder Bratöl verwendet zeichnet sich dieses mit hohem
Ölsäuregehalt (High oleic-Typen) und dadurch bessere Hitzestabilität
mit ausgesprochen guten Frittiereigenschaften aus. Generell wird der Ölsäure
aus Sonnenblumenöl auch in der Diät und in Mischung mit Ölen,
die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, eine zunehmend
größere ernährungs-physiologische Bedeutung beigemessen.
• Topinambur
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde bei einer Hungersnot in Europa die Topinambur
von Indianern (einem Stamm der in Kanada lebenden Topinambur) übernommen.
Sie gelangte durch Seefahrer nach Frankreich und wurde an den Fürstenhöfen
als Delikatesse angebaut.
Die Topinambur ist eine Sonnenblume, die keine großen Blütenscheiben,
dafür aber unter der Erde ein Gelege von Knollen in der Art von Kartoffeln
ausbildet. Sie kann bis zu 4 m hoch werden, die Knollen sind frosthart und
können den Winter über im Boden bleiben, was wichtig für die
Haltbarkeit und die Aufbewahrung ist.
Topinambur wird seit wenigen Jahren aufgrund ihrer hervorragenden Eignung
für Diabetiker und im Rahmen einer kalorienarmen und gesunden Ernährung
wieder verstärkt angebaut.
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