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Erstens
gibt es dort Zigaretten und einen guten Mokka, zweitens stehen und hängen
überall aufregende Architekturteile herum, und dann bekommt man noch dazu
fast immer eine Diagnose gestellt, die man nicht erwartet hat..
Die Propellers - es gibt fünf von ihnen - sind von einer
ruhigen, freundlichen Überzeugungskraft. Sie pflegen die
architektonischen Anliegen ihrer Klienten erst einmal zu röntgen und mit
allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu durchleuchten. Meistens kommen
sie drauf, dass der Kunde etwas ganz anderes braucht, als er sich
einbildet, weil der Architekturpatient selten wirklich weiss, was er
eigentlich will.
Diverse Beispiele und Beweise für diese These pflastern
den Propeller-Turboarchitektenweg: Das bekannteste davon befindet sich in
Deutschland, in Essen um genau zu sein, und lag vor seiner Entstehung weit
hinter dem Vorstellungshorizont seines Auftraggebers verborgen. Die RWE AG
hatte sich Mitte der 90er Jahre eigentlich ein grosses Rausche-fest anlässlich
eines Unternehmensjubiläums gewünscht und unter anderen André Heller
(vgl. Seite 12) zum Festgestaltungswettbewerb geladen. Der spielte den
Ball an propeller z weiter, und die damals superjungen Architekten konnten
das Unternehmen erstaunlicherweise davon überzeugen, dass es sinnvoller wäre,
den satten Party-Etat in etwas Dauerhafteres wie die Architektur eines
extravaganten Ausstellungsgebäudes zu investieren. "Meteorit"
heisst das Haus, und es hat natürlich auch medial ordentlich
eingeschlagen, mit seinem fast ganz im Erdboden eingegrabenen
Ausstellungskörper, der filigranen Glashalle und dem Aluminiumröhrl, in
dem Café und Büros untergebracht sind.
Die damals Superjungen sind heute noch immer nicht alt, sie sind alle
zwischen 1964 und 1970 auf die Welt gekommen. In der Gruppe mischen sich
diverse Kulturkreise, türkische genau so wie Salzburgerische, Steirische,
Wienerische, Tirolerische. Die Mitglieder heissen Korkut Akkalay,
Christoph Kaltenbrunner, Kriso Leinfellner, Philipp Tschofen und Carmen
Wiederin. Der Name propeller z stammt von der
Apple-Computertastenkombination - das gezwirbelte propellerartige Ding
gleichzeitig mit der Taste z gedrückt bedeutet "Rückgängig
machen".
Neben dem RWE-Projekte nahmen Propeller Z ihre
Architekturordinationsarbeit samt Rückführung auf das Wesentliche auch
an anderen Klienten auf. Zum Beispiel wünschte sich die Gemeinde
Wolkersdorf ein neues Stadtmöbeloutfit und lud zu einem Wettbewerb. Die
Architekten waren der Ansicht, dass die in einer Senke gut vom Aussenblick
verborgene Siedlung keiner neuen Sitzbänke, sondern vielmehr einer Art
Landmark bedürfe. Die einzigen Hochhäuser in Niederösterreichs
Flachlanden sind die Kirchtürme und die Silos. Da erstere sakrosankt
sind, umhüllten die Planer zweiteren mit einem Baustahlgittermantel, befüllten
ihn mit Weinflaschen, in die individuell ansteuerbare Lampen eingesteckt
waren. Das Resultat: Ein Leuchtturm für Wolkersdorf, der mit fünf Meter
hoher Leuchtschrift Botschaften über bevorstehende Erntedankfeste, Bürgermeistergeburtstage
und ähnliches in die Gegend hätte senden können. propeller z gewann
diesen Job nicht. Die unangepasste Herangehensweise an die Sache führe überhaupt,
so Philipp Tschofen, zu "einer gewissen Häufung an verlorenen
Wettbewerben".
Gewonnen konnte allerdings jener werden, den die Betreiber
der Riegersburg zur Gestaltung einer Erlebniswelt samt Neuerschliessung
des historischen Gemäuers ausschrieben. Auch hier befanden die
Architekten, dass die Aufgabe nicht die Lösung sei, weil die spektakuläre
Anlage ohnehin für sich spräche. Sie verpassten dem Ausflugsziel einen
schrägen Aufzug, bohrten einen Tunnel in den Berg und präsentierten die
Riegersburg aus neuen überraschenden Perspektiven. Die Umsetzung des
Siegerprojektes bleibt derweilen aus.
Diverse Lokal- und Ordinationsumbauten haben propeller z
durchgeführt, immer sehr sauber und immer gleich mit den nötigen
grafischen Begleitzuckerln versehen. Die Basis Wien bekam im alten
Museumsquartier ein neues Lokal, der GIL-Shop in der Mariahilfer Strasse
ein neues Jöppchen. Die Architektursprache der Propellers ist immer
eindeutig, und wie sehr sie auf den Raum und seine Individualität
eingehen, macht das Beispiel GIL-Shop Nummero Zwei im Steffl-Kaufhaus der
Kärntnerstrasse klar. Hier hat man versucht, das Konzept des gelungenen
Mariahilfer-Erstlings zu übertragen, und es hat eigentlich nicht ganz so
gut geklappt, dem Geschäft fehlt das typische Propeller-Flair, etwas ganz
Neues wäre hier spannender gewesen.
Sehr eigenwillig gehen die Fünf auch ihre Ausstellungsdesigns an, das
grüne Installationspuzzle für die Fast-Forward-Schau im Künstlerhaus
sollte allen, die dort waren, gut erinnerlich sein. Neue Projekte sind
auch verbucht. Im März wird eine Ausstellung mit Propeller z-Design zum
Thema Medien im Künstlerhaus eröffnet, in Wien entstehen demnächst ein
Doppelwohnhaus und eine Villa, für Wittmann werden Möbel entworfen, im
Auftrag der Stadt städtebauliche Leitbilder gesucht. Mit anderen Worten,
der Turbo ist angeworfen.
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