Der Hopfen
Hopfen und Bier
Der Hopfen ist die zweite Zutat, die für den Geschmack
unseres Biers von ausschlaggebender Bedeutung ist. Eigenartiger
Weise wird ihm aber in der deutschsprachigen Literatur kaum
ernsthaft Beachtung geschenkt. Angesichts der Vielfalt und der
großen Unterschiede der Hopfenarten ist es aber unumgänglich,
sich genauer mit ihm zu befassen.
Humulus lupulus, wie seine botanischer Name lautet, ist eine
kletternde Pflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Wie bei den
Weiden gibt es weibliche und männliche Pflanzen. Für den Brauer
sind die Fruchtstände der weiblichen Pflanze, die sogenannten
Hopfendolden das Ziel der Begierde. Hopfen kommt wild überall in
Deutschland und Österreich vor. Dieser wilde Hopfen hat aber
einen sehr intensiven und eigenwilligen Geschmack so dass die
Pflanze bereits seit dem achten Jahrhundert kultiviert wird. Die
Hopfenzucht ist aber keine leichte Aufgabe, seine Ansprüche an
Boden und Klima sind hoch. Außerdem ist die Pflanze noch von
zahlreichen Krankheiten und Schädlingen bedroht.
Hopfen wurde nicht immer und überall zum Bierbrauen
verwendet. In manchen Jahrhunderten geriet der Hopfen in
Vergessenheit und wurde erst später wieder entdeckt. Englisches
Ale etwa wurde lange Zeit ohne Hopfen hergestellt. Heute ist der
Hopfen aus unserem Bier nicht mehr wegzudenken. Seine Bitterkeit
steht in angenehmen Kontrast zur Süße des Malzes und er
verleiht dem Bier das einzigartige Aroma. Zusätzlich geben seine
Öle dem Bier Haltbarkeit indem sie Bakterienwachstum hemmen.
Angenehme Nebeneffekte sind außerdem, dass Hopfen den Schaum
stabilisiert und sich auch auf die Klärung des Biers positiv
auswirkt.
Hopfenarten
Die jeweilige Hopfenart wird meist nach ihrem ursprünglichen
Herkunftsort benannt. In Deutschland etwa sind Anbaugebiete in
Hallertau und Tettnang, in der Republik Tschechien in Saaz. Der
Hopfen heißt dann analog Hallertau",
Tettnang" und so fort. Der Styrian
Goldings" kommt übrigens heute aus Slowenien und Kroatien
und kaum mehr aus der Steiermark.
Im deutschen Raum wird üblicherweise darauf geachtet, dass
die weibliche Hopfenblüte nicht bestäubt wird und daher keine
Früchte trägt. Dazu werden im Hopfenfeld einfach nur weibliche
Pflanzen gesetzt. In anderen Ländern werden aber zwischen die
weiblichen auch einige männliche Pflanzen gesetzt. Dadurch reift
in den Hopfendolden auch der Samen heran, was im allgemeinen
einen bittereren" Hopfen gibt. Bei diesen Hopfenarten
wird dann zwischen solchen mit und ohne Samen unterschieden, was
sich in den Rezepten durch den Zusatz seeded" etwa bei
Target" und Northdown" äußert. Die
verschiedenen Hopfenarten unterscheiden sich teilweise sehr
gravierend in ihren Eigenschaften. Verantwortlich ist dafür der
verschieden hohe Anteil an den wirksamen Inhaltsstoffen in der
Hopfendolde. Diese enthält einerseits Alpha(=a)-Säuren,
andererseits die flüchtigen Öle. Während a-Säuren für die
Bitterkeit verantwortlich sind, geben die flüchtigen Öle das
Aroma und den Duft des Biers.
Bitterstoffe im Hopfen
Die fünf a-Säuren, die im Hopfen vorhanden sind, verursachen
die Bitterkeit des Biers. Die wichtigste, und meist einzige
Kennzahl die der Heimbrauer über den gekauften Hopfen erhalten
kann, ist sein Anteil an a-Säuren. Dieser wird in % am Gewicht
angegeben und variiert zwischen 1,5 und 13%. Schon die Spanne
zwischen diesen beiden Zahlen zeigt, wie unterschiedlich
verschiedene Hopfenarten sind.
Da die a-Säuren aber in nicht wasserlöslicher Form
vorliegen, müssen sie erst durch Kochen isomerisiert, also in
ihrer Molekularstruktur verändert werden. Während des
Würzekochens entstehen aus ihnen die sogenannten iso-a- Säuren,
die außerdem auch haltbarer als ihre Ausgangssubstanzen sind.
Das Ausmaß, in dem diese Umwandlung gelingt, ist von vielen
Faktoren, hauptsächlich von der Dauer des Kochens abhängig.
Daneben gibt es auch noch Beta(=b)-Säuren im Hopfen die ihren
a-Schwestern recht ähnlich sind. Allerdings tragen sie nicht
durch Isomerisieren zur Bitterkeit bei, sondern durch ihre
Oxidationsprodukte. Der Anteil an Bitterkeit den die b-Säuren
beitragen ist aber nur sehr bescheiden, so dass wir sie als
Heimbrauer getrost vernachlässigen können.
Sowohl a- als auch b-Säuren sind bei Temperaturen über 0°C
Sauerstoff gegenüber sehr empfindlich. Bis zu 50- 60% der
a-Säuren können bei nicht sachgemäßer Lagerung oxidieren und
sind damit als Bitterstoffe verloren. Der Anstieg an Bitterkeit
durch die Oxidationsprodukte der b-Säuren steht dazu in keinem
Verhältnis. Mit anderen Worten, Hopfen der längere Zeit offen
lagert verliert seine Bitterkraft in ganz erheblichem Ausmaß.
Wie stark dieser Verlust ist, ist schwer zu kalkulieren und von
Typ zu Typ verschieden. Jedenfalls gehört der Hopfen kühl
gelagert und in den Säckchen soll so wenig Luft wie möglich
enthalten sein. Achten sie daher beim Kauf darauf, wie der Hopfen
aufbewahrt wurde und auf sein Alter. Falls die Lagerbedingungen
nicht optimal sind, sollten sie bei den Rezepten einen Zuschlag
zur Hopfenmenge kalkulieren. Der übliche Wert des Verlustes bei
nicht luftdichter Lagerung bei 20°C über sechs Monate liegt
zwischen 20 bis 40%.
Flüchtige Öle im Hopfen
Die Hopfendolde enthält eine Unzahl an flüchtigen Ölen und
Aromastoffen, die ihr den angenehmen, hopfigen" Geruch
geben. Diese Öle sind jenen ähnlich, die Blumen, Parfüms und
Gewürzen ihren Geruch geben. Bis heute sind noch nicht alle
Inhaltsstoffe des Hopfens analysiert, geschweige denn durch
chemische Aromen ersetzbar. Obwohl der Anteil an diesen Ölen nur
bei etwa 0,5 - 3% liegt, so sind sie doch für das Aroma
entscheidend. Im fertigen Bier können wir noch eine
Konzentration von 10ppm = 0,001% deutlich riechen.
Leider heißen die Flüchtigen Öle" so, weil sie
genau so sind: flüchtig. Sie neigen also dazu mit der Zeit aus
dem Hopfen und aus dem Bier zu verschwinden, einerseits durch
Verdunstung, andererseits durch Oxidation. Gegen beides helfen
die gleichen Methoden wie bei den a-Säuren, kühl lagern und die
Säckchen möglichst luftdicht und mit wenig enthaltener Luft
verschließen. Auch in der Bierflasche können sie verloren gehen
in dem sie mit dem Restsauerstoff reagieren. Aus diesem Grund
sollte man beim Abfüllen darauf achten, dass so wenig Sauerstoff
wie möglich in das Bier gelangt, also den Bierstrahl nicht ins Fass oder die Flasche spritzen lassen. Durch manches Plastik kann
Sauerstoff hindurch gelangen und dann die Hopfenöle oxidieren.
In der Glasflasche kommt das Bier nur mit der Plastikeinlage des
Kronkorkens in Berührung, bei einem Plastikfass ist der Kontakt
natürlich viel großflächiger. Es gibt aber noch eine weit
wirksamere Methode die flüchtigen Öle in kürzester Zeit
auszutreiben, nämlich sie zu erhitzen, am Besten durch
Auskochen. Und jetzt haben wir ein kleines Problem: kochen wir
den Hopfen mit der Würze längere Zeit wird das Bier bitter,
aber ohne Aroma, kochen wir nur kurz, wird es aromatisch, bleibt
aber zu süß. Die Lösung ist, den Hopfen in zwei Schritten
zuzusetzen. Der erste Teil, der Bitterhopfen, wird frühzeitig
zugegeben, der zweite, der Aromahopfen erst vor dem Ende des
Würzekochens. Wenn man die Hopfenzugabe schon teilt, so ist es
naheliegend auch verschiedene Hopfenarten zu verwenden, als
Bitterhopfen jene mit hohem a-Säure Gehalt, als Aromahopfen
feine Sorten mit angenehmen Aromastoffen.
Hopfeneinteilung nach der Verwendung:
Je nachdem, ob man den Hopfen zum Erzielen der Bitterkeit oder
des Aromas verwendet, teilt man die Arten in Bitterhopfen,
Aromahopfen oder Mehrzweckhopfen ein. Die unten getroffene
Einteilung stammt von einem Hopfenhändler und betrifft die
Hopfenernte des Jahres 1996. Die Zuordnung der Hopfensorten zu
den drei Gruppen kann aber durchaus von Händler zu Händler
variieren.
Bitterhopfen
(engl.: bittering hops, copper hops, high-alpha hops)
Als Bitterhopfen werden jene Sorten bezeichnet, die man
üblicherweise zu Beginn des Würzekochens beigibt um die
gewünschte Bitterkeit des Bieres zu erzielen. Im Allgemeinen
haben Sorten mit hohem a-Säuregehalt wenig oder strenges, herbes
Aroma. Angewendet werden sie hauptsächlich aus ökonomischen
Gründen. Um die gleiche Bitterkeit wie bei einem Hopfen mit 10%
a-Säure zu erzielen, müsste die 4-fache Menge eines
Aromahopfens mit 2,5% a-Säure verwendet werden. Da Hopfen teuer
ist, erlauben sich Brauereien diesen Luxus nicht, zumal die
Qualitätssteigerung fraglich bis nur sehr gering ist, denn die
wertvollen Aromen verflüchtigen sich während des Kochens fast
vollständig. Vielmehr ist es üblich, das schwache Aroma des
Bitterhopfens durch die spätere Zugabe von Aromahopfen zu
kompensieren.
Folgende Hopfenarten mit einem a-Säuregehalt zwischen 6 und
13% werden vorzugsweise als Bitterhopfen verwendet: Target,
Yeoman, Admiral, Chinook, Galena und Northern Brewer.
Aromahopfen
(engl.: aroma hops, late hops)
Der Aromahopfen gibt dem Bier seinen besonderen Geruch und den
aromatischen Geschmack. Deshalb sollte zum jeweiligen Biertyp
auch der passende Hopfen verwendet werden. Um die flüchtigen
Öle zu erhalten, erfolgt die Zugabe meist 15 Minuten vor dem
Ende des Würzekochens. Durch die kurze Kochzeit tragen sie nur
mehr sehr wenig zur Bitterkeit bei. Das Verhältnis zwischen
Bitter- und Aromahopfen ist zwischen 2:1 bis 4:1, ein Drittel bis
ein Fünftel des Hopfens entfällt also auf Aromahopfen. Das soll
aber keinesfalls eine Regel sein, manche Lagerbiere etwa
verzichten völlig auf Aromahopfen, da der aromatische Geruch gar
nicht gewünscht ist. Die hier verwendeten Hopfen sind oft die
feinsten und auch teuersten Sorten.
Eine besondere Art Aromahopfen zuzugeben sei auch erwähnt: Hopfenstopfen
(engl.: dry hopping) Dabei werden einige Hopfendolden in
den Gärbottich oder sogar in das Bierfass gegeben. Durch die
lange Kontaktzeit und die kalte Flüssigkeit gehen besonders
viele flüchtige Öle ins Bier über. Das Aroma ist nicht gleich
jenem, würde man den Hopfen erst spät in die kochende Würze
geben. Vor einigen Jahrzehnten war Hopfenstopfen in
englischen Brauereien oft üblich. Vorsichtige Heimbrauer sehen
es als problematisch an, dass mit dem ungekochten Hopfen
verschiedenste und zahlreiche Keime ins Bier gelangen können. In
der Praxis gibt es aber mit der Hopfenzugabe keine
Probleme.
Die Hopfenarten, die als Aromahopfen Verwendung finden, liegen
in ihrem a-Säuregehalt meist unter 6%. Typische Vertreter sind:
Fuggles, Cascade, Styrian Goldings, Hallertau, Tettnang, Perle
und Saaz.
Mehrzweckhopfen:
(engl.: dual purpose hops)
Diese Hopfenarten können sowohl als Bitterhopfen als auch als
Aromahopfen verwendet werden. Dabei liegen sie meist sowohl im
a-Säuregehalt als auch in der Qualität des Aromas zwischen den
spezialisierten Sorten.
Folgende Sorten werden als Mehrzweckhopfen angegeben:
Challenger, Northdown, Brewers Gold, Pioneer, Centennial und
Nugget1).
1) Mit der Einteilung von Nugget, mit einem a-Säuregehalt von
13-14% und dem etwas scharfen Aroma zu den Mehrzweckhopfen werden
sicherlich nicht alle Brauer konform gehen, aber wie gesagt, es
ist die Ansicht des einen Hopfenlieferanten.
Berechnung der Bitterkeit
Der Grad der Bitterkeit ist geradezu charakteristisch für
jedes Bier und wird von Brauereien, die ja großen Wert auf eine
gleichmäßige Qualität legen, peinlich genau eingehalten. Für
uns Heimbrauer gelten zwar andere Maßstäbe, aber auch wir
sollten uns da nicht nur auf Glück oder Zufall verlassen. Bei
unglücklicher Hopfenwahl kann es sonst nämlich wirklich
einzigartige" Biere geben. Natürlich kann man sich
auch herantasten" oder besser heranbrauen",
aber wer will schon x-mal 20 Liter Bier brauen bis er endlich ein
Bier bekommt, das in puncto Bitterkeit seinen Vorstellungen
entspricht.
Als Maß der Bitterkeit wird in Europa die EBU, die
European Bittering Unit" verwendet. Das ist einfach
eine Maßzahl, die der Bitterkeit eines Bieres entspricht. Eine andere
Abkürzung, die das gleiche Bedeutet, ist IBU "International Bittering
Unit". Um sich
darunter etwas vorstellen zu können folgende kleine Tabelle:
Bitterkeit verschiedener Biere:
| Bier: |
EBUs: |
| Weizenbier |
13-17 |
| Amerikanisches Budweiser |
11-15 |
| Märzen |
18-25 |
| Pils |
25-40 |
| Tschechisches Budweiser |
ca 30 |
| Irische Stouts |
bis 65 |
Die EBUs, die ein Bier haben wird, lassen sich auch mittels
folgender Formel berechnen:
Die Variable Ausnutzung gibt an, wie gut oder schlecht
es gelingt die a-Säuren zu isomerisieren und damit als
Bitterstoffe ins Bier zu bringen. Die Ausnutzung hängt primär
davon ab, wie lange der Hopfen in der Würze gekocht wird, in zweiter Linie vom
Extraktgehalt der Würze. Eine
Tabelle bzw. Formel zur Berechnung der Ausnutzung ist weiter
unten angegeben. Durch Umformung kann mit obiger Formel auch
berechnet werden, wie viel Hopfen für eine bestimmte Bitterkeit
benötigt wird:
Wie gut es gelingt, die a-Säuren des Hopfens in gelöste
Bitterstoffe umzusetzen hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die
wichtigsten sind die Kochzeit und der Zuckergehalt der Würze.
Generell gilt, dass Ausnutzung um so geringer wird, je
konzentrierter die Würze ist. Das sollten besonders jene
Heimbrauer beachten, die mit Malzextrakt brauen und dabei nicht
die gesamte Würzemenge kochen. Wird etwa die gesamte
Malzextraktmenge für 20 Liter in nur 10 Liter gekocht, so ergibt
sich ein Extraktgehalt von 20 bis 30%, womit die Hopfenausnutzung
bereits deutlich sinkt.
Über die Frage, wie gut es gelingt die a-Säuren des Hopfens
in iso-a-Säuren und damit Bitterkeit zu wandeln, haben sich
viele Experten beschäftigt und Formeln aufgestellt, die eine
Unzahl von Parametern berücksichtigen. Im folgenden Diagramm ist
die Ausnutzung für drei Würzen angegeben, berechnet nach der
Tinseth-Methode. Beachten sie bitte, dass die Zeitachse
ab 60 Minuten nicht mehr linear verläuft.
Ist das Berechnen der EBUs wirklich nötig?
Ist dieser Rückfall in die Mathematikstunden der Schulzeit
wirklich sinnvoll? Leider ja. Natürlich könnte man sich auch
nach der Versuch und Fehler"-Methode herantasten. Das
Problem dabei ist, dass jeder Versuch mit erheblicher Arbeit
verbunden ist, und das Ergebnis mindestens ein Monat auf sich
warten lässt. Und wenn der Versuch nicht gelungen ist, stehen Sie vor zwei Möglichkeiten: 20 Liter Bier den
Abguss
hinabzuspülen oder, noch schlimmer, wochenlang mittelmäßiges
Bier zu trinken. Es geht nicht darum, die EBUs auf die
Dezimalstelle genau zu bestimmen. Wegen der vielen teilweise für
uns unwägbaren Faktoren wird uns das auch nicht gelingen, ein
Fehler von ±10% ist leider realistisch. Was wir aber verhindern
können ist ein drastischer Fehlgriff, wie er in dem folgenden
Beispiel gezeigt wird: In einem Rezept für 10 Liter Weizenbier
heißt es unter anderem:
Stammwürze: 11-12%
Hopfen: 10-15g, 2 Stunden kochen
Lassen Sie uns jetzt die Bitterkeit für zwei verschiedene
Hopfenarten errechnen:
Fall 1:
Sie verwenden Hallertau Hopfen, und entschließen sich für
die geringere Hopfenmenge. Ihr Hallertau hat einen a-
Säuregehalt von 2,0%. Um letztendlich 10 Liter Bier abzufüllen
kochen sie 13 Liter Würze, denn bei der langen Kochzeit
verdampft etwa ein Liter, einiges saugt sich in die
Hopfenblätter und beim Abziehen bleibt auch etwas zurück.
Also:
4 EBU ist sogar für ein Weizenbier sehr wenig. Das Bier wird
sehr süßlich schmecken und in seiner geschmacklichen Abstimmung
wahrscheinlich nicht ihren Vorstellungen entsprechen.
Fall 2:
Sie verwenden Northern Brewer, der mittlerweile
ebenfalls in Deutschland gezogen wird, und etwa in verschiedenen
Lagerbieren Verwendung findet. Dieser Hopfen hat 7,0% a-Säure.
Diesmal greifen sie zur oberen Grenze, sie nehmen 15 Gramm
Hopfen.
Diesmal hätten sie ihr Bier ziemlich bitter erwischt. Zwar
gibt es besondere Weizenbiere, die in diesem Bereich liegen, doch
das Gesamtaroma des Bieres soll dann auf diese Bitterkeit
abgestimmt sein. Auch diesmal ist zu befürchten, dass ihr
Endprodukt nicht so schmecken wird, wie man es im allgemeinen von
einem Weizenbier erwartet.
Worum es also geht ist zu überschlagen, abzuschätzen, ob das
ausgewählte Rezept auch ein Bier ergibt, das im
normalen" Rahmen liegt. Natürlich kann man auch die
üblichen Gleise verlassen und einmal ein exotisches Bier brauen,
nur sollte man es bewusst tun und es sollte einem möglichst
nicht passieren".
Handelsformen von Hopfen
Hopfendolden
Die ursprünglichste Art in der Hopfen für Heimbrauer
erhältlich ist, sind die getrockneten Hopfendolden. Diese werden
in Säckchen zu meist 100 Gramm gefüllt. Wichtig für die
Haltbarkeit ist dabei wie geeignet diese Verpackung ist. Sie
sollte nicht nur luftdicht sein, sondern auch noch so wenig Luft
wie möglich enthalten. Außerdem ist es günstig, wenn die
verwendete Folie lichtundurchlässig ist. Die Beschriftung sollte
neben der Hopfenbezeichnung auch den a-Säuregehalt und ein
Abpack- bzw. Ablaufdatum enthalten. Unter Umständen kann der
Hopfen auch leicht gepresst sein, in der Würze löst er sich
jedenfalls wieder in einzelne Dolden auf.
Hopfenpellets
Pellets sind heute die gängigste Handelsform des Hopfens für
kommerzielle Brauereien. Dabei wird der Hopfen von den
unwirksamen Teilen wie etwa den Stängeln gereinigt, gemahlen und
zu kleinen Stangen gepresst. Pellets der Form P90 haben durch die
Reinigung nur mehr 90% des ursprünglichen Hopfengewichts. Sind
in einem Rezept etwa 60 Gramm Hopfen verlangt, so kommt man bei
P90 mit 0,9x60= 54 Gramm aus. Stark angereicherte Pellets P45 sind
ebenfalls erhältlich. Diese haben durch spezielle
Behandlungsschritte nur mehr 45% des ursprünglichen Gewichts. Im
obigen Beispiel, in dem 60 Gramm Hopfen gefordert sind, kämen Sie also mit 27 Gramm P45 Pellets aus. Pellets sind auch
geringfügig effektiver als ganze Hopfendolden. Ihr Nachteil für
den Heimbrauer ist, dass sie sich beim Würzekochen fein
auflösen. Ganzer Hopfen sinkt zu Boden und bildet eine Art
natürlichen Filter beim Ablassen der Würze, Pellets tun das
nicht. Man wird sich also einen Filtermechanismus überlegen
müssen, der sie vom Gärbehälter fernhält. Industriell
verwendet man dazu einen Whirlpool, in dem die Würze in
kreisende Bewegung versetzt wird. Der Hopfen und anderer Trub
setzen sich dabei in der ruhigen" Mitte ab, die klare
Würze wird über ringförmige Auslässe entlang der Wand
abgelassen.
Flüssiger Hopfenextrakt
Beim Hopfenextrakt werden die Wirkstoffe des Hopfens mit einem
Lösungsmittel aus der Dolde gelaugt. Je nach dem Verfahren kann
flüssiger Hopfenextrakt die a-Säuren oder die Öle enthalten.
Extrahiertes Hopfenöl führt der Würze oder dem Bier nur Aroma
aber keine Bitterkeit zu und sollte frühestens zum Ende des
Würzekochens zugegeben werden.
Hopfenextrakt, der a-Säuren enthält gibt es wieder in 2
Formen:
 | mit a-Säuren Dieser kommt Bitterhopfen in Doldenform
gleich, muss also gekocht werden, um die Bitterstoffe in
wasserlösliche Form überzuführen.
|
 | mit isomerisierten a-Säuren Bei diesem Extrakt liegen
die Bitterstoffe bereits wasserlöslich vor, ein Kochen
ist daher nicht mehr nötig.
|
Wer flüssigen Hopfenextrakt kauft, muss also genau darauf
achten, um welche Art von Extrakt es sich handelt. Bei Hopfenöl
und der wasserlöslichen Form des a-Säure Hopfenextrakts ist
auch die Zugabe vor dem Abfüllen des Biers zum nachträglichen
Korrigieren noch möglich. Fraglich ist dabei aber, ob man zu
diesem Zeitpunkt den Geschmack des Bieres bereits halbwegs sicher
beurteilen kann. In kommerziellen Brauereien erfolgt die Zugabe,
falls Hopfenextrakt verwendet wird, jedenfalls immer während des
Würzekochens.
Wenn der richtige" Hopfen nicht verfügbar ist
Leider wird es vorkommen, dass der in einem Rezept
vorgeschlagene Hopfen nicht erhältlich ist. Dann wird nichts
anderes übrig bleiben als die Hopfensorten zu verwenden, die sie
bekommen können und die Hopfenmengen entsprechend zu
modifizieren. Dabei muss man wieder zwischen Bitterhopfen und
Aromahopfen unterscheiden.
Zuerst der Bitterhopfen: wurden bei dem Rezept die EBUs
angegeben, so kann man sich aus der oben beschriebenen Formel die
neue erforderliche Menge errechnen. Sind die EBUs nicht bekannt,
so muss man zuerst einmal den a-Säuregehalt des angegebenen
Hopfens aus der nachstehenden Tabelle entnehmen. Danach bestimmt
man den a-Säuregehalt des verfügbaren Hopfens, entweder auch
aus der Tabelle oder besser, aus der Beschriftung des Päckchens.
Der Gewichtsfaktor, mit dem man die angegebene Hopfenmenge
multiplizieren muss, ergibt sich aus dem Verhältnis der beiden
a-Säurewerte.
Beim Ersatz des Aromahopfens wird man, wenn es möglich ist,
einen ähnlichen Hopfen wählen. Ob der Ersatzhopfen aromatischer
oder nicht ist, weiß man nur aus Erfahrung, fehlt diese wird man
wohl die Mengenangabe des Rezepts verwenden.
Beispiel:
In einem Rezept für 25 Liter Pilsbier heißt es etwa:
Northern Brewer 25g 90 Minuten
Perle 25g 90 Minuten
Hallertau 10g 15 Minuten
Da Ihnen drei Hopfenarten zu umständlich sind und sie
Saaz" zu Hause haben, wollen sie nur diesen Hopfen
verwenden. Die Zeitangabe besagt, wie lange der Hopfen gekocht
werden soll. Daraus ergibt sich also, dass Northern
Brewer" und Perle" als Bitterhopfen,
Hallertau" als Aromahopfen verwendet werden. Durch
einen Blick in die Tabelle erhalten sie für den Gehalt an
a-Säuren folgende Werte:
Northern Brewer: 6,0-7,0%
Perle: 3,5-4,0%
Da die a-Säure als Bereich angegeben ist, nehmen wir den
Mittelwert, das ist 6,5 für Northern Brewer" und 3,75
für Perle". Laut Angabe auf der Verpackung ihres
Saaz" hat dieser einen a-Säuregehalt von 3,5%.
Daher gilt:
Um die gewünschte Bitterkeit zu erzielen werden sie also rund
73g Saaz" verwenden müssen, und nochmals 10g später
als Aromahopfen.
Hopfentabelle:
In der folgenden Tabelle werden einige bei uns erhältliche
Hopfensorten alphabetisch geordnet mit ihrem typischen
a-Säuregehalt angegeben. In der Spalte Verwendung"
wird die hauptsächliche Anwendung als Aroma-, Bitter- oder
Mehrzweckhopfen beschrieben. Die Zahlen stammen aus einer
Händlerliste und geben die Werte für 1996 erhältlichen Hopfen
an.
| Name |
Herkunftsland |
a-Säure (%) |
Verwendung |
| Admiral |
GB |
11,0-12,0 |
B |
| Brewers Gold |
D |
5,0-6,0 |
M |
| Cascade |
USA |
4,0-4,5 |
A |
| Centennial |
USA |
7,5-8,0 |
M |
| Challenger |
GB |
7,0-8,0 |
M |
| Chinook |
USA |
12,5-13,0 |
B |
| First Gold |
GB |
5,5-7,5 |
A |
| Fuggles |
UK oder USA |
4,5-5,0 |
A |
| Galena |
USA |
9,0-10,0 |
B |
| Goldings |
GB |
5,0-5,5 |
A |
| Hallertau Hersbr. |
D |
1,5-2,5 |
A |
| Liberty |
USA |
4,5-5,0 |
A |
| Mount Hood |
USA |
5,0-5,5 |
A |
| Northdown |
GB |
7,5-8,5 |
A |
| Northern Brewer |
D |
6,0-7,0 |
B |
| Nugget |
USA |
13,0-13,5 |
M |
| Perle |
D |
3,5-4,0 |
A |
| Phoenix |
GB |
7,0-9,5 |
M |
| Pioneer |
GB |
9,0-9,5 |
M |
| Progress |
GB |
5,0-6,0 |
A |
| Saaz |
CR |
3,0-3,5 |
A |
| Styrian Goldings |
SL |
3,5-4,0 |
A |
| Target |
GB |
8,0-9,5 |
B |
| Tettnang |
D |
3,0-4,0 |
A |
| Williamette |
USA |
4,5-5,5 |
A |
| Yeoman |
GB |
6,5-8,0 |
B |
A .... Aromahopfen CZ .... Republik Tschechien
B .... Bitterhopfen GB .... Großbritannien
M .... Mehrzweckhopfen D .... Deutschland
SL .... Republik Slowenien
|