Jesus, der Mars und das Grabtuch von Turin

Ein altes Leinentuch verwirrt die Fachwelt. Ein Berg auf dem Mars zeigt ein menschliches Gesicht, das dem Antlitz auf dem angeblichen Grabtuch Jesu in Turin verblüffend ähnlich sieht. Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? War Jesus ein Außerirdischer? Ist er tatsächlich auferstanden - in den Himmel "aufgefahren". Ist das Tuch in Turin wirklich das Grabtuch Christi oder nur eine geschickte Fälschung?

    Nach der Bibel wurde Jesus als Sohn eines Zimmermannes namens Joseph und einer Frau namens Maria vor ungefähr 2000 Jahren in Bethlehem geboren. Belege dafür gibt es keine. Es heißt nur in der Bibel, dass in den Tagen des Kaisers Augustus Joseph mit seiner schwangeren Frau Maria zu einer Volkszählung nach Bethlehem reisen musste, wo dann Jesus zur Welt kam. Das muss um 31 vor bis 14 nach Christus gewesen sein, in der Regierungszeit des römischen Kaisers. Die Ereignisse um den Tod Jesu fanden nach der Bibel in der  Regierungszeit von König Herodes Antipas, dem Sohn von Herodes dem Großen, der von 4 vor bis 39 nach Christus in Jerusalem regierte, statt. Pontius Pilatus, der Jesus verurteilt hat, war von 26 bis 36 n. Chr. Statthalter in Judäa. Die Chronisten wie Flavius Josephus, Tacitus und Sueton, die von einem "Chrestus" oder einem "Jesus, der Messias genannt wurde" berichten, haben diese Aufzeichnungen erst 50 bis 100 Jahre nach der Geburt Jesu  gemacht. Die Evangelien des Markus, Matthäus, Lukas und Johannes stammen aus der Zeit knapp vor dem Jahr 70 und knapp nach dem Jahr 90 n. Chr. Das älteste Fragment in der Bibel im Neuen Testament ist der Galaterbrief des Apostel Paulus aus dem Jahr 54 n. Chr. Allein Paulus, der im Jahr 10 n. Chr. geboren wurde könnte im Alter von 23 Jahren Augenzeuge der Kreuzigung Jesu gewesen sein. Ein zweifelsfreies Schriftstück oder eine andere Aufzeichnung, die das Wirken und den Tod Jesu bestätigen gibt es nicht.

    Über seine Jugend weiß man ebenfalls nichts, nur dass er im Alter von 12 Jahren im Tempel von Jerusalem den Lehrern aufmerksam zugehört haben soll, während seine Eltern ihn drei Tage verzweifelt suchten. Die Schriftrollen vom Toten Meer, aus den Höhlen von Qumran, die Aufzeichnungen aus der Zeit um 100 v. Chr.  bis 70 n.Chr. enthalten, berichten ebenfalls nichts von einem Jesus. Erst etwa im Alter von 30 Jahren soll er wieder in der Öffentlichkeit predigend aufgetaucht sein. Er soll  zahlreiche Wundertaten vollbracht haben, er musste - um der Menschen willen - viel erleiden und er wurde schließlich hingerichtet, doch schon vorher versprach er wiederzukommen .Es scheint, als habe Jesus all dies beabsichtigt, um ein unvergessliches Beispiel zu setzen. Wir wissen heute, dass er es geschafft hat. Wir wissen aber noch immer nicht, wer oder was dieser "Menschensohn" wirklich war. War er tatsächlich ein "Sohn Gottes", ein Sohn einer alles erschaffenden Macht? War er ein Abkömmling einer außerirdischen Intelligenz? Ein Sternenmensch? Seine Geburt wurde ja durch übernatürliche, eigentlich außerirdische Kräfte hervorgerufen. Oder war Jesus nur ein gewöhnlicher Erdling aus Fleisch und Blut, der aber - durch übermenschliche Anstrengungen - zum Märtyrer für alle Menschen wurde. Eine Antwort auf diese Frage könnte eine Reliquie liefern, die in den letzten Jahrzehnten besondere Beachtung erfahren hat: das so genannte "Grabtuch von Turin".

    Im Jahr 1898 fotografierte der Rechtsanwalt und Bürgermeister von Asti  in Italien, Secondo Pia, mit seiner Plattenkamera ein 4,36 mal 1,10 Meter großes Stück Leinen, das seit 1578 im Dom San Giovanni in Turin aufbewahrt wird und das inzwischen als das "Turiner Grabtuch" oder auch "Heiliges Leinen" weltweit bekannt ist. Es hat eine abenteuerliche Reise und Vergangenheit hinter sich. Die Geschichte soll bis in die Zeit der frühen Christenheit zurückreichen. Angeblich hat man es in Jerusalem aufbewahrt und im Jahr 438 n. Chr. soll es die Kaiserin Eudoxia nach Byzanz, nach Konstantinopel (heute Istanbul) gebracht haben. Nach einer anderen Quelle war das Leinen "von dem ein Licht ausging, dem kein Mensch standhalten kann" als "mandylion" (arabisch "mandil" eine Art großes Tuch) in Edessa (heute Urfa in der Türkei) bekannt. Von dort soll es dann nach Byzanz gelangt sein. Jedenfalls soll es in Konstantinopel Jahrhunderte lang verehrt worden sein. Sogar Zeitzeugen sollen es erwähnt haben. Zum Beispiel soll das Tuch zur Zeit Kaiser Justinians (gest. 565 n. Chr.) als "Acheiropoieton" (griechisch "nicht von Menschenhand gemacht") bekannt gewesen sein. Im Jahr 1201 erwähnt der byzantinische Geschichtsschreiber Nikolaus Mesarites, dass es sich im Besitz der kaiserlichen Kapelle zur heiligen Maria in Konstantinopel befinde.

    Im Jahr 1204 berichtete der französische Kreuzritter Robert von Clari über ein Grabtuch in der kaiserlichen Kapelle zu Konstantinopel, auf dem eine männliche Gestalt zu sehen sei: "Jedes der Glieder war ganz gerade ausgerichtet, so dass man die Gestalt unseres Herrn gut sehen konnte", berichtete der Kreuzritter. Im Jahr 1207 bestätigte Nikolaus Mesarites nochmals, dass sich das Grabtuch in Konstantinopel befindet. In der Zeit zwischen 1248 und 1262 soll der französische Ritter Otto de la Roche das Tuch nach Europa gebracht haben, und im Jahr 1349 übergab Gottfried von Charny, Freiherr von Lirey in Frankreich, es angeblich dem Domherrn von Lirey zur Aufbewahrung.

    Erstmals belegbar dokumentiert ist das Leinen im Jahr 1357, als es in der Kirche von Lirey ausgestellt wurde. Ein skeptischer Bischof namens Henri de Poitiers, der nicht an die Echtheit des Tuches glaubte, hatte den Domherrn über seine Meinung  unterrichtet, worauf die Ausstellung geschlossen wurde. Im Jahr 1389 berichtete Poitiers Nachfolger Bischof Pierre d'Arcis in einem Schreiben an den damaligen Papst Clemens VII. von einem wunderschön "gemalten" Abbild Christi auf einem Tuch, das in seiner Kirche aufbewahrt wird. Dieser Brief wird als stärkstes Indiz gegen die Echtheit des Tuches angesehen.

     Später, im Jahr 1448, übergab Margarete von Charny der Herzogin Anna von Lusignano, der Gattin des Herzogs von Savoyen in Chambéry, das Leinentuch, wo es dann in den Besitz des Hauses Savoyen überging. Im Jahr 1455 erwähnte der Bischof von Chalon-sur-Saón, Jean Germain, das angebliche Grabtuch Jesu in einem Verzeichnis der wichtigsten Reliquien. "Es existiert in Chambéry, im Lande Savoyen, das heilige Leichentuch aus dem Grabe Christi, worauf das Bild Christi abgedrückt ist", schreibt der Bischof. Auch ein gewisser Francesco della Rovere berichtete damals: "Dieses Linnen befindet sich beim Herzog von Savoyen und wird mit großer Verehrung behütet und aufbewahrt. Es ist rötlich von Blut heißt es und, es scheint eine lange geschichtliche Existenz dieses Leinentuches, offenbar bis in die frühchristliche Zeit zu geben, und das wäre der beste Beweis für dessen Authentizität."

Bild links: Das Turiner Grabtuch im Positiv (Aufnahme von G. Enrie)

    Das Tuch war mehrmals Bränden ausgesetzt: Im Jahr 1349 in Besancon und 1532 in Chambéry und 1997 in Turin. Es hat diese Brände aber relativ unbeschadet überstanden, doch sind heute noch Spuren davon zu sehen. Dem Feuer in Turin konnte es ohne Schaden in letzter Sekunde entrissen werden. Das Tuch wurde zur Verehrung alle 33 Jahre öffentlich ausgestellt, so auch im Jahr 1898 als es Secondo Pia erstmals fotografierte. Nachdem er die Fotoplatten entwickelt hatte, blickte er auf das Bild eines von zahlreichen Narben und Wunden zerschundenen Körpers. Das Erstaunliche daran war jedoch, dass all die Wunden und besonders das Aussehen dieses Mannes ein exaktes Abbild des vor zirka 2000 Jahren gekreuzigten Jesus ist, so wie wir es heute kennen und wie es in zahlreichen christlichen Kunstwerken wiedergegeben wird. Bis zur Fotografie von Secondo Pia war das Bild auf dem Tuch nur schwer und schemenhaft zu sehen. Erst durch die fotografische Aufnahme kamen die Details zutage.

    Im Jahr 1931 wurde das Tuch wieder öffentlich ausgestellt und diesmal machte der Berufsfotograf Guiseppe Enrie, auf Anweisung des Papstes Pius XI. diese besonders gute Aufnahme, die wir heute vielfach kennen und die in vielen Druckwerken dargestellt wird. Das besondere daran war jedoch, dass auf dem fotografischen Negativ ein Positiv zu sehen war. Die genauen Umrisse des Körpers waren erst auf dieser Aufnahme sichtbar geworden. Guiseppe Enrie ließ sich von mehreren Berufskollegen bestätigen, dass seine Aufnahme ohne jede Retusche oder sonstigen künstlichen Hilfsmitteln zustande gekommen ist.

    Im Jahr 1969 wurde das Tuch erstmals von italienischen Wissenschaftlern mit infrarotem und ultraviolettem Licht untersucht. Dabei wurden "unsichtbare Strahlenwellen und Spektrallinien" entdeckt. Die Wissenschaftler kamen zu der Meinung, dass das Abbild auf dem Tuch nicht durch Malerei entstanden ist, und es wurden sogar Spuren von Blut festgestellt. 1973 wurde dem Tuch durch Prof. Gilbert Raes aus Gent sogar eine Stoffprobe entnommen und es hat sich dabei herausgestellt, dass es sich um ein seltenes Leinengewebe handelt, das vor dem 15. Jahrhundert bisher im Abendland nicht nachgewiesen wurde. Prof. Raes fand Spuren von Baumwolle von einer in vorchristlicher Zeit kultivierten Art. Der Schweizer Kriminologe und Naturwissenschaftler Dr. Max Frei fand in Staubteilchen des Tuchs Spuren von Blütenpollen, die von Pflanzen stammen, die zur Zeit Jesu in Palästina heimisch waren.

    Im April 1988 wurde das Tuch erneut einer Untersuchung unterzogen und im August darauf hieß es plötzlich in den Meldungen der Presse: "Turiner Grabtuch datiert! Britische Wissenschaftler behaupten, das Grabtuch ist eine Fälschung!" Was war geschehen? Papst Johannes Paul II. wollte endlich Gewissheit haben und beauftragte ein Team von Experten von der Eidgenössischen Universität in Zürich, von der Universität in Arizone in Tucson und von der Oxford Universität in England mit der Untersuchung. In der Sakristei des Turiner Domes fand am 21. April 1988 das ganze statt. Dabei soll dem Tuch ein 70 mal 10 Millimeter großes Stück entnommen und in drei Teile zerlegt worden sein, die jeweils von den einzelnen Experten in ihren Labors untersucht wurden. Dem beigefügt wurden zum Vergleich auch Stoffeile von einer ägyptischen Mumie aus der Zeit um Jesu Geburt, aus einem nubischen Grab aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. und ein Stück von einem Chormantels des Ludwig von Anjou aus der Zeit um 1300 n. Chr., wobei die einzelnen Teams nicht genau wussten welche Teile vom Grabtuch und welche die beigefügten Kontrollstücke waren. Die jeweiligen Ergebnisse der Labors wurden dem Leiter der Untersuchung, Dr. Michael Tite, vom Britischen Museum übergeben der dann dem Papst mitteilte, dass das Turiner Tuch nicht älter als 728 Jahre sei und mit 95prozentiger Sicherheit in die Zeit zwischen 1260 und 1390 nach Christus datiert werden könne. Am 13. Oktober 1988 wurde das Ergebnis dieser Untersuchung durch den Erzbischof von Turin, Kardinal Carlo-Anastasio Ballestrero offiziell bekannt gegeben.

    Unter den Grabtuchforschern, die noch immer an die Echtheit des Tuches glauben, rief dieses Ergebnis aber sofort erhebliche Zweifel an der Datierung hervor. Der deutsche Pastor Prof. Werner Bulst spricht sogar vom "Betrug am Turiner Grabtuch" und die zwei Buchautoren Holger Kersten und Elmar Gruber sehen in dem ganzen Vorgang ein "Jesus-Komplott". Auch der Leipziger Pfarrer Karl Herbst bezweifelt in seinem Buch "Kriminalfall Golgatha" die Datierung von 1988. Sogar der Sprecher und wissenschaftliche Berater des Kardinals von Turin, Prof. Luigi Gonelle, sieht sich an das Ergebnis der Untersuchung nicht gebunden: "Die Tests waren von der Kirche nicht genehmigt und wir sind nicht an das Resultat gebunden", meint der Professor. Für ihn bleibt es weiterhin mysteriös, wie dieses Tuch und das Abbild darauf zustande kam. Der Kardinal ließ aber verkünden, dass die Kirche keine Schritte unternehmen werde das Ergebnis anzuzweifeln; das Tuch werde weiterhin eine bemerkenswerte Reliquie bleiben.

    Die Stoffstücke wurden an diesem 21. April 1988 unter den Augen aller beteiligten Personen dem Tuch sorgfältig entnommen, doch anschließend in einem Nebensaal nur von zwei Personen, dem Kardinal Ballestrero von Turin und dem Leiter der Untersuchung Dr. Tite, praktisch heimlich, unter Ausschluss der Öffentlichkeit,  in kleine Behälter gesteckt und nummeriert. Dabei könnten sie vertauscht worden sein. Es wurde nach dem Untersuchungsergebnis nicht verlautbart, was mit den Kontrollstücken geschehen ist. In den Labors könnte das Stück von der ägyptischen Mumie ins 13. Jahrhundert als auch ein Stück vom Turiner Tuch in die Zeit um die Geburt Jesu datiert worden sein. Andererseits konnten die Stücke vom Leinen, aufgrund der Gewebestruktur in einem besonderen Fischgrätmuster leicht identifiziert werden. Angeblich gab es von der Untersuchung eine Videoaufzeichnung und fotografische Aufnahmen. Das Ergebnis der gesamten Untersuchung ist jedenfalls am 16. Februar 1989 in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht worden. Danach wurde das Stoffstück vom Turiner Tuch auf ein Alter zwischen 646 und 750 Jahren, mit einer Fehlerquote zwischen 24 und 31 Jahren datiert.

    Wie die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich am 6. April 2005 berichtete, wurde im Sommer 2002 die  Schweizer Textilkonservatorin Mechthild Flury-Lemberg beauftragt das Turiner Tuch zu reinigen, weil es noch von dem Brand am 12. April 1997 verschmutzt war. Die Textilspezialistin kam zu der Ansicht, dass die Webart und die fein gearbeiteten Nähte der Qualität anderer Textilien entsprechen, die im südlichen Israel gefunden und auf das Jahr 73 n. Chr. datiert wurden. Gegenüber einer Zeitschrift sagte sie: „Ich glaube, dass es das Tuch ist, das uns vom historischen Christus überliefert ist. Ich kenne keinen Grund, der dagegen spricht. Aber ein Beweis ist das natürlich nicht." Der amerikanische Chemiker Raymond N. Rogers vom Los Aalamos National Laboratory hat im Jahr 2005 erneut eine Stoffprobe analysiert, und auf den Vanillin-Gehalt im Gewebe untersucht. Der Chemiker fand mittels Massenspektrometer kein Vanillin mehr in der Probe und folgerte daraus, dass das Tuch zwischen 1300 und 3000 Jahre alt sein muss.

   Selbst wenn das Tuch tatsächlich aus dem 13. Jahrhundert stammen soll, gibt es unzweifelhaft Christusbilder auf Münzen, Vasen und Fresken, die nachweislich älter sind, und die dem Christusgesicht auf dem Turiner Leinen entsprechen. Meist wird das Antlitz mit einem kurzen und einem langen Haaransatz und mit Bart dargestellt, manchmal auch spiegelverkehrt. So auch auf einer Sibervase und einem Hostienteller aus dem 6. Jahrhundert und auf einem Mosaik in der Lateranbasilika in Rom aus dem Jahr 312 n. Chr. Auch das so genannte Bild des "Christus Pantokrator", das auf zahlreichen Ikonen und Deckenfresken aus dem 10. und 12. Jahrhundert zu sehen ist,  entspricht diesem Bild. Das Christusgesicht wie es auf dem Leinentuch in Turin zu sehen ist hat es also schon lange vor dem 13. Jahrhundert gegeben. In Budapest befindet sich im "Codex Pray", der nachweislich aus der Zeit 1192 bis 1195 n. Chr. stammt, also 65 bis 198 Jahre vor dem Datum der Datierung von 1988, ein Bild der Grablegung Jesu wie auf dem Turiner Tuch mit den gekreuzten Händen Jesu und ein Bild nach der Auferweckung Jesu mit einem leeren gefalteten Tuch entsprechend dem in Turin.

    Im Jahr 1976 wurde eine erstaunliche  Entdeckung gemacht. Die beiden Raumsonden Viking 1 und Viking 2 landeten gerade auf dem Mars und übermittelten die ersten Bilder zur Erde. Dazu diente ein besonderes Gerät, der Bildanalysator VP8. Mit eben so einem Bildanalysator machten Wissenschaftler vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa eine 3-D-Aufnahme von dem fotografischen Bild, das G. Enrie 1931 machte. Das war zu dieser Zeit die technisch beste Methode um von einer Fotografie ein 3D-Bild zu machen. Dabei kamen erstaunlich Details zum Vorschein. Es scheint so, als wären die Konturen des Bildes direkt auf das Tuch projiziert worden. Die  Forscher vom Air Force Weapon Laboratory in Albuquerque in New Mexico, John Jackson und Eric Jumper, kamen zu dem Schluss, dass dieser 3-D-Effekt durch einen "kurzen Stoß von Strahlungsenergie" zustande kam. Daraufhin hat auch Prof. Giovanni Tamburelli vom Centro Studi e Laboratori Telecommunicazioni, CELT, eine phantastische 3-D-Aufnahme vom Gesicht des Mannes auf dem Tuch gemacht.

    Im Jahr 1987 ließ ich ein Falschfarbenbild von der fotografische Nasa-Aufnahme von dem inzwischen gut bekannten "Gesicht auf dem Mars", das die Raumsonde Viking 1 am 25. Juli 1976 zur Erde übermittelte, an der Technischen Universität in Wien anfertigen. Mit dem Computerfarbbild erhielt ich auch den dazugehörenden Datenausdruck entsprechend der verschiedenen Grauwerte, die für das Bild verwendet wurden. Dieser Computerausdruck erinnerte mich spontan an das Gesicht auf dem Turiner Tuch. Sogar drei Blutflecken an der Stirn des Mannes am Tuch waren mit drei Punkten an der Stirn des Marsgesichts identisch. Was hat ein menschliches Gesicht auf dem Mars mit dem Gesicht auf dem angeblichen Grabtuch Jesu zu tun? War Jesus ein Marsianer? Ein Außerirdischer? Oder beweist das die Auferstehung Jesu "in den Himmel". Diese Fragen drängen sich unwillkürlich auf.

Bild: Das erste Foto vom Marsgesicht, aufgenommen von Viking 1 am 25. Juli 1976, Nasa)

Bild oben: Das Gesicht auf dem Turiner Tuch im Vergleich mit einem Falschfarbenbild und einem Computerausdruck der Nasa-Aufnahme vom Marsgesicht von 1976 seitenverkehrt dargestellt.

    Ich ließ es aber nicht bei diesem Computerausdruck bewenden. Mir schien diese Entdeckung zu ungeheuerlich, als dass sie wahr sein könnte. Bei meinen Recherchen über neue Forschungsergebnisse über das Turiner Leinen stieß ich dann auf das 3-D-Bild von Prof. Tamburellli und als ich dann ein 3-D-Bild vom Marsgesicht, das inzwischen der amerikanische Computerfachmann Dr. Mark Carlotto von den Nasa-Aufnahmen angefertigt hatte in den Händen hielt, war der Vergleich noch verblüffender. Das Marsgesicht und das Gesicht auf dem Turiner Tuch gleichen sich auf diesen beiden Aufnahmen wie ein Ei dem anderen. Auf beiden Bildern ist ein kurzer und ein langer Haaransatz zu sehen und auch die Mundwinkel wie auch so etwas wie eine Träne an der linken Wange im Bild ähneln sich auf frappierende Weise.

Bilder oben: Ein 3-D-Bild vom Marsgesicht (links) im Vergleich mit einem 3-D-Bild vom Gesicht auf dem Turiner Tuch (Bild Mitte). Auf beiden Aufnahmen ist ein kurzer und ein langer Haaransatz und der gleiche Mund zu sehen und etwas wie eine Träne. Auf der Stirn des Marsgesichts sind auf den Aufnahmen eigenartige Liniengebilde zu sehen, die einer Dornenkrone entsprechen. Eine neue Aufnahme vom Marsgesicht von 1998 vom Mars Global Surveyor (Bild ganz rechts) zeigt Linien wie Haarsträhnen und an der Stirn sogar das Christussymbol aus den  griechischen Buchstaben X und P.

  Bild links: Das Christussymbol im Marsgesicht.

    Was hat nun Jesus überhaupt mit dem Mars zu tun? Wenn man es genau nimmt eine ganze Menge. Da ist zuerst seine "martialische", also marsbezogene Erscheinung. Das Männliche verbunden mit persönlicher Stärke, Kampf und Blut. Dem Mars wird in der Nummerologie die Zahl 9 zugesprochen und alles um Jesus dreht sich um diese Zahl oder um einen Bruchteil daraus. Jesus wurde im 12. Monat (Quersumme 3) geboren, er sprach mit 12 Jahren (wieder Quersumme 3) im Tempel von Jerusalem mit den Priestern, er begann seine Mission im Alter von 30 Jahren, er wurde in der 3. Stunde gekreuzigt, er starb in der 9. Stunde, er wurde am 9. Tag bestattet, er wurde angeblich 33 Jahre alt und er ist am 3. Tag auferstanden. Die Zahl drei ist überhaupt die erste mythische Zahl die es gab, weil sie mit der Einheit Vater, Mutter und Kind, der Voraussetzung für die Entwicklung des Menschengeschlechts zusammenhängt. Später wurde sie in der Dreifaltigkeit zum Symbol für Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist.

    Als Jesus am Kreuz sein irdisches Dasein beendete rief er verzweifelt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" und er "gab den Geist auf", wie es bei Matthäus heißt (27, 45-50). Dieser Ausruf wird bei Matthäus mit "Eli, Eli, lama sabachtani?" wiedergegeben. Der Leipziger Pfarrer Herbst erwähnt dazu, das es einen vormosaischen Eigennamen für den Gott Israels gab, der "Energie" bedeutete nämlich EL. Rief also Jesus nach "El, El", nach Energie für seine Auferstehung. Eine sicher gewagte Ansicht, doch für außerirdische oder übernatürliche Wesen nicht ungewöhnlich. Oder erklärt diese Energie, die Strahlungsenergie, die das Abbild auf dem Turiner Tuch angeblich entstehen ließ?

    Jesus wurde jedenfalls, wie die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichten, von Joseph von Arimathäa in ein Grab gelegt und "in reine Leinwand gehüllt". Am dritten Tag ist er dann auferweckt worden, was ein Engel der Mutter Jesu und der Maria Magdalena beim Besuch des Grabes am Tag darauf mitteilte. Der Engel, der das Aussehen wie der Blitz hatte und dessen Gewand "weiß wie Schnee" war, stieg vom Himmel herab und wälzte den Stein vor der Grabstätte weg. Er zeigte den beiden Frauen den Ort wo Jesus lag. Als die Frauen von dem Grab weggingen, kam ihnen plötzlich Jesus entgegen und sagte, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werde er sich ihnen und seinen Brüdern zeigen. Das geschah dann tatsächlich und als er zu ihnen gesprochen hatte, "ward er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken", wie es in der Bibel, in der Apostelgeschichte (1,9-11) zu lesen ist. Wer das Grabtuch Jesu in Verwahrung genommen hat wird nicht berichtet.

    Ein außerirdischer Jesus hat heutzutage durchaus einen gewissen Reiz. Eine außerirdische Intelligenz, die uns weit voraus ist, und die einen Kundschafter aussendet, um uns zu helfen, scheint uns heute plausibler, als ein gottähnlicher Mensch, der in seinem Wirken nicht über den Planeten Erde hinausgeht. Als die christliche Glaubenslehre entstand, endete der Himmel mehr oder weniger in den Wolken. Es herrschte noch das geozentrische Weltbild. Nach den heutigen Kenntnissen über das Universum, kann man nicht mehr von einem gütigen, bärtigen älteren Herrn ausgehen, der die Sterne und die Planeten bewegt - und der seinen Sohn allein zur Erde und nicht auch zu anderen Planeten geschickt hat. Das Entstehen des Universums mit Milliarden und Abermilliarden von Sternen - und vielleicht gibt es unzählige Universen - muss aus atomaren Kräften hervorgegangen sein, die wahrscheinlich in einem gigantischen Prozess unendlich und ewig pulsieren. Hier hat kein menschliches Wesen seine Hand im Spiel, es sei denn in mythologischen Vorstellungen.

    Die Ähnlichkeit des Marsberges mit dem Gesicht auf dem Turiner Tuch bleibt auf bestimmten Fotografien nach wie vor bestehen. Daraus irgendeine religiöse Wahnvorstellung abzuleiten wäre völlig falsch. Die Übereinstimmungen treffen nicht bei allen Bildern zu und die neusten Aufnahmen vom Marsgesicht lassen die Details anders erscheinen. Die drei Punkte auf der Stirn des Marsgesichts gibt es nur auf der ersten Aufnahme vom 25. Juli 1976 und es sind Fehlerpixel in der Aufnahme, die während der Übertragung zur Erde entstanden sind. Man könnte  höchstens sagen, sie sind auf wundersame Weise so entstanden, dass sie mit jenen im Gesicht des Mannes auf dem Turiner Tuch übereinstimmen. Das ganze würde damit eher in die übliche Kategorie der Zeichen und Wunder fallen. Aber immerhin. Wer weiß was uns auf dem Mars noch alles erwartet.

Quellen:

Bulst, Werner: Betrug am Turiner Grabtuch, Franf. a. M. 1990.

Dirnbeck, Josef: Jesus und das Tuch, Kosterneuburg b. Wien 1998.

Hain, Walter: Das Marsgesicht, München 1995.

Hain, Walter: Sein Reich war nicht von dieser Welt, Berlin 1997.

Herbst, Karl: Kriminalfall Golgatha, Düsseldorf-Wien 1992.

Kersten, Holger; Gruber. Elmar: Das Jesus-Komplott, München 1992.

spiegel.de: Turiner Grabtuch könnte echt sein, 27. Januar 2005.

 

c W. Hain, Februar 2006