scientific reports by walter hain

 

Jahr 2100: Das Ende der Menschheit?

 

Der Homo sapiens am Rande des Abgrunds

Sind wir noch zu retten?

 

Die vier apokalyptischen Reiter

 

1. Das Schicksals-Jahrhundert der Menschheit

 

Das 20. Jahrhundert war ein Schlüsselereignis in der Geschichte der Menschheit. Spätestens am 12. Oktober 1999 hätten weltweit die Alarmglocken läuten müssen. An diesem Tag erreichte die Menschheit die 6-Milliarden-Marke. An diesem Tag bevölkerten 6 Milliarden Menschen den Erdball. Für 6 Milliarden Erdenbürger müssen Nahrung, Unterkunft und Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Eine schier unlösbare Situation. Die Millionen Toten jährlich aufgrund von Nahrungsmangel und Krankheiten beweisen es: die Menschheit hat sich nicht im Griff – sie ist offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen.

 

Das Millennium 2000 – der Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert – wurde weltweit gefeiert, doch kaum jemand erkannte die dramatische Situation der Menschheit. Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wäre ein Weltuntergangsszenario berechtigter gewesen als am Ende des 20. Jahrhunderts. Keine Weltkriege, keine Seuchen haben so viele Todesopfer gefordert wie der rapide Zuwachs der Weltbevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten. Weil es viel zu viele Menschen gibt müssen viel zu viele sterben aus Mangel an ausreichenden Lebensmöglichkeiten. Der zweite Weltkrieg forderte wahrscheinlich 55 Millionen Todesopfer. Seit dieser Zeit sind, nach vorsichtigen Schätzungen, zehnmal so viele Menschen allein an Hunger und Krankheiten gestorben.

 

2. Millionen Tote jährlich durch Hunger und Krankheiten

 

Derzeit sterben jedes Jahr 11 Millionen Kinder und 20 Millionen Erwachsene an den Folgen von Hunger und Krankheiten von den zirka 60 Millionen Menschen die jährlich weltweit sterben. Dennoch wächst die Menschheit jedes Jahr um etwa 70 Millionen Menschen. Das wäre nicht so schlimm, wenn nicht zwei Drittel der Menschheit in mittlerer bis großer Armut leben würden. Über eine Milliarde Menschen haben nicht einmal das nötigste zum Überleben. Über eine Milliarde Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser – zwei Prozent der Bevölkerung sogar in Europa. 2,4 Milliarden Menschen fehlt der Zugang zu sanitären Einrichtungen. Eine Milliarde Menschen leben in Slums. Laut dem US-Population Reference Bureau leben mehr als die Hälfte der Menschen, also derzeit mehr als 3,2 Milliarden Menschen, mit nur 2 US-Dollar pro Tag. Das sind nur 50 Euro pro Monat! Eine Milliarde Menschen haben sogar nur einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Weltweit helfen viele Organisationen das Leid zu lindern, doch es ist ein Tropfen auf den heißen Stein wenn die Armut jährlich millionenfach nachwächst – wenn die Bevölkerungszunahme nicht eingedämmt wird.

 

3. Die dramatische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten

 

Erstellt man ein Diagramm mit der Entwicklung der Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten, dann steigt die Kurve steil an. Im Jahr 1950 gab es etwa 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde; im Jahr 1960 schon 3 Milliarden: im Jahr 1974 bereits 4 Milliarden und im Jahr 1987 bereits doppelt so viele mit 5 Milliarden. Die Menschheit hat sich also in nur 37 Jahren verdoppelt. Und das nicht auf eine weniger dramatische Verdoppelung von einer auf zwei Milliarden, sondern von 2,5 auf 5 Milliarden. Nach Berechnungen von Bevölkerungsforschern könnte bis zum Jahr 2075 eine weitere Verdoppelung möglich sein. Dann würden 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben. Zehn Milliarden Erdenbürger die alle ausreichend Nahrung, Unterkunft und Arbeit brauchen. Dass dies gewaltige Probleme mit sich bringt liegt auf der Hand. Schon bis zur nächsten Jahrhundertwende könnten die Probleme der Menschheit so gewaltig angestiegen sein, dass sie nicht mehr zu bewältigen sind.

 

Tabelle: 1950 bis 2050

 

Vom Jahr 1300 bis zum Jahr 1750 benötigte die Menschheit 440 Jahre für eine Verdoppelung; vom Jahr 400 bis zum Jahr 1250 noch 850 Jahre; von den Anfängen erster menschlicher Besiedelungen vor etwa 10.000 Jahren bis zur Geburt Christi wuchs die Weltbevölkerung lediglich auf nur 200 Millionen heran. Die Kurve der Menschheitsentwicklung stieg in dieser Zeit – und erst recht seit dem ersten Auftreten des vernunftbegabten Menschen, des Homo sapiens vor 40.000 Jahren – nur ganz gering an, während sie in den letzten 200 Jahren sprunghaft angestiegen ist. Man spricht daher auch von einer Bevölkerungsexplosion. Es ist wie ein bösartiges Geschwür, das sich überdimensional aufgebläht hat. Die Menschheit als wuchernder Organismus.

 

Tabelle: 30.000 v.Chr. bis 2000 n.Chr.

 

4. Der Millenniums-Schock

 

Diese Entwicklung haben die Medien zum Millennium 2000 verschlafen. Die Feuerwerksraketen krachten, die Sektkorken flogen; Jubel in allen Städten der Welt. War es wirklich ein freudiges Ereignis? Ja, die Menschheit hat sich weiter entwickelt, sie existiert immer noch. Aber in welcher Verfassung? Der Silvester 1999 wäre ein Anlass zum Nachdenken gewesen, Anlass zu einer Rückblende in Sachen Weltbevölkerung, doch nirgends gab es derartige Anzeichen. Es gibt viele schlaue Dokumentationen in Film und Fernsehen, über die Pflanzen- und Tierwelt, über die letzten Weltkriege, über die Anfänge der Menschheit, über die Zeit der Dinosaurier, doch nirgends über die Zukunft der Menschheit. Das für uns Menschen so schicksalhafte 20. Jahrhundert wurde zu den Akten gelegt, so als wäre es ein Jahrhundert wie alle anderen vorangegangenen gewesen. Die Entwicklung zeigt aber ein anderes Bild. Noch nie zuvor gab es in einem Jahrhundert derartige Ereignisse wie im 20. Jahrhundert. Die Entwicklung von Eisenbahnen, Autos, Flugzeugen und Raketen führten zu ungeahnten Möglichkeiten. Die Länder der Erde wurden von Millionen Menschen bereist und besiedelt und sogar der Mond betreten. Elektronik und Mikrochips machten Maschinen mit Rechenoperationen im Gigabereich möglich. Und die Menschheit schreitet in der ungestümen Vermehrung ihrer Art weiter voran, so als wäre ohnehin alles in Ordnung.

 

Ja, es gab zum Millennium 2000 und auch schon zuvor einige wenige Wortmeldungen und Warnungen, aber diese wurden kaum wahrgenommen. Der Präsident des Worldwatch Intitute Lester Brown zeigte sich schon im Januar 1999 besorgt: „An der Schwelle zum nächsten Jahrhundert steht die Welt vor einer Bedrohung für die Umwelt wie nie zuvor. So kann das nicht mehr viele Jahre weiter gehen.“ Der US-Senator Al Gore stellte schon 1992 fest, dass die Menschheit mehrere tausend Jahre gebraucht hat um auf eine Anzahl von 2 Milliarden zu kommen, während sie in nur einem Menschenleben auf eine Zahl von 6 Milliarden heranwachsen wird. Der Franzose Levy Strauss meinte schon in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, dass sich die Menschheit von 5,5 Milliarden auf 2 bis 3 Milliarden reduzieren müsste. Dies meinte im Jahr 2000 auch der mexikanische Kardinal Javier Lozano Barragan, Präsident des Päpstlichen Rates. Verständlicherweise meinte er dies mit einer verstärkten sexuellen Enthaltsamkeit der Menschen zu erreichen.

 

5. Jedes Jahr 130 Millionen mehr

 

Tatsächlich kommen jedes Jahr etwa 130 Millionen Menschen auf die Welt. Etwa 60 Millionen davon sterben auf natürliche oder unnatürliche Weise – viele schon im Kindesalter.  Es bleiben somit ungefähr 70 Millionen übrig, um die sich die Menschheit jährlich vermehrt. Das ergibt derzeit eine Wachstumsrate von über ein Prozent. Daran ändern auch die derzeit weltweit 3 Millionen AIDS-Toten jährlich nichts. Wenn Bevölkerungsexperten meinen, die Wachstumsrate würde sich in den nächsten Jahrzehnten auf 0.4 verringern, so können das immer noch fast 40 Millionen Menschen sein, wenn die Erdbevölkerung auf 9 Milliarden angewachsen sein wird. 40 Millionen Menschen jährlich mehr in gefährdeter Armut. Dann schreiben wir vielleicht das Jahr 2050.

 

Und tatsächlich hat auch der von der UNO ausgerufene „Day of six billion“, der „Tag der 6 Milliarden“, der 12. Oktober 1999, nichts bewirkt. Seit diesem Tag schreitet die Menschheit uneingeschränkt in ihrer Vermehrung voran. Schon im Jahr 2006 werden weitere 500 Millionen Menschen weltweit dazukommen, die alle Nahrung, Unterkunft und Arbeit brauchen. Es wird aber beschwichtigt. Es gebe weltweit genug Nahrung für alle derzeit lebenden Menschen; diese müsse nur entsprechend verteilt werden. Doch gerade darin liegt das Problem. Es gibt nicht die nötige Logistik um die Nahrungsmittel verteilen zu können. Viele Lebensmittel sind bereits verdorben wenn sie den Empfänger erreichen. Das ist auch der Grund warum die Hilfsorganisationen nicht effizient genug arbeiten können. Das ist auch der Grund weshalb Tonnen von Lebensmitteln in den Wohlstandsländern vernichtet werden müssen. Das Absurde daran ist noch, dass diese Vernichtungen aus Steuergeldern finanziell unterstützt werden müssen um nicht die Verbraucherpreise und die Produktion zu ruinieren. In den Industriestaaten wird ständig Wachstum propagiert. Das brauchen jedoch die armen Länder, nicht die reichen. Bei uns muss es Stillstand geben; besser ein Zurück zum Wesentlichen.

 

Die Weltbevölkerung am 23. Oktober 2005, 11.00 Uhr MEZ

6.485.078.380

 

Die Weltbevölkerungsuhren ticken unaufhörlich weiter. Es sind die Zeitbomben der Menschheit. Sie können schon bald hochgehen.

 

6. Gibt es eigentlich noch genug Nahrung?

 

Weltweit werden jährlich 2 Milliarden Tonnen Getreide produziert und über 500 Millionen Tonnen Milch. Ob jeder Mensch bei einer Gleichverteilung damit „sein täglich Brot“ bekommen würde ist schwer zu berechnen. Wahrscheinlich eher nicht. Denn 2 Milliarden Tonnen Getreide bedeuten 312,5 kg für jeden derzeit lebenden Mensch pro Jahr und nur 856 Gramm pro Tag. Wohl zu wenig für das tägliche Brot. 500 Millionen Tonnen Milch sind 500 Milliarden Liter Milch pro Jahr für derzeit etwa 6,4 Milliarden Menschen. Jeden Tag stünden damit 1,36 Milliarden Liter Milch für alle Menschen zur Verfügung was nicht einmal einem Viertel Liter Milch pro Person entspricht. Ernährungsexperten würden das eher als Nahrungsmangel ansehen, da mit dieser Milchration wohl nicht die täglich nötige Menge an Kalzium eingenommen werden würde. Ein Überleben ist damit also nicht gesichert. Wer kann also angesichts dieser Tatsache die Meinung vertreten, es gebe genug Nahrung auf der Welt.

 

Aus der für alle Menschen derzeit produzierten Menge an Nahrungsmitteln errechnen sich die für alle zur Verfügung stehenden Kilokalorien. Demnach stehen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, FAO, derzeit für jeden Menschen 2700 kcal täglich zur Verfügung. Unterernährt sind laut der FAO Menschen, die weniger als 2100 kcal pro Tag an Nahrung zu sich nehmen. Ernährungsforscher bezeichnen einen Kalorienverbrauch pro Tag und Person für Kinder mit durchschnittlich 1400 als angemessen; für Frauen durchschnittlich 1900 und Männer 2500. In den Wohlstandsländern werden jedoch vielfach weit mehr Kilokalorien pro Tag und Kopf verbraucht, was dazu führt, dass die einen weit mehr haben als sie benötigen, hingegen die anderen nicht genug zum Überleben. Das Problem ist also allemal die gleichmäßige Verteilung. Die Gleichverteilung wird aber immer schwieriger je mehr Menschen es gibt. Die Vereinten Nationen haben sich auf einem Welternährungsgipfel der FAO im November 1999 in Rom als „Millenniums-Ziel“ gesetzt, die Anzahl der Hungernden auf dieser Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren – also auf 400 Millionen.Wie es aussieht wird dieses Ziel nicht erreicht werden. Im Jahr 2004 wurden nämlich noch immer 840 Millionen vom Hungertod bedrohte Menschen registriert. Das ist etwa die gesamte irdische Bevölkerung, die um das Jahr 1800 existierte. Die reichen Industriestaaten haben bereits im Jahr 1994 auf der Weltkonferenz über Bevölkerung und Entwicklung in Kairo versprochen 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts an die Armen der Welt zu verteilen. Der Finanzbedarf für Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle wurde damals auf 17 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bisher sind die Zahlungen nur zögerlich eingehalten worden. Es handelt sich ja auch um viel Geld, das dringend benötigt wird um die Armut selbst im eigenen Land zu bekämpfen. Im Falle USA sind die 0,7 Prozent vom BIP 77 Milliarden Dollar, im Falle Deutschland 14,6 und im Falle Österreich 1,45 Milliarden Dollar. Es ist wie ein Fass ohne Boden wenn man den ärmsten der Armen helfen will.  Entwicklungsökonomen haben errechnet, dass die armen Länder ab 2006 einen Finanzbedarf von 70 bis 80 Milliarden Dollar pro Jahr benötigen (J. D. Sachs: Das Ende der Armut).

 

7. Die Anbauflächen für Nahrung werden immer geringer

 

Der Versuch das Problem durch eine vermehrte Produktion lösen zu wollen löst sich rasch in Luft auf, weil es nicht unbegrenzt zur Verfügung stehende landwirtschaftlich bebaubare Böden gibt. Mit einer Landfläche von knapp 149 Millionen Quadratkilometer teilen sich derzeit 42 Menschen einen Quadratkilometer. Da jedoch große Teile der Erde unbewohnbare Wüsten- und Dschungelgebiete sowie von Eis bedeckte Flächen sind, werden sich wohl doppelt so viele Menschen einen Quadratkilometer teilen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung würde man also bei einem ein Kilometer langen Spaziergang ständig Menschen begegnen. Es gibt jedoch Länder wie Bangladesch mit einer Bevölkerungsdichte von 936 Einwohner oder Barbados mit 630 Einwohner pro Quadratkilometer. Demgegenüber teilen sich in Libyen und in Botswana nur 3 Menschen einen Quadratkilometer. Die größten Ballungsräume sind die Städte in denen bis über 12000 Menschen (Neu-Delhi 9294, Jakarta 12692) pro Quadratkilometer leben.  In Tokio lebten im Jahr 2004 bereits 34 Millionen Menschen; in Mexico City und Seoul über 22 Millionen. 25 Städte der Erde haben bereits mehr als 10 Millionen Einwohner. Bis zum Jahr 2030 werden sechzig Prozent der Menschen in Städten leben, das sind dann vermutlich über 4,8 Milliarden Menschen. Schon jetzt haben 600 Millionen Stadtbewohner in den Entwicklungsländern keine angemessene Unterkunft. Die größten Slums befinden sich in Städten und täglich werden es mehr.

 

Die landwirtschaftlich nutzbaren Anbauflächen werden zunehmend ausgezehrt. Massenproduktionen zerstören die Böden. Nach Untersuchungen der weltweit genutzten  landwirtschaftlichen Flächen durch die Vereinten Nationen waren im Jahr 1990 nahezu 15 Prozent geschädigt und zeigten deutlich Degradationserscheinungen; also eine auch von Menschen verursachte verringerte Ertragsmöglichkeit. In vielen Ländern der Erde ist in den letzten 150 Jahren die Hälfte des fruchtbaren Ackerbodens verloren gegangen. Die meisten Bodendegradationen werden durch Abholzung von Wäldern, Überweidung und nicht angepassten Ackerbau verursacht. Eine zusätzliche Belastung der Böden entsteht durch die globale Erwärmung. Die drohende Verknappung fruchtbarer Ackerböden bei gleichzeitig ungebremstem Bevölkerungswachstum wird von vielen Experten als eines der dringlichsten globalen Probleme eingestuft. Die genetische Vielfalt von Ackerpflanzen hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Die Ernährung der Weltbevölkerung basiert heute nur noch auf 150 Pflanzenarten. Auf 17 Prozent der weltweiten Ackerflächen werden 40 Prozent der Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung produziert. Dafür werden zur Bewässerung dieser Flächen schon heute 69 Prozent der global verfügbaren Wassermenge benötigt.

 

8. Die Wasservorkommen reichen nicht mehr aus

 

Von den 97,5 Prozent Wasservorkommen der Erde sind nur 2,5 Prozent Süßwasser. Davon ist nur 1 Prozent nutzbar weil sich viele Wasservorkommen in den Böden unterirdisch als Feuchtigkeitsschichten befinden. Von dieser jährlich zur Verfügung stehenden Menge an Trinkwasser werden heute schon 54 Prozent genutzt – 70 Prozent davon allein in der Landwirtschaft. Aufgrund des Anstiegs der Weltbevölkerung könnte der Trinkwasserverbrauch bis zum Jahr 2050 von 54 auf 70 Prozent ansteigen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich die globale Wasserentnahme mehr als versechsfacht und sie ist damit mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die Erdbevölkerung. Nicht ohne Grund meinen daher viele Wissenschaftler, dass die künftigen Auseinandersetzungen unter den Menschen Wasserkriege sein werden. Bis zum Jahr 2050 könnten zumindest 2 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen sein – wenn es schlimm kommt bis zu 7 Milliarden. Die verfügbare Menge an Trinkwasser wird in den nächsten 20 Jahren um ein Drittel zurückgehen. Wenn die Menschheit weiterhin zügellos wächst, kann man sich ausmalen was passiert. Es wird wüste Kämpfe um Getreide, Gemüse, Obst, Fleisch, Milch und Trinkwasser geben; und wohl auch um Schlafplätze und Arbeitsplätze. Es wird globale Auseinandersetzungen ums nackte Überleben geben. Science-Fiction-Autoren haben diesbezüglich schon die wildesten Szenarien heraufbeschwört – sie könnten Wirklichkeit werden.

 

9. Die Natur rächt sich bereits

 

Durch die Zunahme der Weltbevölkerung fallen auch immer mehr Menschen Naturkatastrophen zum Opfer. Durch die vermehrten Eingriffe in die Umwelt haben sich Naturkatastrophen seit den sechziger Jahren verdoppelt. Die daraus entstandenen volkswirtschaftlichen Schäden sind seither auf das Siebenfache und die versicherten Schäden sogar auf das Vierzehnfache angestiegen. Ein Fünftel der in den Industriestaaten lebenden  Weltbevölkerung ist für vier Fünftel der weltweiten Umweltbelastung verantwortlich. In den Industriestaaten werden die meisten umweltschädlichen Abgase ausgestoßen. Der zunehmende Ausstoß von Abgasen führt zur Erwärmung der Atmosphäre. Trotz Verringerung dieser Emissionen durch vermehrte Umweltauflagen in den letzten Jahren konnte das Jahr 2002 als das zweitwärmste Jahr seit den Aufzeichnungen 1861 gemessen werden. Der Anstieg der Oberflächentemperatur läuft seit 1976 dreimal schneller als im Mittel der vergangenen hundert Jahre. Der mittlere Wert der Temperatur in der Erdatmosphäre liegt heute um  0,6 Grad Celsius höher als im Jahr 1900. Dieser Anstieg wird vielfach als Folge der Menschheitsentwicklung in den letzten Jahrzehnten angesehen. Klimaforscher meinen, dass eine weitere Erwärmung um bis zu 1,3 Grad Celsius in den nächsten 30 Jahren unvermeidbar ist. Die Meere heizen sich weiter auf und es werden noch mehr tobende Orkane und Hurrikans entstehen, die gewaltige Überschwemmungen bringen und tausenden Menschen das Leben kosten werden. Gletscher und Eisberge werden zunehmend schmelzen und die Ozeane werden überschwappen und es werden weite Küstenlandschaften und Inseln verschwinden. Die Tage der Menschen, die in diesen Regionen leben, sind gezählt – wahrscheinlich dann auch die Tage der gesamten Menschheit.

 

Der zunehmende Ausstoß von Abgasen, besonders von Kohlendioxid (CO2), hauptsächlich durch Verbrennung fossiler Energieträger, hat sich im Laufe der Industrialisierung von 342 Millionen Tonnen im Jahr 1860 auf 24,1 Milliarden Tonnen (!) im Jahr 2001 erhöht. Das ist eine über 70-fache Erhöhung (!). In den neunziger Jahren lag der Zuwachs von CO2 insgesamt bei zehn Prozent. Vom Jahr 1751 bis heute wurden insgesamt mehr als 1000 Milliarden Tonnen (!) CO2 freigesetzt, mehr als die Hälfte davon seit Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Einen zusätzlichen Anstieg des atmosphärischen CO2 wird durch die zunehmende Abholzung der Wälder verursacht. Die globale Waldfläche betrug laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO, im Jahr 2000 3,869 Milliarden Hektar. Vor 8000 Jahren gab es noch 6 Milliarden Hektar Wald auf der Erde. Die Wälder  haben bekanntlich eine wichtige Funktion bei der Erhaltung unserer Atmosphäre und zum Schutz vor Katastrophen und der Erhaltung der Tierwelt. Nach Schätzungen von Experten verschwinden jährlich bis zu 35.000 Tierarten für immer von der Erde. Die Geschwindigkeit des globalen Artenverlustes liegt um den Faktor 1000 bis 10.000 über der natürlichen Aussterberate von zirka 10 Arten pro Jahr.

 

9. Der Klimawandel lässt sich nicht mehr aufhalten

 

Der zunehmende Ausstoß von Treibhausgasen führt auch zu einer Verringerung des Ozons in der Atmosphäre, das uns vor der schädlichen UV-Strahlung aus dem Weltraum schützt. Besonders bedrohlich zeigt sich der Ozonabbau über der Antarktis seit den siebziger Jahren. Dort entsteht regelmäßig das so genannte Ozonloch, das im Jahr 2000 eine Größe von 28 Millionen Quadratkilometer erreichte. Wenngleich sich auch zwischenzeitlich das Ozonloch bis auf 18 Millionen Quadratkilometer verkleinert hat, so gab es im Jahr 2005 wieder einen Anstieg auf 25 Millionen Quadratkilometer. Besonders betroffen davon sind die südlichen Küsten von Chile, Argentinien, Neuseeland, Australien und Südafrika sowie die Falklandinseln. Die Antarktis selbst hat eine Fläche von 12,5 Millionen Quadratkilometer. Auch über der Arktis tritt fallweise ein Ozonloch auf, doch nicht so dramatisch wie am Südpol. Im Jahr 1999 meldete die ESA, die europäische Raumfahrtbehörde, ein Ozonloch über Europa, über den Ländern Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Skandinavien. Die zunehmende Einstrahlung der schädlichen UV-Strahlung erhöht das Hautkrebsrisiko beim Menschen und zerstört auch die Pflanzenwelt und die Kleinstlebewesen der Meere.

 

10. Ein Heer von Arbeitslosen bevölkert die Erde

 

Auch die Zahl der Arbeitslosen stieg, laut dem Fischer Weltalmanach, weltweit bis Ende 2002 auf 170 Millionen an. Insgesamt sollen über 25 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos oder unterbeschäftigt sein. Wie viele Menschen sind aber weltweit erwerbsfähig? Wie viele Menschen weltweit haben überhaupt einen Zugang zu Erwerbsquellen? Wenn 30 Prozent der Weltbevölkerung arbeitsfähig sind und 25 Prozent davon arbeitslos, dann gibt es weltweit eigentlich 480 Millionen Arbeitslose. Tatsache ist, dass es massenhaft Kinderarbeit und Arbeit unter den unwürdigsten Bedingungen gibt. Um nur ein wenig Geld für den Lebensunterhalt verdienen zu können prostituieren und versklaven sich Millionen Menschen. Ist das der im 20. Jahrhundert, angesichts großer Errungenschaften, vielfach zitierte Fortschritt der Menschheit?

 

Das allgemeine Wohlstands- und Wachstumsgefälle zwischen den reichen und den armen Ländern hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verringert, sondern eher noch vergrößert. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die reichsten Staaten haben ein Bruttonationaleinkommen je Einwohner von 20.000 bis über 45.000 US-Dollar, während die ärmsten Staaten auf nur 110 bis 630 US-Dollar kommen – Äthiopien und Burundi sogar auf nur 90 US-Dollar. Das ist die Folge der enormen wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den Staaten und der zunehmenden  Globalisierung und Internationalisierung. Während in den Wohlstandsländern ein Mensch ein bis zwei Jahre arbeiten muss um sich ein Auto der Mittelklasse kaufen zu können, benötigt ein Mensch in den ärmsten Staaten dazu fünfzig Jahre. Das mittlere jährliche Einkommen eines Wohlstandsbürgers beträgt oft das dreißig- bis vierzigfache eines Bürgers der ärmsten Länder. Dennoch fühlen sich viele Menschen in den Wohlstandsländern nicht als reich weil die Lebenserhaltungskosten hoch sind. Auch in den reichen Staaten gibt es tausende Menschen die in Armut leben, weil selbst dort nicht für alle gesorgt werden kann. Wie sollen wir die Probleme der gesamten Menschheit in den Griff bekommen wenn wir nicht einmal im Stande sind die lokalen Probleme zu bewältigen. Wenn wir nicht einmal im Stande sind wirklich allen Menschen in den Wohlstandsländern ausreichend Nahrung, Unterkunft und Arbeit zu sichern.

 

11. Die Geburtenrate muss weltweit gesenkt werden

 

Die Probleme der Menschheit können endgültig nur dann gelöst werden, wenn es eine drastische Reduzierung der Geburtenrate gibt. Dazu bedarf es erhöhter Maßnahmen zur verstärkten Empfängnisverhütung. Die UNFPA, der Bevölkerungsfond der UNO, bemüht sich seit Jahrzehnten, besonders in den Entwicklungsländern, diesbezüglich Aufklärungsarbeit und Hilfestellung zu leisten. Weltweit haben noch immer 120 Millionen Paare keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Mehr als ein Viertel der weltweit insgesamt 1,2 Milliarden Schwangerschaften zwischen 1995 und 2000  waren ungewollt oder nicht geplant; das wären immerhin 300 Millionen Nachkommen weniger gewesen, wenn diese Schwangerschaften verhindert worden wären. 700.000 Frauen sind in diesem Zeitraum an den Folgen einer Schwangerschaft oder durch unsachgemäße Abtreibung gestorben. Die so genannte Fertilitätsrate, die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau, liegt in den 49 ärmsten Ländern der Welt bei durchschnittlich 5,5 und in den Industriestaaten bei durchschnittlich 1,3 bis 1,6 - was einen Gesamtdurchschnitt von 2,8 ergibt. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Fertilitätsrate bis zum Jahr 2050 auf das so genannte „Ersatzniveau“ von 2,1 sinken kann, wenn entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.

 

 

Viele Menschen auf dieser Welt müssen eines natürlichen Todes sterben - um jeden einzelnen von ihnen trauern wir. Doch warum müssen viele eines unnatürlichen Todes sterben, nur weil wir uns nicht mäßigen und zügeln können. Die wahrscheinlich von Geistlichen einiger Religionsgemeinschaften geforderte sexuelle Enthaltsamkeit ist eine Möglichkeit zur Empfängnisverhütung, aber sie funktioniert bei vielen Menschen nicht. Wenn wir die Partnerschaft der Geschlechter auch als körperliche Zuwendung verstehen wollen, dann geht es ohne Sexualität nicht. Enthaltsamkeit kann auch krank machen. Um die Geburtenrate zu senken müssen vor allem ungewünschte Schwangerschaften und unnatürliche Geburten verhindert werden. Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite des Globus große Anstrengungen unternommen werden Geburten künstlich herbeizuführen, während auf der anderen Seite zahlreiche Kinder auf die Welt kommen, die keine Lebenschancen haben.

 

Soll das Überleben des Homo sapiens langfristig gesichert werden und soll es einen Wohlstand für alle geben, dann muss eine Reduzierung der Menschheit angestrebt werden. Eine kleinere Anzahl von Menschen schafft auch geringere Probleme. Eine kleinere Anzahl einer Völkergruppe kann auch einen Wohlstand für alle schaffen. So wie sich die Menschheit derzeit gebärdet, wird sie die nächsten hundert Jahre nicht in der heutigen Form überleben. Derzeit vermehrt sich die Menschheit jährlich um etwa 70 Millionen Menschen. Bis zum Jahr 2050 soll sich, nach Berechnungen der US-Zensus Behörde, der Zuwachs auf 39 Millionen pro Jahr verringern. Bis dahin wird es aber dennoch 9 Milliarden Menschen geben. Selbst bei einer noch geringeren Bevölkerungszunahme ab 2050 von nur 30 Millionen Menschen pro Jahr wird es bis zum Jahr 3050 dann 12 Milliarden Menschen geben. Manche Experten rechnen sogar mit über 35 Milliarden Menschen im Jahr 2300 wenn die Entwicklung so weitergeht wie heute. Es ist leicht einzusehen, dass es mit dieser Entwicklung keine Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen geben kann. Der ganze Planet Erde spielt dabei nicht mit. Eigentlich müsste schon jetzt ein weltweiter Geburtenstopp ausgerufen werden um das Ärgste zu verhindern.

 

12. Haben wir noch eine Chance zur Umkehr?

 

Wahrscheinlich ist der Zug aber schon längst abgefahren und wir haben keine Chance einer Umkehr. Auch in der Tierwelt beobachten wir eine rapide Zunahme der Population vor einer Katastrophe. Die Natur hat es offensichtlich so eingerichtet, dass einige überleben können um den Fortbestand der Art zu sichern. Wir vernunftbegabte Erdenbürger, mit einem komplexen Gehirn ausgestatten, das uns ermöglicht die Dinge und Zusammenhänge weitgehend zu verstehen, sollten es nicht darauf ankommen lassen. Es ist fahrlässig kommenden Generationen gegenüber nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Die Meinung, die „Mutter Natur“ würde es schon richten, bedeutet Resignation und den Tod von Millionen und Abermillionen Menschen. Die Erde hat schon andere Lebewesen abgeschüttelt, wenn sie es zu toll getrieben haben. Uns Menschen droht offensichtlich das gleiche Schicksal, wenn wir nicht sofort und in dieser Sekunde entsprechende Maßnahmen setzen.  

 

Mehr dazu unter:

http://web.utanet.at/mahain/ReducingMankind.htm

 

 

Qellen:

Der Fischer Weltalmanach 2004 und 2006

Eine bessere Welt ist möglich: F. Alt, R. Gollmann, R. Neudeck, Riemann Verlag 2005

Das Ende der Armut: Jeffrey D. Sachs, Siedler Verlag 2005

 

 (Ende)