Deep Impact  

Die Gefahr aus dem All

Ein Report von Walter Hain

 

Grafik: W.Hain

    Seit der mittelalterlichen Vorstellung, dass Steine nicht vom Himmel fallen können, hat sich das Bild unserer Welt außerhalb der Erde weitgehend verändert. Heute wissen wir, dass sehr wohl diverse Brocken aus dem All die Erde treffen können und es sind nicht nur kleine und harmlose darunter. Vor 15 oder 20 Millionen Jahren stürzte ein Brocken von rund einem Kilometer Durchmesser, mit wahrscheinlich einer Geschwindigkeit von 15 bis 30 km/s auf die Erde, wo sich heute die deutsche Stadt Nördlingen befindet. Dort im "Nördlinger Ries", schlug das Objekt einen 25 Kilometer breiten Krater, der noch heute geologisch festgestellt werden kann. Dieser kosmische Gesteinsbrocken schlug bis in eine Tiefe von 1000 Metern in das Erdreich ein und setzte eine Energie von 50 Wasserstoffbomben von jeweils 10 Megatonnen frei. In dem 35 Kilometer weit entfernten Steinheimer Becken schlug wahrscheinlich ein Ableger dieses Asteroiden einen 4 Kilometer breiten Krater

    Der Einschlag dieses Brockens aus dem All muss gewaltig gewesen sein und die Folgen daraus verheerend. Tonnen von Erdmassen wurden wahrscheinlich empor geschleudert und der Himmel muss sich durch eine gewaltige Staubwolke verdunkelt haben. Tiere und Pflanzen wurden wahrscheinlich in einem Umkreis von hundert Kilometern zerstört. Heute glauben daher viele Wissenschaftler, dass das plötzliche Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren durch einen derartigen Asteroideneinfall verursacht wurde. Wahrscheinlich  traf damals die Erde ein mehrere Kilometer großer Asteroid und verursachte eine derartige Katastrophe, dass den großen Riesenechsen die Lebensgrundlagen genommen wurden und diese fast völlig von der Erde verschwanden.

    Solche Riesenbrocken, die eines Tages erneut die Erde treffen könnten, befinden sich im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, etwa 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Die meisten dieser vielleicht mehreren Zehntausend Objekte sind nur wenige Zentimeter groß, doch gibt es auch zahlreiche von einigen Kilometern und sogar mehreren hundert Kilometern im Durchmesser, weshalb diese auch als Planetoiden bezeichnet werden. Man kann sich vorstellen, was derartige Brocken anrichten können, würden sie auf die Erde fallen. Der größte von ihnen ist Ceres mit einem Durchmesser von 960 km; dann gibt es von den größten noch Pallas mit 570 km, Vesta mit 530 km, Juno mit 240 km, Eugenia mit 226 km, Kleopatra mit 217 km, Chiron mit 180 km, Siwa mit 103 km, Mathilde mit 66 km, Ida mit 58 km, Eros mit 33 km und Gaspra mit 19 km im Durchmesser.

   Schon 1974 schilderte Daniel Cohen in seinem Buch "Weltuntergang?" ein mögliches Szenario sollte ein derartiger "Gast aus dem All" die Erde treffen: "Starke atmosphärische Störungen würden rings um den Erdball auftreten. Entscheidend für den Umfang der Katastrophe wäre die Aufschlagstelle des Asteroiden. Falls er in einem dicht besiedelten Gebiet auftreffen würde, wären weit mehr Menschenleben zu beklagen, als wenn er in der sibirischen Taiga landete. Es besteht jedoch eine große Wahrscheinlichkeit, dass ein auf der Erde auftreffender Asteroid oder dergleichen ins Meer stürzen würde, und zwar deshalb, weil drei Viertel der Oberfläche mit Wasser bedeckt sind. Ein Asteroid der ins Meer stürzt, würde eine Flutwelle von solch riesigem Ausmaß hervorrufen, dass vermutlich alle Inseln und tief liegenden Küstengebiete am Rande des Ozeans überspült würden."

    Hollywood inszenierte ein solches Ereignis eindrucksvoll in dem 1998 erschienenen Film "Deep Impact - Wenn der Himmel auf die Erde stürzt". Die Tsunami-Katastrophe in Indonesien im Dezember 2004 hat uns drastisch vor Augen geführt was, was ein Kometeneinschlag in einem der Ozeane bewirken könnte. Etwa 230.000 Menschen sind damals ums Leben gekommen.

    Es sind nicht nur Asteroiden oder Planetoiden, die auf die Erde fallen können, es sind auch andere Objekte in unserem Sonnensystem, die uns gefährlich werden können. Diese ""Eindringlinge aus dem Kosmos" klassifiziert man etwa folgendermaßen:

Meteore und Meteorite                                                 bis 1km im Durchmesser

Kometen                                               ca. 1 bis 10 Kilometer im Durchmesser

Asteroide und Planetoide                       10 bis 800 Kilometer im Durchmesser

 

    Dabei sind die Objekte von unterschiedlicher Beschaffenheit. Es sind relativ leichte poröse Brocken im spezifischen Gewicht etwa Ton, Kreide oder Graphit entsprechend bis zu staubigen Eisklumpen mit einer Dichte des Wassers, die sich in unserem Sonnensystem bewegen. Das hatte einen amerikanischen Wissenschaftler veranlasst, die Kometen "eine große Tüte voll Nichts" zu bezeichnen. Trotzdem können sie durch die hohe Fluggeschwindigkeit beim Eintritt in die Erdatmosphäre und wenn sie groß genug sind beim Aufschlag auf die Erdoberfläche gewaltige Energien freimachen und erheblichen Schaden anrichten.

   

  Am 30. Juni 1908 ist über der sibirischen Tunguska wahrscheinlich so ein Eisklumpen aus dem All über der Erdoberfläche in etwa 5 bis 14 Kilometer Höhe derart explodiert, dass im Umkreis von 30 Kilometer ganze Wälder platt gedrückt wurden. Die Energie entsprach wahrscheinlich 10 bis 15 Megatonnen TNT, der mehr als 1000-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Die Größe des Objekts wird zwischen 50 Meter bis zu einigen hundert Meter geschätzt. Ein Einschlagkrater wurde nicht gefunden. Der Himmelskörper hat sich schon über dem Erdboden explosionsartig aufgelöst. Der Feuerschein war noch in 500 Kilometer Entfernung von Reisenden der Transsibirischen Eisenbahn beobachtet worden. Zum Glück lag das Ereignis in einem kaum besiedeltes Gebiet, sodass keine Menschen zu Schaden kamen.

 

    Kosmische Objekte können uns nicht nur aus dem Asteroidengürtel, sondern auch aus weit entfernten Gegenden am Rande unseres Sonnensystems nahe kommen. Etwa in der Entfernung des Jupiter, etwa 628 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, befindet sich die Gruppe der "Trojaner", die aus kleineren Objekten  besteht. Auch von dort können planetoide Eindringlinge zu uns gelangen. Bekannt sind die phantastischen Sternschnuppenschauer wie die der Perseiden, die immer wieder im Sommer  in die Erdatmosphäre eindringen und eindrucksvoll zusehen sind. Weitere Sternschnuppenschauer sind auch im Jänner, im Oktober, im November und im Dezember jedes Jahr zu beobachten.

 

    Auch aus dem Kuiper-Gürtel, dem Rest des Nebels aus dem das Sonnensystem hervorgegangen ist, können Himmelskörper zu uns gelangen. Es ist die Heimat der kurzperiodischen Kometen, deren Umlaufperiode weniger als 100 Jahre beträgt, und sie befindet sich in einer Entfernung zwischen 30 und 100 Astronomischen Einheiten (1 AE = Entfernung Erde zur Sonne von 149,6 Mio km) - also zwischen 4,3 und 14,8 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Dieser Gürtel besteht wahrscheinlich aus 10 Milliarden Objekten, die größer als 1 km, und weiteren 10 Millionen Objekten, die größer als 10 km sind. Es sind sogar Objekte entdeckt worden, die größer als der Planet Pluto sind, weshalb man diese zu weiteren Planeten unseres Sonnensystems zählen könnte. Ein Objekt mit der Bezeichnung 2003UB313 wurde erst kürzlich im Juli 2005 nochmals astronomisch erfasst, nachdem es bereits im Jahr 2003 fotografiert wurde. Es ist vermutlich 10 bis 14 Milliarden Kilometer von uns entfernt und es hat wahrscheinlich einen Durchmesser von 2600 km gegenüber Pluto, der 2390 Kilometer im Durchmesser misst.

 

    Ein weiterer Bereich aus dem Objekte zu uns gelangen ist die Oortsche Wolke, wo die langperiodischen Kometen, deren Umlaufperiode größer als 200 Jahre ist, herkommen. Diese Ansammlung von kosmischer Materie besteht wahrscheinlich aus Milliarden oder gar hunderte Milliarden kometenähnlicher Objekte und sie ist weitaus größer als der Kuiper-Gürtel; Astronomen schätzen sie sogar mit einer Ausdehnung von 30.000 bis 50.000 Astronomischen Einheiten, 4.488 bis 7.480 Milliarden km, allein im Radius - also fast die Ausdehnung die einem Lichtjahr von 9.460 Milliarden, also 9,46 Billionen Kilometer entspricht. Es kommt immer wieder vor, dass ein Kometenkern aus diesem Bereich in seiner Bahn soweit gestört wird, dass er in das Gravitationsfeld eines Planeten gelangt und somit auch der Erde nahe kommt. Dort entwickelt er dann für kurze Zeit einen sichtbaren Schweif und verschwindet dann wieder in den dunklen Tiefen des Raumes am Rande unseres Sonnensystems.

 

    Ein gut bekannter Komet ist der von dem Astronomen Edmund Halley im Jahr 1705 wieder entdeckte und vorausgesagte. Halley erkannte in dem 1682 sichtbaren Kometen den schon seit der Antike registrierten Himmelskörper und er sagte seine Wiederkehr für das Jahr 1758 voraus und tatsächlich ist das eingetroffen.  Seither ist der Komet regelmäßig beobachtet worden und  29-mal der Erde nahe gekommen - zuletzt 1986. Im Jahr 1910 hatte der Komet bei seiner Annäherung an die Erde noch Ängste unter der Bevölkerung hervorgerufen und Weltuntergangsstimmung  verbreitet. Man hat auch vermutet, dass der so genannte Stern von Bethlehem, der laut der Bibel zur Geburt Jesu am Nachthimmel leuchtete, der Komet Halley war, doch nach astronomische Aufzeichnungen der Chinesen - die bis ins Jahr 466 v. Chr. zurückreichen und schon sehr genau waren - war dieser Komet im Jahr 11 v. Chr. und im Jahr 68 n. Chr. am Himmel zu sehen.

 

Bild: Der Komet Halley, aufgenommen 1986 von der Raumsonde Giotto.

     Das nächste Mal wird der Komet Halley im Jahr 2062 zu uns kommen, denn seine Umlaufperiode beträgt zwischen 76,1 Jahre. Schon im Jahr 2467 v. Chr. soll dieser Komet gesichtet worden sein, doch die erste sichere Aufzeichnung nach den chinesische Astronomen war im Jahr 240 v. Chr. Seit die Bahn und die Umlaufzeit des Kometen bekannt ist, die ihn zwischen 87,6 Millionen und 5,23 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, gab es immer wieder Unheilsszenarien bei seinem Erscheinen, so auch im Jahr 1910. Im Jahr 1986 aber gingen nicht weniger als fünf Raumsonden auf Tuchfühlung mit diesem Kometen. Es stellte sich heraus, dass sein Kern etwa 15 mal 7 mal 7 km groß und ein unregelmäßiger dunkler Körper mit Einschlagkratern ist, der aus Staub und Gestein besteht mit einer Hülle aus Eis und Kohlendioxid umschlossen und mit einer Temperatur von minus 40 Grad Celsius.

   Der etwa 2 Kilometer große Komet Hyakutake näherte sich der Erde am 24. März 1996 auf 15 Millionen Kilometer. Er umlief die Sonne in einer extrem lang gestreckten, elliptischen Bahn, in einer Entfernung zwischen 0,230 AE, also 34.408.000 Kilometer  - die noch innerhalb der Merkur-Bahn liegt und die er am 1. Mai 1996 erreichte - und 4700 AE, also 703.120.000.000 Kilometer, die ihn damit fast ein Zehntel eines Lichtjahrs von der Sonne entfernt. Der erst am 30. Januar 1996 von dem Japaner Yuji Hyakutake entdeckte Komet hatte die Sonne bereits vor 8000 Jahren besucht; er wird sich ihr erst in 14.000 Jahren wieder nähern. Man erkennt am Beispiel Hyakutake, dass von der Entdeckung eines Kometen bis zu seiner Annäherung an die Erde nicht viel Zeit zur Verfügung steht um auf eine potentielle Gefahr zu reagieren. Wäre Hyakutake auf Kollisionskurs mit der Erde gekommen, hätten wir absolut keine Chance gehabt, der Katastrophe zu entgehen.

    Wahrscheinlich ist kein Komet von so vielen Menschen beobachtet worden, wie der Komet Hale-Bopp, der am 23. Juli 1995 von Alan Hale und Thomas Bopp entdeckt wurde und der vom 20. Mai 1996 bis 9. Dezember 1997 sogar mit bloßem Auge sichtbar war. Zu dieser Zeit kam uns dieser 50 Kilometer große Brocken bis auf 13 AE, also in einem Respektabstand von 1.944.800.000 Kilometer nahe. Der Komet hatte eine Koma mit einem Durchmesser von 2 Millionen Kilometern. Gewöhnlich zieht Hale-Bopp seine Bahn im Abstand zwischen 0,914 AE (136.734.400 km) und 317,5 AE (47.498.000.000 km) zur Sonne. Der Komet Hale-Bopp kam schon vor 4200 Jahren der Erde nahe, das nächste Mal wird er sich uns erst in etwa 2500 Jahren nähern.

        Die Nasa bemühte sich in den vergangenen Jahren mehr über diese mögliche Bedrohung der Erde in Erfahrung zu bringen. Gilt es doch Vorbereitungen zu treffen um eine mögliche Katastrophe in dieser Richtung zu verhindern. Am 29. Oktober 1991 beäugte die Raumsonde Galileo den 19 Kilometer großen Asteroiden Gaspra und stellte fest, dass dieser eigentlich eine unregelmäßige Form hat - etwa 19 mal 12 mal 11 Kilometer.

    Am 28. August 1993 wurde der 58 Kilometer große Asteroid Ida unter die Lupe genommen und es stellte sich dabei heraus, dass Ida sogar einen 1,4 Kilometer großen Satelliten hat, der den Asteroiden ständig umkreist. Ida ist eigentlich ein längliches Objekt, das in der Breite 21 bis 24 km misst.

Schon der etwas kleinere Asteroid Gaspra hat eine Masse von 1000 Milliarden Tonnen. Er hat die die Ausmaße des Stadtteils von Manhatten in New York bzw. einer Kleinstadt.

   

Bild links: Der Asteroid Gaspra bedroht die Erde. Eine Grafik zusammengestellt mit einer Katastrophenszene aus dem Hollywood-Film "Deep Impact". (W.Hain)

    Am 22. September 2002 flog die Raumsonde Deep-Space-1 am zirka 10 Kilometer großen Kometen Borrelly vorbei und machte von ihm die bisher besten Aufnahmen von einem Kometen. Das Innere des Kometen ist sehr heiß, zwischen 26 und 71 Grad Celsius, so dass jede Eisschicht auf ihm sofort schmilzt.

    Am 4. Juli 2005 wagte die Nasa ein heikles Manöver. Sie ließ einen Teil der Raumsonde "Deep Impact" mit dem Kometen Temple 1 kollidieren. Ein 370 kg schwerer "Impactor" stürzte auf den etwa 6 Kilometer großen Kometen und verursachte dadurch einen 100 Meter breiten und 28 Meter tiefen Krater. Das Aufblitzen der durch den Aufprall entstandenen kinetischen Energie, die einer Sprengkraft von 4,8 Tonnen TNT entsprach, konnte die nahe Raumsonde eindruckvoll fotografisch festhalten. Damit war der Nasa erstmals geglückt einem entsprechenden Himmelskörper auf Tuchfühlung zu gehen. Die dadurch gewonnen Daten und Erkenntnisse sind wichtig, um einen möglicherweise gefährlichen Kometen oder Asteroiden entsprechend in seiner Bahn beeinflussen zu können damit er nicht auf Kollisionskurs mit der Erde kommt. Natürlich ist dieses Unterfangen nicht so einfach und kritische Stimmen warnen bereits einen derartigen Vorgang bei einem im Anflug zur Erde befindlichen Himmelskörper tatsächlich zu wagen, denn der Körper könnte in tausende kleine Trümmer zerfallen und folglich könnten einige davon erst recht die Erde treffen.

   Am 2. Januar 2004 flog die amerikanische Raumsonde Stardust am etwa 5 Kilometer großen Kometen Wild 2 im Abstand von 240 km vorbei und machte auch photographische Aufnahmen von ihm. Der Komet kam schon 1997 bis auf 0,85 AE, also bis auf 127.160.000 Kilometer der Erde nahe. Die Raumsonde Stardust sollte aber eine bisher einzigartige Mission erfüllen. Sie sollte Kometenstaub sammeln und diesen anschließend zur Erde bringen. Dieses Manöver, so unglaublich es klingt, ist tatsächlich geglückt. Am 15. Jänner 2006  landete die Raumkapsel erfolgreich im Gelände der U.S.-Airforce-Basis in Utah. Sieben Jahre war die Raumsonde unterwegs. Sofort stürzten sich die Wissenschaftler erwartungsvoll auf das Objekt und brachten es ins Johnson Space Center in Houston. Dort wurde am 18. Jänner 2006 die Kapsel geöffnet und der Staubfänger, eine Art Fanggitter, gefüllt mit Aerogel, einem extrem leichten Material aus Silikon, untersucht. Die Wissenschaftler waren begeistert: "Es ist phantastisch!", sagte Andrew Westphal, ein Mitglied des Stardust-Teams, vom Raumfahrtlabor der Universität von Berkeley in Kalifornien. "Das Aerogel ist in ausgezeichnetem Zustand und kein Teil davon fehlt", meinte der Wissenschaftler. Es sind die ersten Proben aus dem Weltall seit mehr als 30 Jahren, seit den Apollo-Mondflügen, die zur Erde gebracht wurden. Weil die Staubteilchen auf dem nur wenige Zentimeter großen Fanggitter so winzig und schwer zu finden sind, werden Teile des Gitters zur Untersuchung an verschiedene Labors rund um die Welt geschickt. Das Labor in Houston stellte jedoch schon jetzt Fotos vom Fanggitter auf dem bereits ein Staubteilchen zu sehen ist ins Internet. Man darf gespannt sein auf die weiteren Analysen. Der Komet Wild 2 hat jedenfalls eine Größe von 3,3 bis 5,5 Kilometer und eine Umlaufzeit um die Sonne von 6,39 Jahren. In seiner Umlaufbahn bleibt er mit einem Abstand von 1,532 AE, also 229.187.200 Kilometer von der Sonne, weit entfernt von der Erde. Er kann uns also gewöhnlich nicht gefährlich werden.

    Noch frecher als die Amerikaner werden die Europäer sein, wenn die von der ESA am 2. März 2004 gestartete Raumsonde Rosetta im November 2014 auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimko landen wird. Während der Flugphase hat sich die Raumsonde am 1. März 2005 der Erde genähert und nach Plan soll das nochmals am 1. November 2007 und am 1. November 2009 der Fall sein. Am 1. März 2007 wird sich Rosetta auch dem Mars nähern und wahrscheinlich Aufnahmen von ihm machen. Im November 2008 wird sich die Raumsonde dem Asteroiden Steins und im September dem Asteroiden Lutetia nähern bis sie im Mai 2014 beim Asteroiden Churyumov-Gerasimko ankommen wird. Dort soll ein 100 kg schweres Landegerät namens Philae auf dem Kometen abgesetzt werden. Im Dezember 2015 soll die ganze Mission beendet sein. Derartiges hat schon im Jahr 1989 die ehemalige Sowjetunion versucht, als sie mit einer Raumsonde auf dem Marsmond Phobos, der ja ursprünglich aus dem Asteroidengürtel stammen soll, landen wollte. Das Manöver ist jedoch durch den Ausfall der Sonde kurz vor der Landung missglückt.

    Wenn nun doch Steine vom Himmel fallen können, dann geht das meist glimpflich aus. Beim Blick zum Nachthimmel kann man jedes Jahr, wie schon erwähnt, zu bestimmten Zeiten mit etwas Glück eine oder mehrere Sternschnuppen sehen. Auch das sind Objekt aus dem All, von allerdings nur wenigen Millimetern bis Zentimetern Größe, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen und die wir deshalb als ein Aufleuchten wahrnehmen. Meist sehen wir aber nicht zum Himmel und merken praktisch nichts davon, dass jedes Jahr tausende dieser kleinen Partikel in die Erdatmosphäre eindringen - manche gelangen dabei sogar bis auf die Erdoberfläche. Schätzungen zufolge sind es 1000 bis 10.000 Tonnen an interplanetarer Materie, die täglich die Erde trifft. Auf den Globus verteilt ergibt das eine jährliche Massenzunahme der Erdoberfläche von 1 kg pro Quadratkilometer. Wir leben also auf unserem Planeten nicht so ungefährlich.

    Das wurde uns vom 16. bis 22. Juli 1994 drastisch vor Augen geführt, als einige dieser Himmelskörper auf den Jupiter stürzten und dies eindrucksvoll von der Erde aus aber auch von der Raumsonde Galileo beobachtet werden konnte. Vom Kometen Shoemaker-Levy 9 lösten sich insgesamt 23 Objekte, die in die Atmosphäre des Jupiter stürzten. Das größte Stück hatte einen Durchmesser von 2 Kilometer und riss ein Loch von der Größe unserer Erde in den Planeten. Man kann sich vorstellen was ein derartiges Ereignis auf der Erde angerichtet hätte. Der Jupiter ist aber der Größte unserer Planeten im Sonnensystem und er hat dadurch auch eine starke Gravitation, die kleinere aber auch mittlere Himmelskörper anzieht. Das wirkt sich natürlich günstig auf die Erde aus, weil doch viele der eindringenden Objekte aus dem All eher auf den Jupiter als auf die Erde stürzen würden.

Bild: Der Arizona-Krater.

    Vor gar nicht so langer Zeit konnten Menschen den Aufschlag eines größeren Brockens aus dem All wahrscheinlich beobachten. Vor etwa 25.000 Jahren stürzte im Bereich des heutigen Arizona ein wahrscheinlich 150 Meter großer Meteorit auf die Erde. Angeblich sollen die Mythen der dort ansässigen Einwohner noch davon berichten. Jedenfalls ist dort heute ein einrucksvoller Krater mit einem Durchmesser von 1,2 Kilometer und einer Tiefe von 174 Meter zu sehen, der schon von vielen Geologen und anderen Wissenschaftlern und Forschern besichtigt und untersucht wurde.

 

    Beim Halley-Kometen bzw. überhaupt beim Annähern eines Kometen an die Erde fürchtete man vor allem seinen Schweif, der Millionen Kilometer lang sein kann und der sich in Sonnennähe, durch Ausgasen der Eishülle und  Abstoßen von Staubpartikel durch den Sonnenwind, bildet. Theoretisch könnte bei entsprechender Annäherung des Kometen an die Erde, diese durch den Schweif ziehen und dadurch zumindest die Atmosphäre der Erde beeinflussen. Im Jahr 1770 ging z.B. der Kern eines Kometen zwischen den Monden des Jupiters hindurch; es gab jedoch keine besonderen Störungen der Monde. Im Jahr 1910 zog die Erde durch den Schweif des Halleyschen Kometen hindurch und auch da gab es keine besonderen Ereignisse obwohl damals Unheilspropheten eine Verpestung der Luft, eine Verseuchung des Wassers und viele andere Schrecknisse vorausgesagt hatten.

 

    In letzter Zeit verstärken sich jedoch die Meldungen und Ängste über einen möglichen Kometen- oder Asteroideneinfall auf die Erde. Seit dem Aussterben der Saurier vor 65 Millionen Jahren oder dem Einfall des Asteroiden ins Nördlinger Ries vor 30 Millionen Jahren wäre der nächst Einschlag bereits fällig, dennoch könnte es noch Millionen Jahre bis zu einem derartigen Ereignis dauern aber andererseits jeder Zeit eintreffen. Aber auch kleinere Himmelskörper können große Wirkung erzielen wenn sie auf bewohntes Gebiet fallen und wie der Krater in Arizona beweist, können solche Ereignisse auch im Abstand von wenigen Jahrtausenden stattfinden.  Die Gefahr aus dem All wird jedenfalls zunehmend ernst genommen und wissenschaftlich untersucht und beobachtet. Die Nasa hat inzwischen hunderte "Near-Earth-Objects", Kurzbezeichnung NEOs, im Visier. Das Harvard-Smithonian-Center für Astrophysik in Massachusetts stellt regelmäßig eine Liste von "Potentially Hazardous Asteroids", PHAs, ins Internet. Am 14. Juni 2002 ist die Erde vielleicht knapp an einer Katastrophe vorbeigegangen. Der Asteroid 2002MN näherte sich uns aus der Richtung der Sonne, sodass er von keinem irdischen Teleskop erfasst werden konnte. Er ist daher auch erst drei Tage später am 17. Juni 2002 entdeckt worden. Dabei stellte sich heraus, dass dieser etwa 100 Meter große Himmelskörper in einer Entfernung von nur 0,0008 AE, also in nur 119.680 Kilometer an der Erde vorbei geflogen ist.

 

    Im September 2004 waren viele  Menschen etwas beunruhigt, als sich der Asteroid Toutatis, mit der Objekt-Nummer 4179, der Erde näherte. Der etwa 4 Kilometer große Asteroid, der eigentlich nach dem gallischen Gott Teutates benannt wurde, und der sich in seiner Bahn normalerweise zwischen 0,9212 und 4,1238 AE, also zwischen 1.378.115 und 616.920.480 Kilometer von der Sonne entfernt, sollte uns gefährlich nahe kommen. Schließlich ist er in einem Abstand von 1.549.719 Kilometer an der Erde vorbeigerast. Schon 1992, 1996 und im Jahr 2000 ist Toutatis der Erde bis auf 3,6 Millionen, 5,3 Millionen und 11 Millionen Kilometer nahe gekommen. Die meisten von uns werden davon nichts gewusst haben. Im Jahr 2012 können wir ihn jedenfalls wieder erwarten - in einem Respektabstand von 0,04633 AE, also in   6.930.968 km. Die Radioteleskope in Goldstone and Arecibo haben Toutatis nun stets im Visier.

 

    Am 3. Juli 2006 wird ein Near-Earth-Object, registriert unter der Nummer 2004XP14, der Erde bis auf 0,002891 AE, also bis auf 432.493 km, nahe kommen. Das ist nur etwas mehr als die Entfernung des Mondes von der Erde mit 384.000 km. Weit näher wird uns jedoch das Objekt 2005YU5 am 9. November 2011 in einem Abstand von nur 0,001065 AE, das sind nur 159.324 km, kommen. Bis auf  0,002655 AE, also auf 397.188 km, wird uns das Objekt 1999AN10 am 7. August 2027 kommen:  also fast genau in Mondentfernung. Im Jahr 2028 kommt uns dann das Objekt 2001WN5 sogar bis auf  0,001670 AE, also bis auf 249.832 km, nahe. Später kommen andere der bisher registrierten Objekte der Erde wieder ähnlich nahe.

 

    Am 13. April 2029 jedoch könnte es für uns auf der Erde wirklich gefährlich werden. Denn an diesem Tag wird sich nämlich ein Objekt das den Namen des ägyptischen Gottes Apophis trägt und das mit der Nummer 2004MN4 katalogisiert wurde, der Erde bis auf nur 0,0002318 AE, also auf nur 34.677 km, das entspricht weniger als ein Zehntel der Mondentfernung, nähern. Die Astronomen haben zwar bereits Entwarnung gegeben, doch hundertprozentig können wir nicht sicher sein, dass doch eine Gefahr für die Erde bestehen wird, könnte der Asteroid in seiner Bahn gestört werden. Apophis hat zwar eine Größe von nur etwa 320 Meter, doch für eine größere Katastrophe würde es reichen, wenn er in Kontakt mit der Erde kommen würde. Das Objekt, das den Krater in Arizona verursachte war nur etwa 150 Meter groß und der Meteorit, der die Verwüstungen in der russischen Tunguska im Jahr 1908 anrichtete, hatte wahrscheinlich eine ähnliche Größe. Apophis wurde erst am 19. Juni 2004 von Astronomen im Kitt-Peak-Nationalobservatorium in Arizona entdeckt. Er hat eine Umlaufbahn, die ihn von der Sonne zwischen 0,746 und 1,089 AE, also zwischen 111.601.600 und 162.914.400 Kilometer entfernt. Er braucht für einen Umlauf 323 Tage und 12 Stunden und er rotiert um seine Achse in 30 Stunden und 37 Minuten.

 

Die nächsten mit Ende Januar 2006 registrierten Objekte, die der Erde besonders nahe kommen:

 

Objekt

          Datum        Entf. in AE       Entf. in km
2004 XP14      3. Juli  2006          0,002891         432.493,6
2005 YU5      8. Nov. 2011      0,001065  159.324,0 
1994 WR12      23. Nov. 2021      0,005639  843.594,4
1998 HH49      17. Okt. 2023      0,007852  1.174.659,2
1999 AN10      7.Aug. 2027          0,002655         397.188,0
2001 WN5    26. Juni 2028          0,001670         249.832,0
1997 XF11    26. Okt. 2028      0,006239         933.354,4
Apophis   13. Apr. 2029        0,0002318            34.677,2
2002 NY40   11. Feb. 2038      0,007369       1.102.402,4
Nereus   14. Feb. 2060      0,008012       1.198.595.2
2003 QC10  24. Sep. 2066          0,003396         508.041,6
Hathor  11. Okt. 2069        0,006598          987.060,8
2002 CU11   31. Aug. 2080          0,004257         636.872,2
1994 WR12   23. Nov. 2080      0,005639          843.594,4
Hathor   21. Okt. 2086      0,005973          893.560,8
1999 VP11   22. Okt. 2086        0,007210         1.078.616,0 
2004 HD2      8.Apr. 2093          0,004880         730.048,0
2001 GQ2   27. Apr. 2100          0,003403         509.088,8
2000 EH26   21. Apr. 2106        0,009360          1.400.256,0
2000 TU28   14. Apr. 2102       0,007918           1.184.532.8
2002 AW   6. Okt. 2103        0,005167          772.983,2
1999 MN   4. Juni 2110        0,006796         1.016.681,6 
1998 MZ  26. Nov. 2116          0,002750         411.400,0
2000 TU28  14. Apr. 2121        0,006492          971.203,2
2005 GC120   30. Nov. 2122        0,005377          804.399,2
2002 NN4      7. Juni 2130          0,005156         771.337.6
1997 XF11   28. Okt. 2136          0,002762         413.195,2
1999 MN   4. Juni 2137        0,005480         819.808,0
2000 WO107     1. Dez. 2140          0,001623         242.800,8
2005 WK4   10. Aug. 2141          0,005100         762.960,0
1998 OX4    22. Jan. 2148          0,002004         299.798,4
2005 SE71

   3. Nov. 2163

         0,003177         475.279,2

 

Quelle: Harvard-Smithonian-Center für Astrophysik, Massachusetts.

 

 

Bild: Die Annäherung des Asteroiden Apophis im Jahr 2029.

   Obwohl es sich hier um exakte Berechnungen der Flugbahnen der einzelnen Objekte handelt, können wir nicht völlig sicher sein, dass diese Objekte nicht die Erde treffen werden. Sie könnten von der Gravitation eines Planeten abgelenkt werden. Durch die große Zahl der kometen- und planetoidenartigen Objekte in unserem Sonnensystem sind auch noch viele unentdeckte dabei, die uns gefährlich werden können. Es ist immer die große Frage, ob wir diese noch rechtzeitig wahrnehmen können  um entsprechende Abwehrmaßnahmen zu setzen. Eine Möglichkeit wäre auch ein Objekt mit Hilfe einer Rakete auf eine andere Bahn zu schieben oder dieses durch riesige Reflektoren zu erreichen. Nasa-Wissenschaftler wollen einen gefährlichen Asteroiden mit einer riesigen Kralle packen und ihn so in eine andere Umlaufbahn schieben. Es gibt also bereits einige Projekte zur Abwehr von gefährlichen Objekten aus dem All.

 

     Wahrscheinlich wird aber die Zeit nicht ausreichen, um entsprechende Abwehrmaßnahmen zu treffen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/s wäre ein Himmelskörper vom Asteroidengürtel je nach Flugbahn schon in 170 bis 180 Tagen, vom Kuiper-Gürtel in 5 bis 16 Jahren und von der Oortschen Wolke in 700 bis 800 Jahren bei uns angelangt. Haben wir nach der Entdeckung eines gefährlichen Objekts nicht genug Zeit für Abwehrmaßnahmen, bliebe uns nur noch die Evakuierung der Bevölkerung aus dem errechneten Einschlagsgebiet, als Milderung der Katastrophe, übrig. Schon jetzt sollten die Behörden der Länder und der Staatenbünde entsprechende Katastrophenprogramme entwickeln und sich Gedanken darüber machen. Wenn es schlimm kommt, müsste womöglich die gesamte Bevölkerung von Europa mit 800 Millionen Einwohnern oder Nordamerika mit 300 Millionen Einwohnern evakuiert werden. Unvorstellbar was sich dabei für Szenarien abspielen könnten. Wir sollten daher entsprechend vorbereitet sein.

 

 

Quellen:

Astronomie - Ein Führer durch die unendlichen  Weiten des Weltalls, Klagenfurt 2001.

Boschke, F.L.: Das Unerforschte, Düsseldorf-Wien 1975.

Cohen, Daniel: Weltuntergang?, 1974.

Hain, W.: Irrwege der Geschichte, Wien 1981.

wikipedia

ESA, NASA, Don Davis, AP

 

c Walter Hain, Jänner 2006