Jahr 2012 - Wir werden überleben!

Die Apokalypse wird nicht stattfinden!

Ein Report von

Walter Hain

 

November 2009

    Es ist schon erstaunlich, dass wenige Jahre vor dem Jahr 2012 Bücher erschienen sind und noch 2009 ein Film von Roland Emmerich in die Kinos kommt, die das Jahr 2012 zum Horrorfinale der Menschheit machen. Frei nach dem angeblichen "Endzeitalter" des Maya-Kalenders. Und angeblich soll das auch noch auf wissenschaftlicher Basis stehen. Noch erstaunlicher ist es, dass es Leute gibt die solchen Unsinn glauben und diese Bücher kaufen. Aber die Verlage und Produzenten wittern das schnelle Geschäft. Merkwürdig nur, dass sie sonst nicht so leichfertig sind und es einem Autor nicht leicht machen, der ein Buch veröffentlichen will. Man verlangt Glaubwürdigkeit, genaue Recherchen und den Wahrheitsgehalt. Manuskripte, die sich schon vordergründig und offensichtlich als Unsinn darstellen, gehen in der Regel nicht in Druck. Im Fall "Endzeitapokalypse 2012" scheint das alles nicht zu gelten. Den Film, der sowieso nur Unterhaltungswert hat, kann man ja noch akzeptieren. Aber ein Sachbuch, dass  sich den Mantel der Wissenschaftlichkeit umhängt, sollte doch einigermaßen Hand und Fuß haben. Man kann es aber durchaus schon vorwegnehmen: es wird im und um das Jahr 2012 kein weltweites Untergangsszenario stattfinden. Wir werden ohne größere globale Umwälzungen den Silvester 2012 feiern können und in das neue Jahr 2013 fröhlich und beschwingt mit Sektkorkenknallen hinübergehen. Es sind ja nur noch zwei Jahre bis dahin.

    Schon in den 1970er Jahren haben einige Autoren für das Jahr 1982 globale Katastrophen vorausgesagt, weil alle Planeten in einer Linie mit der Sonne stehen sollten. Das ganze ist damals unter der Bezeichnung "Jupiter-Effekt" gelaufen. Besonders die beiden Autoren J. Gribben und S. Plagemann sagten für dieses Jahr heftige Erdbeben voraus - besonders in der San-Andreas-Verwerfung, bei San Francisco und Los Angeles - und Veränderungen in der Erdrotation und starke Sonneneruptionen. Tatsächlich haben sich  im Jahr 1982, genau am 8. März,  alle neun Planeten unter einem Winkel von 100 Grad versammelt und wie wir heute wissen haben das die meisten von uns gar nicht bemerkt. Dr. Hans Scholl, vom Astronomischen Recheninstitut in Heidelberg, stellte damals fest, dass schon eine einfache Abschätzung zeigt," dass z.B. die Gezeitenwirkung des Mondes auf die Erde etwa 20 Millionen mal stärker ist als die Gezeitenwirkung der Erde auf die Sonne. Man kann also sagen, dass alle Planeten zusammen einen kaum merklichen Flutberg auf der Sonne verursachen würden, falls einmal alle Planeten in einer Reihe mit der Sonne stehen sollten". Also auch in dieser Hinsicht wird uns keine Weltkatastrophe bevorstehen.

    Im Jahr 1981 erschien ein verheißungsvolles Werk, vom damaligen Beststellerautor Charles Berlitz, dass uns weismachen wollte, das 1999 die Welt untergehen werde. Wir leben immer noch! Gut, es gibt Krawalle, Terrorismus und Kleinkriege und neuerdings auch eine weltweite Finanzkrise  - doch die Welt an sich steht immer noch wie eh und je. Vorausgesagt haben soll das alles der von den Weltuntergangsgläubigen gern und oft zitierte "Seher" Nostradamus. "Im Jahr 1999 sieben Monate (Juli 1999) wird durch die Lüfte ein Schreckenskönig kommen, um den großen Eroberer des Angoumois wiedererstehen zu lassen. Davor und danach wird Mars (der Krieg) regieren, zum Glück!", schrieb Nostradamus im 16. Jahrhundert etwas kryptisch. Mit Mars hat man schon immer Krieg gleichgesetzt und das Datum 1999 war ja fix vorgegeben. "Diese Prophezeiung wurde von modernen Beobachtern verschiedentlich als Hinweis auf eine Atombombe, einen Wandelstern oder einen Luftangriff gedeutet", schrieb Berlitz damals. Von einem Weltuntergang berichtet aber Nostradamus eigentlich gar nicht, nur von Umwälzungen und seine Zukunftsvisionen gehen eigentlich bis ins Jahr 3797, je nachdem wie man seine Prophezeiungen deutet. Auch globale "Umwälzungen" gab es im Jahr 1999 und zum Übergang in das neue Millennium nicht.

    Die ganzen Apokalypse-Geschichten stammen ja vorwiegend aus dem Johannes-Evangelium in der Bibel, niedergeschrieben nach 90 n. Chr. Dort wird von Johannes ein "Harmagedon" (auch "Armageddon") heraufbeschworen, ein Strafgericht mit großen Plagen, gewaltigen Erdbeben, Hagel vom Himmel und von Menschen, die von großer Glut versengt werden, etc., etc. (Joh. 15, 1-8; 16, 1-21). Das alles richtet sich aber gegen die "Hure" Babylon, wo sich die Menschen der Genusssucht und der Völlerei und der sexuellen Ausschweifung hingegeben haben sollen. Es ist ein "Strafgericht über Babylon", der "Mutter der Huren und der Greuel der Erde "(Joh. 17, 5). Es ist kein Weltuntergang, den Johannes heraufbeschwört. Schließlich lässt er das "himmlische Jerusalem" wieder auferstehen (Joh. 21).

    Jetzt soll es aber geschehen. Die Welt wird untergehen: Der Kalender der Maya soll das aussagen. Tatsächlich hatten die Maya einen mythischen Beginn ihrer Kultur, der mit 4-Ahua und 8-Cumku willkürlich festgelegt wurde und umgerechnet dem Jahr 3113 v. Chr. entspricht. Erstmals nachgewiesen ist das Volk der Maya ab etwa 2000 v. Chr., ihre Hochblüte hatten sie von etwa 400 bis 1000 n. Chr. Rechnet man wie die Maya in der Zeit voraus, dann enden ihre Zeit-Zyklen genau am 21. Dezember 2012. Das ist aber kein Weltuntergangsdatum, sondern eine "Transformation der Materie". Die einschlägigen Autoren beschwören verschiedene Szenenarien herauf, wie den Triumph des wissenschaftlichen Materialismus, Europa wird die Welt erobern, eine neue Industrielle Revolution, den Aufstieg der dritten Welt und des Islam, Terrorismus, Läuterung der Erde etc., etc. Tatsächlich spielt sich die "Transformation der Materie", lt. den Maya, im 13. Baktun ab, der eine Zeit vom Jahr 1618 bis zum Jahr 2012 umfasst. 1 Baktun entspricht 394,52 Jahren bei einem Jahr von 365 Tagen.

1. Baktun 3113 bis 2718 v. Chr. = 395 Jahre

2. Baktun 2718 bis 2324 v. Chr. = 394 Jahre

3. Baktun 2324 bis 1930 v. Chr. = 394 Jahre

4. Baktun 1930 bis 1536 v. Chr. =  394 Jahre

5. Baktun 1536 bis 1141 v. Chr. = 395 Jahre

6. Baktun 1141 bis 747 v. Chr. = 394 Jahre

7. Baktun 747 bis 353 v. Chr. = 394 Jahre

8. Baktun 353 v. Chr. bis 41 n. Chr. = 394 Jahre

9. Baktun 41 bis 435 n. Chr. = 394 Jahre

10. Baktun 435 bis 830 n. Chr. = 395 Jahre

11. Baktun 830 bis 1224 n. Chr. = 394 Jahre

12. Baktun 1224 bis 1618 n. Chr. = 394 Jahre

13. Baktun 1618  bis 2012 n. Chr. = 394 Jahre

(nach José Arguelles: Der Maya-Faktor)

 

Das zeigt, dass diese Zeiträume willkürlich festgelegt wurden. Genauso gut könnte die Welt im Jahr 2404 oder im Jahr 2800 n. Chr. enden oder noch später, wenn man diese Zyklen weiterführt.

 

14. Baktun 2012 bis 2406 n. Chr. = 394 Jahre

15. Baktun 2406 bis 2800 n. Chr. = 394 Jahre u.s.w.

 

    Wenn das irgendwelche Erd- oder Sonnenzyklen wären, könnte man das im Sinne einer globalen Katastrophe noch interpretieren, aber das sind sie nicht. Die Venus hat eine Umlaufzeit von 224,7 Tagen, der Mars von 687 Tagen, der Jupiter von 11,86 Jahren, der Saturn von 29,46 Jahren u.s.w. Sonnenflecken treten periodisch häufiger etwa alle 11 Jahre auf. Sie können das Magnetfeld der Erde zwar  stören, einen Weltuntergang können sie jedoch nicht auslösen. Auch die dadurch ausgestoßenen Gase können ein derartiges Szenario nicht verursachen. Auch verstärkte Gamma-, UV- und Radiostrahlen sowie magnetische Stürme von der Sonne, werden in absehbarer Zeit zu keiner Weltkatastrophe führen.

 

   Erst in vier bis fünf Milliarden Jahren, wenn die Sonne beginnt sich zu einem roten Riesenstern aufzublähen wird es für die Erde gefährlich werden. "In der Endphase dieser Entwicklung erreicht die Sonne eine Leuchtkraft von 2300 L0 und einen Radius von 166 R0. Das entspricht etwa dem Radius der Umlaufbahn der Venus. Venus und Merkur werden vernichtet. Von der Erde aus gesehen nimmt die Sonne nun einen großen Teil des Himmels ein, und die Erdkruste wird zu einem einzigen Lava-Ozean aufgeschmolzen. Durch die geringe Gravitation an der Sonnenoberfläche verliert die Sonne in dieser Phase 28 % ihrer Masse durch Sonnenwind. Gegen Ende dieser Phase strömt ein Anteil von bis zu 1,3·10-7 M0 pro Jahr als interstellares Gas in den Weltraum, wobei M0 die Masse der heutigen Sonne bezeichnet. Durch die geringere Sonnenmasse sinkt auch die Anziehungskraft auf die Planeten, so dass deren Bahnradien um jeweils 38 % zunehmen. Da die Kernzone der Sonne keine Energie mehr produziert, gibt sie der Gravitation weiter nach und kontrahiert, bis schließlich die Dichte ungefähr auf das 10.000-fache des heutigen Wertes angestiegen ist." (wikipedia).

 

    Merkwürdigerweise haben die Maya ihren eigenen Untergang nicht voraussagen und nicht verhindern können. Als die Spanier ab 1492 nach Amerika kamen, waren ihre Städte längst verlassen und vom Urwald überwachsen. Ihre Kultur ging wahrscheinlich durch Streitereien unter der Priesterkaste, Aufständen der Bevölkerung  und Nahrungsproblemen durch Auszehrung der Anbauflächen zugrunde. Nach den Maya-Zyklen muss das schon im 11. Baktun, 830 bis 1224 n. Chr., gewesen sein. Eigentlich hätten sie ein Untergangsdatum mit 1492 oder 1511 festlegen müssen, als Kolumbus kam und später die spanischen Konquistadoren ihr Zerstörungswerk begannen.

 

    Auch die Gefahr eines Asteroideneinsturzes auf die Erde besteht im Jahr 2012 nicht. Seit 1995 sucht die Nasa mit dem Near Earth Object Programm nach möglichen gefährlichen Objekten aus dem All. Tausende Objekte sind bisher beobachtet worden. Kein einziger hat sich bisher als gefährlich herausgestellt. Der vielfach zitierte Asteroid "Apophis", registriert mit der Nummer 2004MN4, wird voraussichtlich am 13. April 2029 in einem Abstand von 34.677 km an der Erde vorbeiziehen. Das ist für astronomische Verhältnisse sehr gering, doch da Apophis nur einen Durchmesser von 270 Meter hat, haben wir nichts zu befürchten - auch 2036 nicht, wenn er wieder kommt. Der derzeitige Stand sieht etwa achtzig Objekte vor, die bis zum 7. März 2010 der Erde von 29.062.800 km bis auf 4.485.000 km nahe kommen. Ungefährlich ist die Sache trotzdem nicht. Besonders kleinere Objekte werden manchmal zu spät entdeckt. Die größeren Brocken - wie z.B. jene im Asteroidengürtel - sind jedoch nicht zu übersehen. In absehbarer Zeit haben wir jedoch nichts zu befürchten. Für das Jahr 2012 schon gar nicht!

 

Aber:

 

    Anstatt auf spekulative Untergangsszenarien zu hören, sollten wir uns lieber Gedanken machen über Katastrophen, die statistisch und wissenschaftlich berechenbar SCHON IN WENIGEN JAHRZEHNTEN eintreffen werden: wegen der steigenden Weltbevölkerung. Die Menschheit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten derart stark vermehrt, dass die Folgen schon jetzt dramatisch spürbar sind. Darüber will kein Verlag ein Buch herausbringen und keine Filmproduktion einen Film drehen. Das will niemand hören. Sämtliche Globalisierungskritiker ignorieren das weitgehend. Eine etwaige Reduzierung der Weltbevölkerung auf ein für die Erde erträgliches Maß, wünschenswert wären 3 Milliarden, wird nirgends in Erwägung gezogen. PRO SEKUNDE kommen 4,4 MENSCHEN auf die Welt, die Erdbevölkerung wächst pro Sekunde um 2,6 Menschen. Im Jahr 2050 werden über 9 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, im Jahr 2100 könnten es über 11 Milliarden sein. Das Untergangszenario der Menschheit wird nicht durch Erdbewegungen, Vulkanausbrüchen, herabstürzende Asteroiden oder Sonnenaktivitäten hervorgerufen, sondern durch Massenbewegungen - und das schon in wenigen Jahrzehnten. Milliarden Menschen werden sich gegenseitig bekämpfen um Wasser, Nahrung und Arbeitsplätze. Man wird von Morden und gewaltsamen Besetzungen von Lebensmittelproduktionsstätten und Landflächen und letztendlich auch von Kannibalismus nicht zurückschrecken. Das ist das wahre Menschheitsdrama, das noch nicht richtig erkannt wurde und das offenbar niemand bereit ist zu dokumentieren. Und vor dem viele die Augen verschließen. Im Jahr 2012 können wir uns noch beruhigt zurücklehnen - aber dann sollten wir aufwachen.

 

Quellen:

 

Arguelles, José: Der Maya-Faktor, München 1990.

de Fontbrune, Jean Charles: Nostradamus - Historiker und Prophet, Wien-Hamburg 1982.

Gribbin, J. u. Plagemann, S.: The Jupiter Effect, London 1974.

Hain, Walter: Irrwege der Geschichte, Wien 1981.

Tompkins, Peter: Die Wiege der Sonne, Bern und München, 1977.

W. von Hagen, Viktor: Sonnenkönigreiche, München-Zürich 1962.

 

Im Internet:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Maya

http://de.wikipedia.org/wiki/Maya#Der_Kollaps_der_Maya-Zentren_im_zentralen_Tiefland

http://de.wikipedia.org/wiki/Sonne#Roter_Riese

http://www.hermetic.ch/cal_stud/maya/chap2g.htm

http://wer1family.wordpress.com/2007/12/14/the-how-and-why-of-the-mayan-end-date-in-2012-ad/

http://de.wikipedia.org/wiki/Harmagedon

http://web.utanet.at/mahain/Deep_Impact.htm

http://neo.jpl.nasa.gov/

http://web.utanet.at/mahain/ReducingMankind.htm

http://web.utanet.at/mahain/2100_Ende_der_Menschheit.htm

 

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