Vereinsgeschichte

 
 

Was 1815 mit "Musikalischen Übungen" begann, hat sich in modifizierter Form bis heute erhalten. Die musikalischen Übungen sind begehrten Abonnementkonzerten gewichen, aus ursprünglich aktiver Musikausübung ist anspruchsvoller Bildungskonsum geworden. Diese altehrwürdige Institution ist nach dem Wiener Musikverein der zweitälteste Musikverein der Welt, der seit seiner Gründung 1815 ohne Unterbrechung arbeitet.

Nach dem Vorbild der k.k. Gesellschaft der Musikfreunde des Österreichischen Kaiserstaates in Wien erfolgte die Gründung eines "Musikvereins", getragen von einer jungen Intellektuellenschicht. Die behördliche Anerkennung des Vereins, die in der allerhöchsten Kenntnisnahme des Monarchen bestand, erfolgte jedoch erst 1821. Der misstrauische Beamtenapparat des Metternichschen Staates hatte kein Interesse an der vereinsmäßigen Konstituierung intellektueller Kreise.
Unter der Führung des Schubert-Freundes Anselm Hüttenbrenner fanden in der Frühphase des Vereins wichtige Ehrenmitgliedsernennungen statt: Beethoven (1821) und Schubert (1823). Das einzige öffentliche Auftreten Franz Schuberts fand in einem Konzert des Musikvereins im Schauspielhaus statt.

Die Vereinsschule, die schon ein Jahr nach der Gründung ihre Unterrichtstätigkeit aufnahm, entsprach mit ihrem allgemeinen Drang der damaligen Gesellschaft nach Bildung, Erziehung, und Aufklärung einem Bedürfnis der Zeit. Komponisten wie Ferruccio Busoni, Nikolaus von Reznicek, Wilhelm Kienzl, Dirigenten wie Felix Weingartner, Ernst Schuch und nicht zuletzt Karl Böhm gingen aus ihr hervor. Durch die Kulturpolitik des Jahres 1939 erfolgte die Abtrennung der Vereinsschule, die als "Konservatorium" verstaatlicht wurde (ab 1963 Akademie, heute Universität für Musik und darstellende Kunst).

Nach seiner Reorganisation als privater Verein behielt der Musikverein nach dem 2. Weltkrieg seine Position als Konzertunternehmen, der seine Öffnung zum internationalen Markt mit Konsequenz betrieb.

Seit den Sechziger Jahren konnte internationale Prominenz nach Graz gebracht werden:
Erich Kleiber, John Barbirolli, Hans Knappertsbusch, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan, Clemens Krauss, Dimitri Mitropoulos, Eugene Ormandy und der gebürtige Grazer Karl Böhm.

Zu einer Spezialität für Graz kristallisierte sich in den letzten fünfzig Jahren die Veranstaltung von Liederabenden. In mehr als 300 Konzerten gastierte hier die Welt-Elite des Liedgesangs.