Wir alle sind mit bestimmten Aspekten der gesellschaftlichen Entwicklung mehr oder weniger zufrieden - mit anderen gar nicht. Sehr oft aber hängt der Grad unserer Zufriedenheit auch vom Stand unseres Wissens ab. Durch die Zunahme und den Erwerb von Wissen jedoch sind wir gleichzeitig gerufen neuen Verantwortungen gerecht zu werden. Denn immer wieder machten und machen wir im Laufe unserer Geschichte die Entdeckung bzw. die Erfahrung, dass die Verantwortung eines jeden Individuums weiter geht als wir dachten oder uns recht war.
Die im gesellschaftlichen Wandel begriffene Spezialisierung und Ausformung einzelner Teildisziplinen der Wissenschaften und verschiedenster Arbeitsbereiche verlangt komplementär spezialisierte Kommunikationsformen und besondere Instrumentarien. Diese fungieren als Mittler dafür, dass das Ganze - die Gesellschaft - nicht in Teile zerfällt, sondern "das gesellschaftliche Kontinuum" erhalten bleibt. Daher bedingt diese Entwicklung eine ständig der Erneuerung unterworfene und zunehmende Vernetzung gesellschaftlicher Teilaspekte und Strukturen. Diese vernetzte Gesellschaft wird immer dann sichtbar, wenn es um Fragen bestimmter Zuständigkeiten und Kompetenzen geht.
Hier wird zumeist sehr deutlich, dass innerhalb des Netzes nur fließende Grenzen bestehen und somit das eine immer das andere mitbedingt und umgekehrt. Die stetig voranschreitende Veränderung gesellschaftlicher Strukturen in der Zeit wirft ebenso stetig neue Problemfelder auf und stellt an ebendiese Gesellschaft neue Aufgaben und Anforderungen. Nicht zuletzt sind diesem Wandel auch die familiären Strukturen und zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt unterworfen. Denn einher mit dieser Entwicklung geht die Auflockerung der traditionellen familiären Strukturen und die Familie von heute steht neuen Möglichkeiten aber auch neuen Gefahren gegenüber. Dies hat zur Konsequenz, dass ehemals familiale Verantwortung in zunehmendem Maße gesellschaftlicher Auftrag wird und werden muss. Unser soziales- und Gesundheitssystem ist ein Teil-Ergebnis dieser Fortentwicklung. Je ausgereifter nun die Kommunikation und je spezialisierter die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teilbereichen einer Gemeinschaft ist, desto weniger behindert wird das Einzelne im Sinne des Ganzen bestehen können.
Uns interessieren also einerseits jene (gesamtgesellschaftlichen) Bedingungen, die dazu beitragen, dass Kinder sich bereits im Vorschulalter nicht zurechtfinden und andererseits vor allem jene gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, die es möglich machen dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Da heute "das Verhältnis der Schule zu ihrem jeweiligen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Umfeld wesentlich komplexer geworden [ist], bzw. in seiner Komplexität deutlicher erkannt [wird] ( Schulautonomie 1; S. 5) , gibt es "nach wie vor [...] eine Vielzahl von Problemen, die bundesweiter [und europaweiter] Lösungen und einer engen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schulbehörden bedürfen" ( Schulautonomie 1; S. 14). Mit dieser Forderung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst einher geht die Bereitschaft Stärken und Schwächen wahrzunehmen und die Notwendigkeit Innovationen möglich zu machen. Will eine Gemeinschaft ihrer Verantwortung gerecht werden, so müssen die schwerwiegenden Auffälligkeiten ihrer Kinder als verzweifelte Suche nach Hilfe mit allen Mitteln verstanden werden.
Denn ausgeschlossen oder niemals in eine Gemeinschaft aufgenommen zu werden bedeutet Demütigung und Verlust der Selbstachtung. Diese "gesamtgesellschaftliche Missachtung" der menschlichen Würde wiederum bedeutet vor allem für Kinder, dass sie sich nicht mit der Gemeinschaft identifizieren können, da es ihnen nicht ermöglicht wird zu ebendieser Gemeinschaft und ihren Regeln ein grundlegendes Vertrauen aufzubauen. Die Seele eines Kindes wird bis in ihre Grundfeste erschüttert, wenn seine kindlichen Bedürfnisse und Nöte nicht ausreichend ernstgenommen, sondern eigentlich missverstanden und missachtet werden.