Franz Pascher: (bearb. aus: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Jg. 11, 1967, Nr. 55, S. 35 ff

 

 

JOSEPH FREIHERR VON SPERGES (1725-1791) und die Kunst

 

 

Dieser Artikel soll an die Tätigkeit eines Kunstfreundes1) erinnern, der sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Vertrauter und Kunst­berater des allmächtigen Staatskanzlers Kaunitz und als Rat und Präses der Wiener Kunstakademie 2) außerordentliche Verdienste um die Entwick­lung der Kunst in der Habsburgermonarchie erworben hat (Biographie).

 

Joseph von Sperges hatte von Jugend auf ein enges Verhältnis zur Kunst. Bei dem Tlroler Maler Johann Georg Daniel Grasmayr hatte er in Wilten zeich­nen gelernt und seinen Geschmack gebildet. Seine außerordentliche humanistische Bildung öffnete Sperges den Zugang zur Kunst der An­tike, und er bildete sich früh zu einem Experten für römische Münzen und Inschriften aus. Besonders gern entwarf er selbst lateinische In­schriften. Auch in der antiken Mythologie und Allegorie eignete er sich außergewöhnliche Kenntnisse an, die es ihm ermöglichten, Programme für allegorische Darstellungen - sowohl für Münzen wie für Gemälde ­zu entwerfen.

Die Zahl der Inschriften, die von ihm verfasst wurden, ist heute kaum mehr abzuschätzen; eine Auswahl von ihm verfasster Inschriften wurde nach seinem Tode ediert 3), die Originale sind heute noch auf Bauwerken jener Zeit erhalten.' Sperges wurde bald als Experte für lateinische In­schriften anerkannt und herangezogen 4).

 

Im Entwerfen von Denkmünzen erlangte Sperges gleicherweise eine führende Stellung. Auch dabei strebte er den antiken Vorbildern nach, sowohl im Münzbild als in den Aufschriften. Bereits seiner "Bergwerksgeschichte" hatte Sperges am Titelblatt den Entwurf einer Denkmünze auf die Wieder­erweckung des Tiroler Bergbaues durch den Besuch des Kaisers (1765) beigegeben 5).

 

In der Staatskanzlei fand er dann reichlich Möglichkeiten, seine Talente zu entfalten. Unter Maria Theresia wurden sehr viele Denkmünzen geprägt, wobei die Kaiserin Kaunitz des öfteren um Rat fragte, wenn sie Entwürfe vorgelegt bekam. Kaunitz ließ seine Stellung­nahmen von Sperges ausarbeiten. Im Jahre 1770 hatte der Staatskanzler z. B. den Entwurf für eine Medaille zur Erinnerung an die verstorbene Erzherzogin Maria Theresia zu begutachten. Die Inschrift war dabei so lang geraten, dass sie die ganze Rückseite der Münze ausgefüllt hätte. Sperges arbeitete drei Alternativvorschläge aus, die Kaunitz der Kaiserin zur Auswahl vorlegte und die ihr sehr gefielen 6).

Maria Theresia gestattete der Staatskanzlei im gleichen Jahr sogar, einen eigenen Münzgraveur anzustellen. Dass diesem, Martin Krafft 7), die Arbeit nie ausging, dafür sorgte Sperges, nach dessen Programmen Krafft in den folgenden fünf Jahren Medaillen auf die Hebung des Handelsverkehrs zwischen den Erblanden und Italien, die neue Zoll- und Mautordnung in Mantua, die Wiederherstellung des Universitätsgebäudes in Pavia, den Amtsantritt Erzherzog Ferdinands als Statthalter der Lombardei, die Errichtung der gynäkologischen Stationen in Mailand und Mantua und die Geburt des ersten Kindes Erzherzog Ferdinands gravierte. Im Jahre 1773 schuf Krafft eine Denkmedaille zu Ehren des Staatskanzlers und erhielt im gleichen Jahr die Erlaubnis, mit vollen Bezügen auf ein Jahr nach Rom zu gehen, um sich weiter auszubilden 8). Sperges war damals bereits eine anerkannte Autorität im Entwerfen von Münzen; Ignaz de Luca schrieb bereits 1778 über ihn: "Die Medaillen, die seit 10 Jahren in der öster­reichischen Lombardei bey verschiedenen Gelegenheiten zum Vorscheine kommen, sind ganz von der Erfindung des Freyherrn"9). Auch in spä­teren Jahren bediente man sich seines Rates, wenn es galt, Denkmünzen zu entwerfen.

 

Dass Sperges seit den siebziger Jahren eine so reiche Wirksamkeit als Kunstförderer und Mäzen entfalten konnte, verdankte er seinem Vor­gesetzten, dem Staatskanzler Fürsten Kaunitz, der selbst ein Kenner, För­derer und Sammler wie wenige seiner Zeit war 10). In den Jahren, in denen Sperges unter der unmittelbaren Aufsicht des Staatskanzlers ar­beitete, lernte dieser allmählich auch die kulturellen Qualitäten seines Untergebenen schätzen. Sperges kamen seine Verbindungen zur italie­nischen Kultur aus der Zeit seiner Tätigkeit in Rovereto  zugute, sowie seine Stellung als Leiter des ‚Dipartimento d'ltalia’. Von den Arbeiten, die Künstler und Literaten immer wieder an ihn sandten, überreichte Sper­ges die besten Stücke Kaunitz, der solche Geschenke zu würdigen wusste. Sperges bemühte sich auch stets, den außeramtlichen Interessen und Wünschen des Staatskanzlers zu dienen 11).

Zugunsten Sperges' wirkte sich wohl auch aus, dass er ebenso wie Kaunitz ein Liebhaber der Kupferstecherkunst war.12) .Im Jahre 1763 veranstalteten die Freunde die­ses Kunstzweiges eine Sammlung, um dem talentierten Kupferstecher Jacob Mathias Schmutzer einen Studienaufenthalt in Paris zu ermög­lichen. Auch Sperges trug sich in die Spendenliste ein und spendete drei Dukaten für diesen Zweck 13). Im Jahre 1766 gründete der aus Paris zurückgekehrte Schmutzer dann die k. k. Kupferstecher-Akademie, über die Kaunitz das Protektorat übernahm. Er konnte sich aber nicht per­sönlich um die Probleme der Akademie kümmern und an ihren Sitzun­gen teilnehmen, dazu fehlte ihm die Zeit. Er überließ das zunächst seinem Sohn, dem Grafen Joseph von Kaunitz. Im Jahre 1768 führte der Staatskanzler persönlich der Akademie einige neue Mitglieder zu, darunter auch Sperges 14). Diese Ernennung blieb bei Sperges kein lee­rer Ehrentitel; Kaunitz gedachte sich seiner als Vertrauensmann im aka­demischen Rat zu bedienen. Bei der nächsten Gelegenheit, am 2. De­zember 1768, ließ Kaunitz ihn deshalb in den akademischen Rat der Kupferstecher-Akademie wählen, in der gleichen Sitzung wurde auch Joseph von Sonnenfels als Sekretär der Akademie bestätigt 15).

 

Innerhalb der Staatskanzlei wurden Sperges gleichfalls alle Arbeiten übertragen, die mit der Akademie zusammenhingen, bald wurde er auch damit be­traut, Konzepte im Namen des Protektors Kaunitz an die Akademie zu entwerfen.

In den Jahren 1770/71 gewöhnte sich Kaunitz immer mehr daran, sich in allen Akademie - Angelegenheiten Sperges' zu bedienen. Dieser nahm alle Mehrarbeit, die ihm daraus erwuchs, gern in Kauf, denn dem kunstliebenden Junggesellen, dem die Kunst, der Umgang mit Künstlern und Kunstliebhabern die eigene Familie ersetzen musste, eröffneten sich als Vertrauten und Berater des Staatskanzlers dafür Wirkungsmöglich­keiten, die ihm als Privatmann seiner finanziellen und gesellschaftlichen Stellung nach verschlossen gewesen wären.

 

Als im Jahre 1772 die Pläne zur Vereinigung der bestehenden Kunst­akademien 16) konkrete Formen annahm, nahm auch Sperges daran leb­haften Anteil. Mit dem Hauptinitiator der Vereinigungspläne, dem Maler Anton von Maron, verkehrte Sperges freundschaftlich und erwies Maron während seines Aufenthaltes in Wien so viele Gefälligkeiten, dass ihm dieser noch nach seiner Rückkehr nach Rom in einem Brief dankte 17) und sich die Freiheit nahm, Sperges in die bekannte Malerakademie von St. Lucas in Rom einschreiben zu lassen 18).

Sperges unterbreitete dem Staatskanzler auch recht vernünftige Vorschläge bezüglich der Or­ganisation der vereinigten Akademie. Er schlug vor, die Leiter der ein­zelnen Akademien als Professoren in das neue Institut zu übernehmen, über sie alle jedoch einen hervorragenden Direktor zu stellen, den man aus dem Ausland holen sollte. Dieser Plan wurde jedoch von Maria Theresia durchkreuzt, die Sambach und Hohenberg zu Direktoren ernannte. Es blieb nichts übrig, als Schmutzer und Domanöck den glei­chen Titel zuzuerkennen, sodass die Akademie zwar vier Direktoren aber keinen herausragenden Leiter erhielt 19). Aber wenn auch die Vereinigung der Wiener Kunstakademien nicht in so idealer Weise gelang, wie Sper­ges und Kaunitz es angestrebt hatten, so bildete sie doch das Funda­ment für die weitere Tätigkeit der beiden Kunstförderer und den Auf­stieg der Künste in Wien.

Durch die Vereinigung der Kunstschulen avancierte Joseph von Sper­ges vom Rat der Kupferstecherakademie zum Mitglied des akademischen Rats der "K. K. Akademie der vereinigten bildenden Künste", dessen Präsident der Sohn des Protektors, Graf Joseph von Kaunitz wurde. Be­reits bei der Vereinigung hatte Sperges federführend das Protektorat vertreten 20). Im Rat des neu gegründeten Instituts spielte er von Anfang an die dominierende Rolle, weniger in den Sitzungen des Rates selbst als hinter den Kulissen. Sperges hatte zwar im Rat nur eine Stimme wie jeder andere auch, hatte aber den entscheidenden Einfluss auf die Entschlie­ßungen des Protektors, der an die Mehrheitsempfehlungen des Rats in keiner Weise gebunden war. Kaunitz musste das Protokoll jeder Rats­sitzung vorgelegt werden, und er entschied dann die im Rat behandelten Probleme.

Der besondere Einfluss Sperges' kam nun daher, dass in der Praxis das Protokoll nicht Kaunitz direkt, sondern zuerst dessen Kunst­experten, eben Sperges, vorgelegt wurde und dieser in einem Gutachten dem Protektor Vorschläge unterbreitete, wie die einzelnen Fragen zu entscheiden seien. Diese Gutachten hatten bereits im Jahre 1773 bei Kaunitz mehr Gewicht, als die Meinung des gesamten akademischen Rats. Das zeigte sich gleich bei der ersten Wahl von akademischen Rä­ten aus dem Kreis der Künstler. Sperges' Gutachten lautete:

 

"Die Wahl der abgängigen vier Räthe von der Künstlerklasse betreffend:

Bayer von den Bildhauern ist, zu malen da Müller nicht mehr hier, der geschickteste, ich wünschte nur, daß er nicht so intriguant, und kein so großer Windmacher wäre. Ich selbst habe ihm meine Stimme gegeben: und wenn er auch den Vorzug vor den anderen nicht verdiente, wie ich doch glaube, so würde er der Akademie noch mehr Ungelegenheiten machen. In der Architektur wäre an statt des Höfele, Herr Hillebrand der anständigste, auch weil er wirklicher Hofbaumeister ist. Ich hoffe, er werde die RatsteIle annehmen; sonst wüßte ich keinen ...

In der Gravierkunst bin ich der einzige gewesen, der dem Kraft eine Stimme gegeben; und da Wursbauer ein ganz geschickter Künstler seyn soll, wünsche ich selbst, daß Euer Fürstl. Gnaden die für ihn ausgefal­lene Wahl bestättigen. Unter den Kupferstechern hat Janota eine ein­zige Stimme gehabt: die meinige habe ich ihm gegeben, und muß zu meiner Verwunderung nur allein geblieben seyn, der auf diesen ge­schickten Mann dachte; vielleicht weil man ihn noch nicht genug kennt, indem er wegen seiner Langsamkeit erst zwey, jedoch wohlgerathene, Stücke verfertigt hat, und im Kleinen weniger Stärke, als im Großen hat; wie ich denn Vignetten, woran er jetzt arbeitet, von seiner eigenen Erfindung gesehen habe, die seiner Ehre Abbruch thun werden. Landerer hat die meisten Stimmen gehabt: er ist ein Fuchtler, der viel Gutes, und Schlechtes macht; dabey jedoch Genie und eine son­derbare Fertigkeit, zumalen im Radieren, zeigt" 21).

 

Kaunitz entschied im Sinne dieses Gutachtens und gegen den Rat, indem er Bayer, Janota und Krafft zu Räten ernannte; bei Hillebrand zögerte er etwas:

"nicht weil er nur ein Auge hat, sondern weil es ihm in der That an allen beyden vollkommen gebricht, was die Känntnlsse seiner Kunst anbe­trifft" 22).

Aber in einer Aussprache wusste Sperges den Protektor zu über­zeugen, dass sich kein besserer Kandidat anbiete und setzte auch die Ernennung Hillebrands durch.

 

Das herzliche Vertrauensverhältnis zwischen Kaunitz und Sperges in Kunstfragen, das schon aus diesen Schriftstücken spricht, vertiefte sich immer mehr. Sperges erbot sich, alle weiteren Protektoratsarbeiten für Kaunitz zu übernehmen 23) und dieser machte von dem Angebot Ge­brauch. Nach diesem Zeitpunkt sind fast alle Vorträge, Gutachten und Dekrete des Protektorats von Sperges verfasst worden. Die Geschäfte wurden in der Regel so erledigt, dass alle an den Protektor gerichteten Schreiben und Gesuche sowie die Ratsprotokolle zunächst Sperges über­mittelt wurden. Dieser verfasste dazu seine Erledigungsvorschläge, die er dann zusammen mit den eingegangenen Schriftstücken Kaunitz zur Be­gutachtung vorlegte. Meist billigte der Protektor die Vorschläge seines bewährten Ratgebers. Die Akten gingen dann wieder zurück an Sperges, der nach dem Willen des Staatskanzlers die entsprechenden Reinschriften formulierte und zur Unterschrift vorlegte.

Obwohl sein Sohn, Joseph Graf Kaunitz, Präses der Akademie war, bediente sich der Staatskanzler Sperges' als graue Eminenz in der Aka­demie, ja letzterer musste die Vorschläge des Akademiepräsidenten sogar begutachten. Als Ende des Jahres 1773 der ehemalige Sekretär der Ma­ler- und Bildhauerakademie, Leopold Wasserberg, starb, kam es über die Verwendung des frei werdenden Gehalts sogar zu abweichenden Meinungen zwischen Akademiepräsidenten und Sperges.

Bei der Vereinigung der Akademien hatte man Sonnenfels, dem Se­kretär der Kupferstecherakademie, das neue Sekretariat übertragen, Was­serberg mit vollen Bezügen in den Ruhestand versetzt. Joseph von Kau­nitz wollte mit der Hälfte des freiwerdenden Betrags die Bezüge Sonnen­fels' von 400 auf 800 fl. erhöhen, dem Bibliothekar Tassara eine Gehalts­erhöhung gewähren und den Rest der Bibliothek der Akademie zuwenden 24). Sperges hatte andere Pläne. Er betonte, dass Sonnenfels in der vereinigten Akademie mit dem Beisatz angestellt worden sei, dass er sich "mit seinem dermaligen Gehalt begnügen könne" und er daher keinen rechtlichen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung geltend machen könne.

 

"Nebstdem ist desselben Beschäftigung bey der Akademie so gering, und seine Anwendung so untätig, daß die Zulage von 200 fl. zu seinen bisherigen 400 fl. mir eine hinlängliche Besoldung für einen Mann zu seyn scheint, der schon vorher von seinen anderen Besoldungen ein gutes Auskommen hat, und für die Akademie auch künftig, außer sei­nem Amte, nicht mehr als bisher thun wird. Aus den wenigen akademi­schen Raths-Protokollen, welche die Hauptbeschäftigung des Sekretärs ausmachen, und womit es noch dazu sehr langsam zugeht, ist der Ver­dienst seiner Arbeiten zu ermessen" 25).

 

Der Gehaltserhöhung für Tassara stimmte Sperges bei, wenigstens 100 fl. habe er nötig; ebenso bedürftig sei auch der Zeichenlehrer Frister. Für den Rest aber solle man ein Kolleg über "die Theorie der Kunst nach philosophischen Einsichten und Mythologie, Fabel und Allegorien, den Wert der Antiken und die Ge­schichte der Kunst" halten lassen. Schon einmal habe man diesen Plan verwirklichen wollen und dazu Riedel nach Wien berufen, den jedoch die Kaiserin nicht gewollt habe 26). Als Lehrer schlug Sperges Joseph Burckard vor und legte einen Lehrplan des Exjesuiten, der die Theorie der Künste am Theresianum lehrte, seinem Vorschlag bei 27). Kaunitz gab dem Vorschlag seines Rates auch den Vorzug gegen den seines Sohnes; dem Lieblingsprojekt des Kunsttheoretikers Sperges schien nichts mehr im Wege zu stehen, da vereitelte der plötzliche Tod Burckards zu Be­ginn des Jahres 1774 neuerlich Sperges' Pläne. Zwar erbot sich Sonnen­fels, dem zu Ohren gekommen sein dürfte, dass man seinen Eifer be­mängelte, die Vorträge unentgeltlich zu halten, doch wurde das Projekt nicht realisiert.

 

Mehr Glück hatte Sperges mit einem anderen Vorschlag. Die Kaiserin wollte in Schloßhof einen Saal mit vier Familiengemälden ausschmücken. Sperges verfiel auf die Idee, diesen Auftrag im Rahmen eines Wettbe­werbs der Akademie ausführen zu lassen, an dem sich sowohl die Professoren als auch die besseren Schüler beteiligen sollten. Kaunitz war von diesem Vorschlag begeistert und ließ Sperges eine genaue Aus­schreibung ausarbeiten und an die Akademie absenden 28) .

 

Aber nicht nur die Akten der Akademie spiegeln die Bemühungen Sperges' um die Förderung der Kunst; seine Heimatstadt Innsbruck be­wahrt gleichfalls bedeutende Zeugnisse seiner Tätigkeit aus den letz­ten Regierungsjahren Maria Theresias: Die Triumphpforte, das Decken­gemälde im Riesensaal der Hofburg und die Gemäldesammlung des Stiftes Wilten.

 

Die Triumphpforte wurde bereits im Jahre 1765 von der Stadt Inns­bruck anlässlich des Besuchs des Hofes an Stelle eines Vorstadttores errichtet 29). Infolge Zeitmangels konnte die Bauplastik nur in Holz und Gips ausgeführt werden (1. Bau 1765).

Zehn Jahre später 1775 entschloss sich die Kaiserin, das Bauwerk nach dem Plan Josephs von Sperges zu einem dauernden Denkmal der freudigen und tragischen Ereignisse dieses Innsbrucker Aufenthaltes ausgestalten zu lassen: die Nordseite ist dem Ableben des Kaisers Franz I.., die Südseite der Vermählung des Erz­herzogs Leopold mit der spanischen Prinzessin Marie Luise gewidmet. Sperges ließ seinen Entwurf 1778 in Kupfer stechen (Entwurf 1775), da er mit der Ausführung durch Balthasar Moll nicht zufrieden war 30). Ver­gleicht man Sperges' Entwurf mit dem Bau von 1765, so sieht man deut­lich das Vordringen des Klassizismus'; die Linienführung bei Sperges ist einfacher, klarer und harmonischer, die lateinischen Inschriften kürzer. Die spätbarocken Schnörkel, die Moll seinem Entwurf aufsetzte, empfand Sperges bereits als Stilbruch.

 

Auch die Ausgestaltung der Residenz in Innsbruck betrieb Sperges bei Maria Theresia mit Erfolg. Er erreichte, dass die Ausführung des Deckengemäldes im Riesensaal nach seinem Programm Maulbertsch übertragen wurde 31). Maulbertsch legte eine Skizze des Hauptgemäldes vor, die von der Kaiserin und Sperges positiv begutachtet wurde. Dann wurde zwischen dem Maler und dem Tiroler Gubernium ein Arbeitsver­trag geschlossen 32). Sperges gab dem Künstler einen freundlichen Emp­fehlungsbrief nach Innsbruck mit 33).

Die lange Decke des Saales wurde mit drei Deckengemälden ge­schmückt. Das mittlere Hauptoval zeigt die Vereinigung des österreichischen und lothringischen Fürstenhauses durch die Heirat Herzog Karls IV., des Türkensiegers und der Erzherzogin Eleonora Maria im Jahre 1678. Dabei blieb Sperges' Programm 34) der traditionellen Barock­ikonographie treu. Das Neue findet sich In den beiden Nebengemälden, die sich zu beiden Seiten anschließen und die "Industrie Tlrols" sowie die "Schätze Tirols" zeigen. Hier war der Verfasser der "Tiroli­schen Bergwerksgeschichte" in seinem Element. Die Schätze seiner Heimat und deren Wirtschaft hatte er intensiv studiert und er verwertete sein Wissen hier. Er brachte damit einen stark realistischen Zug in die Thematik. Das Programm basiert auf dem Spätbarock und trägt bereits Züge des Klassizismus - im Alten verwurzelt dem Neuen aufgeschlossen - ein treues Bild von Sperges eigener Persönlichkeit 35).

 

Auch das Stift Wilten birgt Spuren der Tätigkeit des Kunstfreundes Sperges, dessen Bruder Norbert in den Jahren 1778-1782 Abt dieses Stiftes war. Sperges trieb seinen geistlichen Bruder dazu an, im Vesti­bül des Stiftes zwei Gedenktafeln anbringen zu lassen, die an den Be­such Leopolds I. und an den der Prinzessin Ludovica von Bourbon er­innern sollten. Sperges lieferte dazu nicht nur die Inschriften sondern auch die Entwürfe der Verzierung, wobei er auch hier den strengen Klassizisten hervorkehrte36). Der Bruder in Wien war es aber auch, der für das Stift bei Auktionen in Wien Gemälde ankaufte - darunter zwei allegorische Plafondskizzen von Daniel Gran - sie dem Abt Norbert förmlich aufdrängte und ihn damit zum Begründer der Gemäldesammlung des Stiftes Wilten machte 37).   

 

Das Jahr 1774 brachte einen Wechsel im Präsidium der Wiener Kunst­akademie. Joseph Graf Kaunitz wurde mit dem Gesandtenposten am schwedischen Hofe betraut und verließ Wien. Ihm folgte als Präses der Akademie Gottfried Freiherr von Kettler, der Älteste des Rates. Kettler dürfte etwas steif im Umgang mit Künstlern gewesen sein und für ihre Schwächen zu wenig Verständnis gehabt haben. Bald nach seiner Er­nennung hatte er einen ernsthaften Zusammenstoß mit dem eigensinni­gen Direktor Schmutzer. Dieser reichte darauf seinen Rücktritt ein und wandte sich zugleich an Sperges, um dessen Hilfe zu erbitten. Sperges hatte für die menschlichen Schwächen von Künstlern stets Verständnis. Als ihm Kaunitz das Rücktrittsgesuch Schmutzers vorlegte und ihn um seine Meinung bat, legte Sperges ein gutes Wort für den streitbaren Direktor ein:

"Das ... Schreiben des Direktors Schmutzer habe ich ge­lesen. Dasselbe ist freilich ganz Schmutzerisch: Voll eiteler Ruhmredigkeit und Eigenliebe; Allein um mit jener Freymütigkeit, welche Dero geneugtes Zutrauen von mir fordert, meine Meinung darüber zu sagen, finde ich weder seinen Inhalt, noch die Schreibart so arg, daß Schmutzer darin Euer Hochwohlgeboren, seinen Protektor, dem er alles schuldig ist, oder die Akademie beleidigt hätte. Klagen wird er immer, auch ta­deln: wenn nur nicht seitwärts was mehrers geschieht. Eigensinn, Hand­werksneid, Eigenliebe ist leider! die Erbsünde der meisten Künstler, welche einige Nachsicht verdient“ 38).

Kaunitz schloss sich der Meinung seines Ratgebers an. Der Streit zwischen Schmutzer und Kettler wurde beigelegt und ersterer zog seinen Rücktritt zurück.

 

Bei seinem Aufenthalt in Wien im Jahre 1772 hatte Maron den Staats­kanzler für seinen Plan gewonnen, talentierte junge Maler, Bildhauer und Architekten mit einem Stipendium auszustatten und auf zwei Jahre nach Rom zu schicken, wo sie sich unter der Aufsicht Marons an den Kunst­schätzen dieser Stadt weiterbilden sollten. Maron überwachte die Arbei­ten der Stipendiaten in Rom und berichtete regelmäßig Kaunitz, für den Sperges die Korrespondenz führte. Anfang 1776 wurden die ersten Sti­pendiaten nach Wien zurückberufen, nachdem man ihnen zusätzlich ein drittes Studienjahr gewährt hatte. im September des gleichen Jahres konnte Sperges dem Kardinal Hrzan und Maron die vier neuen "Pen­sionäre" vorstellen und empfehlen: die Maler Heinrich Füger und Franz Linder, den Bildhauer Franz Zauner und den Architekturzeichner Gottlieb Nigelli. Wer diese glückliche Auswahl getroffen hatte, ist nicht mehr er­sichtlich, Sperges war sicher nicht unbeteiligt. Im November 1776 kamen die vier jungen Künstler glücklich in Rom an. Der schreibgewandteste unter ihnen war Füger; ihm überließen die Kameraden den Schriftver­kehr mit ihren Wiener Gönnern. Er berichtete Sperges von ihrer Ankunft in Rom und ersuchte ihn, Kaunitz die schuldigen Ehrenbezeigungen zu übermitteln 39). Füger kannte also Sperges' Stellung in Kunstfragen.

 

Seit 1776 legte Sperges die laufenden Protektoratsgeschäfte in regel­mäßigen Berichten, in denen er über die eingelaufenen Schriftstücke referierte, Kaunitz vor. Diese - zum Glück erhaltenen - Berichte, die Sperges bald italienisch, bald deutsch verfasste und Kaunitz in den gleichen Sprachen beantwortete, zeigen am deutlichsten die Stellung, die Sperges in den Angelegenheiten der Akademie innehatte: man kann ihn, ohne zu übertreiben, den "geschäftsführenden Protektor" der Aka­demie nennen.

Im Sommer 1777 sandten die in Rom studierenden Künstler ihre ersten Probearbeiten nach Wien. Sofort nach deren Ankunft sah sich Sperges zu kritischen Bemerkungen veranlasst; nicht über die Qualität der Arbeiten - hier griff er dem Staatskanzler nicht vor - sondern über die Kosten, die die unzweckmäßige Verpackung verursacht hatte. Dem folgte eine vernichtende Kritik an dem österreichischen Zollbeamten, der in den Kisten "Malereyen im Wert von 200 fni. und Kramerey im Wert von 25 fni." gefunden zu haben glaubte. Sperges regte an, man könne die gesandten Arbeiten in der gerade stattfindenden Ausstellung im Re­doutensaal zeigen. Kaunitz griff diese Idee begeistert auf; er selbst wollte von seinen eigenen Bildern noch einige dieser Ausstellung hin­zufügen 40). Es spricht für den Kunstgeschmack des Protektors und seines Beraters. dass man in Wien die Begabung der Stipendiaten richtig er­kannte und daraus die Konsequenzen zog. Im September 1778 legte Sperges dem Protektor die Bitte der Künstler um die Verlängerung ihres Stipendiums auf ein weiteres Jahr vor. Kaunitz bewilligte sie und gewährte Füger und seinen Freunden sogar noch ein viertes Jahr in Rom. Dafür konnte Sperges im März 1780 die Ankunft weiterer Arbeiten melden: eines Bildes von Linder und der Muse der Geschichte von Zauner 41).

 

In den letzten Regierungsjahren Maria Theresias hatte Sperges' Wort als Kunstexperte auch bei der Kaiserin Gewicht. Im März 1777 stellte sie ihn vor eine heikle Aufgabe: Sie hatte eine Tuschzeichnung sehr gelobt, die ihr der Maler Paul Weis überreicht hatte. Dadurch ermutigt, schickte Weis eine andere Zeichnung mit dem Gesuch um den Titel "Kammer­maler" an Kaunitz, der ihn in seiner Stellungnahme jedoch ziemlich offen als Stümper bezeichnete. Darauf forderte die Kaiserin ein Gutachten Sper­ges' an, der nun zwischen dem Geschmack seines Vorgesetzten und dem der Kaiserin entscheiden musste. Er zog sich gewandt aus dieser Affäre, indem er einräumte, dass Weis "mit der Chinesischen Tinte Zeichnungen zu lavieren eine unvergleichlich schöne Manier" habe, im übrigen aber gleichfalls empfahl, das Gesuch des Malers abzulehnen. Maria Theresia gab daraufhin nach 42).

 

Wenn es galt, die Freiheiten der Akademie gegen übergriffe des Staates zu schützen, nahm Kaunitz seine Aufgabe als Protektor sehr ernst. In den Jahren 1777/78 kam es zu mehreren Zusammenstößen mit der niederösterreichischen Regierung. Diese erließ nämlich ein Dekret an Schmutzer, er habe alle Kupferstiche vor dem Druck der Zensur vorzulegen. Schmutzer setzte sich gegen diese Zumutung in einer lang­atmigen Eingabe an Kaunitz zur Wehr 43).

Im Auftrage des Protektors nahm Sperges den Fehdehandschuh auf; er forderte den Statthalter Graf Seilern nachdrücklich auf, alle Dekrete an die Akademie und deren Angehörige an das Protektorat zu richten und ersuchte ihn, die kaiser­lichen Verordnungen anzugeben, auf die sich das Verlangen der Regie­rung stützte 44).

Seilern begründete in seiner Antwort die Zuständigkeit der Regierung damit, dass es sich bei der Zensur der Kupferstiche nicht um "Kunstsachen" handle, sondern um die "Handhabung der Sittlich­keit". Aus diesen Formulierungen glaubte Sperges herauslesen zu kön­nen, wer hinter der ganzen Sache wirklich steckte; Kaunitz war mit ihm eines Sinnes und nannte den Initiator auch namentlich: Sonnenfels; Kau­nitz wollte ihm jedoch nichts schuldig bleiben 45).

 

Ein Jahr danach kam es wieder zu Reibereien mit der niederösterreichischen Regierung über die Besteuerung der Akademiemitglieder. Sperges kritisierte in seinem Bericht an Kaunitz neuerlich die zwiespältige Stellung Sonnenfels', der zugleich Sekretär der Akademie und niederösterreichischer Regierungs­rat war 46). Kaunitz verfügte jedoch über genügend Macht, um jeden fremden Einfluß auszuschalten. Sonnenfels aber, den Sperges schon vorher nicht besonders schätzte, verdarb sich durch seine Haltung in diesen Reibereien auch bei Kaunitz jede Sympathie.

Sperges nützte da­her die erste Gelegenheit, um den Einfluss des Sekretärs Sonnenfels in der Akademie zurückzudrängen. In dieser Absicht suchte er den Posten des Sekretärsadjunkten mit einem Mann seines Vertrauens zu besetzen. Sonnenfels' Adjunkt war Wenzel Tassara, der für diesen Posten aber wenig Eifer zeigte und eine aufreizende Untätigkeit an den Tag legte 47). Sperges schlug im September 1778 vor, diese Stelle neu zu besetzen; es sei dies nötig, da auch Sonnenfels selbst sehr wenig für die Akademie tue 48).

Kaunitz war einverstanden. Sperges ver­schaffte die Stelle gegen zwei Mitbewerber Anton Weinkopf, einem Kanzlisten des geheimen Hausarchivs. Sperges und Weinkopf waren alte Bekannte. Weinkopf hatte bereits 1759 die Südtirolkarte Sperges' in Kupfer gestochen. Sperges hatte sich in mehreren Vorträgen bemüht, Weinkopf ein Hofquartier zu verschaffen. Für letzteren ließ sich auch ins Treffen führen, dass er als Angestellter des Hausarchivs ein Untergebener des Staatskanzlers und diesem somit stärker verpflichtet sei als die übrigen Kandidaten. Mit Weinkopf hatte Sperges der Akademie einen sehr eifrigen Mitarbeiter zugeführt, der alle Sekretariatsgeschäfte mit größtem Fleiß besorgte und dadurch vor allem Sperges entlastete. Son­nenfels verblieb nur die Repräsentation nach außen, er blieb der Fest­redner der Akademie. Auf die Arbeit und die Entscheidungen innerhalb derselben hatte er keinen Einfluss mehr.

 

Sperges war ein Verehrer Winckelmanns und versuchte ihn für die Kupferstecherakademie als Sekretär zu gewinnen. Als Winckelmann Im Jahre 1768 Wien besuchte, stellte ihn Sperges in Schönbrunn der Kai­serin vor 49). Nach Wlnckelmanns tragischem Tod kam sein Manuskript für die zweite Auflage der „Geschichte der Kunst des Altertums" in den Besitz der Wiener Akademie, die sich entschloss, es herauszugeben. Nach Sperges' Vorschlag wurde die Herausgabe Friedrich Justus Riedel an­vertraut, der die in ihn gesetzten Erwartungen aber nicht erfüllte. Sperges hat an der Ausgestaltung des Buches mitgearbeitet und die Zueignung an Kaunitz entworfen 50). Der Finanzier Freiherr von Fries überließ der Akademie 600 Exemplare dieser Winckelmannausgabe kostenlos, erhoffte sich aber eine Dankbezeigung und die Vergütung jener 200 Dukaten, die er Riedel für die Betreuung der Auflage bezahlt hatte. Da die Akademie das Geld nicht auftreiben konnte, entschied der Protektor im Sinne Sperges', dass es genüge, dass er schriftlich gedankt habe 51).

 

Ein besonderer Schützling Joseph von Sperges' war der Münzgraveur Martin Krafft, den Sperges deshalb so hoch schätzte, weil er seine Münzentwürfe mit vollendetem Können ausführte. Krafft verdankte seinem Gönner sowohl seine Stellung in der Staatskanzlei als auch die Wahl zum akademischen Rat; 1773 erhielt er die Erlaubnis, auf ein Jahr nach Italien zu gehen 52). Nach Ablauf dieser Frist weigerte sich Krafft zurückzukommen. Trotzdem wurde ihm sein Gehalt bis in das Jahr 1778 nach Italien angewiesen! Dann aber konnte auch Sperges nicht mehr schweigen und forderte Krafft auf, nach Wien zurückzukommen, da sonst die Zahlungen eingestellt würden. Krafft aber verlangte entweder mit erhöhtem Gehalt in Italien belassen zu werden oder seine gnädige Entlassung, damit er in den Dienst eines anderen Hofes treten könne 53). Sperges blieb nun nichts mehr übrig, als die Sache Kaunitz vorzutragen, obwohl er wusste, dass dieser Kraffts ungeschickt vorgebrachte Wünsche abschlagen werde.

Die Stellungnahme des Staatskanzlers fiel entspre­chend aus:

 

 „Diesem undankbaren und dahero schlecht denkenden Men­schen will ich weder das eine noch das andere seiner beyden indiscre­ten Verlangen gewähren, sondern vielmehr nebst billiger Verweisung dieser Art zu denken und zu handeln deutlich erklären, daß woferne derselbe sich in zeit von drey Monaten nicht wieder al hier in seinem Vaterland stellte, ich ihn, wo er auch immer wäre, bey dem Kopf nehmen, und hieher bringen zu lassen wissen würde" 54).

 

Trotz dieser sehr ein­deutigen Stellungnahme des Protektors hielt Sperges weiter seine Hand schützend über Krafft. Er hielt den Verweis und die Rückberufung zu­nächst noch zurück, bis sich eine weitere Gelegenheit bot, für Krafft ein gutes Wort einzulegen. Diese ergab sich, als im März 1779 Anton Domanöck starb, der Direktor der Graveurschule. Im Gutachten über dessen Nachfolge kam Sperges zu dem Ergebnis, dass keiner der sich bewerbenden Kandidaten die erforderlichen Fähigkeiten besitze; nur Krafft wäre geeignet, den er jedoch nicht wage vorzuschlagen, da er in Ungnade gefallen sei. Kaunitz verschloss sich den sachlichen Argu­menten seines Getreuen nicht:

 

"Ich glaube, daß Baron Sperges unverzüg­lich an den Kraft schreiben sollte, er möchte sich a posta corrente er­klären, ob er um diese vacante Professor Stelle einzukommen gesinnet seye; und da er mir ein schlechter Schriftsteller zu seyn scheinet, könnte Baron Sperges die Güte für ihn haben ihme die solchenfalls erforderliche Supplique zu schicken mit dem Auftrag, wenn es ihm anstünde, solche von ihm gefertigte unverzüglich zu remittiren. Den ganzen Antrag müsste H. Baron v. Sperges als seinen privat-Gedanken und als eine Wirkung Seiner für ihn persönlich hegenden Zuneigung ausgeben" 55).

 

Sperges war es somit gelungen, Martin Krafft den Weg für eine ehren­volle Rückkehr nach Wien zu ebnen. Der Künstler aber zog es vor, in Paris zu bleiben und dann nach München zu gehen, wo er bereits im Jahre 1781 starb. Nach der Absage Kraffts entschloss man sich, um die Stelle Domanöcks einen Wettbewerb auszuschreiben. Sperges arbeitete die Aufgaben aus, Weinkopf überwachte die Durchführung. Die Arbeiten wurden dem akademischen Rat vorgelegt, der zugunsten des Bildhauerei­professors Johann Baptist Hagenauer entschied. Auch Sperges gab ihm seine Stimme, aber unter der Bedingung, dass alle vorgelegten Arbeiten auch wirklich von ihm seien. Obwohl sich der Verdacht, dass sich Hagenauer mit fremden Federn geschmückt habe, später bis zur Ge­wissheit verdichtete, riet Sperges trotzdem Kaunitz, Hagenauer die ver­waiste Direktorsstelle zu übertragen. Allerdings nur, weil derzeit kein besserer da sei und man so wenigstens bei den Bildhauern eine Stelle für Zauner frei bekomme 56). Kaunitz stimmte ihm bei.

 

Im Jahre 1778 schlug der akademische Rat vor, alle zwei Jahre für die Schüler der Akademie Preisarbeiten auszuschreiben. Die Durchführungsbestimmungen entwarf dazu Sperges. Nach dem Willen des Pro­tektors sollten die Themen der Arbeiten dadurch ermittelt werden, dass jeder akademische Rat Vorschläge vorlegen sollte, aus denen der Pro­tektor seine Auswahl treffen wollte. In der Praxis erhielt Sperges zu­nächst alle diese Themenvorschläge der Räte, traf seine Auswahl und legte diese dann Kaunitz vor, der nur selten daran noch etwas änderte. Dem ersten Wettbewerb der Akademie im Jahre 1779 war kein großer Erfolg beschieden. Trotzdem riet Sperges, die Preise zu verteilen, außer bei den Kupferstechern und Malern, von denen keine geeigneten Arbei­ten eingereicht worden waren. Bei der Preiszuerkennung setzte Sperges neuerlich seine Meinung gegen Sonnenfels und den Rat bei Kaunitz durch 57).

Durch die Beförderung Hagenauers zum Direktor der Graveurschule war dessen Professur bei den Bildhauern frei geworden. Kaunitz und Sperges waren sich einig, wer diese Stelle erhalten sollte: Franz Zauner, der noch immer in Rom weilte; er wurde deshalb jetzt zurückberufen. Kau­nitz und sein Ratgeber wollten um diese Professur keinen Wettbewerb ver­anstalten, da sie überzeugt waren, dass außer Hagenauer ohnehin nie­mand mit Zauner konkurrieren könne 58). Als aber Hagenauer sah, dass er die Professur, die er auch nach seiner Beförderung provisorisch weiter­geführt hatte, nicht neben seinem neuen Amt behalten könne, äußerte er die Absicht, wieder zur Bildhauerei zurückzugehen. Sperges hatte sich mit dieser neuen Lage zu befassen. Er schlug vor, man solle Hagenauer auffordern, sich zwischen den beiden Ämtern zu entscheiden; sollte er tatsächlich zur Bildhauerei zurückkehren, so halte er Joseph Vinazer für den fähigsten Nachfolger als Direktor der Graveurschule, für Zauner müsse man dann eine Adjunktenstelle bei den Bildhauern schaffen 59). Kaunitz erklärte sich mit Sperges' Vorschlägen einverstanden; beide sa­hen aber richtig voraus, dass Hagenauer wegen des Titels und der höheren Besoldung sich doch entschließen werde, seine Stelle als Di­rektor zu behalten. So konnte Franz Zauner angestellt werden, zunächst als Adjunkt, um seine Fähigkeiten als Lehrer zu erproben.

 

Am 3. Mai 1783 starb der Präses des akademischen Rats, Friedrich Freiherr von KettIer. Der Rat bat in seiner folgenden Sitzung den Pro­tektor, zu erklären, wer sein besonderes Vertrauen besitze, um den Betreffenden zum Präses wählen zu können. Sperges schrieb an Kau­nitz zu diesem Punkt des Ratsprotokolls:

 

"Unter den Akademie-räthen bin ich nach der Ordnung der Alters der Erste; Allein es ist nicht so sehr auf die Anciennetät, als auf die vorzügliche Einsicht in das Kunst­wesen, gute Beurtheilungskraft, Erfahrenheit, und andere Eigenschaften zu sehen: und überhaupt hangt die Bestimmung von dem vorzüglichen Zutrauen Euer Fürstl. Gnaden ab, um dessen Erklärung in dem Proto­koll gebeten wird“ 60).

 

Kaunitz antwortete seinem Getreuen:

"Alle diejeni­gen Eigenschaften, welche in dem vorsitzenden Academischen Rath erwünschlich seyn können, vereinigen sich in der Person Eurer Wohl­gebohr. und Ich ernenne dieselbe dahero mit vielem Vergnügen zu Ersetzung dieser Stelle" 61).

 

Es ist bezeichnend für Sperges' Stellung, dass er sich sein Ernennungsdekret selber verfasste.

Für Sperges war diese Ernennung wohl die Erfüllung seines Lebens. Alle seine politischen Ämter und Titel bedeuteten ihm dagegen wenig. An seiner Tätigkeit für die Akademie änderte sich nichts, sie trat nur jetzt offener zutage. Aus der grauen Eminenz wurde jetzt der Präsident des akademischen Rats, nach Kaunitz auch offiziell der einflussreichste Mann in der Akademie. Das Amt des Vorsitzenden gewann durch die Übernahme durch Sperges an Bedeutung, da dieser erstmals, gestützt auf das volle Vertrauen des Protektors, wirklich die Leitung der Aka­demie innehatte. Der Rat gewann durch die Übernahme an Prestige, da seine durch Sperges im Sinne Kaunitz' beeinflussten Entscheidungen nun kaum noch vom Protektor korrigiert wurden. Den letzten Lebensjahren Sperges' aber gab dieses Amt Sinn und Inhalt.

 

Unter dem neuen Präses wurde der Einfluss Sonnenfels' fast völlig ausgeschaltet. Die ganze Arbeit leisteten Sperges und der Sekretärs­adjunkt Weinkopf. In den Akten der Akademie finden sich aus der Amtszeit Sperges' kaum Stücke von der Hand Sonnenfels'. Weinkopf hingegen war ein sehr eifriger Arbeiter, der auf Anregung Sperges' auch eine Beschreibung der Akademie verfasste, die zu einer wertvollen Quelle zur Geschichte dieses Instituts geworden ist 62).

In der ersten Ratssitzung unter dem neuen Präses verlas Weinkopf in Abwesenheit des Sekretärs das Ernennungsdekret. Sperges forderte in seiner Ansprache den Rat auf, die Kunst durch "Hervorsuchung, Wohl­wollen, thätigen Beystand und Unterstützung junger Talente" mit ver­einten Kräften zu fördern und übergab anschließend dem Kunstrat Würth den Entwurf für die Preismedaille zum laufenden Akademiewettbewerb 63).

 

Die Wiener vereinigte Akademie der bildenden Künste war seit ihrer Gründung das alleinige Reich des Staatskanzlers und seines Beraters. In den achtziger Jahren wurde dieses Imperium aber ständig von Joseph II. bedroht. Kaunitz und Sperges führten die ganze Regierungszeit Josephs II. hindurch einen zähen Kampf, um zu verhindern, dass der kaiserliche Reformeifer auch die Akademie ergreife und sie ihrem Ein­fluss entziehe.

 

 Ein erstes Zeugnis dieses Kampfes begegnet uns bereits im Jahre 1782. Der Direktor der Malerklasse der Akademie, Sambach, war alt und krank. Kaunitz und Sperges hatten auch bereits einen Nach­folger im Auge: den Romstipendiaten Heinrich Füger. Da versuchte der Porträtmaler Hickel durch ein Majestätsgesuch die Nachfolge Sambachs für sich zu gewinnen. Dieses Gesuch war nicht ungefährlich, da es gut auf die Mentalität des Kaisers abgestimmt war. Hickel machte nämlich darin Vorschläge, wie man den Akademiebetrieb erfolgreich reformie­ren, vor allem aber verbilligen könne. Der Kaiser verlangte von Kaunitz ein Gutachten über dieses Gesuch, der sofort dessen Gefährlichkeit erkannte und es an Sperges mit dem Auftrag weitergab, darüber einen Vortrag zu verfassen, "in welchem punctatim ein jedes Absurdum ange­führet und widerlegt werden" müsse. Gleichzeitig solle dem Kaiser mit­geteilt werden, dass man für die Stelle bereits Füger vorgesehen habe, der dafür der Geeignetste sei." 64). Sperges erfüllte den Auftrag zur vollsten Zufriedenheit. Sein Vortrag wurde vom Kaiser gebilligt und Füger im Oktober 1783 zum Vizedirektor der Malerklasse bestellt.

 

Dass Kaunltz und Sperges stets auch über die finanziellen Mittel ver­fügten, um die Akademie großzügig fördern zu können, verdankten sie besonders einem von Maria Theresia gestifteten Fonds zur Beförderung der bildenden Künste. Sperges schlug im April 1782 dem Protektor vor, diese Mittel neu zu verteilen und dem Kaiser über ihre Verwendung Be­richt zu erstatten 65). Erst Im Sommer 1784 gab aber Kaunitz den Auftrag zu einem solchen Bericht. Aus seinen in der Zwischenzeit mit Joseph II. gemachten Erfahrungen erhob jetzt Sperges Bedenken:

 

"Ich vermuthe, Sn. Majt. werden das vorbemerkte Kapital von 205.000 fl. samt den er­sparten Interessen abfordern".

 

Der Kaiser werde aber sicher auch die Verbindlichkeiten des Fonds übernehmen, daher solle man dringende Bitten noch vorher erfüllen, Brand eine Pensionserhöhung gewähren und Zauner zum Professor befördern 66).

Kaunitz erkannte sofort die Berech­tigung dieser Befürchtungen und dachte nicht daran, diese reiche Quelle freiwillig auszuliefern. Er bewilligte die Vorschläge bezüglich Brands und Zauners und entschied, dass der Vortrag an den Kaiser über den Fonds zu unterlassen sei. Aus diesem wurde so der "geheime Fonds der bil­denden Künste" 67), der von der niederländisch-italienischen Kassa der Staatskanzlei verwaltet wurde. Er ermöglichte es Kaunitz die ganze Re­gierungszelt des sparsamen Kaisers hindurch, die Akademie und die Künstler großzügig zu fördern.

 

Als Präses der Akademie versuchte Sperges, der Malerei in Wien neue Impulse zu geben. Gute Meister sollten gegen eine Entschä­digung die besten Akademieschüler in ihren Werkstätten mitarbeiten lassen. Kaunitz war einverstanden. Bei Füger und Maurer wurden sol­che Privatschüler untergebracht 68).

 

Im April 1785 teilte Joseph II.  Kaunitz mit, dass er alle Kunstschulen im St. Annagebäude zu vereinigen beabsichtige. Neben der gesamten Akademie sollte auch die der böhmisch-österreichischen Hofkanzlei un­terstehende Kommerzialzeichenschule dorthin verlegt werden. Dadurch glaubte der Kaiser Lehrpersonal einsparen zu können. Unterhändler der Staats- und der Hofkanzlei sollten darüber verhandeln und "das Ganze in ein Sistem" bringen 69). Zum Unterhändler der Staatskanzlei wurde Sperges bestimmt. Man unterhandelte nicht lange, denn alle waren eines Sinnes: eine Verringerung der Lehrerzahl sei unmöglich. Sperges unter­nahm es, dies dem Kaiser in einem Vortrag des Protektorats darzulegen. Er betonte darin so geschickt die Nützlichkeit der bestehenden Ordnung, dass sich der Kaiser mit der örtlichen Vereinigung der Kunstschulen begnügte 70).

Sperges bemühte sich aber auch um die Ausschmückung der neuen, der Akademie zugewiesenen Räumlichkeiten im St. Annagebäude. Er entwarf die Inschriften über dem Eingang und im Vorraum des Rat­saales 71)  und ließ den Ratsaal mit guten Gemälden ausschmücken. Diesem Zweck machte Sperges auch ein Gesuch Johann Baptist Lampis um eine Professur dienstbar. Lampi wollte die Stelle des Historienmalers Joseph Hauzinger, der infolge seiner Krankheit seinen Dienst nicht mehr erfüllen konnte. Lampi war aber noch kein Akademiemitglied. Sperges stellte daher die Bedingung, dass Lampi zuerst ein Gemälde des Kaisers in Lebensgröße gegen einen mäßigen Preis der Akademie für den Rat­saal liefern müsse. Lampi lieferte das verlangte Aufnahmestück und er­hielt die Stelle. Auf Betreiben Sperges wurde gleichzeitig Maurer zum Lehrer der Anfangsgründe des Zeichnens ernannt 72).

Lampi, dessen Stern als Porträtmaler in raschem Steigen begriffen war, malte auch ein Por­trät Sperges', das bereits bei der ersten Ausstellung in den neuen Räumen der Akademie im Jahre 1786 ausgestellt wurde. Im Jahr darauf schuf Lampi das große Repräsentationsporträt des Präses für die Akademie (Abb.); er genoss dafür auch weiterhin dessen besondere Förderung.

 

Der Tod des Direktors der Kommerzialzeichenschule stellte das Pro­tektorat der Akademie 1786 neuerlich vor ein heikles Problem. Die Aka­demie sollte durch einen Wettbewerb den Nachfolger ermitteln. Bei der Beurteilung der eingereichten Arbeiten durch den Rat schieden sich die Geister. Man hatte auch Vertreter der Seidenindustrie eingeladen, da die Kommerzialzeichenschule hauptsächlich den Nachwuchs für deren Manu­fakturen heranbildete. Während nun alle Akademiker dem ausgezeich­neten Blumenmaler Drechsler den Sieg zuerkannten, sprachen sich die Seidenerzeuger ebenso einheitlich gegen ihn aus, da seine Entwürfe für den Webstuhl ungeeignet wären. Es lag nun am Protektor zu ent­scheiden. Sperges riet zur Vorsicht. Eine Entscheidung für Drechsler könne leicht zu einer Intervention des Kaisers gegen eine Akademie führen, die den Aspekt der Schönheit über den der Nützlichkeit stelle. Überhaupt sei die Akademie für eine solche Entscheidung nicht zustän­dig, da die meisten Räte, auch er selbst, nichts von der Weberei ver­stünden; es sei deshalb das Beste, die Arbeiten kommentarlos der zu­ständigen Hofstelle abzutreten und dieser die Entscheidung "freund­schaftlich" zu überlassen. Kaunitz folgte diesem diplomatischen Rat 73). Die HofsteIle zog sich ebenso geschickt aus der Affäre, indem sie Drechsler für den theoretischen, einen Webereifachmann aber für den praktischen Unterricht anstellte. Sperges arbeitete als Vertreter der Akademie am neuen Lehrplan mit.

Durch einen Vortrag über die "gegenwärtige Einrichtung der Akade­mie" 74) erlangte Sperges vom Kaiser die Erlaubnis, einen neuen Anato­mielehrer für die Akademie anzustellen. Entgegen der Ersten Absicht Josephs II.., der die Stelle einem Fachmediziner übertragen wollte, setzte Sperges durch, dass der Bildhauer Johann Martin Fischer diese Stelle erhlelt 75).

 

Der Protektor und der Präses der Akademie bemühten sich aber auch um die wirtschaftliche Lage der Künstler und Schüler. Dies war umso notwendiger, als sich die Lage der Künstler unter Joseph II. noch ver­schlechtert hatte. Wien war damals kein üppiger Nährboden für die Künste. Sperges berichtete 1788 an Kaunitz: 

 

"Es ist mit beyden (Malerei und Bildhauerei) unter der itzigen Regierung so weit gekommen, daß sie auch einem guten Meister hier kaum das Brodt verschaffen. kann, und selbst ein Steiner sich mit der Malung der äußern Apothekerläden beschäftigen muß: der Hof läßt nichts machen; Kirchen und Klöster dör­fen nicht: der Adel hat entweder keinen Geschmack und Lust zu der­gleichen Kunstsachen, oder zu wenig Geld: die wenigen Liebhaber su­chen nur alte Gemälde, und diese manchmal aus bloßem Vorurtheile für alles, was alt ist. Die Eigenliebe und Eitelkeit der Menschen allein nähret noch mit Porträten die Maler und theils die Bildhauer; sonst müßten diese letzten sich bloß auf Schnitzarbeiten für Bilderrahmen, Uhrgehäuse etc. verlegen“ 76).

 

Sperges half so gut es ging aus den Mitteln der Akademie, doch das war zu wenig. Füger beantragte die Preise der Akademie in Stipendien umzuwandeln. Kaunitz nahm die Anregung auf, ließ sie von Sperges ausarbeiten und wusste die nötigen Mittel zu beschaffen, ohne die Preise der Akademie anzutasten 77).

 

Bei seiner Tätigkeit für die Akademie erlebte Sperges das Glück, die Früchte seiner Arbeit reifen zu sehen. Stolz und zufrieden konnte der Präses der Akademie im August 1790 dem akademischen Rat seinen Wunsch bekannt geben, in den Akademieferien eine Ausstellung jener Arbeiten zu veranstalten, die die Akademiker seit der letzten Leistungs­schau des Jahres 1786 geschaffen hatten. Sperges arbeitete an der Auswahl der Schaustücke selbst mit 78). Es wurde auch das von Lampi ge­schaffene große Porträt, das Sperges als Präses der Akademie zeigt, sowie der von Johann Peter Pichler nach diesem Porträt ver­fertigte Kupferstich gezeigt. Bereits zwei Jahre früher aber hatte Sper­ges in einem Schreiben an Kaunitz eine stolze Bilanz des Erreichten gezogen und die Lehrer der Akademie, an deren Berufung er - wie hier gezeigt werden konnte - so großen Anteil hatte, charakterisiert:

 

"Die hiesige Akademie soll gute Künstler in der Malerey und Bild­hauerey für alle Deutsche und Ungar. Länder der Öen. Monarchie bilden: man kann es auch, seitdem auf ihren gewöhnlichen Unterhalt jährlich soviel verwendet wird, billig fordern, und da sie den Vorteil hat, unter einem erlauchten Protektor zu stehen, der selbst nicht nur Liebhaber, sondern Kenner der Künste, und voll der besten Gesinnung zu ihrem Aufnehmen ist, mit Sicherheit erwarten.

Niemals war die Akademie, gute Künstler zu bilden, besser in Stande, als eben itzt, da sie sich mit vorzüglich guten Lehrmeistern in jedem Fache versehen findet.

Das vormals so verächtlich behandelte Studium der Anfangsgründe in der Figurenzeichnung wird nun von dem ungemein fleißigen Professor Hubert Maurer, welcher selbst ein geschickter Maler ist, mit einer vorher bey uns ganz ungewöhnlichen Nettigkeit, und dabey doch großer Manier, auch mit vieler Richtigkeit in den Umrissen, getrieben: seine Schule ist zahlreich, und wird außer den vor- und nachmittägigen Stun­den, auch Abends von schon erwachsenen, und solchen Jünglingen be­sucht, die keiner Kunstprofession sich zu widmen gedenken. Maurer ist gewiß dort, wohin er gehört, angestellt, und hat ein Par fleißige Gehilfen.

Füger, der in kleinen Porträten seinesgleichen vielleicht Nie­mand hat, und in diesem Fache berühmt ist, thut sich nunmehr auch In den Historischen hervor; seine Komposizionen sind reich, wohl über­dacht, und zeugen von einem an Ideen fruchtbaren Erfindungsgeiste. So lange er eine gewisse ihm angemessene Größe der Figuren nicht überschritt und zärtliche, weichliche oder wohllüstige Gegenstände wäh­let, wird er sich immer Ehre machen; für große pathetische Leiden­schaften, für heftige Gemüthsbewegungen hat weder sein Charakter, noch sein Pinsel, wie es mir scheint, genug Stärke, sie auszudrücken: selbst sein Kolorit ist nicht dazu geeignet. Allein dieses wissen Eure Fürstl. Gnaden besser zu beurtheilen. Indessen vermehret, und ernähret das viele Lob, welches er durch die kleinen Porträte von Frauenzimmern und Anderen erhält, seine Eigenliebe, die mit einer guten Dose Eitelkeit und Ruhmredigkeit vermengt ist: beydes wird von seinen Kollegen, und Schülern für Stolz gehalten, und wird immer ein Hinderniß seyn, sich ihr Zutrauen und Liebe zu erwerben, wie es für einen Direktor zu wün­schen wäre: dennoch ist Füger für dieses Amt unter den hiesigen immer der Beste.

Lampi gewinnt von Jahr zu Jahr in dem Porträtmalen mehr Vollkom­menheit, und wenn er so fortfährt, glaube ich, daß er werde einer der besten Maler in diesem Fache werden. Junge Maler können von ihm im Koloriren viel lernen; ich will hoffen, daß seine Farben haltbar seyn. Schade, daß er in der Fabel, Geschichte, Kostume, Kunsthistorie. und den übrigen einem Professor anständigen, auch zur historischen Malerey nöthigen Kenntnisse äußerst unwissend ist, und die Kunstsprache nicht genugsam besitzt. Mir ist Leid, daß er auch durch seine lockere Le­bensart sich und seiner Familie Schaden thut.

Brand, ein sittsamer, friedfertiger und bescheidener Mann, arbeitet für sein Alter, und geschwächtes Gesicht, zumalen er das eine Auge bey­nahe gar nicht mehr brauchen kann, noch viel: und wiewohl seine neuere und itzlge Manier vielen, und auch mir, nicht gefallen will, behauptet er doch Immer den Ruhm des brandischen Namens; seine Schüler behandelt er liebreich, und giebt sich viele Mühe mit ihnen: sie nehmen aber dadurch den itzigen Geschmack ihres Lehrmeisters, wie es mir scheint, zu sehr an, und bleiben sodann an dem kleinerlichen Landschafteley­malen kleben, ohne daß sie Lust und Muth bekommen, die Szenen der Natur im Größeren zu schildern. Diese gar zu charakterisirte Anhängig­keit der Lehrlinge an den Meister schadet meines Erachtens der Kunst.

Wutky ein vormaliger brandischer Schüler hat sich durch eigenen Schwung davon emancipirt: itzt weis ich keinen hier, der das Herz hätte, demselben oder einem Casanova nachzuahmen. Brand, der gute Mann, hat übrigens die Schwachheit, daß er glaubt, alles loben und nichts tadeln zu sollen.

Was von dieser Seite Brand fehlt, hievon hat Zauner, Lehrer der Bild­hauerey, vielleicht zu viel; sein ernsthaftes, trockenes Wesen macht einen merklichen Kontrast mit dem Süßen des Erstern, und ist Ursache, daß die Schüler keine vertrauliche Ergebenheit gegen denselben gewinnen, obwohl sie alle Achtung für seine, auch von Kennern des ächten Styls In der Bildhauerkunst hochgeschätzten Geschicklichkeit haben.

Umsomehr Zutrauen und Liebe von Seiten der jungen Bildhauer hat der Professorsadjunct Martin Fischer wegen seiner gutherzigen Gefälligkeit. Da auch er eine große praktische Kunsterfahrenheit, und dabey einen reinen, nach Antiken gebildeten Geschmack in seinem Styl hat, so scheint mir die Schule durch diese zween Männer treflich besetzt zu seyn. Fischer ist zugleich Lehrer der für die bildenden Künste so nütz­lichen Anatomiekunde: diese hatte unter dem vorigen Professor fast gar keine Zuhörer; itzt aber zählt man ihrer gemeiniglich 50 bis 60 weil Fischer nicht allein die Myologie, und Osteologie gründlich besitzt, sondern auch ihre praktische Anwendung auf die bildenden Künste, in­dem er selbst Künstler ist, zu zeigen weis. So ist die Akademie auch in den übrigen Kunstklassen wohl bestellt: sie hat, in der Bauschule unter der Direktion des v. Hohenberg Lehrer für die theoretische und praktischen Theile der Architektur:

In der Kupferstecherey einen Schmutzer, in der Schabkunst den Jacobé. In der Modelirer, und Erzverschneiderschule den Hagenauer, welcher zwar in diesem Fache kein großer Künstler ist, jedoch zur Direktion we­gen seiner unverdrossenen Bemühung, und für Kleinigkeiten ideenreicher Erfindungsgabe ganz wohl taugt, weil die Jungen und Gesellen der in Metalle arbeitenden Professionen vorzüglich vonnöthen haben, das Neue, und Manichfältige der mechanischen Verzierungen zu sehen, hie­nach zu zeichnen, und zu modeliren.

Endlich In der Manufakturzeichnungsschule ist Drechsler, ein Blumen­maler, dergleichen Wien niemals gehabt hat" 79).

 

 

Es ist aber auch ein Gemälde erhalten, das den Dank der Künstler für die großzügige Forderung ihrer Akademie an das Protektorat ab­stattet. Es ist dies das Gemälde "Allegorie auf eine Preisverteilung unter Fürst Kaunitz" von F. A. Maulbertsch, welches das Barockmuseum im Unteren Belvedere besitzt 80).

Maulbertsch kann­te die Machtverhältnisse in der Akademie sehr genau. Bereits im Jahre 1770 wurde er ein Mitglied des akademischen Rats der Kupferstecher­akademie, blieb bei der Vereinigung der Akademien ein Ratsmitglied und stand in einem guten Verhältnis zu seinem Kollegen Sperges 81) und damit zum Protektorat. Maulbertsch war ein begeisterter Akademiker, dem das Wohlergehen der Akademie am Herzen lag. Die vorstehende genauere Beleuchtung der Akademiegeschichte und der Machtverhält­nisse in der Akademie erleichtert daher auch die Deutung seines Bildes:

Die allegorische Gruppe im Vordergrund des Bildes zeigt den Sieg der Veritas mit Hilfe der Liebe und der Zeit über Dummheit und Neid. Letztere, verkörpert in dem am Boden liegenden Rückenakt mit den Eselsohren, werden gestürzt durch Kronos, den Alten mit der Sense, der die Zeit verkörpert. Er erscheint auf dem Bild auf einem Wagen, der von zwei Putti gezogen wird, deren rechter an seinem Köcher als Amor zu erkennen ist. Die Gruppe am linken Bildrand dürfte die Künste ver­körpern: Der Mann mit der Vase die Bildhauerei, die Frau mit der Mappe die Kupferstecherkunst (?), der alte Mann dahinter, der Kronos nach vorne schiebt, vielleicht die Architektur; die Malerei, erkenntlich an der Palette, ist im rechten Bildteil hinter der Göttin erkennbar. Letztere, die Zentralfigur der rechten Bildgruppe, bildet zugleich den Übergang zum Weltbezug des Bildes. An ihrer Pose, mit der Erdkugel unter ihrem rechten Fuß ist sie - getreu nach der "Icolonogia" des Cesare Ripa ­ais "Veritas", als die Wahrheit zu erkennen  82).

Den Bezug zur Wirklichkeit stellt die rechte Gruppe her, die eine Preisverteilung an der Akademie darstellt. Seit 1778 fanden alle zwei Jahre an der Akademie in allen Kunstklassen Preisausschreiben statt. Die Preise wurden in feierlichem Rahmen verteilt. Wir haben auch eine authentische Schilderung einer solchen Preisverteilung:

 

"Die Preis­austeilung ging im akadem. Ratssaale, in welchem sämtliche Wettstücke

aufgestellt waren, und in Gegenwart sehr vieler Kunstfreunde und Ken­ner vor sich. Der Herr Präses (Sperges) vertrat dabei die Stelle des hohen Protektors. Er wurde von Direktoren, und Lehrern im Vorzimmer erwartet, und unter Trompeten- und Pauckenschalle in dem Saal be­gleitet. Hierauf erhielt derselbe eine auf die von Sr. Majestät eingeführte Verherrlichung des Kunststudiums sich beziehende Rede an die· Ver­sammlung; und verteilte zu Ende derselben die auf diese Gelegenheit gravierte, und in Silber ausgeprägte Denkmünze (Diese Medaille hat Hr. Ignaz Donner, k. k. MedailiengraveursadJunkt nach der Angabe des Herrn Präses so meisterhaft ausgearbeitet, daß er damit vom Rate ein­stimmig zum wirklichen Mitgliede aufgenommen wurde) unter die an­wesenden Räthe, Ehrenmitglieder und Beamten der Akademie. Die Hauptseite dieser Medaille zieret das Bildnis des Monarchen mit der Umschrift; Josephus II. Aug. Academia Artium Instaurator, und auf der Rückseite sieht man den Schutzgott der Künste, wie er die Genien der Malerei, Bildhauerei und Baukunst dem Tempel Minervens zuführt, mit der überschrift: Ingenio et Industria. In der Exergue steht: Academia Vien. novis institutis aucta MDCClXXXVI. Hienächst wurden sämtliche Preisnehmer ... der Klassenordnung nach vorgerufen, um die Prämien aus des Herrn Präses Hand zu empfangen." 83).

 

Die rechte Szene des Bildes von Maulbertsch bezieht sich auf eine solche Preisverteilung. Der siegreiche Eleve kniet im Vordergrund mit seinem Bild, während die Göttin im Begriffe ist, ihn für Sperges mit der Preismedaille auszuzeichnen. Der Präses ist in hohem Alter dar­gestellt, was den Tatsachen entspricht, da das Bild in seinem Sterbejahr entstanden sein dürfte 84). Oberhalb dieser Gruppe verkündet die „Fama buona" den Ruhm des Protektors Kaunitz, dessen Porträt ein Genius trägt, während links oben ein böser Genius entflieht. Die Gruppe im mittleren Hintergrund zeigt Schüler der Akademie beim Studium, ganz hinten erhebt sich der Tempel der Künste.

Die Gesamtaussage des Bildes spiegelt den Fortschrittsoptimismus der Aufklärung: Die "wahre Kunst" (damals der Klassizismus) werde durch den Fortschritt der Zeit und die Förderung des Protektors Kau­nitz und des Präses' Sperges den Sieg über alle Gegner davontragen 85).

 

Am 26. Oktober 1791 wurde Sperges durch seinen plötzlichen Tod aus seiner segensreichen Tätigkeit für die Akademie gerissen. Die Akademie verlor an ihm einen unermüdlichen und sachkundigen Fürsprecher und Förderer.

Eine Notiz Weinkopfs aus dem Jahre 1793, in der er seine Amtsführung verteidigen musste, illustriert unfreiwillig aber eindrucksvoll, wie sehr Sperges in den wenigen Jahren als Präses die Dotierung der Akademie steigern und Ihren Ausbau vorantreiben konnte. Weinkopf be­richtet: Unter dem Präses Kettler habe er strenge Rechnung geführt und die Akademie nie mehr als 700 fl. jährlich ausgegeben. Unter Sperges jedoch, der mit einer Art Prunksucht behaftet gewesen sei, sei er aus­geschaltet worden. Man habe die Kunstschulen vermehrt, die Säle aus­gestaltet, die Akademie mit mehr Lehrern, die Schüler mit Gnaden­geldern versehen und somit die Ausgaben auf über 4650 fl. im Jahr getrieben." 86).

Diese Zahlen sagen über die Amtsführung Sperges' mehr, als viele Worte; dass Kaunltz und Sperges dazu das nötige Geld gerade unter der sparsamen Regierung Joseph II. aufbrachten, ist als beson­deres Kunststück anzusehen und dürfte für die beiden Kunstmäzene eine große Befriedigung bedeutet haben, die sie für viele Enttäuschun­gen dieser Epoche auf anderen Gebieten entschädigte.

Für die Entwicklung der Kunst in der Habsburgermonarchie hat Sper­ges Großes geleistet. Das Aufblühen der Akademie der bildenden Künste ist vor allem seiner fachmännischen Führung zu verdanken. Bei der Auswahl der Lehrer hatte er eine glückliche Hand. Als Kunstberater des allmächtigen Protektors Kaunitz besaß er unbeschränkten Einfluss in allen Fragen der Kunst. Nach dem Urteil eines Fachmannes war er ein "Mann von seltener Intelligenz, Menschenkenntnis und Feinfühligkeit des künstlerischen Urteils, seine in glänzend stilisierten Berichten nieder­gelegten Wertungen zeitgenössischer künstlerischer Erscheinungen sind in ganz erstaunlichem Maße von der Nachwelt bestätigt worden" 87).

Durch seinen an der Antike gebildeten Geschmack geleitet, hat Sperges dem Klassizismus den Weg geebnet, indem er sich für die Berufung von Vertretern dieser Kunstrichtung an die Akademie einsetzte.

Bedauerlicherweise hat Sperges aber gerade auf dem Gebiet, auf dem er das meiste geleistet hat, keine entsprechende Würdigung gefunden. In der so materialreichen Geschichte der Akademie von Lützow wird er wohl erwähnt, aber die Bedeutung seines Einflusses wird nicht gewür­digt. Dabei hätte sich Sperges für diese erfolg- und segensreiche Tätigkeit wirklich einen Ehrenplatz in der österreichischen Kulturge­schichte und ganz besonders in der Geschichte der Wiener Akademie der bildenden Künste verdient.

 

 

ANMERKUNGEN

 

Abkürzungeverzelchnls:

            A. d. A.             Archiv der Akademie der bildenden Künste, Wien

            H. H. Ste.          Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Wien

            V. d. Stk.          Vorträge der Staatskanzlei

 

1)       Zu Sperges’ Biographie: Der wissenschaftlich Interessierte findet nähere Angaben sowie Quellen und Literatur In der von Prof. Zöllner angeregten und betreuten Dissertation des Autors: Pascher, Franz: Joseph Frei­herr von Sperges auf Palenz und Reisdorf 1725-1791, Diss. Wien 1965 (Im folgenden zi­tiert: Sperges, a. a. 0.). Der vorliegende Artikel Ist eine Umarbeitung des Kapitels "Sperges und die Kunst" dieser Dissertation.

Eine Zusammenfassung der Biographie findet sich in einem Artikel für die Zeitschrift Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Jg. 11, 1967, Nr. 55, S. 35 ff . und Online.

2)       Haslinger, Kurt: Die Akademie der bildenden Künste in Wien im 18. Jahrhundert – Reformen unter Kaunitz, Diplomarbeit Uni-Wien, 2008.

3)       Sperges Joseph, Cen­turia Literarum ad Italos cum appendice III. decadum ad varios carmlna iuvenilia inscrlp­tlones, hrsg. v. Andreas Cremes, Wien 1793. Hier findet man etwa S. 295 ff. etwa 60 von ihm verfasste Inschriften.

4)        So sandten ihm z. B. die Tlroler den Entwurf einer Inschrift zu, die ein Denkmal an der neuen Straße nach Landeck zieren sollte. Sperges antwortete: "Ich bin Euer Wohl­geboren für die beliebte vorläufige Mitteilung des dortigen Inscriptionsentwurfes, und für das mir bezeigte Zutrauen sehr verbunden. Sie empfangen im Anschluß einen neuen Aufsatz nebst den Anmerkungen, In welchen ich jedoch nicht habe erinnern wollen, daß einige Wörter oder Ausdrücke der alten Inschrift in dem Sinn, worin sie gebraucht worden, nicht gut lateinisch, oder wenigstens dem Stilo Lapidari nicht gemäß sind. Ich sollte mir beinahe schmeicheln in diesem Fache einiges Zutrauen zu verdienen. nachdem ich so viele Inschriften für neue Monuments teils hier, und in diesen Ländern. teils und vorzüglich in Italien gemacht habe." Sperges Joseph, Briefe an Vater und Sohn Laicharding, Ms., Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 5. November 1776.

5)       Sperges, Joseph:  Joseph von Sperges, auf Palenz etc. Landmannes in Tyrol, Tyrolische Bergwerksge­schichte, mit alten Urkunden, und einem Anhange, worinn das Bergwerk zu Schwatz beschrie­ben wird, Wien 1765., Titelblatt.

6)       H. H. Sta., V. d. Stk., Fesz. 105, 16. Februar 1770. Ebenso verfuhr man mit dem Entwurf einer Friedensmedaille Im Jahre 1779; vgl. A. d. A., 1779, fol. 106.

7)       Über Krafft vgl.: Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 21.

8)       A. d. A., 12. Oktober 1773.

9)       Ignaz de Luca , Das gelehrte Österreich, Bd. 1/2, Wien 1778, p. 167.

10)   Vgl. Novotny Alexander, Staatskanzler Kaunitz als geistige Persönlichkeit, Öster­reichische Heimat, Bd. 5, Wien 1947.

11)    So schrieb er Im Juni 1770 an seinen Freund In Innsbruck: "Hr. Fürst Kaunitz, der zu Inspruck nebst verschiedenen anderen Gegenstständen der Kunst, insonderheit den Dach­stuhl des sogenannten Reithauses bewundert hat. verlanget eine Abzeichnung des Profils davon mit Anzeigung seiner Breite und Höhe. Wär es nicht möglich, einen RIß davon mit geringen Kosten von einem der mechanischen Zeichnung Verständigen nehmen zu lassen?" Der Auftrag wurde auch prompt erledigt. Sperges schickte die Zeichnung noch im Sommer dem Staatskanzler nach Austerlitz nach. Sperges, Briefe an Laicharding, a. a. 0., 16. Juni 1770 und 7. September 1770.

12)   Sperges wirkte hier auch als privater Mäzen: "Dem Kupferstecher Mansfeld, welcher in seiner Arbeit noch nicht weit gekommen Ist, werde ich morgen selbst die wohl ausge­dachte schriftliche Erinnerung des P. Weinhart zu seinem Unterricht In das Haus bringen, und ihn zu mehrerem Fleiß antreiben". Ebd., 23. Juli 1766.

13)   A. d. A., 1763, fol. 175.

14)   Das "WIenerische Diarium" berichtet darüber am 8. Oktober 1768.

15)    Daß man schon damals Sperges in informierten Kreisen als Vertreter des Staats­kanzlers betrachtete, geht daraus hervor, dass Sonnenfels eine Denkschrift an Sperges sandte, in der es heißt: "Eurer Wohlgeboren gütigen Erlaubnis zufolge, nehme Ich mir die Freiheit, die Verrichtungen zu welchen ich mich durch das übernommene Sekretariat ver­pflichtet glaube, anzumerken." Es folgt dann eine Aufzählung dieser Pflichten. "Ich glaube der Fürst werde nicht fordern, daß ich Kleinigkeiten .. unter meine Verrichtungen nehmen soll." A. d. A., 1768, fol. 48.

16)   Vgl. Haslinger, a.a.O.

17)   "Le Generose Flnezze che Ella Sig. Barone ha avuta la Bonta dl usarmi nell tempo dl mia dimora In Vlenna, ml fanno sperare che Ella voglia gradire questo pocciolo atto di mia sincera et affettuosa servitu”, Maron an Sperges, 18. November 1772, H. H. Sta., Rom Varia, Fasz. 57.

18)   "Suplico V. S. Illma. di voler guardare come effetto diverace ammirazlone de suoi lumi e Conoscenze nelle arti, che la liberta presami dl farla ascrivere alla nostra Accada­mia, senza prima dimandargliene il  permesso", Maron an Sperges, 6. März 1773, ebd.

19)    "Ich hatte immer gewünscht, daß bey der Vereinigung der Kunstschulen jede einen oder zween gute Meister als Professores überkäme, auch Schmutzer und Domanek nur für solche betrachtet und beybehalten würden. Zur Direktion des Ganzen aber war mein Wunsch auf die Auswahl eines großen Meisters, den man nicht hier zu suchen hätte, ge­richtet. … Euer Fürstliche Gnaden hatten auch diesen Plan gutgeheißen. Allein die von Ihro Majt. überschnellte Benennung zweyer neuen Direktoren hat gemacht, daß auch Schmutzer und Domanek, die es schon vorher waren, in dieser Eigenschaft gelaßen, und den übrigen beygesellt werden mußten: folglich blieb der wahre Direktor, der das Ganze übersehen sollte, und Mann dazu wäre, gar aus.“ Sperges an Kaunitz, s. d., A. d. A., 1784, fol. 10.

20)   Er verfasste unter anderen e.h. die Protektoratsdekrete an die Direktoren der einzelnen Akademien über die Vereinigung (2. Oktober 1772), und die Ernennung von Kaunitz zum Protektor; A. d. A., 1772, fol. 86 ff.

21)   Sperges an Kaunitz, s. d., A. d. A., 1773, fol. 34 .

22)   Kaunitz an Spergea, 11. März 1773, A. d. A.

23)   "Wenn im Übrigen Euer Fürstl. Gnaden zum Aufsatze der künftigen Protektoratsvor­träge an Ihro Majt., wie jetzt der Fall für den Zeichnungsanatomle-Professor, und den Akademie Portier seyn wird, und also in anderen, sich meiner bedienen, und das gnädige Zutrauen mir noch ferners bezeigen wollen, gewärtige Ich jederzeit mit Vergnügen den gnädigen Befehl dazu." Sperges an Kaunitz, A. d. A., 1773, fol. 34.

24)   Joseph von Kaunitz an den Protektor, A. d. A., 14. Dezember 1773.

25)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 20. Dezember 1773.

26)   Friedrich Justus Riedel war 1772 von Kaunitz dazu nach Wien berufen worden, wurde aber von Maria Theresia abgelehnt, da sein moralischer Lebenswandel bezweifelt wurde. Vgl. Lützow Carl, Geschichte der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, Wien 1877, p. 149 ff.

27)    Sperges an Kaunitz, 20. Dezember 1773, A. d. A.; und ebd. 1774, fol. 7.

28)   "Der Entwurf ist vortrefflich, und werden Euer Hochwohlgeboren mir eine Gefälligkeit erzeigen, wenn dieselben solchen ausfertigen und mir zur Unterschrift zuzuschicken be­lieben wollen." A. d. A., 1774, fol. 5.

29)   Vgl.: Hörtnagl Hans, Baugeschichtliches über die Triumphpforte In Innsbruck, In: Tiroler Heimatblätter IV (1926), p. 241 ff.

30)    "Die Papierrolle des H. Sterzinger enthaltet 12 Paare Abdrücke der Ehren- und Trauerpforte zu Innsbruck, welche ich, als ihr Uhrheber, und der den Entwurf der Ver­besserung angegeben hatte, in Kupfer stechen lassen. Die zwo kindischen Kronen, welche der Bildhauer Moll auf die zwo vorderen Säulen gesetzt hat, sind in dem Kupferstich mit Bedacht weggelassen, auch sonst einige Kleinigkeiten verändert; Ich bin auch mit dem ganzen Werke nicht vollkommen zufrieden." Sperges Joseph, Briefe an den Bruder Abt Norbert von Spergs O. Praem. v. Wilten, Stiftsarchiv Wilten, 13. März 1779.

31)    "Vorgestern bin ich wegen des neuen Hofburgsaales zu Innsbruck, welchen Ihro Majestät auf meine schon vor einem Jahr gemachte Vorstellung malen zu lassen sich entschlossen hat, mit dem hiesigen Frescomaler Maulpetsch überein gekommen, indem er sowohl als Herr Präsident wegen des Gedankens und der Verzierungsart von Ihro Majestät an mich gewisen worden ist." Sperges, Briefe an Laicharding, a. a. 0., 7. Jänner 1775, p. 34.

32)   Am 25. I. 1775; Vgl.: Garas Klara, Franz Anton Maulbertsch, Graz 1980, p. 110; das Deckengemälde in Innsbruck ist dort eingehend und erschöpfend behandelt und alle wichtigen Quellen sind ediert.

33)    „Überbringer dieses ist Herr Anton Maulpertsch, hiesiger Maler, aus Schwaben ge­bürtig und mein Collega, indem er Rath der Akademie der Bildenden Künste allhier ist. Er wird die Decke des neuen Saales der Hofburg zu Innsbruck in drey Abteilungen aus­malen und, wie ich ganz gewiß hoffe, sowohl demselben als seiner Kunst Ehre machen. Nur von dem mittleren Plafond hat er hier den Entwurf verfertigt: er verspricht in seiner Ausführung viel und verdient, daß Euer Wohlgeborn ihn sehen. Hier hat derselbe sehr gefallen: nur das eine weiße Pferd an dem Triumphwagen leidet eine Ausstellung, die je­der Kutscher machen kann. Der Maler wird den Fehler verbessern und noch einige Klei­nigkeiten nach meiner schon gemachten Erinnerung verändern … Ich nehme an dem gan­zen aus gewissen Ursachen einen besonderen Antheil. Die beiden Seiten-Plafonds werden die Landesattribute vorstellen. Das übrige wird Architektur sein. H. Maulpertsch ist ein bescheidener, ehrlicher und lieber Mann, ganz anders als ein Moll geartet.". Sperges an Laichardlng, a. a. 0., 1. Mal 1775; zitiert nach: Gritsch Johanna, Die Restaurierung des Riesensaales in der Hofburg zu Innsbruck, österr. Zeitschr. für Denkmalspflege III (1949), p.69 ff.

34)   Sperges' Programm ist leider nicht erhalten, nur eine detaillierte „Historische Er­klärung" der Allegorien durch de Luca aus dem Jahre 1782, ediert bei Garas, a. a. O., LXI, S. 254.

35)   Vgl. Sperges, a. a. 0., p. 183 ff.

36)   Vgl.: Die beiden Gedenktafeln im Vestibül des Stiftes Wilten, In: Lentze Hans, Studia Wiltinensia, Innsbruck 1964, p. 194 ff.

37)   Vgl.: Die Entstehung der Wiltener Gemäldesammlung, ebd. p. 198 ff .

38)   Sperges an Kaunitz, 23. November 1775, A. d. A., 1775, fol. 66.

39)   Sperges an Kaunitz, 30. November 1776, A. d. A .

40)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 6. Juli 1777.

41)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 10. September 1778 und 28. März 1780, Kaunitz an Hrzan (Konzept von Sperges), ebd., 28. März 1780.

42)   Sperges an Maria Theresia, e. h. Vortrag, A. d. A., 15. März 1777. Resolution der Kaiserin: „… habe niemals Ihme als cammer mahler gedacht zu nehmen vielleicht ge­glaubt in der accademie nutz sein kunte".

43)   A. d. A., 1777, fol. 7 ff.

44)   A. d. A., 2. Juli 1777.

45)    Sperges an Kaunitz, A. d. A., 30. Juli 1777: “Il Sig. Statthalter ha replicato col qui ingiunto Biglietto all V. A. pretendendo, che lo Schmutzer, come gli altri academici, tuttoche dlpendenti dal Protettorato in Kunstsachen, sono pero soggetti immediatimente alla Reggenza nelle cose, che risguardano la Polizla publica, o sia Handhabung der Sitt­lichkeit: questa frase sola mi pare sufficiente a conoscere, che sia I'autore o minutante di detta Risposta, come pure del primo Decreto." Kaunitz antwortete in einer Randbe­merkung: “Io trova a tal segno sofistica la risposta di quel B. J. Sonnenfels, che per mancanza del tempo, che mi ci vorebbe per poterla oggi analizare mi riserbo a farlo un altro giorno; Denn dem Schurken will ich nichts schuldig bleiben."

46)   Sperges an Kaunitz, 23. Dezember 1778, A. d. A .

47)   … ha avuto gia da 5 annl il titolo piu che l'eserclzio d'Aggiunto al S. Sonnenfels Secretario dell'Academla, giacche I'uno come l'altro hanno fatto poco o nulla". Sperges an Kaunitz, A. d. A., 10. September 1778.

48)    La contlnuazione d'un Aggiunto pare poi quasi necessaria, perche il Sig. Sonnen­fels come Secretario, non fa nulla per l'Academia fuorl de' Protocolli delle poche Radunanze, credendo giustificata questa inazione dalle altre sue occupazioni per la Cattedra, e il Consiglierato presso la Regenza", ebd.

49)   Wlnckelmanns Werke, hrsg. v. C. L. Fernow, 1. Bd., Dresden 1808, p. XXXVII.

50)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 1776, fol. 51, s. d.

51)   A. d. A., Ratsprotokoll vom 19. Mai 1780.

52)   Vgl. oben.

53)   Sperges an Krafft, A. d. A., 1778, fol. 39.

54)   A. d. A., 1778, fol. 38.

55)   Entschließung Kaunitz', A. d. A., 1779, fol. 17 f.

56)   Sperges an Kaunitz, 3. Mal 1780, A. d. A .

57)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 23. Jänner und 16. Februar 1781, sowie ebd., Rats­protokolle, 7. Februar 1781.

58)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 23. Oktober 1781.

59)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 13. März 1782.

60)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 5. August 1783.

61)   Ebd.

62)   Welnkopf Anton, Beschreibung der K. K. Akademie der bildenden Künste In Wien, Wien 1783 (bzw. 1790), neu hrsg. Wien 1875.

63)   Deren Inschriften sollten lauten: „JOSEPHUS II. AUG.“; Revers: „ACADEMIA / ARTIUM VINDOB. / MERENTIBUS / MDCCLXXXIIII". A. d. A., Ratsprotokolle, 30. August 1783. "

64)   Kaunitz an Sperges, A. d. A., 21. Dezember 1782.

65)   A. d. A., 16. April 1782.

66)   Sperges an Kaunllz, A. d. A., 27. Juli 1784.

67)   Im Februar 1790 wurden z. B. aus diesen Mitteln die Zeichnungen und Kupferstiche Schmutzers für die AkademIe erworben. Kaunitz entschied das dlesbezügliche Gutachten Sperges': „… so bewillige ich die ganze Summe von 1010 f1. auf den geheimen Fond der bildenden Künste.· A. d. A., 15. Februar 1790.

68)   „Der Erstere (Füger) hat Genie und malerischen Geist nebst der Kunstsprache: der Andere (Maurer) außerordentlichen Fleis: beyde scheinen mir Im Stande zu seyn, neben dem Unterrichte von dem Kolorit auch eine praktische Anleitung im Komponiren und in der Haltung zu geben", Sperges an Kaunitz, A. d. A., 3. September 1764.

69)   Joseph II. an Kaunitz, A. d. A., 21. April 1765.

70)   A. d. A., 18. Mai 1765.

71)   Die Inschriften sind sowohl bel Sperges, Centurla, a. a. 0., p. 320 ff. als auch bel Lützow, a. a. 0., p. 73 f. ediert, letzterer gibt jedoch keinen Verfasser an.

72)   Sperges an Kaunilz, A. d. A., 17. November 1785; zu Sperges' Anstellungsvorschlag bemerkte Kaunitz über Lampi:: „A la bonne heure, denn Ich weiß doch keinen beßeren; allein nach dem Charakter dieses Menschens, welcher von sich selbst eine sehr über­triebene Meinung heget, ist unumgänglich nöthlg, demselben in meInem Namen Im Vertrauen zu erinnern, daß Ich diese Schwachheiten an ihm bemerkt hätte und dahero mehrere Modestle wünschte; und daß er noch sehr weit von dem Punkte entfernt seye in welchem man Arroganz nachsehen könne". A. d. A., 28. August 1786.

73)   Sperges an Kaunitz, 20. und 28. Dezember 1786.

74)   A. d. A., 10. April 1786.

75)   A. d. A., 6. Mai 1786.

76)   A. d. A., 13. August 1788.

77)   Sperges an Kaunitz, A. d. A., 13. August 1788 und Kaunitz an Sperges, ebd., 19. Au­gust 1788 .

78)   In dem von Weinkopf verfassten Manuskript des Katalogs dieser Ausstellung liegen e. h. Anweisungen Sperges', z. B.: „Die Landschaft des H. Rosa ist weg zu lassen, und dafür hinein zu setzen: Hektor, wie er den in seine Helene zu sehr verliebten Bruder Paria zum Streite aufmuntert von Mauerer". A. d. A., 1790, fol. 143.

79)   Sperges an Kaunilz, A. d. A., 13. August 1788.

80)    Den Hinweis auf dieses Gemälde sowie Rat und Hilfe bei der Bearbeitung des­selben verdanke ich Dr. Hans Aurenhammer.

81)   Vgl. Anm. 35.

82)   Vgl.: Rlpa Cesare, lconologla, 3. Bd., Padova 1624, S. 712: ,,11 mondo sotto I piè, denota, che ella e superiore a tutte le cose del mondo, & dl loro più pretiosa, anzi che e cosa divlna, onde Menandro In Nannls dice, che la Verltà e cittadina de Clelo, & che gode solo stare tra Dei." Ihre weiteren Attribute - die Sonne In der rechten Hand, das offene Buch und den Palmzweig In der linken - hat Maulpertsch wohl aus künstle­rischen Erwägungen weggelassen.

83)   Weinkopf, a. a. 0., p. 59 .

84)   Vgl.:Garas, a. a. 0., p. 152.

85)   Vgl.: A. Pigler, Neid und Unwissenheit als Widersacher der Kunst (= Acta Historiae Artium, I, Budapest 1954, p. 215 ff.)

86)   "Gehorsamste Auskunft" von Anton Weinkopf, A. d. A., 25. Mal 1793 .

87)   Burg Hermann, Der Bildhauer Franz Anton Zauner und seine Zelt, Wien 1915, S. 23.