Wer den Ritus der Kirchweihe wachen Sinnes verfolgt, wird etwas Merkwürdiges erkennne. Die Liturgie behandelt den Kirchenbau wie einen Menschen. Sie tut alles an ihm, was an einem Menschen geschehen muß, damit er Christ werde.
Maria ist das Urbild der Kirche.
Alles, was von ihr gilt, kann man auch von der Kirche sagen und alles, was die Kirche ist, das gilt auch von Maria. Das heißt, daß die Kirche nicht nur Organisation ist, sondern lebendiger Organismus, ein Geheimnis, das weiter reicht als wir, das Beheimatung gibt.
Jesus hat zwar nie angeordnet, baut Kirchen, Pfarrzentren und Kindergärten, aber er ist in den Tempel gegangen zum Gebet und hat in den Synagogen gelehrt und hat schließlich im "Obergemach" das Pascha, die 1. Eucharistie, die heutige hl. Messe gefeiert.Jesus will mit verzehrendem Eifer den "Tempel seines Leibes" aufrichten. Nach seinem Tod ("reißt diesen Tempel nieder") und seiner Auferstehung ("nach 3 Tagen werde ich ihn wieder aufrichten") tritt er an die Stelle des Tempels von Jerusalem. Er macht die Getauften zu einem "heiligen Tempel", zu einer lebendigen Kirche. Mit leidenschaftlichem Eifer reinigt und heiligt er sie. Der heilige Pfarrer von Ars hat seine alte kleine Kirche vergrößert und zur Ehre Gottes "ganz schön und kostbar" gemacht. Seit 15 Jahren war auch unser Ziel die verrußte und unansehnlich gewordene Kirche mit ihrem modrigem Geruch von morschen Holz und Mauerwerk in einen hellen, sauberen Raum zu verwandeln. Alle Generationen haben an "ihrer" Pfarrkirche verschönert, dazugebaut, Kunstwerke eingefügt.
Bevor im Jahre 1993 ein
Architektenwettbewerb
ausgeschrieben wurde, mußte von der Pfarre statistisches Material über Zuwachs der Bevölkerung und Anzahl der Sitzplätz in der Kirche dem Herrn Generalvikar zur Verfügung gestellt werden. Auf Grund dieser Angaben wurde entschieden die Kirche von 130 vorhandenen Sitzplätze auf ca. 280 Sitzplätze zu erweitern. Von 4 eingesandten Modellen wurde schließlich nach vielen Abänderungen von der Pfarrbevölkerung für das Modell des Wiener Architekten Mag. Georg Bachmayr-Hayda entschieden. Das Ringen um eine bestmögliche Lösung dauerte auch während der Bauzeit an und ist auch bei der Einweihung noch sichtbar, daß bezüglich Säulen oder Pfeiler noch kein endgültiges Wort gesprochen ist.
Wichtig war vor allem, auch symbolisch zu sehen, die Enge der kleinen Dorfkirche in die Weite einer Stadtpfarrkirche bzw. Weltkirche, zu führen. Das Aufbrechen der Wände zeigt auch ein wenig an, daß die Kirche nach dem II. Vatik. Konzil im Aufbruch ist, und uns in ein hoffnungsvolles 3. Jahrtausend führen wird.
Bei unserer Kirchenrenovierung faszinierte mich, mit welch großer Sorgfalt Denkmalschützer, Kunsthistoriker, Architekten und Archäologen immer wieder nach der ursprünglichen Form und Absicht der Erbauer gefragt haben.
Unsere Kirche ist ein deutliches Zeichen für die Zusage Jesu: "Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens." Die Renovierung des Bauwerkes Kirche dient dazu, daß die Menschen hier und jetzt die Einladung Jesu, "kommt alle zu mir, die ihr euch müht und plagt, ich will euch erquicken" an einem würdigen Ort erleben und sich versammeln könne.
Bereits von den ersten Christengemeinden heißt es: "Sie trafen sich in den Häusern, sie hielten fest an der Lehre der Apostel". (Wortgottesdienst). Sie hielten fest am Brechen des Brotes" (Eucharistie). Sie hielten fest am Gebet und an der Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam." (Caritas) Apg 2,42.
Kein Christ ist auf Dauer privat für sich allein Christ.
Christen sind der Leib Christi
mit seinen vielen Gliedern, und Christus ist das Haupt dieses Leibes. Dies wird in unserer Kirche besonders deutlich in den liturgischen Zeichen:
Priestersitz (Haupt Christi) Ambo (Christus spricht zu uns) Altar (Das Herz Christi - Hingabe seines Lebens) Taufbecken (Die Kirche ist unsere Mutter, sie gebiert uns zum ewigen Leben.)
Mit unseren Kräften und Begabungen dürfen wir in vielfältiger Weise mitwirken, daß das "Reich Gottes" zu uns kommt. Im Sakrament der Taufe und der Firmung wurden wir durch Jesus Christus geweiht und gestärkt (Gemeinsames Priestertum).
Ein kräftiges und herzliches Vergelts Gott sage ich allen, die mit Gebet und Spenden bei der Renovierung geholfen haben. Tun Sie es bitte weiter, damit wir immer mehr zum Bau der Kirche aus lebendigen Steinen werden. Vergelts Gott auch allen, die mit Hirn, Herz und Hand das Werk gelingen haben lassen.
In der Freude auf die Einweihung der Kirche lade ich Sie herzlich ein, zu kommen und die Kirche neu in Besitz zu nehmen.
Ihr Pfarrer