Pfarrkirche St. Martin in Wien - Siebenhirten
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Innenansicht der Pfarrkirche St. Martin in Wien - Siebenhirten


5. Sonntag „B“‑ Zu Mk 1,29‑39

Viele schreiben ein Tagebuch, in das sie den Tagesablauf notieren und ihre geistigen Erfahrungen festhalten. Was würde im Tagebuch Jesu stehen, Als er so etwas verfasst hätte? In seinem Tagebuch könnte stehen: Teilnahme am Synagogengottesdienst am Sabbat. Krankenbesuch bei der Schwiegermutter des Simon und Heilung vom Fieber. Mittagsmahl im Haus des Simon und Andreas - Sabbatruhe. Zeit für Einzelgespräche und Pflege persönlicher Kontakte. In der Kühle des Abends große und lange Sprechstunde für alle Kranken und Besessenen in Kafarnaum. „Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt.“ Ich konnte viele Menschen heilen und ihnen Heil bringen.

„Ein Tag im Leben Jesu“, so könnten wir diesen Abschnitt des Evangeliums überschreiben. Eine 35-Stunden-Woche scheint er nicht gehabt zu haben: Wenn ich das Evangelium richtig lese, war Jesus Tag und Nacht auf den Beinen. Bei dem Andrang, von dem im Evangelium die Rede ist, wird das wohl bis spät in die Nacht hinein gedauert haben. Und dann, am Morgen, ging es gleich wieder „in die Vollen“: predigen, heilen, weiterreisen. Viele kennen das auch von sich selbst: Arbeit, Arbeit, Arbeit...!

Allerdings, da ist etwas ganz Entscheidendes zwischen Arbeit und Arbeit, zwischen dem späten Abend und dem nächsten Morgen: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten“ (Mk 1,35). Zwischen Arbeit und Stress eine Zeit der Stille und des Gebetes. Ohne diese Zeit mit Gott allein hätte Jesus nachher nicht die Kraft gehabt, ganz bei den Menschen zu sein. Und umgekehrt: Wie will ein Mensch, der sich ganz auf seine Mitmenschen einlässt und gerade für diejenigen ein offenes Ohr hat, die von Leid und Not gebeugt sind, wie will ein solcher Mensch seine Erfahrungen verkraften, wenn er sie nicht in der Stille des Gebetes in die Hände Gottes zurückgibt?

Beides gehört zusammen, das Beten und das Arbeiten. Mein Arbeiten braucht das Beten, sonst ist es in Gefahr, zur sinnlosen, öden Schufterei zu verkommen. Und umgekehrt: Mein Beten braucht das Arbeiten, sonst ist es in Gefahr, nichts mehr mit den konkreten Dingen meines Lebens zu tun zu haben. Die Arbeit erdet das Beten, und das Beten zeigt dem Arbeiter: Auch du hast etwas mit dem Himmel zu tun. Schon die alten Mönche wussten das. Vom hl. Benedikt stammt der Grundsatz: Ora et labora, bete und arbeite! Nicht nur: Bete! Nicht nur: Arbeite! Nein, beides: Bete und arbeite!

Sieht so mein Alltag aus? Kennt er beides? Die Arbeit sicherlich, aber wie ist es mit dem Gebet? „Ich bete, wenn ich aufwache, und abends im Bett bete ich auch“, sagen viele. Das ist schon eine ganze Menge, gewiss, aber: Was ist zwischendrin, zwischen sechs Uhr früh und zehn Uhr abends? Gerade da braucht mein Arbeiten die Ergänzung durch mein Beten. Es muss ja nicht lange sein: Ein kurzer Gedanke an Gott, ein Bittruf, ein Dankeswort. Früher nannte man das „Stoßgebete“. Für uns heute sind solche Ausdrücke eher Fremdwörter. Aber Jesus heilt durch Nähe. Er ist nicht nur der Heiler, er ist auch die beste Medizin. Heilung und Heil geschehen, wenn wir ihm trauen und unser Leben ihm im Glauben übergeben, verbunden mit einem Herzensgebet: „Heile, was verwundet ist“.

Mitten in einer arbeitsreichen Zeit heißt es von Jesus: Er ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Das war der Grund, warum sein Tun nicht ins Leere lief. Unser Mühen und Arbeiten hat es nicht verdient, ins Leere zu laufen. Darum: Bete und arbeite, arbeite und bete!

Predigt von Pfarrer Dr. Tadeusz Pyzdek

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