Der
Rückgang des Höhleneises und seine Interpretation
Die Eisuntersuchungen in den verschiedenen Höhlen
ergaben überwiegend - jedoch nicht immer - Abnahmen der Eismassen in
den Höhlen. Die aktuellen Messungen bestätigen die empirischen
Beobachtungen der Höhlenforscher. Die Abnahme betrifft sowohl erschlossene,
als auch unerschlossene Höhlen. Der Rückgang dürfte daher
auf die gegenwärtigen klimatischen Gegebenheiten zurückzuführen
sein und ist - seit 1993 intensiver gemessen - in den meisten Profilen signifikant.
Dennoch ist dies offensichtlich
nicht überzubewerten: Mit Hilfe alter Postkartenansichten - etwa aus
der Zeit um 1920 - erkennt man, daß z.B. im Tristandom der Eisstand
über der Eiskapelle (Dachstein - Rieseneishöhle) etwa demjenigen
von 1998 entsprochen hat. Man muß also offenbar auch mit mittelfristigen
Schwankungen rechnen !
Im Gegensatz dazu nimmt das Temperaturmittel in
den eisfreien, wenig bewetterten Höhlenteilen der Dachstein-Rieseneishöhle
jedoch nicht zu. Dies scheint ein Hinweis darauf zu sein, daß
die Eisabnahme keine Folge einer mittelfristigen Erwärmung, sondern einer
allgemeinen klimatischen Umstellung im Alpenraum sein dürfte.
In der Hundalm-Eishöhle
(Tirol) scheint hingegen der Eisbestand "gesichert", da das arithmetische
Mittel und der Median der Lufttemperaturen im Eisteil deutlich unter 0°C
(im Gegensatz etwa zur Eiskaleppe in der Dachstein-Rieseneishöhe) liegt.
Im neuen, eisfreien Teil der Hundalm-Eishöhle liegt die druchschnittliche
Lufttemperatur knapp über 3°C und entspricht so ungefähr der
durchschnittlichen Außenluft-Temperatur. Die Höhle ist allerdings
durch die nahezu statische Bewetterung a priori weniger durch exogene Einflüsse
gefährdet.
Ein Zusammenhang mit den touristischen
Höhlenbesuchen ist jedenfalls nicht nachzuweisen, da auch in den auch
von den "reinen" Höhlenforschern auch nur äußerst selten
begangenen Eisteilen der Dachstein-Mammuthöhle seit Beginn der Messungen
vor 5 Jahren ein signifikanter, ja dramatischer Eisrückgang festgestellt
werden konnte !
Zum
Alter des Höhleneises alpiner Eishöhlen
Wie in anderen Eishöhlen interessiert auch
hier das maximale Alter der tiefsten Abschnitte des Höhleneises. Wurde
seinerzeit in der Dachstein-Rieseneishöhle ein maximales Eisalter -
aufgrund der im Eis vorhandenen Pollen - auf rund 600 Jahre geschätzt,
so ergaben Datierungen von Latschenästen aus der Eisgruben-Eishöhle
im Sarstein (OÖ) im Auftrag der Höhlenabteilung ein maximales Alter
der Eisbasis von rund 5000 Jahren. Die nunmehr datierten Holzreste aus der
Hundalm-Eishöhle in den Brandenberger Alpen (Tirol) ergaben ein Alter
von ca. 1400 Jahren, das basisnahe Eis dürfte demnach im Frühmittelalter
entstanden sein. Versuche das Eis direkt zu datieren (C-14, H-3) scheiterten
an Kontaminationen (bei H-3) bzw. Problemen bei den zugrundeliegenden Modellvorstellungen
(C-14).
Die Suche nach datierbarem Material im Eis
ist mühsam, dennoch rechtfertigen die Ergebnisse den Aufwand der Suche
nach dem immer noch möglichen "missing link" zu dem zweifelsohne ehemals
vorhandenen pleistozänen Höhleneis.
In der Dachstein-Mammuthöhle
konnten im Sommer 1999 endlich schwarze Einschlüsse aus dem Höhleneis
(Humuseinschwemmungen ?) geborgen werden. Die C-14 Datierung ergab ein Alter
des organischen Materials von rund 600 Jahren. Daß heißt, daß
die (Wieder)Eisbildung im Feenpalast frühestens im 14. Jahrhundert
begonnen hat. In diesem Zeitraum gab es in den Alpen die sogenannte "Kleine
Eiszeit". Es zeigt also, daß es immer schon massive Schwankungen im
Eisstand der alpinen Eishöhlen gegeben haben muß und der momentane
Rückgang in vielen Eishöhlen im Hinblick auf die zweifelsohne vorhandene
"industrielle" Aufheizung der Amtosphäre mit großer Vorsicht interpretiert
werden muß !
An der selben Stelle in der
Mammuthöhle - heute freilich rund 5-6 m über der damaligen Eisoberkante
ist seit Beginn der Messungen vor rund 7 Jahren ein konstanter Eisrückgang
(im Durchschnitt um 20 cm pro Jahr) festzustellen. Aus den Höhlenplänen
früherer Jahre ist zu entnehmen, daß dieser Trend bereits länger
anhält.
2001 konnte eine weitere Probe
eines organischen Restes - rund 2 m über der bereits datierten Probe
- entnommen werden. Das Ergebnis überrascht: es liegt kein statistisch
gesicherter Altersunterschied vor. Möglicherweise ist der Rest von der
Eisbasis nur ein abgeschwemmter Anteil. Dies würde das Alter der Basalanteile
des Eises geringfügig (um einige Jahrzehnte) erhöhen.
In den Jahren 2002 bis
2007 konnte durchgehend ein Rückgang des Eises in den meisten Höhlenteilen
der Eis- und der Mammuthöhle festgestellt werden.