PROJEKT  "JOSEFISTOLLEN"
(Friesach/Kärnten)


Josefistollen - (neuzeitlicher) Hauptgang

Im Zuge der Forschungen in künstlichen Hohlräumen wurde vor allem der "Josefistollen" bei Friesach untersucht, der neben seiner bergbautechnisch - historischen Bedeutung auch als touristisches Besuchsobjekt für die Region interessant wäre und auch in Zukunft ein Zentrum der Speläotherapie in Österreich werden könnte und sollte. Es handelt sich bei dem Stollen um einen mittelalterlichen Silberbergbau, der in der Neuzeit vor allem im Hinblick auf Eisen reaktiviert wurde und trotz seiner (bisher ermittelten) Länge von fast 1 km nur ein kleiner Teil des fast emmenthalerartig durchlöcherten Reviers am Minachberg ist.

Ähnlich wie im Stollenambulatorium von Zlate Hory (Tschechien)...
könnte es auch im Josefistollen eines Tages aussehen !

Die Höhlenabteilung führt neben Vermessungsarbeiten vor allem ausgedehnte höhlenklimatische Messungen - in enger, erfolgreicher Zusammenarbeit mit dem Montanhistorischen Verein für Kärnten bzw. dem Grubenbesitzer - durch. In diesem Objekt sind neben der leichten Erreichbarkeit und  Begehbarkeit vor allem die in den einzelnen Stollenabschnitten sehr verschiedenen höhlenklimatischen Parameter hervorzuheben, die eine differenziertere Anwendung der Speläotherapie ermöglichen. Testversuche für Radon (künstliche Anreicherung bzw. Pump- und Wiederanstiegstests) sind in Vorbereitung. Sie sollen den Mechanismus der Radonbildung und seinen Zusammenhang mit dem Trennflächengfüge und der Wetterführung abklären helfen. Die dort beobachteten Winter/Sommer-Variationen des Radongehaltes an bestimmten, gar nicht übermäßig bewetterten Stellen um fast den Faktor 100 läßt diese Untersuchungen besonders interessant erscheinen.



Es gibt allerdings Hinweise, daß auch Schaubergwerke massiv Probleme in der Folge der Kitzsteinhorn-Katastrophe infolge fast hysterischer Reaktionen "zuständiger" Stellen bekommen. Leider wird dabei übersehen, daß es viel kritischere Bereiche mit weitaus mickrigeren Fluchtmöglichkeiten gibt, dies fängt bei U-Bahn Tunnels an und reicht bis hin zu Unterführungen in städtischen Bereichen oder etwa auf Flughäfen (die möglichen Beispiele wären bei Bedarf hier - endlos - anzuhängen)

Bergrechtlich abgesicherte Arbeitsbesuche sind dort zur Zeit daher nur den Mitgliedern des Montanhistorischen Vereins für Kärnten möglich
(Info dazu: Dir. Klaus Herzog, Tel. 0676-551 7080 oder  e-mail: klaus.herzog@chello.at)



Die laufenden Arbeiten (Stand September 2002) beschäftigen sich vor allem mit der künstlichen Anreicherung von Radon (und, in zweiter Linie, auch CO2) in den leicht zugänglichen Bereichen durch kontrolliertes Abpumpen aus den Abschnitten mit hohen Radongehalten. Die ersten Ergebnisse sind hinsichtlich einer speläotherapeutischen Nutzung durchaus als positiv zu bewerten.

Die Radonwerte in den leicht zugänglichen, für die Therapie geeigneten Bereichen konnten bei den Tests im Herbst 2002 konnten auf diese Weise bei der gegebenen Versuchsgeometrie mindestens auf das vierfache des Ausgangswertes gesteigert werden, die CO2-Werte zeigten einen Anstieg um rund 50 %.

Messungen der Stollenluft

Spannend wird auch noch die laufende C14-Datierung des organischen - braunan - Anteils der Tropfsteinbasis, da dadurch Hinweise auf das Mindestalter der mittelalterlichen Abschnitte des Bergbaues erhalten werden können.

Stalagmit aus dem mittelalterlichen Teil des Josefistollens

Diese Untersuchungen erbrachten zwar interessante Ergebnisse hinsichtlich der Mobilität und des Alters organischer Stoffe im Boden und im Kluftraum, jedoch nicht das gewünschte Altersdatum: der erhaltene Wert von ca. 32 000 kann gar nicht stimmen - jedenfalls nicht für das Tropfsteinalter. Es wird nun eine Altersbestimmung mittels U/Th-Methoden ins Auge gefaßt.
 

Sinterbildungen im mittelalterlichen Teil des Stollens

Auch der Josefistollen wird im Winter gelegentlich von Fledermäusen besucht (die die erhöhten Radongehalte - wie auch anderswo - offenbar ohne größere Probleme überstehen)

eine "Kleine Hufeisennase" im Josefistollen in der Winterruhe
 

Die aus derzeitiger Sicht durchaus sinnvolle Nutzung des Josefistollens als weitere Stätte der Speläotherapie in Österreich hängt nun einerseits an den amtlichen Verfahren (der derzeitig laufenden Heilvorkommenserklärung sowie den bergrechtlichen Verhandlungen), andererseits aber fraglos an entsprechenden finanzkräftigen Interessenten. Die bisherigen sehr umfangreichen Erschließungsarbeiten wurden ausschließlich aus Eigenmittel der Mitarbeiter des Vereines, vor allem seines  Obmannes Klaus Herzog durchgeführt.
Die Höhlenabteilung konnte die höhlenklimatisch - geospeläologischen Untersuchungen im "Stollenlabor Josefistollen" in ihr Höhlenklima-Forschungsprogramm aufnehmen, wobei die vorhandene Infrastruktur und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Betreiber diese Arbeiten ganz wesentlich erleichterten.


LITERATUR

Eine umfassende bergbauhistorische Abhandlung

"Der Bergbau am Gaisberg im Burgfried Friesach"
Die Josephigrube. Ein Silber- und Eisenbergwerk am Gaisberg

von Klaus Hennings ist im Eigenverlag des Montanhistorischen Vereines für Kärnten erschienen
(144 Seiten mit Karten und Tabellen)
(Preis: 28 Euro, Porto (Österreich: 2,50, Ausland: 5,00)

Info/Bestellungen bei  klaus.herzog@chello.at