In unserem Fall betrifft dieses Forschungsgebiet fast ausschließlich "Karst-Quelltuffe", also jene "exogenen" Sinterbildungen, die gelegentlich im Bereich von Karstquellen zu finden sind.
Geothermale Quellabsätze sind wohl gelegentlich ebenfalls Gegensstand von Untersuchungen (vor allem im Zusammenhang mit dem jungen Forschungsbereich "Geothermalkarst"), werden aber hier nicht weiter angeführt.
(Karst)Quelltuffe entstehen an Quellaustritten durch den zumeist durch Pflanzen (v.a. Moose) bedingten CO2-Entzug aus dem Wasser, wodurch das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht gestört wird und Calciumcarbonat ausfällt. Häufig sind die Ablagerungen unscheinbar und nur für das etwas geübtere Auge zu erkennen, es gibt jedoch einige Beispiele aus den österreichischen Alpen, wo diese Vorkommen durchaus spektakulär sind und lohnende Ausflugsziele darstellen.
Die wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem in der Eigenschaft als "Datenspeicher" vor allem für die Zeit nach dem Eiszeitalter (bedingt durch die Weichheit dieser Sedimente dürften praktisch alle früheren Quelltuffvorkommen die Erosionsvorgänge im Pleistozän nicht "überlebt" haben). Es sind dies einerseits pflanzliche und tierische Reste (Blattreste, Schnecken etc.) andererseits physikalisch-chemische "Marker", die einerseits die altersmäßige Einstufung erlauben (z.B. über C14-Bestimmungen), andererseits klimatisch-ökologische Hinweise liefern (stabile Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen)
Ein gemeinsames Projekt der
Abteilung und des Verbandes österreichischer Höhlenforscher
wurde im Rahmen des "Wasserleben-Fonds" im Jahr 2004 mit einem
Anerkennungspreis bedacht.
Derzeit wird an einer kleinen
Datenbank unter Heranziehung eigener Beobachtungen und Untersuchungen
sowie publizierter Daten gearbeitet. An ausgewählten Vorkommen
werden weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden.
Hinweise
auf derartige Vorkommen werden gerne entgegengenommen. Auch eine
Mitarbeit am Projekt ist durchaus möglich.

Wer das Phänomen kennenlernen
will (und eher im Großraum Wien wohnt), dem sei der Besuch
des "Naturdenkmals Kalksinterader" bei
Waldegg im Piestingtal
nahegelegt.
Hier findet sich am Abhang des
Kressenberges knapp SW des Ortes ein hangparalleler Weg mit dem
"Augustinbrunnen" und dem auffallenden Sinterwall (ein etwas
verfallener Steig führt neben dem Wall bis zur Quelle) oberhalb.
Bitte jegliche Veränderungen
unterlassen, das merkwürdige Objekt steht verständlicherweise
unter Naturschutz !

Zumeist wird man im Gelände freilich eher auf "konventionelle"
Sinterbäche wie diesen im Seebachtal südlich von Hohenberg
(NÖ) treffen.
An Sommertagen werden aus diesem Bach pro Sekunde bis zu 100 mg Kalk abgeschieden.
Die grünen Überzüge
der Steine im Bach sind hauptsächlich Moose, die "Steine" selbst
bestehen ebenfalls aus Moosen, die aber bereits gänzlich von Kalk
umkrustet sind.
In unmittelbarer Nachbarschaft des
Baches befindet sich ein großer Tuffsteinbruch, der Anfang der
90er-Jahre bereits Ziel umfangreicher Untersuchungen (gemeinsam mit
Volkmar Stingl und Peter Krois von der Universität
Innsbruck) war.