UNTERSUCHUNGEN  IN  SCHAUHÖHLEN

LAMPENFLORA - die Welt der grünen Pflanzen in der lichtlosen Unterwelt
Höhlenbesuchern in Schauhöhlen fallen häufig "Vergrünungen", ja mitunter ein durchaus veritabler Farnbewuchs im Umfeld der Beleuchtungseinrichtungen auf. Mitunter mögen diese unerwarteten botanischen Zeitgenossen durchaus erfreulich wirken in der sonst häufig recht  leblos scheinenden Unterwelt. Dem Höhlenbetreuer - und auch dem Karstforscher - sind sie eher ein Dorn im Auge, da diese Neuankömmlinge nicht nur de faco eben "unnatürlich" sind, sondern auch zu einer echten Plage werden können. Gegenmaßnahmen beschränkten sich früher auf extrem aufwendiges mechanisches Entfernen (mit teilweisen Beschädigungen des Untergrundes) bzw. auf chemische Maßnahmen, die oft ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen aufwiesen.
Die Höhlenabteilung untersucht derzeit am Beispiel der kleinen, jedoch sehenswerten "Allander Tropfsteinhöhle" - der Wien am nächsten gelegenen Schauhöhle im Ausflugsbereich der Großstadt - jene Parameter, die für die "Lampenflora" maßgebend sind. Es sind dies in erster Linie die Lufttemperaturen und ihre jahreszeitlichen Änderungen, die Luftfeuchte und deren chemische Zusammensetzung, der Kohlendioxidgehalt der Höhlenluft und auch die Brenndauer der Lampen und deren spektrale Eigenschaften.
Unter anderem soll untersucht werden, wie und warum photosynthetisierende Pflanzen den langen lichtlosen Winter verhältnismäßig unbeschadet überstehen können.
Neben anderen Maßnahmen wird auch untersucht, wieweit spezielle Lampen mit ganz bestimmter spektraler Zusammensetzung (die für die Chlorophyllsynthese ungünstig ist) zur Anwendung gelangen können.

Eine kleine vergrünte Fläche in einem (beleuchteten) Seitenkolk wurde im Herbst vollständig vom Bewuchs befreit. Ungefähr im April - noch vor der Höhlenklimainversion - soll diese Stelle genau untersucht werden, um allfällige Änderungen bzw. einen "Neubefall" zu dokumentieren. Wenngleich jener im Sommerhalbjahr ungleich wahrscheinlicher ist, so erscheint auch die Frühjahrsbeprobung infolge des winterlich eniedrigten CO2 in der Höhle ratsam.

Wie zu erwarten war: über den Winter (und einige Führungstage, die vor unserem Besuch lagen) kam es zu keinerlei Neubildung eines Algenüberzuges - im Frühwinter 2001 zeigten sich allersdings die ersten Spuren der Wiederbesiedelung der Flächen durch Algen vom Rande her.
 

Weitere Untersuchungen in Schauhöhlen finden sich in den Abschnitten über Höhleneis, Radon und Speläotherapie (siehe dort)