An dieser Stelle werden Interessensgebiete und naturwissenschaftliche Tätigkeiten von Abteilungsmitarbeitern kurz vorgestellt, die größtenteils kaum etwas mit "Höhlenforschung" zu tun haben. Wir denken aber, daß in einer Zeit der totalen Spezialisierung nur durch die (Neben)beschäftigung mit scheinbar diametralen Dingen der Gefahr der Scheuklappenwissenschaft entgegengewirkt werden kann - auch wenn dies zwangsläufig vollkommen in der Freizeit erfolgen muß.
Kiwi - Beobachtungen in Neuseeland
Im Jahre 1994 nahmen zwei
Mitarbeiter der Abteilung an einem Kiwi-Forschungsprogramm auf der neuseeländischen
Südinsel teil, und zwar im Bereich des Fjordland-Nationalparkes, wo
über die Kiwi-Population so gut wie gar nichts bekannt war. Die 10
Tage dauernden Beobachtungen dieses flugunfähigen Vogels - im neuseeländischen
Winter - wurde mittels eines ehemaligen mittelgroßen, modernen Fischkutters
unter der Leitung des durch eine "Universum" - Dokumentation bekannten
Kiwi-Forschers Dr. John McLennan durchgeführt. Teilnehmer waren außer
uns beiden nur neuseeländische Freiwillige.
Es gelangen etliche
Nachweise
von eher verstreuten Kiwi-Populationen, die Dichte ist naturgemäß
geringer als in den klassischen Kiwi-Gebieten der Nordinsel. Im
Anschluß daran konnten die beiden österreichischen Teilnehmer beim
Radiotracking von Kiwis unter der Leitung von Dr. McLennan in
abgelegenen und unbewohnten Abschnitten des Lake Onepoto auf der
Nordinsel teilnehmen. Ein eigenwilliger, männlicher Kiwi, der ein
fremdes, verlassenes Ei versuchte auszubrüten, wurde bei dieser
Gelegenheit von den neuseeländischen Forschern auf den Namen
"Rudi" getauft.....
Platypus - Monitoring in Australien
1997 konnte an einem Platypus-Monitoring
auf der australischen Steward-Insel, durchgeführt von der "Australian
Platypus Conservancy" in Zusammenarbeit mit dem lokalen National Park Service
teilgenommen werden. Über das Schnabeltier auf dieser Insel war bislang
nicht allzuviel bekannt. Hier wurden im Verlaufe von 14 Tagen abends Fangvorrichtungen
in verschiedenen Bächen installiert und während der Nachtstunden
mehrmals kontrolliert. Gefangene Tiere wurden im Labor abgewogen, untersucht
und Mikrochips (im Fettgewebe -> schmerzlos) implantiert. Damit sollen
in Zukunft die Wanderwege der Tiere nachvollzogen werden können.
Der Bestand an Individuen
auf Steward Island kann zur Zeit als zufriedenstellend bezeichnet werden.
Anläßlich des Besuches konnten auch einige recht sinterreiche Meereshöhlen in pleistozänen (!) Karbonaten dokumentiert werden.
"Fluß zum Vergessen" - Dokumentation der Tisza (Theiss)
Seit 1989 befahren Mitarbeiter der Abteilung fast jedes Jahr Ungarns zweitgrößten Fluß und dokumentieren die mittels Fotos diese großartige Aulandschaft, die trotz der Theiss-Regulierung im 19 Jahrhundert einen recht urtümlichen Eindruck - mit einer überaus reichhaltigen Vogelwelt - macht.
Vor drei Jahren gingen Katastrophenmeldungen durch die Medien, als ein Damm eines metallverarbeitenden Beztriebes in Nordwest-Rumänien infolge bodenloser, krimineller Leichtsinnigkeit brach und cyanid- und schwermetallhältige Abwässer nahezu alles Leben im und am Hauptzubringer der Theiss vernichteten. In der Folge wurde der gesamte Theiss-Unterlauf von der Katastrophe erfaßt, die durch extreme Hochwässer eine weitere Katastrophe infolge der Ausbringung des nunmehr schwermetallhältigen Schlammes auf die umgebenden Felder verstärkt wurde.
Die unmittelbaren - und niemals geahndeten - Devastierungen waren zwar äußerst übel, doch konnte heuer (2003) festgestellt werden, daß die nicht kontaminierten Zubringer (v.a. der Tisza Oberlauf aus der Ukraine sowie der Körös) zwischenzeitlich für eine beachtliche Wiederbesiedelung durch Fische und andere Flußbewohner (z.B. Flußschildkröten) gesorgt haben.