Speläotherapie
ist eine vor allem in Mittel- und Osteuropa weit verbreitete
Behandlungsmöglichkeit
vor allem für
Erkrankungen
des Atmungstraktes sowie für rheumatische Erkrankungen.
In Österreich gibt
es derzeit 3 ständige Speläotherapiestationen, die alle in
Stollen
bzw. alten
Bergbauen loziert sind
(Badgastein, Oberzeiring, Bad Bleiberg). Eine weitere (Bernstein) ist
in
Vorbereitung.
Auf der anderen Seite
sind in Österreich derzeit über 13 000 Höhlen bekannt,
in
einigen wenigen (Koppenbrüllerhöhle, Schwarzenbachloch)
erfolgen
versuchsweise speläotherapeutische Behandungen unter
ärztlicher
Anleitung.
Diese Tests ergaben
durchaus positive Aspekte, die eine Fortführung bzw. eine
Ausweitung
als zweckmäßig erscheinen lassen. Eine kurze Zusammenfassung
der bisherigen Untersuchungen in der Koppenbrüllerhöhle -
einer
leicht zu erreichenden Schauhöhle bei Obertraun (OÖ) mit
einer
durchschnittlichen, sehr wenig schwankenden Temperatur von rund
7-8°C
- zeigte:
* subjektive Besserungen sind fast immer zu verzeichnen, meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach Betreten der Höhle, nach einstündigem Aufenthalt persistierten diese 4 - 6 Stunden nach Verlassen der Höhle, wobei eine treppenförmige Verlängerung der Beschwerdefreiheit zu beobachten war, wenn die Höhle mehrmals besucht wurdeObgleich grobe Schätzungen ergeben, daß einige Höhlen als Speläotherapiestationen und vermutlich einige Dutzend als “Speläotherapiepunkte” geeignet wären, fehlen bislang kompilierte Datenbanken über die meisten Höhlen, aus denen interessierte Ärzte die speläotherapeutisch wichtigen Parameter entnehmen könnten. Zur Zeit liegen freilich bereits eine Unzahl von Einzelmessungen, Datenserien und auch spezielle Datenbanken sowie medizinische Daten vor. Die Ergebnisse wurden verschiedentlich präsentiert - in der jüngeren Vergangenheit bei der Speläotherapietagung auf dem Dachstein, beim GeoMedicine Seminar an der Geologischen Bundesanstalt in Wien, beim Internationalen Symposium für Speläotherapie in Zlate Hory, Cz (alle 1999) sowie beim 20. Workshop "Lunge-Umwelt-Arbeitsmedizin" in Linz (März 2000) sowie beim Internationalen Symposion für Speläotherapie in Aggtelek, Ungarn (Herbst 2001).* besonders gut sprechen inhalative Allergien an, gefolgt von Asthma bronchiale, chronischer Bronchitits, Infektanfälligkeit und manifesten respiratorischen Infekten (mögliche weitere Indikationen wären chronische Sinusitiden, das sinubronchiale Syndrom, bestimmte Depressionsformen u.a.)
* die Peak-Flow Messung durch die Patienten selbst erwies sich als nur teilweise zielführend, die Wahrscheinlichkeit von Handhabungsfehlern ist recht hoch, hier erscheint zumindest zu
Beginn der Therapie eine fachkundige Begleitung unumgänglich
* Basisdaten zur HöhleEs ist zu hoffen, daß diese Daten vermehrt Verwendung bei interessierten Ärzten finden werden. Vielfach wird der Erfolg der kostengünstigen und unproblematischen Methode aber von der Kenntnisnahme und Akzeptanz der Krankenversicherungsanstalten und der gesundheitspolitisch Verantwortlichen abhängen...
* Geologischer Rahmen
* Administrative Daten
* Temperaturmessungen (Einzel und Serien)
* Luftfeuchte (absolut, relativ)
* CO2-Gehalt
* Luftbewegung
* Radongehalte
* Gammastrahlung (Relativwert zu Außen)
* Keimgehalte der Luft
* Staub (i.V.)
* Aerosol (Chemismus)
* Tropfwässer (Chemie)
Dem Vernehmen nach hat auch in der Hermannshöhle, der größten Schauhöhle in Niederösterreich bald ein speläotherapeutischer Probebetrieb begonnen. Auch hier scheint es sich um eine Einzelinitiative des lokalen praktischen Arztes zu handeln ! Nach mündlichen Angaben dürfen die ersten Ergebnisse sehr ermutigend sein
Zur Zeit befindet sich Zeitungsberichten zufolge eine Station in Bergwerkstollen im Raume Schwaz (Tirol) in Vorbereitung.
Die Höhlenabteilung führt gegenwärtig Messungen in einem Stollen im Gebiet von Friesach (Kärnten) durch, der nach den ersten Ergebnissen ebenfalls für die Speläotherapie geeignet erscheint. In diesem Objekt sind neben der leichten Erreichbarkeit und Begehbarkeit vor allem die in den einzelnen Stollenabschnitten sehr verschiedenen höhlenklimatischen Parameter hervorzuheben, die eine differenziertere Anwendung der Speläotherapie ermöglichen
Leider gibt es Gerüchte, daß - neben den Schaubergwerken - auch Heilstollen massiv Probleme im Zuge der Kitzsteinhorn-Katastrophe infolge fast hysterischer Reaktionen "zuständiger" Stellen bekamen. Leider wird dabei übersehen, daß es viel kritischere Bereiche mit weitaus mickrigeren Fluchtmöglichkeiten gibt, dies fängt bei U-Bahn Tunnel an und reicht bis hin zu Unterführungen in städtischen Bereichen oder etwa auf Flughäfen (die möglichen Beispiele wären bei Bedarf hier - endlos - anzuhängen)
Zusammen mit der ARGE-Speläotherapie des Höhlenvereins Hallstatt-Obertraun (Dr. Bengesser) wurde beschlossen, in der nächsten Zeit die Höhlenklimadaten der Koppenbrüllerhöhle zu kompilieren und die verschiedenen Optionen für diese (sehr geeignete) Höhle auszuarbeiten.
Im heurigen Jahr
wurden
die bisherigen Ergebnisse der Speläotherapie sowie die laufenden
Untersuchungen
unter anderem beim 3. Symposion zur Geschichte der Erdwissenschaften in
Österreich (Hallstatt, 27.-29.9.2001) sowie beim 12.
Internationalen
Symposion für Speläotherapie in Aggtelek (Ungarn) mittels
Poster
und Vorträge vorgestellt.
Keimfreiheit
der Höhlenluft ?
Die oft zitiere Keimfreiheit der
Höhlenluft
ist - zumindest zeitweise - mit Vorsicht zu betrachten:
Bei Messungen in der
Koppenbrüllerhöhle
(Oberösterreich) zeigte sich bisher zumeist wohl eine
deutlich geringere Belastung mit
kolonieformenden
Mikroorganismen (die allerdings lediglich die
Bezeichnung "keimarm" rechtfertigte), bei
Regenwetter war aber die Belastung der Außenluft
zeitweise sogar geringer.
Diese Beobachtung soll aber den Wert der
Höhlen
als Therapiestätte keinesfalls schmälern,
zeigt allerdings die Notwendigkeit einer
umfassenden,
zeitlich- räumlichen Untersuchung.
Diese wird von der Höhlenabteilung aus
diesem Grunde gegenwärtig vorbereitet.
Tests an der
Höhlenwand
(in der Dachstein-Mammuthöhle) ergaben im Führungsbereich eine
Keimdichte von rund
100 Keimen pro cm2. Daneben waren auch Blaualgen festzustellen, denen
offensichtlich
das geringe, relativ kurzzeitige Licht der Höhlenbeleuchtung
für
die Photosynthese reicht !
Es erscheint
bezeichnend,
daß nach den vorliegenden (noch wenigen) Ergebnissen, die
Höhlenluft
recht konstante Werte zeigt, wogegen die Außenluft zwischen
nahezu
Null (Keime/m3) und dem vielfachen der Höhlenluft schwankt.
Weitere Untersuchungen
zeigten, daß in manchen Höhlen - offensichtlich durch
eingeschwemmtes
oder durch den Menschen eingebrachtes Holz (z.B. in Schauhöhlen) -
gelegentlich erhöhte Gehalte an Pilzsporen in der Höhlenluft
zu finden sind (obgleich derzeit noch die Untersuchungen von den
Nährböden
her eher auf Bakterien ausgerichtet sind). Auf der anderen Seite sind
die
Bakteriengehalte z.B. in der Allander Tropfsteinhöhle an den
Wänden
höher als an den Holzeinbauten.
Wenngleich die oft geringen Unterschiede zur Außenluft etwas "enttäuschend" erscheinen mögen - in Relation zu den Wohnräumen (mit reichlich Schimmelpilzsporen u.a. !) sind die Keimgehalte in den Höhlen in der Tat extrem niedrig.
Eine
neue Option für die Speläotherapie ?
Eine neue
Möglichkeit
für die Speläotherapie könnte sich im Josefistollen bei
Friesach auftun. Derzeit ist neben den ausgedehnten stollenklimatischen
Messungen auch die Erklärung zum Heilvorkommen im Gange, da sich
die
Klimaparameter als geeignet für die Speläotherapie erwiesen
haben.
Dabei sind einerseits Erkrankungen der Atemwege eine Indikation,
andererseits
aber auch jene Fälle des rheumatischen Formenkreises von
Interesse,
wo der Besuch des Böcksteiner Heilstollens aufgrund der hohen
Temperatur
nicht ratsam erscheint (im Josefistollen liegt die Temperatur bei
8-9°C).
Nachdem Tests gezeigt haben, daß die Anreicherung von Radon auch
in den sehr leicht zugänglichen, ausgebauten Stollenteilen
möglich
ist, könnte der Josefistollen eine sinnvolle Ergänzung
(keinesfalls eine Konkurrenz) zu den bestehenden
Speläotherapieeinrichtungen
in Österreich werden. Eine speläoklimatische Expertise
der Höhlenabteilung sowie ein medizinisches Gutachten (Prof.
Deetjen) liegt vor.
Es sieht momentan (Beginn 2005) so aus, als ob die Realisierung in
nächster Zeit stattfinden könnte.
Im Rahmen des Verbandes bzw. seiner
Mitgliedsvereine
arbeiten derzeit die ARGE-Speläotherapie im
Zweigverein Hallstatt-Obertraun des Landesvereines für
Höhlenkunde
in OÖ sowie die
Karst- und höhlenkundliche
Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien
an medizinischen
und naturwissenschaftlichen Grundlagenstudien zu diesem Thema.
Kontaktadressen
| medizinische Fragen | naturwissenschaftliche Fragen |
| Dr. Rudolf Bengesser | Ing.Dr.Rudolf Pavuza |
| ARGE Speläotherapie | Karst- und höhlenkundliche Abteilung NHM-Wien |
| Obersee 36 | Museumsplatz 1/10/1 |
| 4822 Bad Goisern | 1070 Wien |