Donnerstag, Jänner 19, 2006

Erschwerung der Extinktion durch bloß partielle Verstärkung

Man vergegenwärtige sich einmal folgende Situation: Zwei Menschen stehen vor einem Automaten. Der eine benötigt eine Schachtel Zigaretten; aber er bemüht sich vergeblich. Der Automat gibt die gewünschte Ware nicht frei. Der enttäuschte Kunde steckt daraufhin keine weitere Münze in die Verkaufsmaschine und wendet sich ab. Der zweite Mensch steht vor einem Glücksspielautomaten. Auch er hat noch keinen Gewinn erhalten. Trotzdem fährt er fort, eine Münze nach der anderen in den Automaten zu stecken. Weshalb verhalten sich die beiden Personen in den genannten Situationen so unterschiedlich?
Für Skinner lautet die Antwort, dass die Freigabe der Verstärker bei den Automaten verschiedenartig verläuft. Eine Verkaufsmaschine gibt ihre Ware normalerweise nach jedem ausreichenden Münzeinwurf frei. Ein Spielautomat schüttet die Gewinne dagegen nur gelegentlich aus, und es lässt sich nicht vorhersagen, wann dies der Fall sein wird. Man spricht in einem solchen Fall von einer partiellen Verstärkung.
Partielle Verstärkungen kommen in vielen Situationen des alltäglichen Lebens vor. Eine Mutter kann nicht zu jeder Verhaltensweise ihres Kindes Stellung nehmen; sie tut es statt dessen gelegentlich. Auch ein Schüler darf nicht damit rechnen, nach)* eder Wortmeldung vom Lehrer aufgerufen zu werden. Kaum ein Angler würde wohl die übliche Ausdauer zeigen, wenn er nicht zeitweilig dadurch eine Verstärkung erhalten würde, dass ein Fisch anbeißt. Es waren bestimmte Umstände, die Skinner auf die Idee brachten, seine Tiere nur noch partiell zu verstärken. Sein Vorrat an Futterpillen war zur Neige gegangen, und deshalb entschied er sich, nicht mehr jede Verhaltensweise seiner Tiere zu verstärken (Skinner, 1956). Dabei machte er eine bedeutsame Entdeckung. Er stellte nämlich fest, dass Verhaltensweisen, die zuvor partiell verstärkt worden sind, nur sehr schwer durch Löschung oder Extinktion wieder abgebaut werden können. Damit findet auch das unterschiedliche Verhalten der erwähnten Automatenbenutzer eine Erklärung. Der Kunde einer Verkaufsmaschine erwartet aufgrund früherer Erfahrungen nach jedem Geldeinwurf eine Warenausgabe. Ihr Ausbleiben bringt die Verhaltensweise an diesem besonderen Automaten deshalb sehr schnell zur Extinktion. Ein Glücksspieler hingegen ist bei früheren Gelegenheiten partiell verstärkt worden. Folglich setzt er trotz ausbleibender Gewinne den Münzeinwurf fort. Zu beachten ist aber, dass eine operante Verhaltensweise durch den konsequenten Entzug von Verstärkerreizen nicht völlig gelöscht wird. Nach einer erfolgten Extinktion zeigt eine operante Verhaltensweise lediglich jene Auftretenshäufigkeit, die vor der ständigen oder partiellen Verstärkung bestanden hat.

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