Donnerstag, Jänner 11, 2007

Wie Medien sich ins Beziehungsleben einklinken

Mit der zunehmenden medialen Durchdringung des Alltags werden auch die Beziehungsnetze der Menschen komplexer und neue Beziehungspartnerinnen und -partner treten auf den Plan. Dieses neue Thema für die Kommunikationswissenschaft und die Medienpädagogik ist wie so oft zunächst einmal von Besorgnis geprägt: Manche der raren Untersuchungen konstatieren, dass Beziehungsnetze brüchiger werden, andere befürchten eine Substitution menschlicher Beziehungspartner durch maschinell generierte. Wieder andere beschäftigen sich mit der Frage, ob parasoziale Gegenüber überhaupt richtige Beziehungspartner sind oder ob sich hier eine Virtualisierung von Menschsein abzeichnet.

Die Mediengesellschaft verändert nicht nur Kommunikationsumgebungen und -praktiken, sie tangiert auch das Beziehungsleben der Menschen:
• Medien beeinflussen Beziehungen, indem sie z. B. dazu bestimmte Vorstellungen, Bilder und Ideale vermitteln.
• Medien gestalten Beziehungen mit, denn schon mit der Wahl der Kommunikationsform wird ein bestimmter Rahmen gesetzt. So macht es z. B. einen Unterschied, ob man sich über Chat, ICQ oder E-Mail austauscht.
• Medien konstituieren neue Formen von Beziehungen, insbesondere dann, wenn z. B. mit virtuellen Charakteren interagiert wird oder wenn Beziehungen online gestiftet und gelebt werden.

Seit die digitalen Medien immer weiter in Kultur und Gesellschaft vordringen, lässt sich die Frage nach der Bedeutung von Medien für das Beziehungsleben von Menschen nicht mehr allein im Hinblick auf Massenmedien und ihr Angebot an parasozialen Beziehungen betrachten. Hinzu kommen Medien wie Handy und Chat oder Computerspiele, die durch die mit ihnen möglichen Kommunikationsformen auch neue Akzente in den Beziehungsformen setzen, in parasozialen zu Medienfiguren, in sozialen zu Menschen, mit denen man über Medien kommuniziert, in pseudosozialen zu softwaregestützten Figuren wie Lara Croft, Tamagotchis oder anderen künstlichen, nur scheinbar sozialen Akteuren.

merzWissenschaft bietet ein Forum, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Medienpädagogik zu fördern und die theoretische Fundierung der Disziplin weiterzutreiben. Dabei sollen auch Forschungen im Ausland einbezogen werden. Zugleich möchte merzWissenschaft mit benachbarten Disziplinen Debatten über medienbezogene Perspektiven anregen. merzWissenschaft erscheint einmal jährlich, jeweils als letztes merz-Heft des Jahres. Für das Jahr 2007 lädt merzWissenschaft zur Einreichung von Beiträgen ein, die im oben skizzierten Themenkomplex verortet sind.

Kriterien
Erwünscht sind Beiträge, die
• empirisch oder theoretisch fundiert sind,
• neue Aspekte oder Zugänge zum Thema aufzeigen und
• bisher unveröffentlicht sind.

Interessierte Autorinnen und Autoren werden gebeten, bis zum 26. Februar 2007 ein Abstract (max. 4000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bei merz einzureichen. Im Falle der Annahme der Abstracts durch die merzWissenschaftsredaktion stehen ca. 14 Wochen für das Verfassen der Beiträge (max. 30.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) zur Verfügung. Abgabe der Artikel ist der 25. Juni 2007. Die eingereichten Beiträge werden anschließend in anonymisierter Form einem Peer Review Verfahren unterzogen. Erscheinungstermin für merzWissenschaft ist Ende 2007.

Termine im Überblick
26. Februar 2007: Abgabe der Abstracts
19. März 2007: Entscheidung über die Annahme bzw. Ablehnung von Beiträgen
25. Juni 2007: Abgabe der Beiträge
02. Juli bis 7. September 2007: Begutachtungsphase
August/September 2007: ggf. Überarbeitung
01. Oktober 2007: endgültige Abgabe

merzRedaktion, Pfälzer-Wald-Str. 64, D - 81539 München, merz@jff.de
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Susanne Eggert, Fon +49.89.68989-120

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