Der heilige Märtyrer P L A C I D U S, Stadtpatron von Retz.    

Placidus entstammte einer uralten römischen Adelsfamilie, war also von edler Geburt und nicht nur reich an irdischen Schätzen und Besitztümern, sondern mehr noch an edlem Charakter und an hervorragenden Tugenden. Er war ein tapferer Krieger des heidnischen Kaisers Diokletian, eine Zierde des kaiserlichen Hofes und des römischen Adels. Beim Kaiser stand  er in hohem Ansehen und war auch beim Volke beliebt.

Schließlich stellte Placidus über alle kaiserliche Gunst und über alle weltlichen Ehren die Kreuzesfahne Jesu Christi. Er bekannte sich öffentlich als Christ. Diokletian versuchte anfänglich, ihn vom Christentum abzubringen, indem er ihm ein Leben in höchsten Ehren und Würden verhieß, wenn er wieder den römischen Göttern opfere. Er schilderte ihm "mit Wollust die Peinen und Martern und den schimpflichen Tod", wenn er im christlichen Glauben verharren würde.

Placidus blieb aber standhaft, obwohl er nun erfahren musste, wie aus dem kaiserlichen Freund ein grausamer Tyrann geworden war. Die lange unmenschliche Kerkerhaft ertrug er in echt christlicher Geduld. Nicht Hunger, nicht Durst, nicht die ausgesuchtesten Martern konnten ihn von Christus und seiner Lehre trennen. Als der Kaiser einsah, dass alle Lockungen und auch alle Drohungen auf Placidus keinen Eindruck machten, sondern ihn noch mehr im christlichen Glauben bestärkten, befahl er den Tod durch das Schwert. Freudig ging er  für Christus in den Tod. Seine christlichen Brüder bestatteten den durch das Martyrium geheiligten Leib, das Blut, das er für Christus  vergossen hatte, und auch die blutgetränkte Erde in der Callistus-Katakombe zu Rom.

Als Papst Clemens X. nach 1670 Jahren den Leib des Märtyrers Placidus erheben ließ, weil er ihn der um Kirche und Christentum sehr verdienten römischen Matrone Katharina Constantia Nobili zum Geschenk machte, entdeckte man nach Angaben von Zeugen, dass das Lichtlein, das ihm beigegeben war, noch brannte.

Gott wollte dadurch die Heiligkeit seines Blutzeugen bestätigen.

Katharina Nobili hatte den hochberühmten Dominikaner P. Raimund Ortz zum Beichtvater. P. Ortz war in Retz in den Dominikanerorden aufgenommen worden und hatte diesem, seinem Mutterkloster, zeitlebens treue Anhänglichkeit bewahrt. Obwohl er Assistent des Ordensgenerals war, ferner Provinzial über die ganze deutsche Ordensprovinz und mit vielen hohen geistlichen Würden ausgezeichnet wurde, erbat er sich als letzte Gunst, in Retz sterben zu dürfen.

Gott rief ihn im Jahre 1700 zu sich. Katharina Nobili schenkte diesem, ihrem Beichtvater, in Dankbarkeit die Reliquien des hl. Placidus im Jahre 1693. P. Ortz ließ die Gebeine des hl. Märtyrers Placidus nach Retz bringen.

Als zwei Priester im Jahre 1695 die hl. Reliquien nach Retz brachten, erlosch in Rohrendorf bei Pulkau, durch welchen Ort sie den Weg nahmen, augenblicklich die Pest, welche schon viele Opfer gefordert hatte. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges kamen die Rohrendorfer alljährlich zum Danke  für die Befreiung von der Pest am Feste des hl. Placidus in feierlicher Prozession nach Retz. Für die kostbaren Gebeine des hl. Blutzeugen Placidus war in der Retzer Dominikanerkirche ein eigener Altar errichtet worden, auf dem am 2. Oktober 1695 die hl. Reliquien zur Verehrung erhoben wurden. Die Retzer waren allezeit gebefreudig und trugen mit reichen Spenden zur Renovierung  und zur würdigen Fassung der Reliquien durch die Nonnen von St. Laurenz in Wien bei. Weil auch Retz von der Pest befreit worden war, erhoben die Stadtväter den hl. Placidus im Jahre 1713 zum Stadtpatron.  

Die Stadtrichter Eberl und Guggenberger stifteten den schönen Glasschrein, der Buchdrucker Geißler brachte durch  Sammlung weitere Mittel zustande und die Clarissinnen von Znaim führten eine Neufassung durch. Seit dieser Zeit haben die Retzer ihren Stadtpatron stets in Ehren gehalten. An seinem Feste findet alljährlich ein Festgottesdienst statt, welcher von der Pfarrgeistlichkeit zelebriert wird.

Die Bewohner der Altstadt kommen nicht mehr wie einst in einer Prozession zur Dominikanerkirche, sie nehmen aber an der Verehrung des Heiligen zahlreich teil. Das Fest wird statt am ersten Sonntag im Mai, verschiedener Umstände halber, am zweiten Sonntag nach Pfingsten gefeiert.

 

Bitte für uns, o heiliger Placidus!
Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi!
Lasset uns beten!

Allmächtiger, ewiger Gott, der du dem heiligen Placidus die Kraft verliehen hast, seine Martern glorreich zu überstehen, gewähre uns durch seine Verdienste und mächtige Fürsprache die Gnade, dass wir vor Hunger, Krieg, Pest, Blitz, Hagel, Erdbeben und allen anderen Übeln der Seele und des Leibes bewahrt bleiben mögen.

Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

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