| Als dem Wettergott
einstmals allzuviel Beschwerden zu Ohren kamen, lud er alle seine Untergebenen zu sich, um
Gericht über sie zu halten. Es erschienen der launenhafte, neckische Wind und sein mißratener Bruder, der tobende, heulende Sturm; der trostlose Regen und sein kühler Verwandter, der eisige Schnee; der feuchtkalte Nebel und der gefährliche Hagel, und schließlich - mit einiger Verspätung, wie es sich für eine Dame geziemt - die strahlende Sonne in einem hübschen Wolkenmantel. "Ich eröffne die Versammlung", begann der Wettergott. "Als ersten wollen wir den Wind vernehmen." Der Wind säuselte: "Ich habe keine Schuld, wenn die Leute sich beschweren. Du weißt, lieber Wettergott, daß ich von Natur aus harmlos bin." "Nun gut", entschied der Wettergott, "dir will ich verzeihen; aber dein Bruder, der Sturm, von dem hört man ja schöne Sachen!" "Was kann ich dafür, daß ich ein grobschlachtiger Geselle bin ?!" fauchte der Sturm "Ich bin eben als Brausekopf zur Welt gekommen! Sollen mit die Leute aus dem Wege gehn, wenn ich meine bösen Tage habe!" Der Wettergott wies ihn mit einer Handbewegung zur Ruhe und wandte sich sodann an den Regen. "Aber dich schimpfen die Leute fast am meisten. Kannst du denn nicht ein wenig zurückhaltender sein ?" "Wie soll ich das ?" sprudelte es aus des Regens Mund. "Du weißt doch, daß ich es mit dem Wasser habe. Wasch ich nicht die Straßen rein, und brauchen die Pflanzen mich nicht ebenso nötig wie meine Konkurrentin, die eitle Sonne ?" "Werde nicht ausfällig !" tadelte der Wettergott. "Nun, gut, jetzt zu dir, meine lieber Schnee. Du tust in manchen Gegenden auch sehr oft des Guten zuviel." "Mein hermelinener Mantel wird mir eben oft zu schwer" verteidigte sich der Schnee sanft. "Was bleibt mir anderes übrig, als ihn abzuschütteln? Und fragt die Kinder, sie werden Euch sagen, wie willkommen ich ihnen bin!" "Ihr habt ja alle Ausreden zur Hand", seufzte der Wettergott. "Nun, Nebel, was ist mit dir ? Willst du mir auch erzählen, daß die Leute dich lieben ?" "Durchaus nicht", gab der Nebel mit belegter Stimme zur Antwort, "aber ich entstehe ja durch die Verdichtung von Wasserdampf, und an dem ist in erster Linie der Regen schuld." "Ich sehe, ihr wälzt jeder die Schuld auf den andern ab. Hagel, was hast du zu deiner Verteidigung vorzubringen ?" "Ich schließe mich den Worten meines Vorredners an. Auch ich bin ein Produkt von Wolken und Regen." "Nun zu dir, liebe Sonne", wandte sich der Wettergott freundlicher als zu allen anderen an Frau Sonne. "Etwas muß ich auch dich tadeln. Die Leute beschweren sich nämlich, daß du zu wenig scheinst." "Kann ich dafür, wenn alle anderen deiner Wettergehilfen mir ins Geschäft pfuschen ?" gab die Sonne hitzig zur Antwort. "Laß mich allein die ganze Arbeit verrichten, und die Leute werden zufrieden sein !" "Ich sehe schon", sagte der Wettergott nachdenklich, "wir kommen so zu keinem Ergebnis. Ich mache euch folgenden Vorschlag: Ich habe gerade einen neuen Monat in Arbeit. Da will ich euch versuchsweise einmal alle zugleich auf die Erde schicken. Jeder von euch soll da machen, was er will; und diesen Monat nennen wir - APRIL !" |
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