Geschichte der Villa Waldheim
- ursprünglich Lizzlhof
erforscht und zusammengestellt von Gerhard v. Stawa
(anlässlich der 100-Jahrfeier der Villa Waldheim am 26. Juni 1999)
Die Villa Waldheim wurde 1899 erbaut von Pauline von Wissiak
und wurde ursprünglich LIZZLHOF
genannt nach einer guten Freundin der Bauherrin Felicie Schürer von Waldheim,
geborene Freiin
von Alemann. So ist die Entstehungsgeschichte dieses
Hauses auch und vor allem die Geschichte
einer großen Freundschaft zwischen Pauline (Photo) und Lizzy, deren Mann
Max (Photo) und nach
1905, der Vierten im Bunde, Johanna Baronin Krauss. Und die Geschichte dieser
Freundschaft
begann im Kriegsjahr 1866 in Venedig.....
Die politischen Verhältnisse führten dort drei Persönlichkeiten
zusammen:
Konter-Admiral Julius Ritter von Wissiak, den Mann von Pauline, in seiner Funktion
als
Hafen-Admiral von Venedig, dann FZM Wilhelm Freiherrn von Alemann, Lizzy's Vater,
als
Festungskommandant und Militärgouverneur von Venedig und Sektionschef Baron
Krauss,
Johanna's Vater, als ersten diplomatischen Vertreter Österreichs im nunmehr
italienisch
gewordenen Venedig.


Obwohl das kaiserliche Österreich gegen Italien in der
Seeschlacht bei Lissa und zu Lande bei Custoza
siegreich geblieben war, musste es nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz
gegen Preußen,
Venetien räumen und an Italien übergeben. Als Hafen-Admiral fiel Wissiak
die traurige Aufgabe zu,
alles bewegliche Material der kaiserlichen Marine von Venedig nach Triest zu
schaffen und die
verbleibenden Einrichtungen an Vertreter des Königreichs Italien zu übergeben.
Er absolvierte
diese schwierige Aufgabe ohne Konflikte mit profunder Sachkenntnis und diplomatischem
Geschick
was sogar der Gegner anerkannte und ihm nach Abschluss der Aktionen das
Kommandeurkreuz des
italienischen Mauritius-Ordens verlieh.
1854 heiratete Wissiak Pauline Holler, der Tochter des Ministerial-Direktors
Georg Holler. 1867 wurde er
Kommandant der Marine-Akademie in Fiume, ein Jahr später Stellvertreter
Tegetthoffs als Chef
der Marine-Sektion im Kriegsministerium in Wien. 1870 trat er in den Ruhestand
und starb 1890,
72jährig in Arco.
Ein guter Freund von Wissiak war Feldzeugmeister Wilhelm Freiherrn
von Alemann. Er stammte
aus dem ungarischen Siebenbürgen und beendete seine
erfolgreiche militärische Laufbahn als
Stadt- und Festungsgouverneur von Venedig. Sieben Jahre residierte er in einem
Palazzo am
Campo San Stefano wo 1863 auch sein Tochter Felicie, genannt Lizzy, geboren
wurde. In der
Villa Waldheim erinnern auch heute noch ein venezianischer Spiegel, ein prächtiger
Glaslüster
und ein Ölgemälde des jungen Kaiser Franz Josef aus seinen Amtsräumen
in Venedig an ihn.
Der andere gute Freund von Wissiak und Dritte im Bunde war Sektionschef Rudolf
Baron
Krauss, der nach der Übergabe Venedigs an das Königreich Italien,
als erster diplomatischer
Vertreter des Kaiserreichs in Venedig quasi der Amtsnachfolger von Alemann.
Diese Begegnung führte zu einer engen Freundschaft der beiden Männer,
die auch nach
dem Tod Alemanns von den Töchtern der beiden, Lizzy und Johanna gepflegt
wurde.
Pauline v. Wissiak lebte nach dem Tod ihres Mannes in Wien.
Da ihr selbst Kinder versagt
blieben, schenkte sie ihre mütterliche Liebe der jungen, temperamentvollen
Lizzy Alemann,
die gerade ihre musikalische Ausbildung am Wiener Konservatorium beendet und
den
Naturwissenschaftler Dr. pharm. Max Schürer von Waldheim geheiratet hatte.
Man traf sich
immer häufiger in Wien und verbracht die Wintermonate gemeinsam im sonnigen
Arco nahe dem
Gardasee. Als Pauline sich entschloss, einen Teil ihres Geldes für
den Bau einer Villa für sich
und ihre Freunde anzulegen, folgte sie dem Rat der Waldheims, im idyllischen
Millstatt zu
bauen wo Onkel Rudolf Waldheim schon Häuser und Gründe besaß.
Ende der 90er Jahre
kaufte Pauline v. Wissiak ein Grundstück an der Mirnockstraße und
erteilte Maurermeister Franz
Isola den Auftrag dieses Hauses zu bauen deren Planung sie weitgehend mitgestimmt
hat.
So wurde das Haus nicht nur Witwensitz für Pauline sondern auch Wohnsitz
für ihre
Freunde Lizzy und Max und ein Ort der Begegnung mit Verwandten und Freunden
aus Wien.

Pauline v. Wissiak wollte ein großes Haus das ihren gesellschaftlichen
Ambitionen
genügen sollte. Sie empfand das idyllische Millstatt als idealen Ort, von
Frühjahr bis in
den Herbst die malerische Seenlandschaft im milden, sonnigen Klima genießen
zu können.
Und sie drängte den Baumeister mit den Arbeiten um noch vor der Jahrhundertwende
das
neue Heim beziehen zu können. Denn als am 26. Juni 1899 zur Einweihungsfeier
die
Versammelten die gefüllten Sektgläser klingen ließen, war die
Bauherrin schon 67 Jahre - für
damals ein beachtliches Alter um mit solchem Aufwand einen neuen Lebensabschnitt
zu
beginnen von dem man nur hoffen konnte, dass er noch gesunde Jahre bescheren
möge.
Und es waren ihr noch zwanzig Jahre in Frieden und Krieg beschieden in denen
sie ihren
Freunden immer wieder aufrichtige Beweise ihrer mütterlichen Zuneigung
gab. Bald wurde
sie nur mehr "Mama Auli" genannt, gegenüber Außenstehenden
jedoch war sie
"die Admiralin", wohl auch wegen ihrer tiefen, lauten Kommandostimme,
die auch in großer
Gesellschaft nicht zu überhören war. Nach dem Tod des Vaters im Jahre
1905, wurde
Johanna eingeladen, in den Lizzlhof zu übersiedeln. Sie teilte das Schicksal
der Lizzlhofer
über 35 Jahre bis zu ihrem Tod im August 1941.
Damals bewohnten die Bewohner dieses Hauses die Räume
im I. Stock, wo sich jetzt
die Gästezimmer befinden und ein Zimmer im II. Stock, wo sich damals nur
ein Schlafzimmer
befand. Das Haus hatte elektrisches Licht und Wasserklosetts. In der Halle im
I. Stock
stand schon damals der Bösendorfer Flügel, der von Lizzy und später
auch von Johanna
fast täglich gespielt wurde und bei musikalischen
Abenden im Mittelpunkt stand.
Und überall gab es Bücher: Geschichtliches, Musikalisches, Kunstbände
und
Reisebeschreibungen. In den Sommermonaten besuchten sie natürlich immer
wieder
Freunde und Bekannte. So kann man auch heute in einem der hinterbliebenen Gästebücher
die dankbare Wörter von Prof. Dr. Erwin Schrödinger (Nobelpreisträger
für Physik im Jahre 1933)
nachlesen, der hier mit seinen Eltern vom 10. August bis 15. September 1919
die sog.
"Sommerfrische" verbracht.
Die vielen Kachelöfen in den Zimmern (die sich teils auch
heute noch im Haus befinden),
die Arbeit in der Küche, in Haus und Garten besorgte das Hauspersonal.
Was an
Lebensmitteln die umwohnenden Bauern nicht ins Haus brachten wurde im Ort besorgt,
wo sich am Ende der Mirnockstraße am Oberen Marktplatz das Kaufhaus Johann
Fauner's
Neffe vermischte Waren aller Art (Photo) anbot.


Gästen zeigte man die architektonischen Kostbarkeiten im Bereich des Stiftes,
bummelte an der alten Linde vorbei zum "Grand Hotel Lindenhof" (Foto)
am
Promenadenweg, und weiter zum Kohlgries, dem heutigen Schillerstrand (Foto).
Höhepunkt
der sommerlichen Saison waren die Seefeste (Foto), die Einheimische und Gäste
in
phantasievollen Verkleidungen mit reich geschmückten Booten alle Jahre
zu einem
feuchtfröhlichen Erlebnis gestalteten. Mit dem Dampfboot "Margarethe"
fuhr man über den See
und promenierte damals wie heute von der "Villa Kantor", der späteren
"Schloss-Villa"
(gelegen auf der Überseite des Sees) auf schattigem Waldwege zur Jausenstation
in die
Laggerbucht. Kamen die Brüder von Max mit ihren Frauen aus Wien, wagte
man
sich im Lodenkostüm mit Steirerhut und Alpenstock (Foto) sogar auf die
Millstätter Alm wo seit dem Sommer 1908 eine erste Bretterhütte zur
Rast einlud.

Der Zusammenbruch der Monarchie und die Radikalisierung der politischen Zustände
war für alle eine seelische Belastung besonders aber für die alte
Pauline. So starb sie
im November 1921, in ihrem 90. Lebensjahr, im Beisein ihrer Freunde Lizzy, Max
und
Johanna. Eine Lokalzeitung kommentierte: '.....mit dieser edlen Offiziersfrau
ist ein Stück
Altösterreich zu Grabe getragen worden.'
Neben aller Not bescherte die Inflation noch den Verlust der Geldanlagen und
aller
Ersparnisse. Um ihre und die Existenz des Hauses zu sichern, entschlossen sie
sich
den Lizzlhof als Gästehaus zu öffnen. Lizzy und Johanna lernten im
Selbstunterricht kochen.
Auf der Wiese an der Westseite des Hauses (wo sich jetzt der Swimmingpool
befindet) wurde ein großer Gemüsegarten angelegt. Und schon im August
1923
konnte man in Wiener Zeitungen lesen 'Villa Lizzlhof in Millstatt Kärnten,
kleine
feine Familienpension für 6 bis 8 Personen, behagliche Wohnräume,
großer Garten, Hochquellenwasser, elektrisches Licht, Wasserklosetts,
Pensionspreis
für Zimmer und vier Mahlzeiten von Oktober bis Ende Juni pro Person und
Tag nur
70.000 Kronen.
Max arbeitete fleißig als korrespondierendes Mitglied pharmazeutisch-chemischer
Gesellschaften, besonders der Schweizer Gesellschaft, die seinen Artikel
am besten bezahlte. So gelang es den Dreien sich und den Lizzlhof durch ungewohnte
Arbeit und äußerste Sparsamkeit über die Jahre der Inflation,
der Weltwirtschaftskrise,
des Bürgerkriegs, der Arbeitslosigkeit und der 1000-Mark-Sperre durchzubringen.
Die politischen Veränderungen im Jahr 1938 brachten ein Ende der Arbeitslosigkeit
und der 1000-Mark-Sperre. Die Zahl der Sommergäste steigerte sich bis in
die
ersten Kriegsjahre hinein.
Nach dem plötzlichen Tod von Lizzy im Alter von 78 Jahren während
eines Kuraufenthaltes
in Arco, kehrten Max und Johanna nach Millstatt zurück. Da Max und Lizzy
selber
keine Kinder hatten, bat Max in Juni 1941 seine Nichte Louise v. Stawa , Apothekerin
in
Wörgl, den Besitz als Schenkung zu übernehmen in der Erwartung, dass
eines ihrer
vier Kinder die Villa als Gästehaus einmal weiterführen könnte.
Einige Monate später
starb Johanna und ein Jahr darauf auch Maxim Alter von 82 Jahren in Wörgl,
wo er
die letzten Monaten seines Lebens nach dem Tode von Johanna bei seiner Nichte
in
Wörgl gelebt hatte. Nach dem Tod war es ihnen nicht vergönnt in Millstatt
gemeinsam
ihre letzte Ruhe zu finden. Aber ein Erinnerungsgrabstein am alten Friedhof
bei der
Stiftskirche Millstatt ist auch heute noch vorhanden.
Im Frühjahr 1942 kam Louise v. Stawa mit Facharbeitern
in das Haus und verfügte einige
Veränderungen: die Küche wurde im Erdgeschoss verlegt, alle Ziimmer
im I. Stock wurden
als Gästezimmer - immer noch ohne Fließwasser - eingerichtet. Die
Mahlzeiten wurden als
table tot in der Halle im I. Stock angeboten. Der Gemüsegarten wurde vergrößert
und in
einer Hütte im Garten eine Schar Hühner einquartiert. Während
der Sommermonate 1942-46
wurde die Villa verpachtet. Im Herbst 1946 überantwortete Louise
Stawa den Lizzlhof als Schenkung ihrer Tochter Magda Mansbart, die mit ihrem
Mann Alfred,
der als Berufsoffizier nach dem II. Weltkrieg ohne Beschäftigung war, im
Juni 1947 das Haus
als PENSION WALDHEIM neu eröffnete. In den 50er Jahren ermöglichten
ERP-Kredite
wesentliche Erneuerungen durchzuführen: so wurden u.a. im Dachstuhl fünf
Mansardenzimmer
installiert und von einer neuen Halle aus zugänglich gemacht, in allen
Zimmern wurden
Waschbecken mit kaltem und warmen Fließwasser eingebaut. In einer zweiten
Bauphase
wurden die großen Zimmer mit Bad oder Dusche und WC ausgestattet. Statt
des
Gemüsegartens wurde ein Swimmingpool angelegt. Auf Grund der größeren
Bettenzahl
(über 30 Betten) wurde 1970 die alte Holzveranda mit Balkon
abgerissen und stattdessen eine größere Frühstücksveranda
angebaut. Seit 1984 erstrahlt
die Villa in einem neuen Kleid in den traditionellen Farben gelb, weiß
und dunkelgrün.
Nach 43 Jahren mühsamer aber doch erfolgreicher Betreuung des Sommersitzes
in Millstatt,
starb zuerst Magda im Alter von 66 Jahren im Jahre 1989 und in 1990 auch ihr
Mann Alfred
mit 79 Jahren. Sie hinterließen drei Kinder.
Im Jahre 1992 übernahm der ältere Sohn Alfred den Besitz. Er übersiedelte
mit seiner Frau
Karina und seinem damals 2-jährigen Sohn Maximilian von Bad Vöslau
nach Millstatt, wo
die Familie seither lebt. Auch diese beide bemühen sich mit persönlichem
Einsatz und
Engagement weiterhin Erneuerungen und Sanierungen im Haus durchzuführen.
So wurden
im II. Stock eine große Ferienwohnung ausgebaut, der Salon im Parterre
und einige Zimmer
saniert. Sie legen großen Wert darauf, die Villa in einem besonderen Ambiente,
zu seinen
Ursprüngen passend, einzurichten.
So präsentiert sich die Villa Waldheim nach 100 wechselvollen
Jahren des Wohlstands, der
wirtschaftlichen Not und des zweimaligen Neubeginns als Glied in einer Reihe
von Villen aus
der Zeit um die Jahrhundertwende, die das Ortsbild von Millstatt in so charakteristischer
Weise prägen.